Morgenstunde (438. Blog-Notat)

Sie sind endlich eingetroffen, die zwei neuen Märchenplatten (Alu-Verbund). Sie sind wetterfest und kommen im Frühling als neues Detail in meinen Lesegarten. Vielleicht wird es ja irgendwann wieder diese lauschigen Nachmittage mit Gästen unter der Linde geben. Sie scheinen mir weit entrückt, hinter der gerissenen Zeit. Wie werden wir zukünftig leben und wer wird dann nicht mehr bei uns sein? Fast 30 000 Neuinfizierte heute, Weihnachten könnten es doppelt so viele sein, wenn es so weiterläuft. Wir hören von der Regierung von Schnelltests für Besucher in Pflegeheimen, damit die Alten nicht vereinsamen. Aber der Schwiegervater erzählt ganz anderes. Will er zu seiner Liebsten, dann muss er sich ab Montag irgendwo anders sich einen Test machen lassen, für schlapp 150 € und vor jedem weiteren Besuch einen neuen. Noch hat man in diesem Heim keine Schnelltests. Die Wirklichkeit hinkt den Vorordnungen weit hinterher, eher boomen die Geschäftemachereien, denn wo ein Mangel, da ein Markt. Ach.
Der Imkergatte hat nun endlich ein ordentliches Honiglager und nicht mehr wilde Kistenstapel. Wenn ich nun aufwache, schaue ich auf dieses prächtige Regal…😊

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Morgenstunde (437. Blog-Notat)

Ich stecke den zweiten Tag in der Weihnachtspost. Es war alle Jahre schon viel, aber dieses Jahr ist der Umfang erheblich gewachsen. Weil die echten Begegnungen fehlen, bedenke ich mehr Freunde und Bekannte.
Ein paar echte Briefe sind darunter, aber die Mail-Briefe überwiegen, einfach auch, weil es zu teuer wird, alles mit der Post zu versenden. Diese Mails sind auch schön ausstaffiert, dafür habe ich extra gezeichnet, die Blog-Leserschaft wird das im Weihnachtsgruß sehen können – am 24. Dezember. Aus all dem Tun wächst eine stille Freude, die mir guttut. Momentweise kann man in ihr die Sorgen verdrängen und die Gedanken zu den Menschen wandern lassen, an die sich meine Post wendet. Der Liebste ist inzwischen aus dem Erzgebirge zurück und baut an einem Honig-Lager-Regal. Dass habe ich mir gewünscht, damit ich im Erwachen nicht ständig auf Kisten und auf Honigabfüllgefäße schauen muss. Das Schlaf- und Bücherzimmer ist halt der Raum, mit der besten Lagertemperatur, aber das Regal wird mir den Anblick verstellen 😊.
Das 90jährige Schwiegermütterchen scheint die Corona-Lungenentzündung, das Nierenversagen und zwei Herzinfarkte (alles in vier Wochen) zu überstehen. Wirklich wundersam oder einfach gemäß dem Spruch „Todgesagte leben länger.“ – als Pflegefall. Die Kriegskindergeneration ist wahrhaft vom harten Schlage, wir sind es nicht. Aber vielleicht ist es ja auch eine Gnade, nicht so ein hohes Alter erreichen zu müssen. Ich weiß es nicht.

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Lesezeit 23

Weil die Lesebühnen weiter geschlossen sind, gibt es nun ab und zu Vorlesevideos aus dem Atelier am Schorfheidewald. „Winter- und Weihnachtsgeschichten“ lautet diesmal das Thema der kurzen Lesezeiten, Diesmal: Der Puck des Lichterkettenmanns.

Sollte sich das Video nicht öffnen lassen klickt bitte hier:

Die Geschichte zum Nachlesen findet Ihr hier:

 

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Morgenstunde (436. Blog-Notat)

