Morgenstunde (950. Blog-Notat)

Der Sonntag gehörte dem Platz unter dem Glasdach: Die Sonnensegel spannen und einen neuen Terrassenteppich zuschneiden und auslegen, Möbel wieder drauf. Jetzt kann der Sommer kommen… und überall lockt der Garten. Hochbeete und Kübelwirtschaft sind meine Antworten auf das magere Sandgärtnern in den vergangenen Jahren. Viele Pflanzen, die ich mit nach Kurtschlag brachte (einen ganzen Umzugswagen voll), gingen auf diesem staubigen Grund ein. Dieser leichte Boden kann kaum Wasser speichern und lässt sowohl Hitze als auch Frost tief in die Erde dringen. Alle Säcke gekaufte Erde versickerten mehr oder weniger übers Jahr und verbesserten nur geringfügig den Humusanteil der Scholle. Mulchen nützte nur wenig, half aber wenigstens den Blumenstauden. Der karge Sandboden sorgte dafür, dass ich fasst das Gärtnern aufgeben wollte, bis die Ernte aus dem ersten Hochbeet die Freude neu weckte 😊. Und jetzt gibt es Johannisbeer- und Himbeerpflanzen in eingegrabenen Töpfen, Tomaten in Eimern, Gurken und Bohnen in Mörtelkübeln… Der Standort für letzteres unter Sträuchern beschirmt die Pflanzen vor allzu intensiven Sonnenstrahlen. Ja, die Optik der „Eimerwirtschaft“ lässt etwas zu wünschen übrig, weil ich verwende, was da ist: alte Abfalleimer, die Behälter eines defekten Schredders, gebrauchte Körbe… aber, wenn das Grün hoch ist, wird man von dem Sammelsurium nicht mehr viel sehen.

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Morgenstunde (949. Blog-Notat)

Gartentage, schönes Schaffen, wenn da die Mückenplage nicht wäre… Der Imkergatte hat mir zwischen den Durchsichten der Bienenvölker das dritte Hochbeet gezimmert. Mit Baumschnitt und groben Kompost locker befüllt, pressen jetzt die Erdsäcke das Ganze noch einen Tag lang. Morgen kommt die Erde rein, angereichert mit Bokashi, dann können die jungen Kohlrabi-Pflänzchen versetzt werden. Erdbeeren, Paprika-, Tomaten- und Gurkenpflanzen kamen die Tage in die vorbereiteten Kübel und Töpfe. Nun kann es wachsen und bitte ohne Kälteeinbrüche… Salat, Rucola und Kräuter ernten wir schon – die helle Freude. In den Verschnaufpausen bekommen die Stanzengel Farbe. Montag können die bestellten Teile auf den Postweg gehen… habt ein entspanntes Wochenende alle miteinander 😊!

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Morgenstunde (948. Blog-Notat)

Die Engel waren aus. Schon länger. Aber weil es eine Zeit ist, in der man gut Beistand gebrauchen kann, bin ich beim meditativen Pinseln… Eine Handvoll vielleicht, die müssen reichen.
Es ist gut verschiedene Denk- und/oder Handfertigkeiten auszuüben, dass stärkt immer jene Seite, die gerade ruht…

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Morgenstunde (947. Blog-Notat)

EMOTIONEN. Als wir gestern mittags Haus und Hof frühlingsfein hatten, saßen der Liebste und ich beim Kaffee und er meinte: „Eigentlich hätten wir bei den OFFENEN ATELIERS doch mitmachen können. Ist ja alles empfangsbereit.“  Ja, es ist für die Saison angerichtet, ABER nachmittags waren wir von all der Wuselei plötzlich rechtschaffend platt und ich erwiderte nun: „Stell Dir mal vor, Du hättest jetzt 100 Gäste zu betreuen…“ Da war die Klarheit zurück. Außerdem halten wir ja bekanntlich das Kunst- und Honighäuschen jeden Tag offen. Man muss sich halt anmelden, denn an feste Öffnungszeiten hält sich eh keiner. Mit der Entscheidung, nicht mehr bei der Brandenburger Kunstaktion mitzumachen, wollten wir für uns lediglich den Druck rausnehmen, auf den Punkt, also Anfang Mai alles angerichtet zu haben. Schließlich gab es schon Jahre, da gelang es nicht, der mangelnden Kraft und Puste wegen. Deshalb heißt es nun, kleine Gruppen gerne, große Feste nicht mehr. Heute Morgen hatte der Hagelschauer der Nacht den Hof wieder mit Moos vom Dach zum Fegen klargemacht… das war ein Anblick, bei dem ich froh war, dass nicht gleich Gästescharen kommen werden… Herrje, die Dinge „altersgerecht“ zu ordnen, ist emotionsgeladen und ein bewegliches Land…

