Morgenstunde (1201. Blog-Notat)

Mir war heute, als wäre es ein träger Sonntag im August. Alles ging mir nur langsam von der Hand. So ist die Lebenszeit mit COPD. Es gibt ab und zu gute Tage, die anderen sind gezeichnet von allem Möglichen. Von Schwäche, von Kurzatmigkeit, von Brustkorbschmerzen … und manchmal ist eben all das auf einmal und an einem solchen Tag will ich einfach nur schlafen oder spielen. Hab mich für letzteres entschieden und ein Windschiffchen gebaut. Zum Spaß. Das Segel ist ein Cartoon-Ausschnitt auf Transparentpapier gedruckt, der nun laminiert über einem Treibholz flattert. Ich werde noch ein paar Kleinere fertigen, bei denen das „Schiffchen“ aus einem Lindenhölzchen geschnitten sein wird. Irgendwann die Tage, wenn ich mal wieder eine Spielzeit brauche. Habt einen schönen Abend alle miteinander…

Morgenstunde (1196. Blog-Notat)

Der Morgen trägt Dämmerung. Eine Schwere legt sich auf die Schultern, als wollte sie sagen: Setz dich, ruh dich aus! Durch die Fenster fließt kühle Luft ins Haus. Wir können Durchatmen, bevor die nächsten Sommerspitzen kommen. Auf dem Handy ploppt eine Nachricht von Jana auf, sie teilt einen Auszug aus der Rede von Navid Kermani (deutsch-iranischer Schriftsteller) vom 20. Juli beim feierlichen Rekrutengelöbnis im Bendlerblock. Auf seinen Worten kaue ich schon die ganze Woche drauf rum. Das Gelöbnis im Gedenken an den Deutschen Widerstand will die Tugend des Neinsagens den Rekruten nahebringen. Aber was am Montag Kermani nun mit aktuellen Bezügen auftischte, ließ Gesichter entgleisen. Der Kölner sprach darüber, dass der Bundeskanzler „…es sich zu Gewohnheit gemacht hat, das Völkerecht klein und Völkerrechtsverstöße schönzureden, wo es ihm politisch opportun erscheint… Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und politisch desaströs ist, wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, dann wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern. Aber die Drohung, eine gesamte Zivilisation auszulöschen oder der erklärte Angriff auf die zivile Infrastruktur eines Landes, sind ein so offenkundiges Unrecht, dass man weder Jurist sein, noch das eigene Gewissen befragen muss, um das zu erkennen…nein, die Relativierung des Völkerrechts von höchster Stelle ist ein fatales Signal für unsere Demokratie. Denn wenn die Herrschaft des Rechts in unseren Außenbeziehungen erodiert, wird es nicht lange dauern, bis sie auch im Innern verächtlich gemacht wird…“
Da hat einer die Gunst der Stunde couragiert genutzt, um die Realität unter die Käseglocke zu fegen und nun ist es ausgesprochen und in der Welt. Ich danke dafür, weil gesagt werden muss, was ist.
Den Ausschnitt findet Ihr hier

Morgenstunde (1193. Blog-Notat)

Zurück in meinem Kramladen, hab ich zwei Tage nach der Tour nach Güstrow meinen Blutdruck eingefangen und schaue wieder besser aus der Wäsche. Es ist schon grenzwertig, wie sehr ein paar wenige Anstrengungen das ganze alte Haus zum Wackeln bringen. Da treibt eins das andere an… Dieser Umstand verlangt den Rückzug aus dem öffentlichen Leben und ja, dass vermisse ich doch sehr. Will die Tage etwas mit einem neuen FLYER-KUNST-BUCH experimentieren, dass ist das sozusagen eine selbst verordnete Freude, die die Überlebenslust stärkt….

Morgenstunde (1191. Blog-Notat)

Nachdem die Galeriekiste gepackt war, sind wir heute alles ignorierend nach Güstrow aufgebrochen. Im Grunde weiß ich ja, reisefähig bin ich nicht mehr so recht. Meine Fahrmeise trieb natürlich wieder den Blutdruck an, als wir in der Galerie 21 ankamen, stand ich hochrot auf sehr wackligen Beinen. Es gab trotzdem ein gutes Kennenlerngespräch mit der Galeristin Kersten Klevenow. Sie nahm meine komplette Vorauswahl an sich, alles schöne Dinge, die erschwinglich sind. Die Zeiten sind so. Zurück bis zum Auto waren es keine 50 Meter, aber ich musste alle paar Schritte stehen bleiben. Im Auto maß der Blutdruck über 200. Meine Güte, das bisschen war schon zu viel Anstrengung. Ich warf Tabletten und los gings. In Mirow nahmen wir eine Mahlzeit beim Italiener, ich spürte, wie der Druck langsam nachließ. Zuhause angekommen fand ich auf dem Atelierfensterbrett eine Schüssel voll Klaräpfel von Gertrud und Horst vor, was hab ich mich darüber gefreut 😊Ich danke sehr…

