Morgenstunde (939. Blog-Notat)

Wir sind zurück von der Insel und irgendwie auch ganz froh. So schön das Standlaufen und die Meeresbrise ist, heimisches Essen kann verlockender sein. Als ich gestern beim Italiener auf der Heringsdorfer Seebrücke statt eines feinen Salates mit gutem Dressing nur einen Berg geputztes und sehr grob geschnittenes Gemüse bekam, hatte ich (nach einigen anderen kulinarischen Enttäuschungen) restlos die Nase voll. Ja, es standen Essig und Öl auf dem Tisch, aber Kinner nee, für reichlich 16 € kann man wohl einige Kräuter und Marinade dazu erwarten. Also ein bisschen mehr Finesse… Die aber scheint aus der Mode zu sein. So freue ich mich auf meine eigenen Salate und kann so leichter den Abschied vom Inselleben verdauen. Faulenzen ist nach dem dritten Tag eh nichts für mich 😊. Schönes Wochenende allerseits, es ist Gartenzeit!

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Morgenstunde (938. Blog-Notat)

Die Nacht nach der Lesung im Jagdschloss konnte ich nicht gut schlafen. Mir spukte es im Kopf herum, wie denn Lesungen ohne meine Bücher zukünftig laufen sollen. Ich erzählte ja bereits, dass der Verlag nicht mehr auf Zuruf Bücher liefert. Da wird das öffentliche Agieren für mich ungewiss. Gut, ich werde mit meiner angeschlagenen Gesundheit nicht mehr sehr viele Lesungen geben, aber für jene eben sollten meine Bücher vorliegen. Diese Altersübergänge nerven. Auch die des Verlages. Es war also nachts, als ich eine helfende Idee fand: Nämlich, wenn die Bücher vergriffen bleiben, könnte ich ja „Hefte zur Lesung“ handfertigen, als Auszugsausgabe ausschließlich für Lesegäste. Ähnlich wie die guten Programmhefte von anspruchsvollen Theatern. Nur eben handgefertigt, limitiert, nummeriert… Sozusagen etwas Besonderes, wenn denn schon das Buch, die Bücher nicht greifbar sind. Ich höre immer öfter, dass es anderen Literaten im Alter ähnlich ergeht, die in Kleinverlagen beheimatet sind. Und dann gibt es noch die anderen, die ganz Großen mit stärkeren Herausgebern, aber auch unter ihnen gibt es die am Rande…

Der musikalische Poet Wenzel schrieb in seiner Laudatio zum 80. Geburtstag von Christoph Hein im „Freitag“: „Ausdauer ist die Stärke der Schwachen. Die Welt muss auch für den nächsten Tag lebendig bleiben…“ und weiter – auch interessant: „Auch Hein gehört zu den entmachteten Eliten. Der Punkt, von dem er Welt und Vergangenheit betrachtet, liegt am Rand. Von dort nur ist es möglich, ins Innere der Welt zu blicken.“

Nun, ich bin kein Hein, aber doch auch Schattenelite, die sich irgendwie selbst helfen muss – am Rande ihres Seins.

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Morgenstunde (937. Blog-Notat)

Als wir letzten Herbst die Lesetermine für das Jagdschloss verabredeten, konnte niemand ahnen, dass auf den 6. April 2024 der erste Sommertag des Jahres fallen würde. So hatte der heutige Lesenachmittag einfach schlechte Karten, denn am 1. warmen Wochenende nach dem Winter zog es die Menschen verständlicherweise anderswo hin. In die Gärten oder auf die Sonnenterrassen. 15 Gäste fanden zu mir und hörten mir leise zu. Ich glaube, es waren mehr Menschen, die mir virtuell gutes Gelingen der Veranstaltung wünschten… Nun denn. Ich hoffe, die Zuhörer im Roten Salon haben es nicht bereut, zu mir gekommen zu sein. Weiß man ja nie so genau im Nachhinein… zumal die Barnimer ihr Herz so gar nicht auf der Zunge tragen 😊.
Habt alle miteinander ein entspanntes Wochenende!

