Morgenstunde (1169. Blog-Notat)

Darf ich was fragen? So in die schweigende Runde: Ist das Beschreiben meiner Lebensumstände mit COPD verstörend? Womöglich gar lästig? Ich weiß es nicht. Damit begonnen habe ich, als ich bemerkte, dass meine Umwelt nicht verstand, weshalb ich so oder so reagiere und mich zurückzog. Es gab Besucher, die nicht begriffen, dass ich keine Lesungen oder gar Hoffeste mehr gebe. „Du musst doch als Künstlerin präsent sein!“ Nein, muss ich nicht mehr, wenn es nicht geht. Es ist keine Laune des Älterwerdens. Ich bin darüber eine Suchende geworden: Wie kann ich anders aktiv sein, mich mitteilen, mit Euch etwas teilen. Vielleicht hilft das Verstehen anderen durch diese Lungenkrankheit zu gehen, jeder 5. hat sie. Das ist so mein Antrieb und ich schreibe ja nicht unentwegt darüber. Also bitte helft mir, das richtige Maß zu finden. Danke, habt morgen einen schönen Feiertag!

Auf Facebook antwortete:

Karin Segura

Das passt schon alles, liebe Petra. Es ist doch für dich etwas befreiendes über deine Krankeit zu schreiben. Tue, was dir gut tut. Besser als sich zurück zu ziehen. Solange du uns etwas zu sagen hast bist du am Leben.
Mir hilft es auf jeden Fall mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten umzugehen. Und die Achtsamkeit schult es allemal. Also, mir hilfst du mit dem Leben fertig zu werden. Ich bewundere deine Stärke, nicht aufgeben.✊️

Morgenstunde (1168. Blog-Notat)

Die schlechten Tage überwiegen gerade. Selbst kleine Anstrengungen bringen den Atemfluss aus dem Rhythmus. Die Lunge flattert unter den Rippen und ich muss sitzend innehalten, bis es sich nach zwei, drei Minuten beruhigt. Das ist für mich heftig und es ist wohl auch nicht schön anzusehen… Gestern war eine Pflegebegutachterin bei uns und hat die Situation aufgenommen. Man sah ihr an, wie erstaunt sie war, dass ich schon so lange mit COPD lebe. Fast 20 Jahre. Bin lange drüber… Ich habe ihr von dem Dupixent erzählt und dass es offenbar lebensverlängernd gewirkt hat. Es hat in dieser Zeit Exazerbationen verhindert, das Lungenvolumen bis zu 10 % gesteigert und mein allgemeines Befinden gestärkt. Für 3 Jahre, dann ging es wieder abwärts. Aber bei Stagnation oder wieder schlechteren Lungenwerten müssen diese Antikörper abgesetzt werden. Heißt, wenn es nichts bringt, müssen (dürfen!) nicht tausende Euros verschossen werden. Gut, ich habe dieses experimentelle Zwischenhoch erleben dürfen und bin vielleicht deshalb noch auf Erden. In etwa zwei Wochen werden wir vom Medizinischen Dienst erfahren, ob wir Hilfe im Haushalt bekommen oder nicht. Bis auf das Kochen, bin ich da inzwischen ein Totalausfall. Den Bilderspeicher werden wir dieses Jahr nicht einrichten, nur ein, zwei Teile an die Wände, der Rest bleibt im Block stehen. Es ist ja ein Speicher, keine Galerie. Der Aufwand lohnt sich eh nicht mehr. Die Zeit der Bildergucker ist vorbei.
Heute düsen wir mit dem Auto nach Finowfurt, 37 Kilometer hin und 37 Kilometer zurück, um einen Überweisungsschein zum CT abzuholen. Die Wege übers Land…

Morgenstunde (1167. Blog-Notat)

Sie kamen heute mit der Post, die neuen Teichbewohner. Ich hoffe, mit den Teichmuscheln wird die Wasserqualität über die warme Jahreszeit besser und der Algenbefall geringer. Mal sehen… ich bin hier hoffnungsvoll.
Was man allerdings gegen den kompletten Realitätsverlust einiger Politiker machen kann, ist mir inzwischen wirklich schleierhaft. Ich sehe und staune, wie das geht. Niemand wandere in unsere Sozialsysteme ein… so, so, sehr seltsam. Es wäre gut, wenn jeder Bundespolitiker alljährlich ein mehrwöchiges Lebenspraktikum in sozialen Brennpunkten abzuleisten hätte. Dann würden die Draufsichten vielleicht wieder der Wirklichkeit entsprechen. Vielleicht.

