Morgenstunde (194. Blog-Notat)

Jeden Morgen baden zwei Ringeltauben an unserem kleinen Teich, nachdem sie uns mit ihrem Gurren auf dem Dach geweckt haben. Eine hab ich bei meinem Morgengang durch den Garten mit der Kamera einfangen können, bevor sie das Weite suchte. Der gestrige Turm Honiggläser ist inzwischen verstaut, allerdings hat der Imkergatte davon Muskelkater. Nachbars Kater scheint das heiße Wetter auch zuzusetzen oder er hatte nachts eine unheimliche Begegnung mit Dachs, Waschbär und Co. Jedenfalls ist er sehr schreckhaft unterwegs, streunt aber dennoch um die Höfe und kommt unregelmäßig. Kater eben. Wir haben den kleinen Grauen in Pflege, weil die Nachbarn Urlauben. Im Atelier geht das Goldrauschen auf dem Fahnenbild weiter. Ihr seht hier ein neues Detail. Die Ewigkeitsspirale braucht noch vier weitere Umdrehungen usw., darüber werden die nächsten zwei Tage vergehen. Habt alle miteinander ein lebensfrohes Sommerwochenende!

 

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Morgenstunde (193. Blog-Notat)

Satte Ladung

Ja, Honiggläser müssen wir wohl unser Leben lang nicht mehr bestellen. Der Imkergatte hat ein bisschen großzügig eingekauft und nun hockt er unter dem Vordach und grübelt – wohin damit. Das kann dauern, womöglich verfinstert sich währenddessen noch seine Laune, denn er muss nun Plätze schaffen, indem er aufräumt. Er ist nicht so der Aufräumer… Bei der zu erwartenden Tageshitze wird eh nicht so super viel werden. Mit schnödem faul sein hat das nichts zu schaffen. Haben die Deutschen vorzeiten noch einigermaßen herablassend auf den Leisegang der mediterranen Völker geschaut, werden wir uns jetzt ähnliche Gewohnheiten zulegen müssen. Siesta wird dabei kein Lebensgefühl sein, sondern eine Notwendigkeit. Bei 42 Grad beginnt sonst das Sterben. Das geht den Menschen wie dem Honig so, alles über 40 Grad ist einfach mal unbekömmlich (Honig verliert bei Ü 40 Grad all seine guten Stoffe und ist dann nur noch Zucker…). Ach ja, die Honiggläser im Hof, das kann heute noch heiter werden…😊

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Morgenstunde (192. Blog-Notat)

Goldrauschen im Atelier. Das Kraftbanner lässt sich Zeit im Entstehen, allein schon wegen der aufwendigen Symbolik. Die Ewigkeitsspirale auf der Bilderfahne ist ein echtes Geduldsspiel. Tag 3 und immer noch nicht fertig, dafür zwickt es im Kreuz:).
Die Farbe Gold steht für mich für den inneren Glanz der Seele. Sie umspielt das Höchste aller Nuancen des Lebens und das Leuchten des Geistes im Diesseits und im ewigen Jenseits. Mein Goldrauschen im Bild meint das Magische und die transzendente Faszination des Lichts als Lebensquell. Ich hab mich lange nicht gewagt, Gold dominant einzusetzen, aber jetzt im Ältersein scheint mir, darf ich alle Grenzen überschreiten und muss gar nichts mehr befürchten. Ja, nach dem Jugendstil war die Farbe Gold verpönt, doch längst benutzen etliche zeitgenössische Künstler wieder diese sakrale Farbe, beispielsweise Peter Murphy oder Gerhard Richter. Ich bin sehr gespannt, wohin mich dieses Goldrauschen führt.

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Morgenstunde (191. Blog-Notat)

Reisen.