Die Stimmung draußen ist seltsam, kein Vogel weit und breit. Es ist mittags so dunkel, als wollte es gleich schneien. Ist aber viel zu warm. Der Liebste ist zu seinem Vater ins Erzgebirge aufgebrochen. Etwas beistehen und zur Hand gehen. Ins Krankenhaus dürfen sie weiter nicht. Das Leben ist bedrückend geworden, es kostet Kraft, den inneren Antrieb nicht zu verlieren, und ich glaube, das geht nicht nur mir so. Also wusele ich vor mich hin, vielleicht wird es mit dem neuen Auftrag besser. Gestern kam wirklich die Bestätigung per Mail: Ich darf einige Buchcover-Entwürfe für einen Thüringer Verlag zeichnen, es geht ums Lesen und meine Schrägen Vögel sind dafür als Protagonisten erwünscht. Das ist doch mal wieder was. Also nachdenken, eine Idee entwickeln und währenddessen koche ich, wecke ein, denn so viel Kürbissuppe kann man ja gar nicht auf einmal essen, wie so ein Teil hergibt. Unsere Nachbarn haben uns gestern mit ihren Plätzchenköstlichkeiten überrascht – zum Nikolaus, das war wirklich schön, denn meine Weihnachtsbäckerei wird dieses Jahr nicht eröffnet, die kleine Stolle aus Luckau reicht…

 

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Winterschläfer

Die Nacht hängt noch im Haus.
Scheinwerfer blenden auf.
Über das Pflaster rattern
die Räder der Relevanten.
Die Stille kehrt zurück.
Die Nacht flieht 
unter meine Decke und
ruht sich vom Dunkeln aus.

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Morgenstunde (435. Blog-Notat)

Mitten in den gestrigen Freitag schlug die telefonische die Nachricht: Die Schwiegermutter käme nachmittags aus dem Krankenhaus. Das verschlug uns die Sprache, denn noch vor zwei Tagen meinte eine behandelnde Ärztin, sie wüssten gar nicht, weshalb die Frau überhaupt noch lebe, denn die Nieren funktionierten nicht mehr, ein Herzinfarkt war zu der schweren Corona-Lungenentzündung hinzugekommen usw. Was ist geschehen – ein Wunder? Nein, offenbar eine Form von Triage. Nicht ein Beatmungsgerät wurde abgestellt – man brauchte schlicht das Bett. Und so kam gestern das Schwiegermütterchen komplett instabil zum Vater zurück, für ein paar wenige atemraubende und desillusionierende Stunden, bevor abermals die Rettung geholt werden musste, weil das Atmen nur noch Röcheln war. Wie kann man nur eine totkranke Frau einfach nur nach Hause schicken? Der Vater hatte mit der Entlassungs-Ansage schon die aufgeregte Freude, sie wäre plötzlich genesen. Was für eine Achterbahn der Gefühle! Triage – längst Gegenwart. Die Auer Klinik ist seit Tagen am Limit, das wissen wir aus den Nachrichten. Ich verstehe, dass Ärzte dramatische Entscheidungen in diesen Tagen treffen müssen. Die medizinischen Ressourcen reichen nicht, da gilt nicht mehr: Jeder Notfall wird behandelt. Sondern nur noch nach dem Prinzip gehandelt: Wer hat eine Überlebenschance? Im schlimmsten Auswahlfall werden nach dem Triage-Prinzip Schwerstkranke zum Sterben auf die Palliativstation verlegt. Aber einfach krank nach Hause in Coronazeiten? Drei Wochen durfte niemand aus der Familie zu ihr ans Krankenhausbett. Was für verwirrende Zeiten! Der Liebste wird am Montag zum völlig zermürbten Vater fahren, am Wochenende kümmert sich der Bruder und alle hoffen natürlich, dass sie das Virus aus dem dunkelroten Gebiet nicht nach Hause tragen…

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Lesezeit 22

Weil die Lesebühnen wieder geschlossen sind, gibt es abermals nun ab und zu Vorlesevideos aus dem Atelier am Schorfheidewald. „Winter- und Weihnachtsgeschichten“ lautet diesmal das Thema der kurzen Lesezeiten, Diesmal: Der Schuhputzer.

Sollte sich das Video nicht öffnen lassen klickt bitte hier:

Zum Nachlesen findet Ihr die Geschichte hier:

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Morgenstunde (434. Blog-Notat)

