Morgenstunde (951. Blog-Notat)

Frohe Pfingsten allerseits! Hab gestern noch in unsere Doppelauffahrt eine Maien gestellt, geschmückte Birkenzweige zum Schutz von Haus und Hof. Es ist altes, ländliches Brauchtum zu hohen Festen… Die steht nun genau auf der Grenzlinie zum Nachbarland und behütet so beide Anwesen 😊.
Die windigen Tage der letzten Woche haben leider wieder meine Atmung erschwert, damit schaff ich nichts im Garten, außer ein paar Radieschen zu ziehen und Salat zu ernten.
Also habe ich im Atelier noch ein paar Engel in der klassischen Ausführung bepinselt. Der Liebste meint, er mag sie lieber als die neuen. Nun, über Geschmack lässt sich streiten… aber es soll ja jeder was finden können. Doch genug, jetzt ist Feiertag und wenn der Regen reinzieht, könnte man ja wieder zum Buch greifen…

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Die Maien – grüne Hoffnungsbündel

Frühlingsregen.
Frühlingsregen.

Es war mir ein Rätsel, weshalb in unserem Schorfheidedorf immer zu Pfingsten frisches Birkengrün die Tore, Ställe und Vorgärtchen schmückte. Einfach so, ein paar Zweige, gebunden mit Schnur. Das war und ist so bei den Alteingesessenen, aber woher der Brauch der „Maien“ rührte, konnte mir keiner so recht sagen. „Es ist bestimmt eine Art Schutz für Haus und Hof“, meinte die  Nachbarin rechterhand. Aber weshalb gerade zu Pfingsten?
Ich wollte es genauer wissen und habe mich etwas belesen. Das ist die Essenz: Die Birke gilt seit jeher als Symbol für Kraft und Anmut, Lebenswillen und Trost, für Licht sowie Heiterkeit. Das Aufstellen von Birkenzweigen soll die Freude über das Erwachen der Natur ausdrücken. Die Volkskundler sehen hinter den Maibräuchen eine Art Analogie-Zauber oder auch Analogie-Glaube. Das heißt, die Menschen glaubten, dass bestimmte gute Kräfte der Birke auf den Menschen oder das Vieh übergehen würden. Die Kraft des ersten frischen Grüns sollte beispielsweise die Kühe veranlassen, besonders viel Milch zu geben. Alle alten Maibräuche finden zwischen dem „Säen und Mähen“ statt, also in einer bäuerlichen Atempause. Doch in dieser wohnte die ungewisse Erwartung, wie die Ernte ausfallen würde. Die Maien sind also Ausdruck für die Hoffnung, alles möge sich gut und reichlich fügen.
Keine Frage, seit dem ich das weiß, wird auch unser Hof von Maien geschmückt, denn der fast vergessene Frühlingsbrauch ist ein schöner im dörflichen Leben.

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