Reisen kann man so oder so. Ich gehe meistens nur auf eine Gedankenreise. Als Frau eines Imkers geht das nicht anders, der wird im Sommerhalbjahr von den Bienen gebraucht, im Winter baut Rähmchen und kratzt und schleift die rückgebauten Beuten klinisch-sauber. Da ist schwer eine Lücke für einen Ortswechsel zu finden. Er sucht auch nicht gerade nach ihr… Im Hochsommer ist das zuweilen immer noch gewöhnungsbedürftig für mich. Ringsherum sind die Leute verschollen. Sie haben ihre sieben Sachen gepackt und sind zu ihren Sommerabenteuern aufgebrochen: Zu den Fjorden Norwegens, an Dänemarks Atlantikküste, auf spanische oder griechische Inseln oder gar nach Sumatra oder Feuerland. In meinen Träumen reise ich mit, denn eigentlich war ich einmal ein Zugvogel. Doch das Leben stutzt manchem/mancher die Flügel und so unternehme ich halt Ausflüge im Kopf. Manchmal geht es auf einen Erfindungspfad zu einer Geschichte oder ich reise mit einem Buch in eine andere Welt, eine andere Zeit, unter eine andere Haut. Sehr spannend. Trotzdem erwischt mich zuweilen das große Fernweh, zumal sich die guten Freunde abgewöhnt haben, von ihren Reisen ein Lebenszeichen senden. Bitte schickt mir eine schöne Postkarte vom anderen Stern oder so, Eurer Standvogel Petra

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Morgenstunde (190. Blog-Notat)

Ein neues Fahnenbild entsteht. Was habe ich darauf gewartet, dass ich dafür wieder die nötige Energie habe würde. Fühlt sich so an, als wäre sie wieder da. Das ist großartig! Ja, ich weiß, dieses Wort nutzt so ein Typ mit Tolle hinterm großen Teich inflationär, ich nicht. 80 cm breit, 1,95 Meter lang wird es. Ein Lebensbild. Ihr seht das untere Drittel entstehen, es geht mir gut damit… Es wird ein Kraftspender sein.

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Morgenstunde (189. Blog-Notat)

Irgendwann hab‘ ich die Baustellen nicht mehr gezählt. Zwischen Dreieck Barnim und Dreieck Spreewald kam es uns so vor, als würden nach dem Gas geben schon wieder die nächsten Schaufelschilder angekündigt. Das ging so von Niederlehme bis Ortrand – an der Grenze Brandenburgs zu Sachsen. Dann Mega-Stau in Dresden Nord – nerv, nerv. Nach reichlich 5 Stunden (sonst 3 1/2 h) kamen wir endlich in Aue im Erzgebirge an. Für ein paar Stunden bei den Schwiegereltern. 4:1 schlugen nachmittags die Lila Veilchen den Hertha BSC. Die Jubelschreie waren bis ins Wohnzimmer auf dem Zeller Berg zu hören. Am nächsten Tag ging es vormittags schon wieder zurück. Ich hasse es, wenn der Liebste mit 160 Sachen das Auto über die Piste jagt, aber da hilft nur eine Reisepille einwerfen und durchhalten. Ich bin einfach nicht für diese rasende Zeit gemacht… Heute kann ich mich wieder in die Atelierarbeit hineinwuseln. Mir ist nach Pinseln und Farbe, man wird sehen, was wird.
Habt ein schönes Wochenende alle miteinander!

Baustelle
Baustellenstaus ohne Ende.
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Versteck unter dem Hut (Abschnitt 5 – der Schluss)

Öffentliches Arbeiten an einer Kurzgeschichte:

… Er sah unruhig auf seine Uhr. Gleich 12 Uhr Mittag. Sein Blick suchte die pulsierende Straßenlandschaft ab, da tippte ihm jemand sacht auf die Schulter. Vor ihm stand die Zauberin mit einer großen Sonnenbrille auf der Nase. „Schlecht geschlafen?“ fragte er vielsagend und zog ihr den Stuhl neben sich zurecht.
„Zu wenig.“ Sie reichte ihm die Hand: „Tina Morgenstein und Sie?“
„Julius Silvester. Ich habe Sie gestern Nacht hier wirklich bewundert, Sie können Handlinien lesen?“
„Nicht nur das, denn von irgendetwas muss man ja diese irren Mieten zahlen können, dafür reicht mein Bürojob schon lange nicht mehr aus.“
„Verstehe. Und was können Sie noch?“
„Och, Feuerspucken, Jonglieren, Tango tanzen, Socken stricken und Geheimnisse hüten.“ Sie grinste, er lachte: „Eine Verschwiegene, dass ist selten.“
„Verschwiegen heißt nicht schweigsam.“ Dass bekam der Mann in den nächsten Stunden zu spüren. Sie erzählte und gestikulierte. Der Abend kam, sie tranken Wein bis sie trunken waren, etliche Tassen Kaffee machte sie wieder nüchtern. Als sie am Morgen den Biergarten verließ, glaubte er ihr ganzes Leben zu kennen. Seines hatte sie erspürt, als er den bunten Hut ablegte. Vorsichtiges Zutrauen lag in dieser Geste. Zu seiner Überraschung hatte sie seine traurige Seele nicht verschreckt. Sie würden sich nach ihrer Ostseetour wiedersehen. Doch Julius Silvester litt von der ersten Minute nach ihrem Abschied an schmerzhafter Sehnsucht. Die Zauberin besetzte sein Herz und seine Gedanken. Zwei Tage später stieg er abends am Alexanderplatz in den Fernbus nach Norden.

