Wie macht man das: in der Welt bleiben? Und wie behält man den Mut zu kleinen Ausflügen „in diese Welt“, wenn sie nicht gut gelingen? Wir versuchen wenigstens einmal die Woche gemeinsam vom zu Hof kommen, doch schon bei kleinen Belastungen streikt mein Kreislauf, weil die Organe und die Muskeln nicht genug Sauerstoff bekommen. Heute nahmen wir den Katzensprung über die Oder, um auf dem Polenmarkt Vollzutanken, Zigaretten und Butterkäse einzukaufen. Das Laufen in der Sonne vom Parkplatz zu den Ständen brachte mich schon nach schlapp 200 Metern ins Trieseln, so dass wir unfreiwillig das nächstbeste Schnell-Restaurant betraten. Das Essen war mäßig, aber ich konnte die Krise aussitzen. Spaß geht anders…
Was aber wirklich wunderschön war – die Fahrt durch den großen Schorfheidewald zwischen Großen Döllnsee und Wuckersee, vorbei an den Torwächterhäuschen von Carin Hall, hinunter zu Judenbrücke und weiter auf dem Kopfsteinpflasterdamm nach Friedrichswalde… Die Luft war frisch und das Sattgrün streichelte die Seele. Hier wohnen viele meiner Märchen…
Morgenstunde (1201. Blog-Notat)

Mir war heute, als wäre es ein träger Sonntag im August. Alles ging mir nur langsam von der Hand. So ist die Lebenszeit mit COPD. Es gibt ab und zu gute Tage, die anderen sind gezeichnet von allem Möglichen. Von Schwäche, von Kurzatmigkeit, von Brustkorbschmerzen … und manchmal ist eben all das auf einmal und an einem solchen Tag will ich einfach nur schlafen oder spielen. Hab mich für letzteres entschieden und ein Windschiffchen gebaut. Zum Spaß. Das Segel ist ein Cartoon-Ausschnitt auf Transparentpapier gedruckt, der nun laminiert über einem Treibholz flattert. Ich werde noch ein paar Kleinere fertigen, bei denen das „Schiffchen“ aus einem Lindenhölzchen geschnitten sein wird. Irgendwann die Tage, wenn ich mal wieder eine Spielzeit brauche. Habt einen schönen Abend alle miteinander…
Morgenstunde (1200. Blog-Notat)
Neue Woche, neues Glück? Naja, erstmal nur nächtens reingestolpert. An der Teppichkante hängengeblieben, mit rechten dem Arm auf dem Esstisch gelandet, um das Stolpern abzufangen. Ja schön, das war gelungen, aber nun ist der ganze Unterarm blau. Pergamenthaut (vom Kortison) hält keinen Stupser aus, sondern reagiert mit bizarren Einblutungen. Es könnte ruhig mal nix sein, aber es ist eben immer was…
Für ein paar Pinselstriche am Auftragswerk wirds reichen. Sibirische Tundra ist gewünscht, die tiefe Weite wird schon langsam, am Vordergrund ist noch zu arbeiten. Während der heißen Mittagsstunden ist dafür genug Gelegenheit. Dieser Sommer heizt uns allen mächtig ein, aber nicht nur wettermäßig. Es ist, als bräuchte es nur einen Funken durch „fremde Mächte“ (wie Dobrindt sie nennt), um den nächsten Weltkrieg zu entfachen. Eine seltsame Schwebe taumelt über der Jetztzeit.
Morgenstunde (1199. Blog-Notat)
Dem kleinen Teufel im Efeu hat die Spatzenbande ganz schön zugesetzt. Wahrscheinlich ist er einfach zu winzig, dass jeder es mit ihm aufnehmen kann. Die Welt ist nicht gerecht.
Apropos 1199, bei dieser Zahl schwant mir was. Erinnert Ihr Euch noch an die neue Jugendsendung Elf99, die ab September 89 eine ungekannte Lippe „riskieren“ durfte? Benannt nach der Adlershofer Postleitzahl, läutete die Redaktion zumindest die kritische Berichterstattung über die letzten Atemzüge der DDR ein. Nun denn, vergessen und verrauscht. Wie alle, die damals Medien machten.
