Morgenstunde (526. Blog-Notat)

Sommerschön ist’s draußen, als könnte der Sonntag kein Auge trüben, aber wir können nur hoffen, von der Gewitterfront nicht zu viel abzukriegen. Die Schmetterlingswiesen haben sich gut entwickelt, es sah im Juni noch nicht danach aus. Die Wege und den Teichplatz habe ich gestern mit dem Rasenmäher frisch frisiert, es läuft sich darauf wie auf einem flauschigen Teppich.  Der Imkergatte schafft gerade den nächsten Honig aus dem Bienengarten heran. Sieht müde aus, der Liebste. Das Schleudern zieht sich. Viele Honigwaben waren letzte Woche einfach noch zu feucht. Dass heißt, alles Entnommene muss wieder zurück in die Beute und der Imker darf darauf warten, dass die Bienen den Honig trocken fächeln. Bei 16/17% Feuchtigkeit (misst man mit einem Refraktometer) kann er erst geschleudert werden, sonst würde der Honig im Glas gären. Noch werden die gut 200 Kilo der Frühsommerschleuder täglich gerührt bis sich die Zuckerketten cremig verbinden… Gut Ding will Weile haben… so vergehen die Sonnentage mit Arbeit, statt Muße, ich weiß eh nicht wie das geht…

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Morgenstunde (525. Blog-Notat)

Die erste Ferienpost im Briefkasten gefunden und sie erzählt allseits gleichermaßen von der Erschöpfung der Menschen mit der sie zu Sonnen, Sand und Meer aufgebrochen sind. Unser Schlafbedürfnis will einfach nicht nachlassen. Zehn Stunden ist das Minimum. Es wird Zeit brauchen, den Dauer-Alarm aus 15 Monaten von der Seele zu nehmen. Es ist gut, dass ich derzeit an einem Text arbeite, der Melancholie, die den Deutschen so eigen ist, zulässt, da muss ich nicht einem unbekannten Grundton nachspüren. Der Text erzählt romanhaft von den Brüchen, die jede Generation erleben musste: Weltkriege, Vertreibung, Teilung, Wende, Terror und Naturkatastrophen. Etwas davon erfährt jedes Menschenleben. In dem geteilten Deutschland nur zu unterschiedlicher Zeit und daher denken wohl manche, sie seien unverletzbar. Aber das sind wir nicht.

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Morgenstunde (524. Blog-Notat)

Der Sommer macht Pause, was für uns heute gut war, denn wir mussten wieder einmal nach Berlin-Steglitz zur Charité. Das sind immer aufregende Autofahrten durch die West-City, in der die Straßenführungen für mich immer noch vollkommen verwirrend sind. Viele Tunnel, enge Auffahrten zur Stadtautobahn. Das Navi sagt immer etwas zu spät an, wo es rum geht, mit dem Ergebnis, dass wir uns verfuhren. Als wir nach fünf Stunden wieder auf dem Hof ankamen, haben wir uns erst mal hingelegt. Alle Vierteljahre müssen diese Touren sein, denn die Antikörper-Therapie bekomme ich nur dort. Der Prof. räumt Chancen ein, dass sich die Zellen doch noch etwas mehr erholen, vielleicht, mit viel Geduld in zwei Jahren. Wir werden sehen. Morgen heißt das Thema weiter: Honigernte, lecker! Die sommerliche Dunkelzeit stimmte einen lange nicht erspähten Waldbesucher offenbar ganz herbstlich. Der fresslustige Dachs hat sich unseres Komposthaufens erinnert. Auf dem Weg dorthin räumt er jetzt schon die Steine aus den verstellten Zaununtergrabungen – ich bin beeindruckt…

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Morgenstunde (523. Blog-Notat)