Tina Morgenstern hantierte elegant mit ihren Flämmchen auf der Heringsdorfer Promenade und ein Musikerkollege spielte dazu französische Melodien auf dem Akkordeon. Als Julius Silvester in den Halbkreis der Zuschauer trat, fauchte sie einen Feuerbogen in den Nachthimmel. Der Schlusspunkt ihrer Show brachte die Menge zu einem entzückten Raunen. Im prasselnden Beifall zogen sich die beiden Künstler zu einer Parkbank an den Dünen zurück, um zu verschnaufen und etwas Wein zu trinken. Das Meer rauschte. Julius Silvester trat zu den beiden in das Halbdunkel: Darf ich um ihre Hand bitten, verehrte Feuerzauberin?“
Tina Morgenstern lächelte etwas irritiert und reichte ihm zögerlich die Hand, die er leicht drehte und mit einem Feuerzeug beschien: „Sehen Sie hier, diesen Abschnitt ihrer Schicksalslinie, der bis ans Ende aller Tage reicht? Er markiert jenen Tag dieses Sommers, als es Pappelsamen schneite.“ Er hielt seine Hand daneben: „Und nun schauen Sie genau hin, meine Schicksalslinie zeigt von diesem Punkt an exakt den gleichen Verlauf. Sie wissen, was das bedeutet?“ Die Zauberin schmunzelte, ergriff seine Hand und zog den Mann unter dem bunten Hut über das Strandland in das große Rauschen des Blutes und der Wellen.

© Petra Elsner
17. Juli 2019

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Versteck unter dem Hut (Abschnitt 4)

Öffentliches Arbeiten an einer Kurzgeschichte:

…Der Stein brannte förmlich auf seiner Haut, wie der Gedanke an die Zauberin. Er hatte sich ungebeten in seinem Kopf breitgemacht. Julius Silvester konnte nicht einschlafen, denn er kämpfte gegen das besitzergreifende Gefühl. Dieser Zustand hatte immer kurz über lang zu seiner Enttarnung geführt und die Frauen zogen in diesem Erkenntnismoment eisenhart die Grenzen ihrer Liebe zu ihm. Die meisten Menschen sind nur für ein Lebensweilchen füreinander gemacht, aber Julius Silvester war ein Schwan, ein monogames Wesen, das jede Trennung in die tiefste Krise stürzte. Er wollte sich nicht mehr verlieben, doch diese tiefsinnige Mittagsfrau schlich durch seine Nachtgedanken. Genervt wälzte er sich von seinem Laken, zog sich wieder an und schlenderte zu jenem Biergarten, in dem er schon zur Mittagsstunde saß. Eine Italienische Nacht hing über der Schönhauser Allee. Der Asphalt glänzte vom Smog, als hätte es gerade geregnet. Überall in den Freisitzen Gelächter und Musik, es schien, als würde kein Mensch an Schlaf denken. Der Biergarten war rappelvoll, so holte sich Julius Silvester vom Tresen ein Nulldreier-Bier und hockte sich damit auf die Bordsteinkante. Da sah er sie, bei den Tischen auf der anderen Straßenseite. Die Zauberin ging in einem bunten, wallenden Kleid von Tisch zu Tisch und las den Menschen aus ihren Händen. Eine Wahrsagerin? Immer wenn sie in keine Hand blickte, jonglierte sie mit Flämmchen und spuckte aufsehenerregend Feuerfontänen. Geheimnisvoll. Die Mitternachtsfrau erstaunte ihn. In ihrem Treiben sammelte sie Geldscheine und verteilte schöne Blicke. Julius Silvester zog sich unbemerkt zurück, er wollte ihre Straßenaktion nicht durch eine Begegnung stören…