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Morgenstunde (946. Blog-Notat)

Drei Tage hat es diesmal gedauert, den Bilderspeicher her- und einzurichten. Es ist Mai und Zeit für den Start in die Sommersaison. Mögen die Bilder gut besucht und gesehen werden, damit wir uns nicht umsonst die Mühe machen. Aber wer weiß, die Dinge ändern sich und auch, was man als interessant ansieht. In meinen einstigen Urlauben, die ich viele Jahre in Bollersdorf am Schermützelsee verbrachte, war es stets ein Muss einmal im Jahr bei Frau König zu klingeln. In dem etwas vernachlässigten Anwesen wohnte eine alte Malerin, die in ihrem Wintergarten eine Handvoll Bilder präsentierte. Große Schinken mit Schlittenfahrten darauf. Am besten waren ihre wilden Geschichten aus Ostpreußen, die sie allen Besuchern erzählte. Die Frau war eine Institution, ein schrulliges Erlebnis. Und selbst, als wir alles schon x-Mal gesehen und gehört hatten, war es einfach immer noch ein bisschen verwunschen schön, zu der alten Dame zu gehen, an deren klappriger Gartenpforte nur „König, bitte klingeln“ stand. Nichts weiter, es sprach sich herum, dass es hier etwas zum Gucken gab… Kurzum, bei mir gibt’s den Sommer über auch reichlich Bilder zum Gucken 😊

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Morgenstunde (945. Blog-Notat)

Mein Lieblingsfrühlingssong von Manne Krug summt mir heute durchs Hirn:

Sonntag – häng’ den Pelz in den Spind
Sonntag – wärmer weht heut’ der Wind
Alle Blumen blüh’n und es ist Frühling da
Und rund um uns ist es nun so weit
Schau’ nur, es blüht auf jeder Wiese
Es blüht auf jedem Kleid
Du siehst: Es ist Zeit

Sonntag – es fällt nie wieder Schnee
Es fallen Blüten an dein Dekolleté
Alle Leute sind froh, und das ist nicht immer so
Alles liebt und alles lebt
Schau’, wie der Wind die dünnen Kleider
An schöne Beine klebt
Du spürst, wie das hebt…

Wie schön, nicht wahr? Und dazu diese Soul-Nuance (man könnte auch Sex sagen) in seiner Stimme… es war einmal, die Platte lebt weiter.

Mein Liebster ist gestern wieder ins Erzgebirge gedüst, um die Eltern für kurze Zeit zu sehen. Seit sie im Pflegeheim sind, sind die Besuche nur auf Stunden begrenzt und die Rückfahrt tritt er noch am selben Tag an. Rund 800 Kilometer. Das ist so, wenn keine elterliche Wohnung mehr vorhanden ist. Ich hab ihn mit Hühnersuppe abends empfangen.

