Morgenstunde (564. Blog-Notat)

Der Liebste ist zurück von seinem Elternbesuch im Erzgebirge und nun beim Baumschnitt. Da fällt jede Menge Spielmaterial ab. Zunächst ist mir ein luftiges „Tipi“ für meine Sprüchevögel eingefallen. Die medialen Flatterwesen lagen schon lange in einer Kiste verborgen.  Nun wurden sie mit drei Weidenstanden zur Inneninstallation. Die steht jetzt im Atelier, weil die Vögel nicht wetterfest sind. Am Wochenende waren wieder viele Besucher auf dem Hof, ein wenig Leichtigkeit schleicht sich ein, was aufatmen lässt…

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Morgenstunde (563. Blog-Notat)

Eigentlich war ich schon recht wahlkampfmüde, gestern, als alle noch einmal medial aufdrehten. Aber ganz ehrlich, am meisten haben mich die Kinder auf den Straßen berührt. Sie wachsen in einer Zeit heran, die gezeichnet ist von Katastrophen. Aber es sind nicht nur die drastischen Ereignisse, die viele Opfer fordern, es gibt auch das lautlose, schleichende Sterben. Ich weiß noch, dass ich in meiner Berliner Zeit oft meine Wege über Nebenstraßen ging, weil ich auf der Schönhauser Allee einfach Beklemmungen bekam und einen schweren Atem. Der Dreck, der Lärm – von allem zu viel. Damals schon. Seit 14 Jahren habe ich keine Zigarette mehr angefasst und trotzdem schreitet meine Lungenkrankheit voran. Es ist vor allem der Feinstaub, der daran beteiligt ist. Feinstaub entsteht durch Verbrennungsprozesse in Fahrzeugen, Kraftwerken, in Öfen und Heizungen. In großen Städten ist der Straßenverkehr eine bedeutende Quelle von Feinstaub. Der Abrieb beim Bremsen und die Abnutzung der Reifen spielen hierbei eine größere Rolle als die eigentlichen Abgase. Daran sieht man/frau schon, die Sache ist kompliziert, denn das gilt natürlich auch für Fahrradreifen. Der Protest der Kinder ist wichtig, denn er fordert unüberhörbar ein. Aber das Sterben wegen einer verdorbenen Umwelt, ist keine Schreckensvision der Zukunft, es findet schon jetzt statt und nicht erst seit heute. In den Chemierevieren des Landes beispielsweise haben die Menschen seit ihrem Bestehen eine geringere Lebenserwartung …  Ja, es wird diese Klimaregierung geben, wenn nicht nach dieser Wahl, dann in vier Jahren. Das wird vielen nicht gefallen. Damit das anders wird, muss der Politikstil ein anderer werden, einer, der nicht nur Verbot und Bevormundung kennt, sondern einer, der zu Einsichten führt und die Menschen mitnimmt…

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Morgenstunde (562. Blog-Notat)

Gestern haben wir Bilderfreunde in Wandlitz besucht. Bei ihnen wohnt nun fest das Bild „Treiborte“. Ich habe mir noch einen Schnappschuss von ihm mitgenommen, denn zu seiner Entstehungszeit, habe ich noch nicht von jedem meiner Bilder eine Repro angefertigt. Bei einem wunderbaren Essen fragte mich das Paar nach der Geschichte zum oder hinter dem Bild. Aber diese eine Geschichte gibt es nicht immer. „Treiborte“ gehört in eine Bilderfolge, in einen Themenkomplex. Zu dem fand ich heute diese alte Werknotiz:

„Mit dem Thema „Narren, Liebe, Wesenskugel und alte Sehnsucht“ begab ich mich Ende der 90er Jahre auf eine phantastische Suche, nach jenem Formengefühl, das der menschlichen Sehnsucht nach Harmonie eine Bildsprache verleiht: Erfundene Wesen, die Zwiesprache halten mit ihren Träumen und Ängsten. Stets und ständig umgeben von kosmischen Kugeln. Gelegentlich betritt ein Narr den Malgrund. Der entpuppt sich als Hort, in dem das Sein – das reale und das ersonnene – kulminiert. Denn das Leben ist nicht harmonisch, und der Narr scheint über diese alten Sehnsüchte der entrückten Wesen mal zu weinen und mal zu lachen. Der Kreis, die Kugel ist seit jeher Sinnbild der idealen Form. Manche nennen sie göttlich. In meinen Bildern steht sie als ein Zeichen oder als Schutzraum für die unschlagbare Kraft Liebender …

Ich hoffe, den Beiden sagen diese Zeilen etwas.

