Lyrik-Krümel

Lächeln

Von den Schultern
fegt dein Lächeln
die herbe Schwere
einer dumpfen Zeit.
Vorsichtig setz‘ ich
den ersten Schritt
aus tiefer Leere
in heilende Gelassenheit.

© 4. August 2021

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Morgenstunde (533. Blog-Notat)

Die Ferienaktion im Eberswalder Museum hat recht gut geklappt. Bis auf das Finale. Die jungen Menschen wollten sich bei der Prämierung der entstandenen Stabfiguren nicht so recht entscheiden und auch mit dem Nacherzählen der Wassermännlein-Sage ging es etwas holperig. Aber das ist wohl in Ordnung. Sie haben ja jetzt die Sagenkarte und könnten – bei Interesse – noch einmal nachlesen. Schade war nur, dass ich unter den Masken die Reaktionen nicht sehen konnte. Aber der Hören-Schauen-Gestalten-Teil lief gang toll. Eine sensationelle Stille dabei. Nach der Veranstaltung habe ich wahrlich zweieinhalb Stunden schlafen müssen, denn zwei Stunden unter der Maske atmen ist für eine Lungenkranke echt suboptimal. Die kleine Bilderschau im Nordflügel ist noch bis zum Ende des Monats zu sehen. Vielleicht gehen ja noch andere Gruppen durch. Wer weiß, ich habe meine Kinderchen noch einmal gesehen, bevor sie wohl im Archiv des Regionalmuseums abtauchen werden. Der Lauf der Zeit.

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Morgenstunde (532. Blog-Notat)

Ich packe mein Ränzlein für morgen: Das Konzept im Kopf, den Kescher mit geschälten Weidenruten, die Beispielstabfigur, die Sage als Textblatt, die Preise. Ach, es wäre so schön, ich könnte das alles frei Sprechen, aber ich brauche das Blatt zur Sicherheit. Zu selten sind solche Auftritte, als dass ich genug Übung hätte. Aber die große Flatter habe ich nicht, der Stoff liegt mir, und für den gestalterischen Teil brauche ich keine gesetzten Worte, da ist Improvisation und Interaktion gefragt. Die Zeichenutensilien hält das Museum vor. Nun bin ich sehr gespannt, wie die Ausstellung angerichtet ist, ich sehe sie wie die Ferienzeit-Gruppe zum ersten Mal…

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Morgenstunde (531. Blog-Notat)

Ich habe dem alten Holunderstrauch versprochen, dass ich ihm nur das erfrorene Holz entferne und das Schnittgut nicht umkommen lasse. Es geht ja die alte Mär, dass wer einen Holunder beschneidet, mit Krankheit geschlagen wird. Also, vorsichtshalber hab ich den Strauchschnitt zu Männeln verarbeitet. Da passte es gut, dass der Liebste den wilden Wein an der Nachbarstallwand zügeln musste, damit er nicht in die Solarplatten wächst. Die Ranken dienten mir als geschmeidiges Spielmaterial. Ein drittes „Männel“ wird noch nachwachsen, wenn der Weinbeschnitt abgeschlossen sein wird, aber heute zieht die Honigernte den Mann wieder an einen anderen Ort… Schönen Sonntag allerseits derweil.

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Morgenstunde (530. Blog-Notat)

An einem frischen Sommermorgen ist der Garten besonders schön. Das Licht tanzt auf den Blättern und das Grün schaut aus den Schattenplätzen vor dem Wald sanft und ruhig, macht ruhig, wenn da die Bremsen nicht wären. Es ist eben nichts wirklich perfekt.
Die Nacht verarbeitet ja immer den Tag: Ich hatte gestern für die Stabfiguren der kommenden Ferienaktion im Museum Weidenruten geschält. Nachts kam mir die Idee, jedem Kind eine Sagenkarte mit der Geschichte vom Wassermännlein in die Hand zu drücken. Aber wo waren die letzten losen Karten nur? Herrje! Die Suchaktion zog sich bis zum Mittag und was ich stattdessen alles fand… Aber ich habe sie doch noch gefunden und der kleine Rest reicht. So trägt nicht nur der Sieger der Zeichenaktion (Wer erfindet das trefflichste Wassermännlein?) einen Buchpreis nach Hause, sondern jedes Ferienkind geht nun mit dem Erlebnis und der gedruckten Geschichte nach Hause. Das passt.

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Morgenstunde (529. Blog-Notat)

Wir hatten gestern sehr angenehme Atelierbesucher, die sich in den kreativen Räume umsahen. Sie hatten mich über das Kunstportal Kulturort-Brandenburg gefunden. Zu guter Letzt erzählte ich ihnen noch die Geschichte der Zaunsetzer-Dörfer zwischen Havel und Oder und mein Märchen dazu. Sie wiederum ließen mich wissen, dass ein hochgiftiges Kraut in meinem Garten wächst. Ich kannte das Jakobskreuzkraut nicht. Es war dieses Jahr neu aufgetaucht und blühte so schön, weswegen ich es stehen ließ. Aber es ist giftig für Mensch und Tier und so habe ich die zwei Pflanzen abends gründlich entsorgt. Danke Familie Voss aus Wesendorf für den wichtigen Hinweis!
Nächste Woche Dienstag gestalte ich mit Museumspädagogen des Eberswalder Museums eine Ferienzeit. Die Kinder- und Jugendgruppe besucht dort die Ausstellung meiner Sagenzeichnungen. Danach geht es um das Wassermännlein vom Grimnitzsee, zu dem jedes Kind seine eigene Figur erfinden und gestalten kann und mit den Stabpuppen in der Hand, die von mir gehörte Sage mit der gesamten Gruppe nacherzählen soll. Das wird sicher eine lustige Aktion. Habt ein schönes Wochenende!