Augenblicklich gibt es eine kleine Pause im Schreibprojekt, denn seit gestern steigt der zweite Akt auf meiner Sommerbaustelle 2021: Die Halbierung des Blumenmondes. Das fordert mich einigermaßen heraus, denn die Pflastersteinbegrenzung ist kein Leichtgewicht. Allenthalben Verschnaufpausen, egal, ich will die kühleren Tage nutzen. Der Imkergatte hat mit dem Honig schleudern alle Hände voll zu tun… also einfach alleine loslegen. Die Steine sind inzwischen aufgenommen und mit der Sackkarre anderswo platziert. Das einstige Staudenbeet ist beinahe beräumt. Morgen kommt der Rest weg, dann ist der Raum unter der Linde Beet frei. Kann später Grassamen drauf. Zukünftig wird es bei Garten-Lesungen nicht „im“, sondern „am“ Blumenmond heißen. Na ja ein Viertelmond ist es ja noch… Dafür haben wir einen größeren Schattenplatz, bei Ü30 Grad absolut ideal.

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Morgenstunde (522. Blog-Notat)

Wir waren unterwegs ins Erzgebirge, um mit dem Vater seinen 93. Geburtstag ein bisschen zu feiern. Aber nach Frohsinn war dem alten Herrn nicht so recht. Er hadert mit seinen alten Knochen und dem brüchigen Leben, was zu verstehen ist. Aber in den Gesprächen führt es zu Wortfindungsproblemen. Das Leben auf der letzten Stufe ist schwer. Das Beste und Aufmunternde, was ich je zu diesem Thema las, fand ich bei Hermann Hesse:

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Ich wünschte, in diesem Sinne selbst die Stufen des Lebens nehmen zu können und der Vater auch, es hilft wohl, sich die Hesse-Zeilen immer mal wieder zu bedenken. In der Nacht zu Samstag begann es auch im Erzgebirge zu stark zu regnen. Ich war schlaflos mit den Hochwasserbildern aus Westdeutschland im Kopf. Auf der Rückreise fuhren wir gestern Nachmittag bei Finsterwalde in starke Gewitter hinein. Es pladderte gigantisch und im Radio kamen die ersten Hochwasserwarnungen von der Neiße. Als wir im Schorfheidewald ankamen, lag hier sommerliche Hitze über dem Land. Heile Welt, während in Rheinland-Pfalz, NAW und nun auch in der Oberlausitz, Bayern und Österreich Existenzen vom Hochwasser verwüstet  wurden, werden. Ein seltsames Gefühl.

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Morgenstunde (521. Blog-Notat)

Schwere Luft, jede Arbeit schweißtreibend. Gestern Nachmittag kamen alte Berliner Freunde mit einem zeichnerisch begabten Jungen. Es ist toll den Nachwuchs zu ermutigen. Nie war ich ein Fan von Workshops, aber einzelnen jungen Menschen etwas zu erklären und mitzugeben, das mache ich sehr gerne. Heute klebt das Wetter noch mehr. Wir sind nach Burgwall an die Havel gefahren und haben im Gasthaus „Zur Fähre“ sehr gut gegessen. Mit dem Blick auf den ruhigen Fluss klingen die Katastrophenmeldungen aus dem Landkreis Ahrweiler in der Eifel furchtbar. Wildwasser aus dem Nichts. Die betroffenen Menschen tun mir unsäglich leid.

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Morgenstunde (520. Blog-Notat)

Die Goldaugenbremse ist lästig in diesen Tagen. Kaum steckt frau ihren Blondschopf vor die Tür und pilgert frohen Mutes in den Garten, umkreist mich eine und hofft auf einen Blutsaugertreffer. Das Bist! Man rät den Geplagten, nicht mit kurzem T-Shirt in die Landschaft zu treten, aber bei Ü30 Grad. „Nee, nich?“ Ich wedele wild um mich und entfliehe sehr bald wieder dem Grün. Dennoch hab‘ ich gestern Wiesenteile gemäht, denn mir schien, das Garten-Zustand-Checken der Sonntagsbesucher fiel nur so lala aus. Ein Garten verbreitet eben nicht jeden Tag den gleichen Charme… Also hab ich innerlich Besserung gelobt und eine Rasenmäh- und Weinschneideschicht eingelegt und immer über mir – die Goldaugenbremse – herrje…