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Morgenstunde (561. Blog-Notat)

Moin allerseits! Keine Zeit, der Garten ruft nach einer letzten Kurzgrasfrisur im Jahr, also ran an den Rasenmäher… Ich spendiere derweil ein weiteres Stückchen aus “Die Zeit der weißen Wälder”, meinem aktuellen Romanprojekt:

…Im Anrufbeantworter steckten nur Notrufe von Herzog, die Emilia nach ihrer Ankunft in der Heide ignorierte.  Sie hing das Sonnenblumenbild von Fredi über ihrem Schreibtisch auf. Platzierte die geschliffenen Becher auf dem Küchentresen und legte die Künstlerbroschüre aus dem Reichenbacher Museum zu ihrem Leseplatz und suchte nun nach dem Schlüssel für das Nebengelass. Den Schuppen im Hof hielt sie seit Jahren verschlossen. Nichts darin schien von Bedeutung zu sein. Aber das stimmte sogar nicht. Sie hatte sich den Dingen nur entzogen. Während sie die Metalltür aufschloss, begann ihr Herz schneller zu schlagen und sie fühlte, am liebsten wäre sie jetzt nicht allein. Aber da war niemand, aber auch das stimmte nicht, denn als sie eintrat in den Raum aus Kistentürmen, spürte sie sie. Ein Anflug, ein Hauch von Nähe und in Emilias Kopf flüsterte es: „Endlich kommst du!“.  Als die Mutter starb und sie das Häuschen erbte, hatte sie es vollkommen entkernen lassen und grundsaniert: Neue Heizung, neues Bad, neue Fenster und Türen, neue Dielen, das Dachgeschoss ausgebaut und das Wohnzimmer zum Dachgeschoss geöffnet. Das geduckte Haus bekam so Weite und modernen Schick. Kurz vor der Corona-Krise verließ Emilia Bach Berlin und zog allein in den Norden Brandenburgs. Da hatte gerade Marks Sabbatjahr begonnen und sie konnte nicht ahnen, dass er niemals nachziehen würde.
Durch Corona-Regeln lernte sie im Dorf nach ihrem Zuzug niemanden wirklich kennen. Die Menschen blieben verborgen in ihren Bauernkaten, keine Chance für ihre Aufnahme ins Dorfleben.  Es gab einfach keins mehr. Hier ein grüßendes Zuwinken, dort ein sorgenvoller Blick, mehr wurde ihr nicht zuteil.
Alles, was zuvor in dem Mutterhaus steckte und von Wert war, hatte die Erbin in diesen Schuppen umlagert, oder besser gesagt versenkt. Denn sie betrat diesen Abstellraum seither nicht mehr. Die Dinge störten, verströmten eine andere Art zu leben, die ihr gefährlich schien. Die Krise verschärfte diesen Eindruck sogar noch.
Die Künstler – die Unrelevanten, die man einfach verhinderte, viele bis sie aufgaben. Manche brachten sich lautlos um. Berufsverbot, das kannte Emilia nur vom Hörensagen. In den alten Ländern betraf das Beamte, die beispielsweise Mitglied in der verbotenen DKP waren. In der DDR bekamen etliche systemkritische Künstler Berufsverbot. Aber im geeinten Deutschland wegen einer Seuche? Warum die Künstler? Warum nicht dann auch die Profisportler? Die Politiker meinten wohl, auf Kunst ließ es sich am leichtesten verzichten. Das hatte Emilia empört. Und diese Empörung war es wohl gewesen, die sie auf ihre unwirkliche Suche trieb. Die Suche nach den abgeschnittenen Wurzeln.
Wo anfangen? Emilia strich mit der flachen Hand über die Kisten und las die Aufschriften: „Bücher“, „CD’s“, „Belege“, „Manuskripte“, „Fotos“, „Zeichnungen“. Unmengen Kisten mit „Illustrationen“. Die Mutter war keine schnelle Zeichnerin, aber eine emsige. Emilia erinnerte sich, dass an einem Neujahrsmorgen, an dem die meisten Menschen noch verkatert in den Federn dösten, die Mutter schon wieder an ihrem Zeichenplatz saß und arbeitete: Neujahr, 9 Uhr morgens. Dieses permanente Arbeiten, diese strenge Disziplin, die von Sylvia Bach ausging, hatte Emilia abgeschreckt sich auf ihre Talente einzulassen. In Gedanken sah sie die Mutter zeichnend am Schreibtisch. Gebeugt, mit konzentriertem Blick und um den Mund: ein Lächeln. Es ging Liebe von ihr aus…