Inzwischen sind drei meiner Bilder in die Kirche von Groß Dölln gewandert. Dort werden ab 4. Mai wieder Malerei, Fotografie und Skulpturen verschiedenster Künstler über den Sommer zu sehen sein. Parallel dazu findet auf der Empore eine Dauerausstellung zum Leben und Werk der Heimatdichterin Erna Taege Röhnisch statt, und natürlich hat die Künstlerschar des Dorfes an diesem ersten Maiwochenende ihre Ateliers geöffnet.
Ich beteilige mich an dieser Brandenburgischen Kunstaktion aus bekannten Gründen nicht mehr. Aber mein Atelier kann jederzeit besucht werden, Anruf sichert, dass wie auch zu Hause sind… In den nächsten Tagen werden wir die Winterabdeckung zum Obergeschoss aufnehmen, dann ist auch wieder der Bilderspeicher zu sehen…

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Morgenstunde (944. Blog-Notat)

Es sind die Weißhaarigen, die heute immer noch die klassischen Lesungen besuchen. Auch meine, aber die Reihen lichten sich. Schon vor der CORONA-Zeit schwante mir, dass ich „nur“ noch für meine Generation schreibe, obgleich ich das nicht anstrebe. Ich glaube aber nicht, dass das ausschließlich an den neuen Medien liegt. Das Buch als Medium hat noch Konjunktur, nur die Alten nicht.
Ich erinnere mich noch sehr gut an Jürgen Kuczynski, der mit seinem „Dialog mit meinem Urenkel“ 1983 Hörsäle überfüllte. Der Wirtschaftshistoriker war damals schon gebrechlich und schwerhörig. Er galt als „Querdenker und fröhlicher Marxist“, man wusste von seiner Nähe zu Honecker und doch wurde er selbst von Systemkritikern geachtet. Ein wacher Geist mit Narrenfreiheit, so erschien er, denn er lebte unerschrocken im Alter nach dem Motto: Ich bin über 80, wollen se mich jetzt noch verhaften? Auch für solche Sätze haben die Jungen ihn verehrt, für den Mut dahinter, denn natürlich konnte jeder in Ungnade fallen… auch im Alter.
Was also ist heute anders? Wir haben das Scheitern der mächtigen Alten  gesehen. Sie rissen mit ihrer Starre ein ganzes Land mit sich, ohne Antworten für das Leben zu hinterlassen. Der Respekt vor dem Alter verschwand hernach. Ich war damals 36 Jahre alt. Nicht jung, nicht alt, auf der Suche nach dem neuen Sinn… und wuchs langsam hinüber in die nächste Generation der Alten. Ob diese Nachkommen noch lebenswichtige Antworten haben, wer weiß, denn viele von uns bleiben leider ungehört, unreflektiert, denn die Jungen hören nicht hin…

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Eine Buchbesprechung

KAIROS von Jenny Erpenbeck

War es Glück, dass sich ihre Blicke im Bus berührten, oder stolperten Katharina und Hans am 11. Juli 1986 geradewegs in eine Tragödie? Sie ist Lehrling und 19 Jahre alt, er ist Schriftsteller und Ende 50. Verheiratet und eine Geliebte hat er, aber das interessiert Katharina noch nicht, sie verliert sich in ihrer Liebe zu Hans und er verliert sich in seiner Liebe zu Katharina. Wir schreiben die bleierne Zeit in der DDR. Man hat viel Zeit füreinander, sehr viel Zeit für Musik und Theater, für kultivierte Gespräche mit reichlich geistigen Getränken. Aber Hans ahnt, das wird nicht ewig halten und er würde auch nie seinen gutbürgerlichen Ehestand verlassen. Aber die Lustbarkeiten eines Geheimnisses hat immer zwei Seiten: Licht und Schatten. Bei einem Praktikum in einer anderen Stadt wird Katharina von Hans überraschend verlassen. Er kommt nach Frankfurt an der Oder nur zu ihr, um ihr das in den zehn Rangierminuten der Lok zu offenbaren. Danach fährt er mit dem gleichen Zug zurück nach Berlin. Sie heult sich auf dem Bahnhofsklo die Augen aus. In ihrem Weltenschmerz wird es diese eine Nacht mit einem anderen Mann geben. Doch  Hans entschuldigt sich und nimmt die grundlose Trennung zurück. Nur das Schlachtfeld ist schon angerichtet und die Obsessionen beginnen. Das Paar steckt bald im schlecht bewohnbaren Unglück. Hans verlangt ein vollständiges Überein, doch das kann es nicht geben. Er malträtiert die junge Frau regelrecht mit Worten und schlägt mit seinem Gürtel zu. Da möchte man als Leser durchaus austeigen, aber die Autorin zieht einen tief hinein in diese sonderbare Liebesgeschichte, die das Zeitgeschehen zugleich mit messerscharfen Konturen skizziert. Hier nimmt die Handlung dramatische Fahrt auf, als der Spielboden des Landes auseinanderfällt. Am Ende sind alle nur noch frei…
Jenny Erpenbeck zieht ungewöhnlich klar, oft nur mit wenigen Sätzen komplexe Erinnerungen aus dem Schlamm der Geschichte. Besonders dafür kann man ihr wirklich dankbar sein. (pe)