Drei Nebelkrähen wachen über die winterbrachen Gärten vor dem Schorfheidewald. Seit Jahren leben sie hier zu dritt. Der Umstand könnte eine Geschichte ergeben – irgendwann einmal. Jedenfalls klauen die Drei erfolgreich beim Überüberüber-Nachbarn Federviehfutter und weichen das harte Brot in unserer Bienentränke ein. Das macht gerade gar nichts, denn die Bienen fliegen unter 10 Grad nicht mehr. Aber ich mag es, wenn die Krähen einschweben und unser Tun aus den Baumwipfeln beobachten.
Vorsichtige Hoftorgeschäfte mehren sich in diesen Tagen. Honigfans und Bücherfreunde kommen zu uns, um fürs Fest einzukaufen. Das freut uns sehr. Natürlich wäre es schöner, sie zum Stöbern ins Atelier zu lassen, aber das verkneifen wir uns dieses Jahr, auch das besucherfreundliche Heißgetränk. Und so tragen wir, je nach Begehren, meine Bücher … und/oder die Honigverkostegläser in den Hof zum Freisitz… alles ganz regelkonform und mit Abstand. Schlottern ist dabei leider angesagt, der vor Wochen georderte Terrassenofen lässt immer noch auf sich warten. 
Alle anderen Aktivitäten sind nun endgültig bis Jahresende abgesagt. Bis gestern habe ich noch für einen Videodreh im Eberswalder Museum geübt. Sie hatten für den Advent eine Ausstellung mit meinen Sagenzeichnungen vorbereitet. Zur Eröffnung sollte ich dazu am Nikolaustag eine Lesung geben. Tja, mit dem erneuten Lockdown wurde daraus nichts, aber man wollte stattdessen eine virtuelle Ausstellung über die Museumswebseite geben, und ich sollte dafür einige Sagen einlesen. Doch gestern wurde auch das gecancelt, zu arbeitsaufwendig in der Kürze der Zeit. Nun denn…

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Morgenstunde (433. Blog-Notat)

Wer war gestern der Plätzchen-Wichtel an unserem Briefkasten? Bitte verrate es mir, damit ich getrost daran knappern und mich bedanken kann. Echt, so etwas ist so herzensgut, da klagt eine vor sich hin und schon kommt, was sie nicht hat. Dazu habe ich gestern das einzige Mal gelächelt. DANKE liebe Plätzchen-Wichtelin! Die Überraschung ist gelungen.

Während ich das schrieb, gongte das Maipostfach und ich las:

…ich fand es heute ziemlich traurig, als Du geschrieben hast, dass Du in diesem Jahr noch keine der ge- und beliebten Weihnachtsplätzchen, gebacken hast… Und Du warst damals so lieb und hast mir Euer Familienrezept verraten. Seit dieser Zeit gehören sie auch bei uns zum Plätzchensortiment.
Schau mal in Deinen Briefkasten…lasst sie Euch schmecken…lgma

Das nenne ich Telepathie 😊. Ich hab sie gekostet und ja, liebe Marlis, sie schmecken exakt wie die meiner Böhmischen Großmutter Marie. Ich bin gerührt und beglückt ineinem. Dankeschön dafür!
Diese Aktion erinnerte mich auch an die einstige Wichtelei im Verlag in der Berliner Mauerstraße. In unserer Redaktion war es üblich, dass jeder Ende November per Los seinen Wichtelempfänger zog. Danach hatte man drei- bis fünfmal zu Wichteln, heimlich und unerkannt. Nichts Teures, pfiffig und treffsicher sollte es sein. Zur Weihnachtsfeier, wozu der Wichtel sein echtes Geschenk anonym in den Geschenkesack einbrachte, ging es darum, dass die Beschenkten ihren Wichtel erraten. Es war eine erweiterte Form des Julklapps und ein Mordsgaudi. Die Pförtnerloge glich in dieser Zeit eher einer Weihnachtspostzentrale… Naja, lang, lang ist’s her. Aber Dorfwichteln ist auch sehr schön 😊.

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Morgenstunde (432. Blog-Notat)

Adé November. Am letzten Tag – ein Hauch von Schnee, der setzt dem Nebelgrau weiße Lichter auf. Nicht genug, um Schneemänner bauen zu können, aber immerhin, ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung kommt auf. Die ist dieses Jahr situationsbedingt nicht so doll, ich habe nicht einmal die klassischen Familienplätzchen gebacken. Das gab es noch nie. Vielleicht trifft ja heute noch die Stolle aus Luckau ein, von einem echten Weihnachtsbäcker, keine Industrieware… Ich wollte heute noch einmal Schräge-Vögel-Kalender nachordern, denn mein Atelier-Bestand ist auf zwei zusammengeschmolzen, aber der Verlag sagt: Ausverkauft. Gut, es war ja nur eine Kleinauflage, so bekommen die Teile Seltenheitswert. Ich packe heute Honigpäckchen, die gehen nach Hamburg, Zeuthen und Schwedt.
Adé November – eine Handvoll Herbstgartenbilder hab ich da noch…

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