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Morgenstunde (936. Blog-Notat)

Am Gründonnerstag kamen die bestellten Märchenplatten aus der Druckerei und nun, in der Osterzeit, ist Gelegenheit, die Dinge auszustatten und in der Efeu-Wand zu platzieren. Überhaupt sind ja noch Haufen von Weidenruten zum „Spielen“ vorrätig: Für beispielsweise eine spanische Wand (um wenigstens eine Ablage des Imkergattens zu verstecken) und kleine Windspiele … Ostern ist Spielzeit. Lasst es Euch gut gehen 😊

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Morgenstunde (935. Blog-Notat)

Da sind wir gestern spontan morgens Richtung Küste aufgebrochen. Für ein paar Sonnenstunden am Meer und abends zurück. Das haben wir das letzte Mal vor zehn Jahren gemacht. Nur kann ich verraten, so müde waren wir damals danach noch nicht 😊. Egal, wir sind unserem Herzen gefolgt und wurde mit einem glänzenden Tag belohnt. Die Sonneninsel war schon reichlich gefüllt. Ist ja klar, es sind Ferien und Ostern steht vor der Tür. Kein Wunder also, das Usedom, die Badewanne der Berliner, zur ersten Saison des Jahres ruft. Ein ABER hat es doch – opulente Menüpreise und: in Heringsdorf sichtbarer Leerstand in den Ladenzeilen. Zeichen von Umbrüchen, was auch immer es werden will…

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Morgenstunde (934. Blog-Notat)

Vollmond in Sicht. Nach dem Regenwochenende schimmert endlich Licht durch das Gewölk. 13,5 Liter Regenwasser sind allein gestern gefallen. Der Staub der Mark kanns gebrauchen. Das Buchmessewochenende in Leipzig ist nun auch Geschichte. Für mich ist das immer eine nachdenkliche Zeit. 13 Buchtitel habe ich in den vergangenen zehn Jahren durch „meinem“ Verlag auf den Weg gebracht. An einem Messestand zeigte sie der Verlag nie. Die Entscheidung hatte fraglos etwas mit Kosten zu schaffen, aber ein Verlag mit eigenem Buchladen verfolgt da gewiss eine eigene Strategie, die mir bis heute nicht einleuchten will. Verlagsgeheimnis. Auch die Auflagenhöhe meiner Bücher. Die Geschicke im Osten sind immer noch ein Verwirrspiel auf Kosten von Lebenszeit. Vom Geld wollen wir da gar nicht erst reden. Ich bin zu alt, als dass ich es noch ändern könnte, aber wieder einmal nährt sich das Gefühl: Nicht dazugehörig zu sein. Wenzels Lied in den Ohren… „Heimweh nach dem Mond“.

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Morgenstunde (933. Blog-Notat)

Eine klitze-kleine Geschichte ist geschrieben und heute Abend zeichne ich dazu. Zu lesen ist sie am Sonntag…😊 Daneben bin ich beim Frühjahrsputz der Fenster, der Vorgarten ist fertig zum Osterfest geschmückt. Eine Handvoll kleiner Glocken hängen jetzt im Zaun. Für spazierende Kinder als Wegmarke. Hier kann gebimmelt werden, ich beginne dafür weiter zu sammeln…😊. In unserem einstigen Waldgarten in der Märkischen Schweiz hingen klingende Wurzelgnome. Mit Triangel und Bimmeln. Die zwei Wochenendkinder waren immer ganz aufgeregt, wenn sie an dieser Stelle vorbeikamen… eine Überraschung für die Fantasie eben…
Morgen geht’s nach Hirschfelde zum Imkereifachhandel. Der Imkergatte wird seine aus alten Waaben gewonnenen Wachstorten gegen neue Mittelwände tauschen. Es dürften so zehn Teile sein. Die Tour dorthin ist schön, ich freu‘ mich drauf…

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Morgenstunde (932. Blog-Notat)

Kalte Luft, klarer Blick. Wir hatten gestern eine entspannte Ausfahrt nach Neuruppin. Eigentlich ging es nur um einen Termin bei der Postbank. Für so etwas muss man ja heutzutage weit fahren… Aber die Blicke in die erwachende Natur entschädigen vollends. Gegenüber dem alten Neuruppiner Gymnasium lockte ein kleiner Markt. Dort waren nur Leute mit Frühlingsgesichtern unterwegs und ein Blumenstand lockte, wie man ihn nicht alle Tage sieht – ich musste das tränende Herz einfach mitnehmen 😊. Auf der Rückfahrt packten wir in einem Gartenmarkt die nächste Ladung Erde ein, womit nun auch das zweite Hochbeet angerichtet ist, die warme Zeit kann kommen.
Abends übe ich für meine erste Lesung dieses Jahr im Groß Schönebecker Jagdschloss und schreibe unterhaltsame Zwischentexte. Letzte Woche wollte ich bei meinem Verlag meine Bücher für diese Lesung nachbestellen, aber wie so oft, wird erst in der Vorweihnachtszeit nachgedruckt und dann auch nicht alle 13 Titel. Da kann man sich noch so sehr abstrampeln, wenn die Partner nicht mitziehen (können), wird’s nichts. Nun denn, die Zukunft liegt eh in den handgefertigten Künstlerbüchern, spätestens, wenn die Kleinverleger in Rente gehen…