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Morgenstunde (560. Blog-Notat)

Über dem Aufbau der Büchertische hing dichter Nieselregen. Doch als hätte der Himmel ein einsehen, wurde es mittags besser. Es blieb zwar klamm, aber die Wolken hielten nach 14 Uhr dicht. Das brachte uns nach und nach wirklich viele interessierte Besucher zum Literaturfest am Bahnhof Wandlitzsee. Darunter auch kindliche Leser, die mein Buch „Der Schatz der Baumriesen“ favorisierten. Die meisten Besucher am Stand waren „Stammgäste“, aber es gab auch besondere Begegnungen: Eine „alte“ Kollegin überraschte mich mit einem Wiedersehen nach über 30 Jahren – das sind Sternstunden des Alltags. Wir hatten uns in den Wirren der Wende aus den Augen verloren, jetzt schreiben wir uns schon seit Monaten. Nachdem sie ein Buch von mir bei ihrer Mutter entdeckte, schickte sie mir eine Kontaktmail. Darüber kam es zu einem langen Briefwechsel und nun stand sie selbst vor mir. Da bekommt man/frau ne Träne im Knopfloch…😊 Bücher können eben auch Verbindungen aufnehmen… Ich hab mir Lesefutter von zwei Standnachbarn mitgenommen, mal sehen, was daraus wieder erwächst 😊…

 

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Morgenstunde (559. Blog-Notat)

Wir packen für den Bücherstand. Zelt, Tische, Stühle sind schon im Auto. Die Bücher habe ich in regenfesten Kisten verstaut. Wetter wird ja leider nicht so prickelnd, was echt bescheiden ist. Aber wir werden beim 4. Literaturfest in Wandlitz mit für gute Stimmung sogen. Eine alte Erfahrung besagt, bei Regenschirmwetter sind nur die wirklich Interessierten unterwegs, dann wär‘s ja auch gut. Für die diesjährigen Literaturfest-Lesungen bin ich nicht gebucht, für mich wird es so entspannter sein. Kein Lampenfieber… Also drückt uns die Daumen, dass es wenigstens nicht stürmt und weht, sondern nur trippelt, das könnten wir verkraften…Man sieht sich – vielleicht.

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Morgenstunde (558. Blog-Notat)

Montag, Dienstag so randvoll, als wollten wir die verplauderte Zeit vom Wochenende wieder einholen. Aber es ist etwas anderes: Sechs Kisten Honig wurden am Wochenende verkauft, da hat der Imkergatte doch vor freudigem Schreck, gleich noch 160 weitere Gläser befüllt und nix wars mit dem vorläufigen Ende der Etikettierung 😊. Tütenaufkleber für den Büchertisch in Wandlitz waren auch noch zu schnippeln… Anschießend ging es bei dem Manne weiter mit der zweiten Winterfütterung der Bienen, gestern noch eine Milbenbehandlung für 18 Völker. Im Zwischendurch habe ich mich entschieden, lieber an zwei Rezensionen zu arbeiten, denn am Romanprojekt kann ich nicht nur halbstundenweise schreiben. Aber die Zeit wird kommen. Für morgen ist die Blog-Buchbesprechung schon vorbereitet, Ihr könnt gespannt sein, denn ich habe letzte Woche einen wirklich bemerkenswerten Roman gelesen: „Raumfahrer“ heißt das gute Stück…

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Morgenstunde (557. Blog-Notat)

Gestern habe ich das neue FOLKLÄNDER-Album „So viele Wege“ gehört. Eine liebe Freundin hat es mir geschenkt. Und obgleich ich sogar nicht in der Folk-Szene unterwegs war und bin (eher bei den Liedermachern), fand ich es sehr schön anzuhören. Selbstironisch, witzig, altersfrech und immer dieser Irish-Folk-Sound dazu. Klangvoll und melodisch. Die einstige Studentenband gehörte zu den bekanntesten der Folk-Szene in der DDR. Nach einigen Jahren der Rampenlicht-Abstinenz haben Manfred Wagenbreth, Uli Doberenz, Gabi Lattke, Jürgen B. Wolff, Heidi Eichenberg und Ulrike Triebel in der Corona-Zeit neue Lieder und Nachdichtungen eingespielt. Anlässlich ihres 45. Band-Geburtstags brachten sie die neuen Titel bei Löwenzahn/Heideck 2021 heraus. Ich mag diese Comeback-Scheibe, die genaues Zuhören verlangt, damit auch manch‘ Seitenhieb verstanden wird. Das ist keine Backgroundmusik, sondern eine Art musikalische Erzählung. Jedes Teil, wie ein kleines Kammerspiel.

