Morgenstunde (706. Blog-Notat)

Es herbstelt und ich mag es. Das Pendel zwischen Draußen und Drinnen schlägt wieder harmonisch, und so wird im Atelier ein Stapel Künstlerhefte fertig und auch im Garten gehen die Verrichtungen leicht von der Hand. Gegen die Schnecken, Ameisen und den Mehltau habe ich Rainfarnbrühe angesetzt und hoffe auf die rechte Wirkung, denn vornehmlich die Ameisen haben diesen Sommer etliche Sträucher gekillt. Ausgegraben ergeben die dürren Teile bestimmt noch ein paar neue Wurzelwesen, die den Garten weiter bevölkern können. Der Rückbau im Herbst macht immer kreativ und in der kahlen Zeit kommen eben diese Gestalten dann richtig zu Wirkung. Nicht nur Sommergärten sind schön….

Wurzelstämmchen.

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Morgenstunde (705. Blog-Notat)

Wir hatten schon das Auto beladen und die Schlüssel in der Hand, als das Telefon die Absage der Stadt Zehdenick brachte. Der Dauerregen am Morgen hat zu dieser Entscheidung geführt. Ich hatte Bedenken, ob der Bücher, dass sie beim Altstadtfest Schaden nehmen könnten in der Feuchte. Mit der plötzlich gewonnenen Zeit habe ich mich für zwei Stunden an den Computer geklemmt, um das knifflige Layout zur Weihnachtsausgabe meiner Künstlerhefte zu vollenden. Jetzt passt alles und die Handproduktion kann nach und nach beginnen…Mit diesem schönen Gefühl konnten wir entspannt zu Freunden in Lanke aufbrechen. Wir hatten uns die ganze Corona-Zeit nicht gesehen und so wurde aus einer verabredeten Kaffeezeit ein abendfüllendes Programm – ich lerne zusehends wieder unterm freien Himmel mit anderen Menschen zu verweilen 😊.
 Ja, die Weihnachtsproduktionen – vielleicht können manche Beschenkten so gar nichts damit anfangen, dass sie stets diese kleinen Handfertigkeiten von mir bekommen, aber etwas anderes lässt die Portokasse nicht zu. Ich verschenke Lebenszeit (die in der Fertigung steckt) und Fantasie… In Zeiten der Wegwerfgesellschaft ist das sicher etwas höchst Altmodisches, aber wie man im Foto sieht: Sie ist eben ein Auslaufmodell 😊.

Gestern bei Freunden.

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Morgenstunde (704. Blog-Notat)

Der Luxus des Alters heißt: ausschlafen können – ohne schlechtes Gewissen. Aber, es gibt ja immer noch Leute, die nicht wissen (wollen), dass wir Langschläfer sind. Heute Morgen schepperte um 8.55 Uhr die Klingel. Der Liebste brummte: „Nicht aufstehen.“ Aber ich war aus meinem Traum gekickt und rollte mich aus den Kissen. Hinter dem Hoftor regte sich nichts mehr und ich dachte, gut so. 9.10 Uhr. Ich hatte gerade ein Hemdkleid übergeworfen und Kaffee gekocht. Da klingelte es abermals. Der Freund des Liebsten wusste um die Nachtigall und zeigte sich hartnäckig-geduldig. Da saßen wir nun bei Baguette und Kaffee, der Liebste war noch ganz Maulwurf…ach, nee. Die Lerchen und die Nachtigallen – das geht nie. Und hätten die beiden Männer nicht ihren Militärdienst gemeinsam verrichtet, sie wären sich niemals begegnet… Eine Stunde später ging jeder seiner Wege: Der Freund zu seinen Online-Kursen, der Imkergatte in die Bienenküche und ich ins Atelier, um ein neues Heft-Layout zu beginnen. Morgen soll viel Regen kommen und wir sind mit Büchern auf dem Zehdenicker Markt zum Altstadtfest – Kinner nee…was haben wir auf Regen gewartet, nun kommt er zur Unzeit…wie mancher in der Morgenstunde 😊.

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Morgenstunde (703. Blog-Notat)

Wächter im Garten.