Eine hält immer noch das Heft in der Hand. Ingeborg Dittmann hat nach der Wende das Bürgerblatt Jot w.d. gegründet und es durch die Stürme der Zeit manövriert. Jahrzehnte schaut inzwischen das Magazin hinter die politischen Kulissen und schießt Federpfeile vom Rande ins Zentrum. Darüber hinaus porträtiert die Rock-Lady Inge (einst Musikredakteurin, später Chefredakteurin beim Neuen Leben) ostdeutsche Musiker und Kulturschaffende. Ein Leben für die (ihre) Zeitung. Neulich hat sie Micha Seidel auf seinem Kanal „Biertrinken mit Micha…“ sehr unterhaltsam vorgestellt. Lohnt sich reinzuhören! Heute bekam ich die jüngste Ausgabe von Jot w.d., worin meine Friedenstaube ein Plätzchen fand. Ich danke dafür!
Morgenstunde (1198. Blog-Notat)

Nachdem der Liebste kurz nach neun Uhr nach Gera aufgebrochen war, wurde der Tag plötzlich langsam und still. Die Beerdigung seines Onkels rief ihn in den Süden, acht Stunden Fahrt hin und zurück…. Mich hat man freundlicherweise entschuldigt, weiß ja jeder, was ist… und so bin ich, bevor die Hitze zuschlug, noch ein paar Duzend Zentimeter Teichufer beschneiden gegangen. Eine halbe Stunde vielleicht, dann musste ich ins kühle Häuschen flüchten. Unterwegs rupfte ich noch Brennnesselblätter, um daraus ein Pesto zu fertigen, mit Knofi und gehackten Walnüssen, ich mags auf frischen Tomaten. Seitdem gönne ich mir Ruhe, denn ehrlich, die tagelange Hitze schlaucht, erst recht, wenn tropische Nächte keine Erleichterung bringen. Hat jemand mitgezählt, wie viele Tage wir in diesem Sommer schon über 30 Grad hatten? Bestimmt rekordverdächtig und die nächste Welle deutet sich schon in der Großwetterlage an. Kinner ne, es reicht…
Brennnessel-Pesto:
Nesselblätter beherzt vom Stängel ernten. Mit heißem Wasser überbrühen (dann brennen die Blätter nicht mehr). Das abgetropfte Kraut mit Sonnenblumen- oder Walnusskernen, Salz, Pfeffer, Knoblauch in einer Schlagmühle zerkleinern, Rapsöl oder Olivenöl dazugeben – fertig ist der vitamin-C-haltige „Venenputzer“.
Morgenstunde (1197- Blog-Notat)
Am Morgen, als die Temperaturen noch erträglich waren, saß ich auf meinem kleinen Gartenwagen und schnitt das wuchernde Gras vom Teichufer, in dem sich lange Fadenalgen verfangen hatten. Einen Meter Ufer lang in gebeugter Haltung, dann hatte ich mir einen Lungenzipfel eingeklemmt und aus wars mit der mühseligen Verrichtung. Morgen kommen bunte Teichschnecken, die sollen diese Algen zum Fressen lieben, wer’s glaubt wir selig, aber wir probieren das mal (wieder). Was war der Teich früher immer hübsch frisiert, jetzt trägt er den Schopf vom Struwwelpeter. Man kann im Älterwerden eben nicht alles in Bestform halten. Was solls, wird’s wohl ein Sumpfrevier… Schön war dann aber doch, dass die Auftraggebende heute endlich das von mir entworfene Firmenlogo nach fünf Wochen bestätigte und schwärmte, dass der Honig tropfte. Ich bin erleichtert, dass es passt! Zeigen kann ich es naturgemäß nicht, denn das Logo ist ja noch nicht gesichert, aber ich habe es vom Tisch…
Morgenstunde (1196. Blog-Notat)

Der Morgen trägt Dämmerung. Eine Schwere legt sich auf die Schultern, als wollte sie sagen: Setz dich, ruh dich aus! Durch die Fenster fließt kühle Luft ins Haus. Wir können Durchatmen, bevor die nächsten Sommerspitzen kommen. Auf dem Handy ploppt eine Nachricht von Jana auf, sie teilt einen Auszug aus der Rede von Navid Kermani (deutsch-iranischer Schriftsteller) vom 20. Juli beim feierlichen Rekrutengelöbnis im Bendlerblock. Auf seinen Worten kaue ich schon die ganze Woche drauf rum. Das Gelöbnis im Gedenken an den Deutschen Widerstand will