
Putzwunderlich
„Schau mal, ich habe ein schönes Wort gefunden: ‚putzwunderlich‘. Wenn du willst, schenke ich es dir, denn du schaust mich gerade putzwunderlich an.“ Der Wortfinder staubte das schöne alte Wort mit einem Pinsel ein bisschen ab, bevor er es dem staunenden Kind übergab. Dann riet er ihm: „Du musst es ab und zu statt des Wortes ‚erstaunt‘ sagen. Falls nicht, dann verlierst du es wieder.“ Das Mädchen sah in seine leere Hand und sprach lächelnd mit der kleinen Unsichtbarkeit: „Putzwunderlich. Ah – ein Putzwunder, ein wunderliches Was-weiß-ich, etwas Putzwunderliches.“ Es trällerte das geschenkte Wort auf seinem Nachhauseweg vor sich hin, so lange, bis es sicher war, dass es diese Wortherrlichkeit nie wieder vergessen würde.
Der Wortfinder war indes wieder auf seiner ständigen Suche nach vergessenen Wörtern. Am Imbiss an der Straßenbahnhaltestelle stritten sich zwei Männer um eine Nichtigkeit, bis eine ältere Dame ihnen zurief, macht doch nicht so einen Heckmeck! Der Wortfinder schmunzelte und dachte, ist das nicht ein wunderbares Wort für solch unnötiges Gehabe? Die Männer verstummten sofort, denn sie kannten das Wort nicht. Es klang aber irgendwie abwertend, und das reichte, um voneinander abzulassen. Schöne Wirkung! Das Wort hatte Kraft, fand der Sammler, und wusste, andere können ein Zwinkern wecken, wie dieses „garstig“ oder „ergötzen“.
Wortschmuggler brachten ständig neue Wörter aus der Welt ins Land. Die strahlten hell und beschatteten jene Wörter, die Emotionen auslösten. Der Wortfinder hatte nichts dagegen, nur wollte er, dass der vorhandene Reichtum bestehen bleibt. Nicht ersetzen, sondern dem Schatz hinzufügen. Das war sein Ansinnen, und so spazierte er Sonntag nachmittags durch die Straßen und Gassen seiner Stadt und verschenkte ab und zu einem Kind mit größter Wonne ein vergessenes Wort und hoffte, dass sie wieder zu klingen beginnen.