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Morgenstunde (943. Blog-Notat)

Links und Mitte – die Inhaltsbögen; rechts – der Titel.

Als ich gestern die Null-Nummer für mögliche „Hefte zur Lesung“ zusammengestellt, layoutet und gebunden hatte, war ich innerlich auf der sicheren Seite und konnte beruhigt meine Nachbestellung von „Vom Duft der warmen Zeit“ an den Verlag absenden. Im Juli wird es zu diesen Kurzgeschichten eine musikalische Lesung auf der Schlossterrasse in Groß Schönebeck geben. Heute Morgen konnte ich aufatmen: Die Verlagsantwort war erfreulich – es wird nachgedruckt 😊, jedenfalls dieser Titel ist so gewiss. So brauche ich vorerst keine Veranstaltungshefte zu bauen, aber ich habe die Idee im Gepäck. Für den Fall der Fälle. Wer übrigens Interesse an einer Vorbestellung dieses schönen Sommerbuches hat, sollte auf den Link klicken, denn es werden sicher keine großen Mengen in Auftrag gegeben…

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Morgenstunde (942. Blog-Notat)

Das war eine dämmrige Woche. Da passte es, die letzte Lage Stollenkuchen aus dem Tiefkühler zu ziehen und warm der Petra vom See zu servieren. Sie besucht mich alle Jahre mit neuen Ideen und schöner Keramik. Diesmal bekam ich rote Schälchen spendiert. Karminrot – meine Farbe! Sehr schön und ich bin natürlich dankbar für ihre Zuwendungen. Wie sprachen über „Morgenstill“ und darüber, wie unterschiedlich die Menschen darauf reagieren. Wie im Leben eben, die einen tragen ihr Herz auf der Zunge und die anderen schweigen bis über den Tod hinaus. Man kann das Verwelken zwar verbergen, aber aufhalten wird man es damit nie. Für viele Menschen ist Kranksein ein Makel.
Immer noch lehnt die Öffentlichkeit Gespräche über den Tod als morbid ab. Bücher wie „Interviews mit Sterbenden“ von Elisabeth Kübler-Ross, „Tagebücher und Briefe“ von Maxi Wander und „Es wird mir fehlen, das Leben“ von Ruth Picardie gelten bis in die Jetztzeit als brisante Bücher. Als Geheimtipp für so oder so Betroffene, für andere kursieren diese Notate als „Unberührbare“. Während die Spaßgesellschaft sich ständig jugendlicher und perfekter gibt, erleben wir in ihr das Paradoxon, dass die aufgeklärte Gesellschaft Krankheit und Tod heute noch weiter von sich weist, als vor Zeiten. Die Angst vor dreierlei „Defekten“ manifestiert sich. Man will nicht auf die respektlose Seite der Verlierer geraten. Schon der Berührung mit anderer Leute Leid weicht der erfolgsorientierte Mensch eher aus. Der hoch kultivierte Individualismus treibt so offenkundig nicht nur die Vereinsamung des Einzelnen, sondern zugleich eine allgemeine Gefühlskälte voran. Dem Schein nach, denn wer involviert ist oder wird, steht vor existentiellen Fragen, die zumeist seine komplette Wertewelt aushebeln. All das war und ist für mich schon lange ein Schreibgrund…

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