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Morgenstunde (931. Blog-Notat)

Vier Grad miese in der Nacht. Der Winter zuckt noch einmal kurz. Trotzdem geht’s an die Gartenarbeiten und manches geht ja auch dafür drinnen. Weitere Asträhmchen bauen zum Beispiel. Gestern habe ich, wie jedes Jahr, zwei neue Märchenplatten bei „creative“ bestellt. Aus wetterfestem Alu-Verbund. Wenn sie eintreffen, hängen dann neun Stück im Efeuzaun. Ein guter Ersatz für die großen Märchenbanner, die morgens aufzuhängen und abends wieder ab, doch kräftemäßigen Aufwand bedeuten… Außerdem sind die Banner windempfindlich, die Platten nicht.

Samstag kamen die ersten Frühlingsbesucher ins Atelier. Drei ältere Herrschaften aus Reinickendorf entdeckten bei einer Kaffeeausfahrt unsere Schilder am Zaun und klingelten spontan. Sie sahen sich sehr interessiert um und kauften zwei originale Cartoons (eine fliegende Eule und einen Raben), dazu mehrere Bücher. Das begleitende Gespräch war locker und voller Lebensironie. Sehr schön. Anschließend kosteten sie sich durch die Honigsorten des Imkergattens und eine Stunde später waren sie schon wieder auf und davon. Der Tag trug irgendwie Leichtigkeit 😊…

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Morgenstunde (930. Blog-Notat)

Es war eine mühselige Zupf- und Sammelwoche. Mit dem Heranwachsen des Gartens sind etliche kleine Schattenplätze entstanden, auf denen die einst gesteckten Frühblüher ein lichtloses Dasein führen. All diese blütenlosen Triebe habe ich in den letzten Tagen ausgegraben und auf Sonnenplätze gepflanzt. Es waren bestimmt Hundert. Mit Bokashi-Erde als Starthilfe auf dem sonst so sandigem Grund, begannen kaum später die ersten dünnen Krokusse und Blausterne aufzublühen. Ein Schauspiel. Es war ein bisschen, als würde ich Frühlingskinder erwecken…😊. Zur Gartenzeit im März gehört für mich auch, verwitterte Spielzeuge zu reparieren. Zum Beispiel zerbrochene Astrahmen für Märchenplatten und es gab die Neubemalung eines Vogelklotzes, der ganzjährig der Linde hängt.

Gestern habe ich ein bemerkenswertes Feedback zu „Morgenstill“ bekommen. Ich bin sehr dankbar für diese wunderbare Reaktion, denn ich war mir zuletzt nicht mehr gewiss, was dieser Text „wert“ ist. Einige Leser zeigten sich berührt, andere sagten gar nichts. Wenn man das Hemd weit aufreißt… kann es sein, es wird peinlich. Diese Worte stabilisieren mich gerade 😊!!! Denn natürlich wollte ich „Morgenstill“ nicht nur für mich schreiben, denn der Monolog wohnt ja in mir… Mit Erlaubnis teile ich Nachfolgendes:
Petra Wolf schrieb:

Liebe Petra,

nun habe ich Morgenstill gelesen, mehrmals, um alles aufzusaugen und auch wirklich zu verstehen. Ganz gelungen ist es mir noch nicht, muss ich zugeben. Doch ich finde es gar nicht schlimm, wenn Rätselhaftes stehen bleibt. Sehr beeindruckt bin ich von der Poesie deiner Sprache, deinen Wortbildern. Wie du deine Angst vor dem Tod beschreibst und wie sich diese Ängste wandeln in “wunde Splitter”, die in deine Geschichten fließen und dort dingfest gemacht werden. Dein Rückzug vom Leben, krankheitsbedingt, macht mich traurig, aber ich verstehe ihn. Die Kräfte müssen eingeteilt werden…
Liebe Petra, “Morgenstill” ist ein ergreifender Text über das Altwerden und Kranksein, fernab jeglicher “Betroffenheitsliteratur”, wie du das an einer Stelle benennst. Und so ganz nebenbei erfährt man auch noch eine ganze Menge über dich, das hat mir auch gefallen. Ich wünschte so sehr, dass du noch lange die Kraft haben mögest, viele Zeilen zu schreiben…

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