Morgenstunde (1236. Blog-Notat)

Der Liebste hat die Sonnensegel unter dem Glasdach abgehängt, ein ganz sicheres Zeichen, die Draußenzeit ist bald vorbei. Aber gestern Abend gabs dann doch noch eine kleine Herbstfreude: Etwas über 20 Knirpse huschten schaurig geschminkt und gekleidet durch die Dämmerung: „Süßes oder Saures!!!“ jubelte es vor dem Tor.  Es ist ein Glück wieder Kinder im Dorf zu haben. Das Körbchen mit den Schokoladentäfelchen und Honigbonbons ist fast leer geworden 😊

Morgenstunde (1233. Blog-Notat)

Blättertrieseln, Blättertreiben, Blätterrauschen steht für etwas anderes, für das Überschlagen von Zeitungsmeinungen. Kein Staat habe ein Existenzrecht meint Vanessa Emde. Das hat mich veranlasst mal nachzulesen. Und wirklich kennt das Völkerrecht kein individuelles Existenzrecht, sondern schützt Souveränität und territoriale Integrität durch das Verbot von Angriffskriegen (Art. 2 Ziff. 4 der UNO-Charta), aber faktisch gilt als Staat, wer über ein Staatsvolk, ein Staatsgebiet und eine Staatsgewalt verfügt. Auch die Dynamik von Entstehen, Wandeln und Vergehen erkennt dieses Recht, sagt damit, es ist nichts in Stein gemeißelt. Das war mir irgendwie doch neu. Das „Existenzrecht Israels“ ist ein politischer gewollter Begriff der deutschen Staatsräson und nur darum geht’s beim aufgeregten Blätterrauschen und ob die Berliner Linke sich dran halten wird.

Morgenstunde (1230. Blog-Notat)

Die dunklen Zeiten beginnen. Ich hab ein aufladbares Fensterlicht gekauft, weil die Notenlichter batteriebetrieben sind, die kaum eine Woche durchhalten. Es soll ja nur ein kleiner Spot im frühen Abenddunkel sein, auf bei mir erhältliche Bücher. Alle paar Tage stelle ich ein anderes dorthin. Keine Ahnung, ob das irgendwer bemerkt. Es gehört zu meiner Routine, so wie ich eben auch blogge, wenn Ferienzeiten sind und kaum wer hinsieht oder gar regiert. Es ist mein Wirken nach Außen, eine Konstante in meinem Tag und dass, was ich noch kann. Die Bündnisse nicht nur auf Europas Straßen sind besorgniserregend. Destruktiv. Wo man hinsieht Zerfall: der Sitten, der Gesellschaften, der Infrastruktur. Dämonisierungen, Einflussverschiebungen und dazu verbissenes Bemänteln oder einfach Schönfärben aus Verblendung.
Allein das Zusehen ist kaum zu ertragen: Wo geht die Reise hin?

Morgenstunde (1229. Blog-Notat)

Frosthauch schwebt über dem Morgen. Nur ein paar Schritte über den Hof, dann rasch zurück, die kalte Luft kneift die Lunge… Zeit des Loslassens, des Abschieds von Wärme und Licht. Die Melancholie, die in dieser Jahreszeit wohnt, gehört schon immer zu meiner Grundstimmung, schon als Kind war das so. Dieses Sehnen, wonach nur? Letztes Leuchten im Weinlaub vor dem Fallen. Loslassen und über dem tröten die Kraniche. Gehen oder bleiben? Eine Karte fehlte in der Geburtstagspost und ich ahnte schon Schlimmes, denn meine alte Freundin vergisst nie zu schreiben. Heute wählte ich Mariannes Nummer und Gott sein Dank, sie ging vorsichtig ran. Man hörte ein zaghaftes Sprechen, zerbrechlich klang ihre Stimme. Aber sie freute sich, meine zu hören. Und wie erahnt, sie ist schwer erkrankt, eine große Tumor-OP kommt nächste Woche auf sie zu. Ich weiß, wie man da in sich geht. Menschen in unserem Alter… ich werde ihr in Krankenhaus schreiben, sie braucht jetzt Mut und Zuspruch, ein bisschen mehr als sonst, M. lebt allein…

Morgenstunde (1226. Blog-Notat)

Feierabend im Atelier.

Nun ist meine Weihnachtsproduktion abgeschlossen. Das zog sich über sechs Wochen, abzüglich der Außentermine und Besuchszeiten. Geschichte mit Aufmacher-Illustration sind geschrieben und gezeichnet, darüber hinaus entstanden 24 gute Weihnachtsgeister als Minigestalten.  Heute – zum Finale: der Nisser, ein echtes Schnuckelchen 😊. Alle diese Figuren habe ich danach im Photoshop in jeweils ein Winterfenster eingefügt – das wird der Kalenderlauf im Blog-Advent, jeden Tag ein Fenster, im Vollmond steht das Datum. Für mein analoges Atelier-Fenster habe ich diese Motive ausgedruckt, laminiert und zu zurechtgeschnitten. Das funktioniert dann wie ein Abrisskalender neben meinen Auslagen. Ich könnte stundenlang weiterspielen, aber ich denke, das reicht jetzt… ein paar von den Motiven könnte ich ja noch ausschneiden und als Hängerchen aufbereiten… 😊. Aber alles noch im Verborgenen und ja, das fällt mir wirklich schwer… Nun, ich denke, der Verlag wird mich nach der Buchmesse noch einspannen, so ein Buch macht sich schließlich nicht von allein, auch wenn schon alles zusammengestellt ist… aber jetzt kommt das Spannendste am Büchermachen – das Gestalten. Habt einen schönen Sonntagabend!