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Morgenstunde (519. Blog-Notat)

Die Urlauber in diesen Julitagen werden bestimmt mit ´nem langen Zapfen rumtoben, was ich gut verstehen kann.  Ich aber ziehe mir einfach eine dicke Jacke über und gehe im Garten für das Mittagessen ernten: Mangold, Kohlrabi, Gurke… ich liebe es, den Lohn der Frühjahrsarbeit ins Haus zu tragen. Der gestrige Besuch meiner beiden Journalistenfreundinnen brachte uns feine Anti Pasta auf die Zunge. Sie bringen oft etwas Außergewöhnliches mit, etwas was es hier nicht gleich um die Ecke gibt. Ist immer überraschend, aber so ein frisches Gartengemüse ist einfach unschlagbar. Nach unserem langen Gespräch dachte ich so bei mir, Gott sei Dank, bin ich diesem Sparwahnsinn bei den Printmedien nicht mehr ausgesetzt. Es ist ein Kaputtsparen auf Kosten der Qualität und auf dem Rücken der verbliebenden Leute. Man hat die Sekretärinnen entlassen, das Foto kommt immer öfter nicht vom Profi, sondern kostenfrei von Leser – man sieht es den Blättern inzwischen an und es wundert kaum, dass es immer weniger feste Leser gibt. O.K. Printmedien sind reine Wirtschafts- und Tendenzunternehmen, anders als die öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Sender. Aber auch bei Letzteren vermisst man zunehmend die Wahrnehmung ihres Bildungsauftrages. Man schielt nach dem Bildergucker-Publikum der Privaten und lässt dafür auch die Qualität und Themenvielfalt schleifen. Stattdessen verbreitet sich auf diesen Sendern das Atempause-Sprechen. Es mutet wie Missbrauch ihrer beruflichen Positionen und Klientelpolitik an, denn eine gesellschaftliche Verabredung gibt es dafür nicht. Ich kriege einfach einen ganz dicken Hals, wenn ich z.B. in einer Gartensendung ständig „Gärtner*innen“ hören muss und ich hoffe, das lebt sich schnell wieder aus…

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Morgenstunde (518. Blog-Notat)

Mein kleines Myrtenbäumchen trägt seine allererste Blüte bezaubernd schön im Küchenfenster. Sie soll ein Ebenbild von Schönheit und Liebe sein und gute Stimmung im Haus verbreiten. Deswegen habe ich die Pflanze vor zwei Jahren zu uns geholt. Ein Licht im wolkenverhangenen Tag.  Vormittags konnte ich ein bisschen schreiben und an der Figur eines Marionettenspielers „feilen“. Es ist ein Herantasten an weit entrückte Bilder – bis eben. Jetzt beginnt gleich der Beutezug der Woche. Es kommen morgen und Sonntag Gäste, da wird es wieder etwas lebhafter auf dem Hof. Ich freu‘ mich drauf.

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Morgenstunde (517. Bolg-Notat)

Vor dem Regen gestern schnell noch ein paar Hände voll Lindenblüten gepflückt. Getrocknet werden sie vorbeugender Wintertee sein, der die Abwehrkräfte stärkt. Heute kam ich mit dem Schreiben ein gutes Stück voran. Die Geschichte lenkt meine Gedanken nach Süden, vorbei am Land der Tausend Teiche, weiter hinauf ins Zittauer Gebirge. Auf der Spur der Erfahrungen. Nicht rückwärts gedacht, sondern ins Heute geholt. Dazu braucht es Sonderlinge, die zum Schlüssel werden. Diese Typen zu erfinden ist eine wunderbare Herausforderung…

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