die Tugend des Neinsagens den Rekruten nahebringen. Aber was am Montag Kermani nun mit aktuellen Bezügen auftischte, ließ Gesichter entgleisen. Der Kölner sprach darüber, dass der Bundeskanzler „…es sich zu Gewohnheit gemacht hat, das Völkerecht klein und Völkerrechtsverstöße schönzureden, wo es ihm politisch opportun erscheint… Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und politisch desaströs ist, wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, dann wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern. Aber die Drohung, eine gesamte Zivilisation auszulöschen oder der erklärte Angriff auf die zivile Infrastruktur eines Landes, sind ein so offenkundiges Unrecht, dass man weder Jurist sein, noch das eigene Gewissen befragen muss, um das zu erkennen…nein, die Relativierung des Völkerrechts von höchster Stelle ist ein fatales Signal für unsere Demokratie. Denn wenn die Herrschaft des Rechts in unseren Außenbeziehungen erodiert, wird es nicht lange dauern, bis sie auch im Innern verächtlich gemacht wird…“
Da hat einer die Gunst der Stunde couragiert genutzt, um die Realität unter die Käseglocke zu fegen und nun ist es ausgesprochen und in der Welt. Ich danke dafür, weil gesagt werden muss, was ist.
Den Ausschnitt findet Ihr hier
Morgenstunde (1195. Blog-Notat)



Nun ist auch der Umschlag zum 6. Flyer-Kunst-Buch in der handgefertigten Reihe UNIKATE entstanden. Der Mini umfasst acht kleine abstrakte Originale zum Thema Sommer. Echte Fummelei. Die Erstlinge im 10 x 10-Format waren handlicher und zu denen werde ich auch zurückkehren. Man muss halt ausprobieren, was gehen könnte… Als Einzelstück finde ich es fein.
Währenddessen hat der Imkergatte den Honig abgeschleudert, die Ernte 2026 ist geringer ausgefallen als im vergangenen Jahr. So ist Natur. Ende August wird sie hoffentlich im Glas sein, wenn nicht noch eine Hitzewelle zuschlägt, dann kristallisiert der Honig nicht und braucht mehr Zeit für die cremige Konsistenz…
Morgenstunde (1194. Blog-Notat)
Was war das heute? Der Vollmond nachts oder das Erwachen aus einem Sommernachtstraum? Der Mailkasten war rappelvoll. Alle auf einmal, das ist ungewöhnlich. Nach dem traurigen Wochenende ist es aber wohl doch verständlich… denn neben dem Elend des Anschlags auf den CSD, verschwimmen im Nachhinein die politischen Begriffe und Kausalitäten. Das unanständig, nervt und verlangt nach Austausch. Keiner kann die Selbsttäuschung der aktivistischen Linken besser erklären als Constantin Schreiber. Er spricht von „taktischen Wahrheiten“ und „analytischer Verwirrung im Endstadium.“ Wen das genauer interessiert, hier ist der Link (von Freundin Jana) zu seinem bemerkenswert klaren Kommentar: https://www.youtube.com/watch?v=ZgS3oMfPYqk
Vielleicht weil das da draußen wirklich mehr als unerträglich wird, habe ich mir die Tage das Thema Sommer abstrakt im Kleinstformat (5 x 8) gegönnt und den Flyer zum neuen UNIKATE-BUCH gebaut. Fehlt nur noch ein passender Einband 😊. Gegentlich muss man einfach Auftanken…
Morgenstunde (1193. Blog-Notat)
Zurück in meinem Kramladen, hab ich zwei Tage nach der Tour nach Güstrow meinen Blutdruck eingefangen und schaue wieder besser aus der Wäsche. Es ist schon grenzwertig, wie sehr ein paar wenige Anstrengungen das ganze alte Haus zum Wackeln bringen. Da treibt eins das andere an… Dieser Umstand verlangt den Rückzug aus dem öffentlichen Leben und ja, dass vermisse ich doch sehr. Will die Tage etwas mit einem neuen FLYER-KUNST-BUCH experimentieren, dass ist das sozusagen eine selbst verordnete Freude, die die Überlebenslust stärkt….