Morgenstunde (1221. Blog-Notat)

Es ist Tag der Deutschen Einheit und keiner hat für mich je so deutlich erklärt, was mein jahrelanges Empfinden stützt: das Gespräch mit dem Soziologen und Elitenforscher Michael Hartmann gestern im Ersten Deutschen Fernsehen. Er erzählt, wie beständig „der Blick durch die westdeutsche Brille“ ist und dass bisher nur der Westen wirtschaftlich entscheidet, was im Land geschieht und wie Entscheidungsträger auszusehen haben. Ganz klar und ohne Schnörkel (um es nachzuhören, klicke hier). Keine Tünche über der Wirklichkeit, ich danke dafür!
Ansonsten habe ich wohl genug dazu geschrieben, beispielsweise hier.
Habt einen schönen Tag alle miteinander!

Berliner Kneipe 1992-Verkehrsberuhigte Ostzone – in der Auguststraße – Berlin-Mitte,
Foto: Petra Elsner

Morgenstunde (1219. Blog-Notat)

Ihr Lieben alle, die Ihr mich gestern mit guten Wünschen bedacht habt – seid herzlich bedankt! Es war ein praller, sommerlicher Tag, die ersten Gäste kamen gegen 10 Uhr, die letzten gingen kurz vor 22 Uhr, so viele Worte und Gedanken… Blumen und geistige Getränke.

Mittags war Ruhe. Der Liebste stiefelte in den Wald und sah nach den Pilzen, ich setzte mich an das Werk, dass mir Sonntag ins Haus getragen wurde. Die Schwedter Verlegerin plant eine erweiterte Neuherausgabe meines Weihnachtsbuches „Von der Stille des Winters“, das 2016 erschien. 10 Jahre sind seither vergangen, mindestens 10 neue Weihnachtsgeschichten kamen hinzu. Es wird einen neuen Titel bekommen, die Texte mit Berlinbezug fliegen raus, es soll eine echte regionale Perle werden. Nun denn, das wird bestimmt…

Morgenstunde (1215. Blog-Notat)

Am Teich wuchsen nach dem Regen die ersten Birkenpilze, was den Liebsten umgehend in den Wald trieb. Er brachte kleine, knuffige Steinis und eine Marone mit. Es geht also langsam los mit der Pilzsaison. Bisher war es ja nur sehr verloren, was er nach stundenlangen Waldläufen nach Hause brachte. Aber jetzt ist sein Jagdfieber aufgeflammt und das Häuschen bekommt wieder diesen nahrhaften Duft von den Trockensieben.
Eine Anfrage brachte mich heute ins Grübeln: Die „Kleine Galerie der Stadt Eberswalde“ fragte an, ob ich nicht Lust hätte bei Ihnen auszustellen, nicht gleich, sie planen langfristig, aber irgendwann in 2028. Hah, wenn ich dann noch lebe. Ich müsste nur liefern, sie würden die Sachen selbst hängen. „Klein“ ist dabei die pure Untertreibung, denn es handelt sich um die ganze Empore im Sparkassenforum. Es ist doch verrückt, wenn man innerlich abgeschlossen hat, kommen plötzlich die guten Angebote. Ich hab erst einmal zugesagt, obwohl ich mir doch vorgenommen hatte, keine Pläne mehr zu machen…

Einen Tag später waren es schon so viele…

Morgenstunde (1213. Blog-Notat)

Die Tage schrieb Daniela aus dem Schwarzwald, lass uns doch noch ein Weihnachtsblöckchen machen, vielleicht mit einem Wichtel? Hah, da konnte ich dienlich sein, denn da gibt es ja seit 2024 meine 24 Heimlichkeiten. Ich schickte ihr die muntere Truppe als Karte, von der sie wählen konnte. Drei Mützenmännchen kamen in die Vorrunde 😊 und, ich habe sie damit echt erheitert. Wie schön. So geht es sich doch gleich viel entspannter in die neue Woche…

Morgenstunde (1212. Blog-Notat)

Aus der Reihe: Schräge Vögel auf Landpartie. Postkartenmotiv.

Nachdem gestern der Nachmittagskaffee mit Sabine ausgetrunken war und ich kurz verschnaufte, schepperte ein paar Minuten später die Hofglocke. Vor mir standen zwei langhaarige, spindeldürre Radler und fragten, ob sie sich im Atelier umschauen könnten. Sie sahen wirklich wild aus und sprachen nur gebrochen Deutsch. Der Imkergatte hantierte in der Bienenküche und bemerkte nichts von dem Besuch. Ich war schon ein wenig trieselig von den Bewegungen und dem gleichzeitigen Sprechen, aber gut: Hereinspaziert. Der junge, fast 2-Metermann, stellte sich als malender Russe heraus, der Kleinere war Amerikaner. Hey, im wirklichen Leben lebt die friedliche Koexistenz zumindest in den Ferien. Die halbfertige Leinwand „Sibirische Tundra“ verdutzte den Russen, er deutete darauf und meinte, seine Großmutter käme aus dieser Landschaft. Zufälle… Die beiden sahen sich interessiert um und fragten dann nach „Hönig“. „Bitte was?“ Es dauerte einen Moment bis ich begriff und bot eine Verkostung an. Jetzt waren sie wirklich hingerissen, ob der Gastfreundschaft, aber ich schnaufte schon welk. Gut, dass der Liebste endlich auftauchte und übernehmen konnte. Aber schön, wenn das Leben vorbeischaut 😊…