Vormittagspause im Atelier. Stattdessen bin ich in kleinen Abschnitten mit dem Rasenmäher im Garten unterwegs. Die Winkel rund um den Teich sind schon das ganze Sommerhalbjahr nicht gemäht worden. Zum einen brauche ich neue Mulchmasse für die Beete vor dem nächsten Hitzeschwall, zum anderen braucht es Sichtweite für die Birkenpilze Anfang September. Wenn überhaupt wird es nur eine Handvoll Pilze in der Feuchte der Teichnähe geben. Im trockenen Wald? Wer weiß.
Wir hatte gestern einen herrlich entspannten Besuchsnachmittag mit einem ehemaligen Kollegen aus meiner Jugendredaktionszeit. Er hatte sich wegen eines fliegenden Eulchens auf Papier (die Sperbereule) mit seiner Frau angekündigt und dann wurde es eine richtig angenehme Begegnung. Danke Ihr Beiden in Eberswalde! War schön „jewesen“😊, wir haben es genossen.

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Morgenstunde (702. Blog-Notat)

Mittendrin in der Handfertigung von Künstlerheften. Die ersten sechs sind gerade in der Presse, da kann ich ja mal ein bisschen auf den Tasten klimpern. Seit die Hitze schweigt, geht es mir gut. Ich habe Kraft und sogar gestern den Rasenmäher angeworfen… das geht nicht mehr oft. Die Solargartendusche hat der wieder rauchende Liebste übrigens montiert, aber der Wasserdruck stimmt nicht. Er will sie noch einmal leeren und die Schlauchverbindung prüfen, doch davor steht, Ihr ahnt es wohl – die Bienen: Abschleudern letzter Teil. Es schleppt sich, wie immer am Ende des Bienenjahrs, aber dafür ist der Honig wieder köstlich. Ich mach‘ dann mal weiter, habt einen entspannten Tag, bevor die nächste Hitze Einzug hält…

Am 24. August sind die Kisten wieder aufgefüllt.

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Morgenstunde (701. Blog-Notat)

Im Atelier ist die nächsten Tage wieder Bücherbau angesagt. Die zwei handgefertigten Titel der KURTSCHLAGER EDITION „Auf einem Schwaden in die Märchenzeit“ und „Sonntagsmärchen“ haben bedenklich abgenommen. Ich muss nachfertigen, denn am kommenden Samstag, dem 27. August 22, ist Altstadtfest in Zehdenick und dort bin ich nachmittags auf 2 Stunden am Stand der Bibliothek zu finden. Mirjam Naffin, die Leiterin, war so freundlich, den ganzen Tag meine klassisch gedruckten Bücher auf dem Markt mit anzubieten, ich selbst komme dann mit den handgefertigten Künstlerheften ab 13.30 Uhr dazu. Eine unverhoffte Hilfe, wofür ich sehr dankbar bin, denn die Bibliothek nimmt keine Prozente (sonst ginge sowas auch gar nicht, denn ich muss die Bücher vorab beim Verlag ankaufen und würde ja Verluste machen, müsste ich Prozente abgeben…). Selbst würde ich so einen ganztägigen Standbetrieb gar nicht mehr durchstehen. Leider, denn ich habe es geliebt z.B. auf dem Kunstmarkt beim Fest an der Panke meine Arbeiten zu präsentieren und mit den Besuchern zu plaudern. Alles ist endlich und Neues beginnt…

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Morgenstunde (700. Blog-Notat)

Ich bin ja ein Kind der Grauzeit, aber ich hätte dennoch nie gedacht, dass ich an einem schönen Sommertag im August das Grau freudigst begrüßen würde. Ein kühler Schauer auf der Haut, ein leichtes Strickjäckchen überstreifen – HERRLICH! Das ständige Postkartenblau ist nichts für mich als Mitteleuropäerin. Im Sommer 1992 dachte ich ernsthaft über Auswandern nach und war deswegen einige Wochen in Griechenland. Doch ich bemerkte dort sehr schnell, dass das permanente Blau des Himmels und die Hitze mich nicht gut denken und arbeiten ließ und so verwarf ich den Gedanken vollends und suchte in Deutschland nach meinem Weg nach der Wende. Und nun steigt der Süden nach Norden auf… Meine griechische Freundin K. hatte immer im Spätherbst die Wohnung superfein geputzt, um dann bis Ostern keine Zeit mehr dem Staub zu opfern. Es war ihre kreative Arbeitszeit am Schreibtisch, das Sommerhalbjahr war es nicht. Unser Leben wird sich auch in dieser Hinsicht im Klimawandel sehr verändern…