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Morgenstunde (556. Blog-Notat)

Also gestern wars, wie in alten Zeiten. Berliner Freunde kamen zum Nachmittag und es war, wie einst am Winsohr-Tresen. Im großen Bogen durch die Zeiten, durch alle Glücks- und Elendsstufen. Die Zeit hat schon mächtig an diesen Menschenkindern gerüttelt und man merkt, für manche wird es Zeit, die Koffer zu packen (und zwar alle!), um diese Stadt zu verlassen. Für immer, denn die macht manchen nur noch krank. Singles und Corona, was ist da nur alles Schlimmes geschehen. Einsam durch die Hölle. Und nun: Einsam aus der Stadt aufs Land oder in eine andere Stadt, das ist kein gutes Lebensmodell für die Ü45er. Aber das Ansprechen war schon gut, ein Anstoß für die Gedanken. Es ist genau das, was in der Corona-Zeit so fehlte: Der Austausch, das heilsame Gespräch mit Freunden. Die Folgen sehen wir jetzt, die Freundin am Tisch – das reinste Nervenbündel. Hätten wir ein großes Haus, ich würde sie glatt aufnehmen und ihr Hühnersuppe kochen, bis es besser wird… aber kein Quatsch, ganz sicher sollte sie sich eine der vielen Arten von Familienanschluss suchen…. Als Hausdame, Vorleserin, Kinderfrau oder einfach mal selbst ne WG gründen. Kinner ne, kann Leben kompliziert sein… Ich muss verschnaufen 😊 Habt eine schöne Woche!

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Morgenstunde (555. Blog-Notat)

QI Gong auf einer grünen Buckelwiese, da zwickt doch gleich die Hexe wieder und erinnert mich… Aber die Sonne schien so schön, im Himmelblau die Schwalben. Altweibersommertage vom Feinsten. Diese ersten Septembertage sind einfach wundervoll und begegnungsreich. Der Garten zeigt sich schon leicht vergänglich, aber noch tanzt das Leben darin auch prall und wir genießen es. Wir am Tage, nachts die Waschbären & Co. Am Schreibplatz allenthalben Zeilen…

Aus meinem Roman-Projekt „Die Zeit der weißen Wälder“:

…Es war jene Stunde in der Nacht, in der das Leid des Trinkers über den Tresen schwappte und der Wirt sich einen Schnaps eingoss, damit er das lallende Elend weiter ertragen konnte. Zu dieser Zeit schlich sich ein Schemen des Gauklers in die Bar. Ganz in Schwarz gekleidet verschluckte ihn beinahe der dunkle Raum.
„Ah, der Fürst der Finsternis gibt uns mal wieder die Ehre“, murmelte der Wirt in seinen Dreitagebart. Aber Hans, der Täuscher kam nicht an den Tresen. Er blieb in seiner Ecke und trank Bier und Whisky. Schon am Feuer mit Emilia verspürte er diesen aufsteigenden Drang, der ihn alle paar Monate beschlich. Seit Jahren trank er immer dann, wenn sein Leben jähe Wendungen nahm. Veränderungen warfen den Mann aus der Spur, denn dem Wandel folgten meist die schmerzlichen Verluste. Er war nicht bereit für eine neue Liebe und doch hatte sie ihn einfach angesprungen. Emilia erinnerte ihn an seinen eigenen Ausstieg aus dem bürgerlichen Leben. Als sie das Feuer im Hof löschten, hatte sie ihn an sich gezogen, doch er steckte bereits in diesem Gefühlschaos, das den Trinker in ihm wachrief. Mit einem „Ich muss nochmal weg.“, hatte er sich aus ihrer Umarmung gelöst und war mit seinem Wanderhäuschen in der Nacht verschwunden. Als niemand mehr den Tresen bevölkerte, erhob sich der Puppenspieler aus seiner Nische und setzte sich zu dem Barmann, der inzwischen Gläser polierte. „Warst lange nicht hier, Hans.“
„War nicht nötig, Tom.“ Der wusste, die nächsten Nächte würde dieser Gast nicht mehr vom Tresen weichen und sich schweigend verdüstern, bis ihn der Selbsthass wieder davon trieb…

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