Morgenstunde (1184. Blog-Notat)

Samstag waren wir seit langem mal wieder unter Leuten. Der Kulturverein hat vor der Sommerpause zum Forellenessen eingeladen. Da konnte ich einfach nicht widerstehen 😉. Auch, wenn ich für die Schritte durch den weitläufigen Garten von Gertraud und Horst mehrere Atempausen brauchte, um auf dem kleinen Festplatz anzukommen.  Ich hab‘s nicht so gerne, wenn man mir beim Verschnaufen zusehen kann, nun denn…
62 Fische hatten Vereinsfreunde am Freitag in Prenzlau geangelt, ausgenommen und Horst hat sie gestern Abend für uns geräuchert. Spitzenmäßig. Jeder hatte etwas für den Abend beigesteuert und so bogen sich die drei Tische unter den vielen Salaten, selbstgebackenem Brot für Tomaten- und Kräuterbutter und einer sehr besonderen Torte. Es war ein wohliges Schmausen und Plaudern. Der Himmel spendierte Tropfen, wir rückten zusammen und bekamen gegen die Abendkühle wärmende Decken. Die allermeisten der Runde hatte ich seit Oktober nicht mehr gesehen. Ein seltsames Gefühl, etwas von Dabeisein, doch eher Gast sein. So etwas geschieht, wenn man sich zurückziehen muss. Aber dieser Abend war gesellig, die Forelle war saftig, der Weißwein süffig. Ein feiner Abend, ich danke sehr.

Morgenstunde (1182. Blog-Notat)

Wolkengeist

Nach den heißen Tagen ist der Garten hitzewelk. Die Johannisbeersträucher haben die Ameisen erobert und saugen den Saft der Früchte aus und in der roten Stachelbeere auch. Sie nisten im Wurzelbereich, da kann man so gar nichts machen… Stauden wie gelbes Sonnenauge haben aufgeben, selbst der unverwüstliche Phlox. Die Verluste waren zu erwarten. So ist das seit Jahren in diesem Garten, was die Spätfröste nicht leben lässt, holt die Sommerhitze. Dazu reichen schon ein paar 30-Grad-Tage. Aber fast 40 Grad… Die Sandgärtnerin ist einigermaßen mutlos geworden, nicht lebenssatt, nur müde und alt. Es hilft ja wohl kein Nachsinnen, wir Lüften das Häuschen nach der Stunde Landregen, solange es geht. Die Prognosen sagen für Anfang Juli die nächste Hitzewelle voraus. Ich weiß ja nicht, wie Ihr die jüngsten Tage überstanden habt, wir wurden von Tag zu Tag immer schwächer und dümpelten nur noch herum. Sollen so die zukünftigen Sommer aussehen? Ich werde den Winter lieben lernen…

Morgenstunde (1180. Blog-Notat)

Wir haben den Beutezug der Woche auf gestern vorverlegt und nicht erst die heutige Ü-30-Grad-Marke abgewartet. So können wir vor die Tür gehen, solange es erträglich ist, wenn nicht, dann nicht. Die Pflanzen im Tomatenhäuschen bekamen noch ein weißes Laken als Sonnenschutz spendiert, ich hoffe, es hilft ihnen, die Hitze zu überstehen. Der Imkergatte ließ abends noch die Waben der 2. Schleuder kreisen. Mitte/Ende Juli wird er Abschleudern. Das Bienenjahr ist viel kürzer als das Kalenderjahr. Die Tierchen befinden sich schon im Herbst, während ihr Honig in den Abfüllgefäßen gerührt wird und reift. Aber auch wir rüsten schon für das zweite Halbjahr und haben heute Heizöl liefern lassen. 1000 Liter, damit kommen wir gerade bis zum Jahreswechsel. Die Ölkrise beschert schwankende Preise. Diese Ladung war satte 150 € teurer als die letzte in 2025. Wir wollen hoffen, dass die Preise wieder ein niedrigeres Niveau erreichen, möglichst stabil, bis dahin geraten solche Bestellungen zum Pokerspiel: Wer blinzelt, hat schon verloren. Via iPhone kam heute die Nachricht, unser für Samstag geplantes Dorffest wurde wegen Hitze abgesagt, das ist genau die richtige Entscheidung, wer tanzt schon bei 40 Grad… die Kreativität geht auch bald schlafen … Nachteulen schauen stattdessen: Fußball 😊