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Morgenstunde (699. Blog-Notat)

Wenn so eine sperrige Altlast ordentlich demontiert und zusammengestellt ist, sieht es gar nicht viel aus. Aber in den Bildern fehlten noch (wegen des zu erwartenden Gewitterregens) eine Matratze und die voluminösen Hollywoodschaukel-Aufleger aus dem Tanklager zur Ölheizung. Die hatte der vormalige Hauseigentümer dort verstaut. Wir haben sie ewiglich nicht entdeckt und uns dann sehr über den Lagerort gewundert, denn man kann sie nicht mehr benutzen, weil sie vom Dieseldunst vollkommen durchtränkt, fürchterlich stanken.  
Die letzten drei Tage waren also heftig, aber unter dem Dach ist es nun wieder übersichtlich. Als heute Morgen um 7:17 Uhr die zwei AWU-Kraftpakete wegfuhren und alles verschwunden war, schlief ich erst richtig ein. Der wirre Nachttraum vermischte sich mit einer Wochennachricht über Vermüllung bei einer solchen Sperrmüllaktion… aber nicht in unserem Walddörfchen😊. Schnauf.
Gestern hatte ich mir für die Gewitterzeit ein paar Inletts für den Kunstheftbau ausgedruckt, damit ich was tun kann, wenn wir die Stecker ziehen müssen, aber es blieb ja relativ ruhig hier. Mal sehen was noch kommt.
Habt ein schönes Wochenende alle miteinander, wir zupfen uns derweil die derangierten Federn und pflegen die müden Knochen 😊.

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Morgenstunde (698. Blog-Notat)

Wir sind dieser Tage spinnwebengrau und staubig. Zu Freitag haben wir uns einen Sperrmülltransport bestellt – in der Annahme, bis zur Terminvergabe wird es weniger heiß sein… Aber nun, bei 31 Grad auf den Boden. Na gut, nur die Morgenzeit, bis der Tag hochgekocht ist. Was sich so alles angesammelt hat. Der Sohn und etliche Berliner Freunde brachten uns, was sie abstellen oder entsorgen wollten. Ihr habt doch sooo viel Platz und braucht immer für Eure Feste Sitzgelegenheiten…. Ja, stimmte schon, aber nun geben wir keine großen Feste mehr… Der Sperrmüll – alles muss raus, jedenfalls die Hälfte 😊, wer weiß, vielleicht braucht man es doch nochmal… aber dazu müsste es eigentlich eine Wunderheilung geben. Das Rausräumen läuft in Etappen, erst mal freigraben und auf die Empore schleppen, später die Treppe runter in den Hof und Donnerstagabend auf den Grünstreifen vor dem Haus. Der Liebste schnauft und ich bekomme Schnappatmung. Aber wat mut dat mut😊. Zwischendurch montiert der Mann eine Solargartendusche, Ihr wisst ja: SPAREN … ich glaube, wenn sie in Betrieb geht, wird’s kühler… Die Stimmung ist also aufgeheizt, auch, weil der Imkergatte das Rauchen versucht einzustellen – das gibt schlechte Laune, sage ich Euch…aber er hat ja meinen Nikotinentzug vor 15 Jahren auch ausgehalten… muss ich mich in Nachsicht üben. Bis die Tage allerseits!

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Kerzen in der Stadtbahn (4)