Morgenstunde  (1166. Blog-Notat)

Diese Woche lag ein beunruhigender Flyer der Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre“ in unserem Briefkasten. Man befürchtet eine Absenkung des Schutzstatus der Biosphäre und damit einen ungewollten Flächenverbrauch für Windrad- und Solarfelder. Die Begehrlichkeiten… Vor gut zehn Jahren war es die holländische Gasindustrie, die ihre Finger nach der westlichen Schorfheide ausstreckte. Bürgerprotest konnte die Schadstoffbelastung für die Region verhindern. Vorerst, denn wer weiß, was uns die Energiekrise noch alles beschert. Mich wundert es doch sehr, dass die Landespolitik sich gerne mit diesem UNESCO-Kulturerbe schmückt und doch immer wieder Schleichwege für wirtschaftliche Nutzung versucht werden. Wir haben umgehend die Petition der BI unterschrieben.

Weitere Informationen: hier

Morgenstunde (1165. Blog-Notat)

Eigentlich mache ich mir schon seit Jahren keine Gedanken mehr darüber, was bleibt. Es ist ja genug geschrieben und zwischen zwei Buchdeckel gebracht. Hinzu kommen Anthologien und Künstlerbücher, von den Bildern und den über 1000 Zeichnungen mal ganz abgesehen. Es sollte reichen, auch wenn ich zu den Unsichtbaren gehöre. Nun gut. Was mich allerdings so richtig auf die Palme treibt, ist die augenblickliche Entwertung von Wissensarbeit. KI mag manches leichter machen, aber sie bringt auch den Verlust des geistigen Trainings mit sich. Schreiben (Denken) braucht Übung… Heute reist man mit leichtem Gepäck durchs Leben und die Bücher der Eltern nimmt inzwischen nicht einmal mehr ein Antiquariat. Sie platzen aus allen Nähten und gute Bücher landen auf der Halde, wie 1990. Bei diesem Trend sollte ich mir nicht mehr so gewiss sein: Was bleibt…

Morgenstunde (1164. Blog-Notat)

Ach, lieber Mai und mache … diese Spielarten von Grün im Garten sind einfach wunderschön anzusehen. Im schattigen Tiefsitz war die Wärme dieser Tage gut auszuhalten, aber so, wie es heute ist: 20 Grad, leichte Briese und bizarre Wolkenzüge, ist es mir am liebsten. Der Atem fließt frei.
Am 1. Mai kamen zwei Waldliebhaber zu Besuch. Mit Blumen, Törtchen und Lebensgeschichten. Wir hatten uns zwei Jahre nicht gesehen und es war inzwischen viel geschehen. Menschen in unserem Alter haben viel zu tragen, und deshalb probiert man beim Erzählen jedes Mal eine Balance zwischen Trauer und Witz. An diesem Freitag ist sie uns gelungen, was eine gewisse Erleichterung hinterließ. Und ein schönes Foto bekamen wir vom Tage.

Foto: Frank Reinhold

Der Liebste schaut ein bisserl erschrocken, vielleicht nur diesen Moment, indem ein Fotograf den anderen Fotografen ansieht 😊… Wir sind dankbar für diese gute Zeit.

Morgenstunde (1163. Blog-Notat)

Wir waren heute das erste Mal auf dem Polenmarkt Hohenwutzen in Cedynia. Der Ort liegt etwa 1 Autostunde von uns entfernt, gleich hinter der Oder. Wir wollten Sprit volltanken (der Liter für 1,45 €), 1 Stange Zigaretten (Schachtel Camel 6 €) kaufen, Käse und Gemüse mitnehmen. Abzüglich der Reisekosten hatten wir satte 50 € gespart. Eine gute Erfahrung nach der elenden Abzocke hier im Land. Ob wir das öfter machen werden, mal sehen, denn anstrengend ist es natürlich. Aber die Frühlingslandschaft der Uckermark und in Märkisch Oderland entschädigt. Doch irgendwie fühlte ich auch, wie ich Abschied nehme von dieser wunderschönen Landschaft. Es ist ein Reisen mit feuchten Augen. Den Markt haben wir uns noch nicht erobert, zu groß, zu weitläufig und viel Abgasgestank. Ich bin nicht weit gekommen, was voraussehbar war, aber wir waren mit unsrer Beute zufrieden.
Habt alle miteinander ein entspanntes Wochenende unterm Maibaum oder auf der Straße!