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Morgenstunde (528. Blog-Notat)

Zwei Tage so ganz anders. Die Standvögel haben Freunde in Bülowssiege am Dammsee besucht. Zwei Kilometer weiter liegt Hildebrandshagen und das gehört bereits in Mecklenburg-Vorpommern. Sie erzählten uns, dass man sie in der ersten Corona-Welle dort nicht hinein zum Einkauf ließ. Sie musste den langen Weg nach Prenzlau nehmen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Aber wir wissen ja, es ging nur nachts über die Grenze nach MV 😊.  Die alten Kopfweiden am Wegesrand haben mich wieder verzaubert und natürlich das Zusammensein mit besonderen Menschen. Einmal im Jahr sehen wir uns seit unserem Landleben, letztes Jahr nicht. Früher hockten wir oft in unsrem Kiezwohnzimmer, der Café-Kneipe Winz, das gibt es nun auch nicht mehr. Kein Grund mehr hinzufahren… Heute nahm mich unsere Nachbarin zur Probe mit nach Krohnhorst (UM) zum Qi Gong-Training. Ich bin begeistert, denn mir scheint, das unterstützt gut meine schwache Atmung, ich werde das jetzt wöchentlich zwei Stunden in Krohnhorst betreiben und bin gespannt, wie es sich auswirkt…

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Morgenstunde (527. Blog-Notat)

Den Lebensbaum haben wir als kleine Topfpflanze in die Schorfheide mitgebracht. Vor 13 Jahren. Er ist mit einer Doppelspitze gewachsen, als stünde er symbolisch für zwei Liebende. Ein Zeitzeichen im Land. Nein, ich zähle nicht mehr die Kuckucksrufe, es kommt, wie es kommt. Ich geh‘ dann mal wieder an meinen Langzeittext bis der Imkergatte nach Hilfe ruft… Hier ein kurzer Ausschnitt aus meiner aktuellen Schreibarbeit:

…„Hans, der Täuscher spielt! Das fühlt sich immer an, als wäre Liebe in der Luft.“
Emilia fand die Aussage einigermaßen überhöht, aber wie sie da so stand und am heißen Kaffee nippte, spürte sie es auch, wie der spielende Mann in völliger Hingabe versank. Er ließ die Puppe sprechen und bewegte sich dazu, wie ein trauriger Tänzer. Denn die Geschichte war eine traurige Geschichte. Eine von Neid und Verrat, aber sie hatte ein Happy End und das fanden die kleinen Zuschauer besonders gut. Der Puppenspieler trug so eine taubenblaue Kluft, wie traditionelle Chinesen. Die grauen Haare streng zum Dutt gebunden, wirkte er wie ein in die Jahre gekommener Hipster. Aber Hans, der Täuscher gehörte nicht in dieses Subkultur-Milieu. Er war ein Einzelgänger, der sich nur für Kinder öffnete. Nur für sie fuhr er durchs Land und zog seine Schlafstatt als Bühne aus dem Wanderhäuschen. Der Rest der Welt war ihm gleichgültig geworden…

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Morgenstunde (526. Blog-Notat)

Sommerschön ist’s draußen, als könnte der Sonntag kein Auge trüben, aber wir können nur hoffen, von der Gewitterfront nicht zu viel abzukriegen. Die Schmetterlingswiesen haben sich gut entwickelt, es sah im Juni noch nicht danach aus. Die Wege und den Teichplatz habe ich gestern mit dem Rasenmäher frisch frisiert, es läuft sich darauf wie auf einem flauschigen Teppich.  Der Imkergatte schafft gerade den nächsten Honig aus dem Bienengarten heran. Sieht müde aus, der Liebste. Das Schleudern zieht sich. Viele Honigwaben waren letzte Woche einfach noch zu feucht. Dass heißt, alles Entnommene muss wieder zurück in die Beute und der Imker darf darauf warten, dass die Bienen den Honig trocken fächeln. Bei 16/17% Feuchtigkeit (misst man mit einem Refraktometer) kann er erst geschleudert werden, sonst würde der Honig im Glas gären. Noch werden die gut 200 Kilo der Frühsommerschleuder täglich gerührt bis sich die Zuckerketten cremig verbinden… Gut Ding will Weile haben… so vergehen die Sonnentage mit Arbeit, statt Muße, ich weiß eh nicht wie das geht…

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Morgenstunde (525. Blog-Notat)

Die erste Ferienpost im Briefkasten gefunden und sie erzählt allseits gleichermaßen von der Erschöpfung der Menschen mit der sie zu Sonnen, Sand und Meer aufgebrochen sind. Unser Schlafbedürfnis will einfach nicht nachlassen. Zehn Stunden ist das Minimum. Es wird Zeit brauchen, den Dauer-Alarm aus 15 Monaten von der Seele zu nehmen. Es ist gut, dass ich derzeit an einem Text arbeite, der Melancholie, die den Deutschen so eigen ist, zulässt, da muss ich nicht einem unbekannten Grundton nachspüren. Der Text erzählt romanhaft von den Brüchen, die jede Generation erleben musste: Weltkriege, Vertreibung, Teilung, Wende, Terror und Naturkatastrophen. Etwas davon erfährt jedes Menschenleben. In dem geteilten Deutschland nur zu unterschiedlicher Zeit und daher denken wohl manche, sie seien unverletzbar. Aber das sind wir nicht.

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