Öffentliches Schreiben einer Kurzgeschichte:
Er hatte sich verspätet, Irenes Schutzengel. Er war nie wirklich so pünktlich, wie er sollte. Auch unter den Engeln gab es nachlässigere Gewächse. Doch glücklicherweise hatte das Mädchen die Heilige Nacht allein überstanden und nun war er an ihrer Seite. Unsichtbar saß er im Sessel in der Leseecke und wachte.
Irene lugte in den duftenden Stoffbeutel, frische Schrippen und eine Streuselschnecke. Wunderbar! Sie liebte diese tellergroßen Schnecken. Das Mädchen schloss das Fenster und sah, unten auf dem Gehweg schlenderte Herr Kronberg. Ob er den Beutel an die Tür gehängt hatte? Egal.
Irene frühstückte und sprach mit vollem Mund mit dem Schreibblock:
„Moin, moin, schmeckts Euch auch?“
Wieder räusperte sich die väterliche Stimme und erklärte: „Deine Mutter hat Früchtebrot gebacken. Ist köstlich wie jedes Jahr.“
„Oh, Mann, Früchtebrot! Aber stellt euch mal vor, heute Morgen hat mir jemand ganz frische Schrippen und eine Streuselschnecke an die Tür gehängt – in einem wunderschönen Stoffbeutel.“
„Du weißt nicht von wem die sind und isst sie?“
„Ja, Mama, sei nicht so vorwurfsvoll. Es hat nur jemand an mich gedacht. Vielleicht der nette Herr Kronberg, der nebenan eingezogen ist.“
„Die Wohnung nebenan ist unbewohnt. Gesperrt wegen Rohrbruch, der den ganzen Fußboden ruiniert hatte. Dieser Herr Kronberg ist -,“ die Mutterstimme brach ab und Irene trieb ein Verdacht hinaus aus der Wohnung. Sie sprang die Treppe hinauf in den dritten Stock und klingelte bei Familie Krause. Die Nachbarin öffnete: „Ah, Irene. Frohe Weihnachten.“
„Ja, frohe Weihnachten. Frau Krause, ich will nicht stören, nur eine Frage: Ist in der Wohnung neben uns ein neuer Mieter eingezogen?“
Die Krause schüttelte den Kopf. „Die Wohnung muss erst saniert werden. Wenn da einer reingeht, dann ist er vielleicht von der Versicherung oder ein Klempner.“
Irene setzte düster nach: „Oder – einer von der Firma.“
„Wer weiß“, murmelte Frau Krause verhalten. „Ist sonst noch was?“
„Nein danke.“ Die Tür schloss sich wieder und Irene, wusste plötzlich nicht, was sie tun sollte. Wut stieg in ihr auf. Der hatte sie einfach frech angelogen. Sie klingelte Sturm bei Kronberg, aber niemand öffnete.

Sie hastete zurück in die elterliche Wohnung zu ihrem Blockdialog. Sie schrieb und sprach: „Mama, ich glaube, der Kronberg ist mein Schatten!“
„Und von dem nimmst du Brötchen an?“
„Sie sind von mir“, flüsterte der Engel. Irene sah erschrocken in die Leseecke. Dort war nichts. „Werd‘ ich jetzt irre, wer spricht da?“, schrie sie in den Raum. Da schimmerte der Engel in seiner Gestalt. Lessig saß er da in einem grünen Kapuzenmantel. Braune Locken fielen bis zu seinen schmalen Schultern und er schaute mit einem sanftmütigen Blick, der Irene an ihren Lieblingsbeatle George Herrison erinnerte.
„Mir wurde gesagt, mit Streuselschnecken kann man dich trösten. Ich bin Raphael und werde über Weihnachten Dein Schutzengel sein.“
Für Irene war das im Augenblick alles ein bisschen viel. Missgestimmt fragte sie barsch: „Und, wo warst du gestern?“
„Ich hatte verschlafen.“
„Die Heilige Nacht?“
„Ja.“
„Na sowas.“
„Wenn ich störe, bleibe ich unsichtbar.
„Ja, bitte.“
Der Engel atomisierte sich und Irene tippte mit dem Stift auf ihren Schreibblock: „Vati, Mama, ich bin nicht mehr allein. Ich habe jetzt einen Schatten und einen Engel.“ Der Schreibblock schwieg.

Sie musste raus. Abends fuhr Irene wieder S-Bahn und sprang von Wagon zu Wagon. Sich an Leuten sattsehen und ihnen Kerzenlicht spendieren. Diesmal war es schwieriger ihre Weihnachtslichter unbemerkt aufzustellen. Himmel und Menschen waren unterwegs und schleppten Geschenke von A nach B. Doch Irene fand stets diesen kleinen unbemerkten Moment oder war da wer, der sie abschirmte? „Raphael?“ flüsterte sie. Der Engel stand direkt neben ihr und lächelte. Und da noch einer, der sie beobachtete. Dieser Kurt Kronberg. Als sie ihn entdeckte, kam er auf sie zu und reichte ihr wieder ein Telegramm. „Sie sind wohl unter die Briefträger gegangen?“ zischte ihn Irene an. Dann las sie unter Freudentränen: „Komme morgen mit dem Zug, Mama“. Der Schatten verschwand, der Engel aber begleitete sie durch die Nacht.
                                                                         ***
© Petra Elsner

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