Morgenstunde (1162. Blog-Notat)

Heute gabs den vierteljährlichen Hausarzttermin. Sie misst auch meine Lungenfunktion, die lag bei 23 Prozent Lungenvolumen. Ich verbuche das mal unter Tagesbild, denn kann es so rasant abnehmen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht und ich war nur etwas außer Puste.  Dann schaut sie meinen Liebsten an: „Rauchen Sie noch?“ Er nickt, er kann es nicht lassen, so viele erfolglose Versuche. Sie mahnt: „Sie sehen doch täglich dieses Endstadium bei Ihrer Frau…“ Er nickt wieder, ich schlucke. Ich weiß es ja, aber ihm den letzten Funken Hoffnung zu nehmen, ist schon arg. Wir waren danach sehr still und ich fand, ein gutes Essen könnte es ein bisschen richten – für den Moment. Also fuhren wir an die Havel zum Italiener, es tat uns gut…

Morgenstunde (1161. Blog-Notat)

Diese schönen Sonnenstunden nutzen wir seit Tagen und so kommen die Verrichtungen im Garten Schritt für Schritt voran. Es hilft ja nicht zu klagen, was alles nicht mehr geht. Damit etwas für mich geht, setzte heute der Liebste zwei Pflanzwannen ein „Stockwerk“ höher, damit ich das Bücken vermeiden kann. Die alten Holzbalken lagen noch von der Baddacherneuerung herum…  in die Wannen kommen Cherry-Tomaten und Gurken. Vorgezogen sind sie schon, aber raus geht’s erst Mitte Mai. Die Spätfröste. Vom Gefäßrand wird Kapuzinerkresse ranken, dann sieht man auch kaum noch das improvisierte Gestell. Die Fleischtomaten wachsen wie alle Jahre im Tomatenhäuschen. In zwei Hochbeete kommen Gemüsepflanzen. Salat sprießt schon. Das dritte Hochbeet befüllen wir dieses Jahr nicht mit Erde. Gestern haben wir die 10 neuen Erdbeertöpfe auf die Laubschicht gestellt. Die sind jetzt auch hochgesetzt und so gut erreichbar für eine, die viel zu wenig Luft bekommt. Es wird schon, auch wenn die Brachen hier und da immer noch schmerzen…

Morgenstunde (1160. Blog-Notat)

Verlierer der Woche? Die arbeitende Bevölkerung. Meine Güte hat die Politik dieser Tage einen Aufreger nach dem nächsten ausgespuckt: Basisrente, Leistungskürzungen der Krankenkassen, Abschaffung der Familienmitversicherung, Eindampfen der Pflegerade, Verlängerung des Bezahlmodus in Pflegeheimen… Wir seien zu bequem geworden raunt der Kanzler. Kinner ne! Was hier dickfällig und kostentreibend geworden ist, ist das Staatswesen mit immer längeren Planungsverfahren und bürokratischen Kontrollsystemen. Arbeit ist hierzulande von Jahr zu Jahr intensiver geworden und konzentriert immer mehr Aufgaben auf eine Person. Ich habe selbst erlebt, dass mit dem Aufkommen von Bildschirmarbeit und dem digitalen Bild ganze Berufsgruppen verschwanden (Bildbearbeitung, Archiv, Buchhaltung, Sekretärin, Layout) und alle diese Arbeiten dem schreibenden Redakteur zugeschoben wurden. Bei gleicher Bezahlung. Nur ein Beispiel für Intensivierung der Arbeit. Diese Menschen sind nicht bequem. Es ist Aufgabe der Politik, die Voraussetzungen für Produktivität am Standort Deutschland zu schaffen. Mich wundert es nicht, dass die Deutschen auch das wieder mit sich machen lassen, aber so still? Warum gehen die Leute nicht auf die Straße? Wer Angst hat, stellt keine Forderungen… So zielen die Reformen nur einseitig aufs Abspecken der Existenzbedingungen der arbeitenden Bürger und nicht des Beamtenapparates. Trotz Krieg erhöhte die Ukraine zum 1. März die Renten und Versicherungsleistungen um 12,1 Prozent. Ich weiß nicht, wieviel auch dafür der deutsche Steuerzahler berappt und es wäre mir auch egal, wenn die Regierung ihre eigenen Bürger sichtbar wertschätzen würde. Den Eindruck hinterlässt sie nicht.