Morgenstunde (1172. Blog-Notat)

Es ist Draußenzeit und doch werde ich immer wieder gebeten, mein Fotoarchiv zu durchsuchen. Eines meiner Fotos auf Facebook brachte die Sache vor zwei Wochen ins Rollen. Mein Sohn rief an und fragte, ob ich noch mehr von diesen alten Ansichten hätte, ein Freund wolle einen Fotokalender mit Stadtansichten von Zeuthen gestalten, ehrenamtlich. Da habe ich stundenlang gesucht und alte Bilder im Photoshop bearbeitet und dabei flogen die Gedanken weit weg… Der Freund war ganz außer sich vor Freude und hatte naturgemäß weitere Wünsche. Manche konnte ich erfüllen und wäre ich nicht Anfang der 90er gedrängt gewesen, von diesem Westgrundstück, auf dem ich 35 Jahre lebte, wegzuziehen, hätte ich niemals diese Aufnahmen geschossen… Sie sollten für mich Erinnerung sein. Ich glaube, niemand ist seinerzeit durch Zeuthen gewandert, um die abgetakelten Häuser zu fotografieren… Dieses Suchen und Finden gut 30 Jahre später hat wirklich Laune gemacht. Mich befiel dabei Sehnsucht nach den alten Lebenskreisen, den Freunden, den Nachtgesprächen, der Aufbruchstimmung 1989 – unwiederbringlich. Aber die Fotos gibt es noch… und aus dem Nachsinnen entstanden die MINIATUREN „Die Schreibmaschine“ und „Versehrte“.

Der S-Bahnhof Zeuthen 1990 – das anstiftende Foto auf FB.

Morgenstunde (1171. Blog-Notat)

Mein nächstes Künstlerheft in der Reihe ELSNER EDITION wächst langsam heran. Der sechste Titel MINIATUREN wird Kurzprosa & gestaltete Lyrik umfassen. Eigentlich sollte es ein Klausurthema werden und nun fließt es so nebenher. Nichts liegenlassen, wenn die Zeit tickt. Bei diesem herrlichen Sommerwetter sind wir natürlich mehr im wilden Garten, aber in der frühen Morgenstunde sind die kleinen Teile rasch geschrieben und die Lyrikblätter entstanden ja schon im letzten Winterhalbjahr, sie bekommen hier nur einen besonderen Platz. Der Imkergatte hat indes drei Schwärme gefangen, das wird wohl bis zur Sonnenwende so weitergehen. Da hat er mehr zu tun, als er ursprünglich wollte. Das Gartenjahr wird reicher, denn zum ersten Mal seit vielen Jahren, ist unsere Obstblüte mal nicht erfroren. Und nun steht ist Pfingsten im Kalender und das Wetter wird fabelhaft, also macht es Euch schön alle miteinander!

Morgenstunde (1170. Blog-Notat)

Das Gemeinschaftswerk GARTEN pendelt sich ein. Als ich sieben Tomatentöpfe bestückt hatte, platzierte der Liebste sie im Tomatenhäuschen. In das zweite Hochbeet schüttete er weitere vier Säcke Erde und lockerte das gepresste Material. Danach konnte ich pflanzen, was noch in Töpfen wartete. Gurken, Kohlrabi, Paprika. Zwischendurch ein Tosen in der Luft. Ein Bienenschwarm stieg auf und landete nicht wie die zwei Vorgänger dieser Tage in den Gärten der Nachbarschaft, sondern hoch oben in einer Kiefer am Waldrand. 18, 20 Meter hoch, da winkt der Imker ab. Wie es aussieht, entpuppt sich das Frühjahr als Schwarmjahr. Gestern hat er bei der Durchsicht der Beuten jede Menge Weiselzellen entdeckt und entfernt, was das Schwärmen verhindern soll. Nun denn. Das ruhigen Pflanzen gestern und heute füttert meine Seele und glättet die emotionale Krise der vergangenen Woche…