© Petra Elsner
16. Juli 2019

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Versteck unterm Hut (Abschnitt 3)

Öffentliches Arbeiten an einer Kurzgeschichte:

… Nur wenn Emotionen ins Spiel kamen, nahm diese Gabe eine Auszeit. Dann war die Zauberin vollkommen machtlos und sah die Welt durch die berühmte rosarote Brille, wie alle verliebten Frauen. War es das traurige Naturell von Julius Silvester oder der bunte Hut – sie wusste es nicht, jedenfalls war Tina Morgenstern nach dem letzten Herzschlag fasziniert von ihrem Gegenüber und konnte sich diesem Gefühl nicht mehr entziehen. Ein wenig ratlos bestellte sie sich  den dritten Kaffee, obgleich ihre Mittagspause längst überschritten war und wagte eine erste Ansprache: „Verraten Sie mir ihr Sternzeichen?“
Julius Silvester stutzte. Er hatte das wortlose Beieinandersitzen durchaus genossen und dabei die Frau nur ab und zu aus seinen Augenwinkeln taxiert. Die aparte Dunkle war offenbar auf der Jagd. Das hatte ihm ihr Blick erzählt.  Ihr Anschleichen amüsierte ihn: „Zwilling, und wie lautet Ihre Erkenntnis daraus?“
„Ach, herrje, ein Zwilling! Leicht beeinflussbar, distanziert, flatterhaft, leichtfertig, etwas zu nervös, oberflächlich und selbstgefällig, stressanfällig, nicht wirklich ehrlich, unzuverlässig und zerstreut,“ dozierte die Zauberin.
„Na, diese Analyse gleicht aber einem Säbelrasseln. Sie haben die guten Seiten der Zwillinge vollkommen außer Acht gelassen: Sie sind nämlich äußerst charmant, flexibel, freundlich, humorvoll, intelligent und wissbegierig.“ Julius Silvester funkelte die Frau an, ganz offen und ungeschützt, so dass die Zauberin einen Moment tief in sein Inneres sehen konnte und dabei seine wunde Seele zum Klingen brachte. Noch war es ein leises, zögerliches Klingen. Das sollte sich ändern, doch jetzt musste Tina Morgenstern wirklich aufbrechen. Sie zahlte und fragte noch: „Sind Sie morgen vielleicht wieder zur Mittagszeit hier?“
„Wenn Sie es sich wünschen.“
Sie strahlte ihn vollkommen entwaffnet an, griff in ihre Jackentasche und legte dem Mann zum Abschied einen schwarzen, blanken Stein neben sein Bierglas: „Das ist ein Gagat. Halten Sie ihn schön warm, er wird ihre Seele heilen.“ Julius Silvester sah erstaunt ihnen flinken Schritten hinterher. Was wusste sie von seinen Verletzungen?…

© Petra Elsner
15. Juli 2019

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Versteck unterm Hut (Abschnitt 2)

Öffentliches Arbeiten an einer Kurzgeschichte:

… Das stimmte, doch Julius Silvester fühlte sich beobachtet von dieser fremden Frau, die ihren Mittagskaffee schlürfte und diesen interessierten, saugenden Blick aufgesetzt hatte. Der Mann Mitte 30 war Frauen gegenüber sehr vorsichtig geworden. Als er seinen bunten Schlapphut aufsetzte, konnte Tina Morgenstern nichts mehr erspüren. Der Zauberin war es so, als hätte sie in diesem Moment einen Kollegen vor sich, aber Julius Silvester war kein Zauberer, er war ein Versteckkünstler und der bunte Hut half ihm dabei. Unter ihm war sein umwölktes Gemüht nicht zu erkennen. Ansonsten aber konnte der Hut gar nichts, außer optisch täuschen. Aber Tina Morgenstern hatte einen seismografischen Spürsinn, dem gewöhnlich nichts entging…

© Petra Elsner
13. Juli 2019

Montag gehts weiter, schönes Wochenende einstweilen 🙂

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