Als ich gestern den Lesegarten nebenher erwähnte, dachte ich anschließend, es wäre doch mal schön, ein paar Erinnerungsfotos zusammenzutragen. Aus der Blütezeit. Entwickelt haben wir diesen Themengarten 2009, als meine Schorfheidemärchen geschrieben waren und ich auf den Druck des kleinen Bändchens im Schibri Verlag wartete. Es dauerte ein Jahr und in der Zwischenzeit warb ich mit diesen Märchenbannern im Lesegarten für meine Geschichten. Der Ort erlebte wunderbare Feste mit entspannten Besuchern. Im Sommer 2019 schwand meine Kraft deutlich und wir stellten die Tage des offenen Ateliers ein. Seit Herbst 19 dämmert der Garten so vor sich hin, die Dinge wachsen zu oder verrotten. Ein bisschen ist es so wie mit mir selbst 😊. Es war einmal in einem Garten…
Schorfheidekeramik von Petra Wessel aus Böhmerheide.
Reden und Laufen gehen für mich nicht mehr gut zusammen, ich vergesse es immer, wenn Besuch kommt und ich versuche, mit den Schritten der Gartengucker mitzuhalten. Aber es geht kaum bis zu Linde, dann wird der Atem knapp und ich muss schweigen… Nun gut, denn der Garten wird ja auch nicht mehr so vorgeführt, wie einst, als es noch den gut bespielten Lesegarten gab. Der ist Geschichte. Sie schaut immer mal wieder nach der Petra im Walde, die Petra vom See. Als wir hier vor 18 Jahren ankamen, war sie die Erste, die mir Türen öffnete und mich auf die Besonderheiten in der Schorfheide hinwies. Die Töpferin aus Böhmerheide war/ist gut vernetzt und wusste sich all die Jahre mit ihrer Naturkeramik gut zu behaupten. Manchmal trieb sie mich sogar an, wenn sie nicht meine Flyer im Hotel Döllnssee entdeckte, während sie umsichtig nachfüllte. Inzwischen sind unsere Gespräche nachsichtiger, privater, freundschaftlich geworden. Es geht nicht mehr um Selbstvermarktung, sondern eher um Marktwahrnehmungen. Wir sind ein Jahrgang und der Ehrgeiz blitzt nur noch gelegentlich auf. Sie hält noch ihr Lädchen offen und gibt Töpferkurse, ich schaffe im immer offenen Atelier. Das Tempo ist leiser. Doch manchmal gibt es schon den Seitenhieb von ihr: „Du kommst ja nicht zu mir!“ Und das stimmt. Ich sitze da in meiner Schwäche, manchmal auch Schwere und bin froh dem Gast zu geben… Ein schönes Küchlein und ein Geschenkbuch zu Geburtstag der Seepetra, zwei Novellen kaufte sie mir gestern ab und nun bin ich auf ihre Meinung gespannt… Inzwischen trinke ich aus ihrer schönen Dreieckstasse meinen Morgenkaffee 😊
Übrigens: Die Töpferei am Weißen See ist immer freitags und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nach Vereinbarung kann man bei Petra Wessel Kurse buchen, auch spezielle Workshops in den Schulferien. Kontakt: Petra Wessel, Buchfinkenweg 4, 16244 Schorfheide OT Böhmerheide, Tel. 033393-495
Jeden Tag kommen jetzt ein, zwei Heft-Bestellungen per Mail bei mir an. Die bringen ein angenehmes Tempo in meinen Tag, ohne mich zu übernehmen. So viele wie rausgehen, baue ich nach, es muss keine Halde wachsen. Für den Rest der Woche haben sich Gäste angesagt, für sie backe ich heute meinen Quark-Kuchen mit Sauerkirschen, den hat mir noch nie einer abgeschlagen 😊. Auf die Abwechslung freue ich mich. Im Garten komme ich so gar nicht voran, dafür fehlt mir dieses Frühjahr vollends die Kraft, selbst Nachbars Kater schaut schon entsetzt, wenn er mich nach ein paar Mal bücken japsen hört. Das Gärtnern fehlt mir sehr. Schauen allein, reicht mir nicht wirklich…
Heute kam ich nicht zum Heft-Bau, wir mussten nach Finowfurt, um dort den Reha-Antrag beim Lungenarzt abzuholen. Wenn die Krankenkasse den bestätigt, dann wird das meine allererste Reha sein. Oft habe ich mich gefragt, weshalb ich weder nach meiner Brustkrebs-OP, dem Beinbruch, den etlichen Exazerbationen (COPD-Schübe) nie eine Reha bekam. Es ist ganz simpel: Ich habe nicht gefragt. Ich dachte immer, so etwas wird einem angetragen. Aber offenbar hatte der Psychosozialer Dienst in meinem Falle immer frei und Lungenärzte haben mich das nicht wissen lassen. Vor rund 20 Jahren wurde diese Krankheit bei mir erkannt… Aber gut, diesmal habe ich gefragt und nun bekomme ich vielleicht für meine letzte Lebenszeit die nötige Hilfe, um länger auf den Beinen zu bleiben…
Auf dem Heimweg stießen wir auf einen stehenden Verkehr kurz vor dem Abzweig nach Groß Dölln. Mein Liebster wendete geistesgegenwärtig und wir nahmen den einzig möglichen Umweg über einen Kopfsteinpflasterdamm von Schluft nach Kurschlag. Unterwegs kamen uns etliche Blaulichter entgegen, es war klar, es würde Vollsperrung bedeuten und sehr bald würden uns auf diesem schmalen Damm mächtige LKWs entgegenkommen. Wir waren gerade Zuhause, da holperte die Karawane an… Glück gehabt.
Gestern habe ich auf Facebook die erste kleine Besprechung meiner Novelle FLÜSTERTON bekommen. Reinhard Gundelach schrieb dort: Die Novelle „Flüsterton“ von Petra Elsner ist eine stille, doch bewegende Geschichte mit vielen berührenden Momenten der Jetztzeit, die die Autorin für Frau und Mann gefühlvoll eingefangen hat. Zum Inhalt schweige ich. Den muss man sich erlesen, wie bei jedem anderen literarischen Werk. Mir war nach dem Lesen, des vollständigen Textes ganz, ganz anders als nach den von Petra eingestellten Textfragmenten vor längerer Zeit. Da funkelt Lebensweisheit und selbst erfahrenes Leben durch. Ich kenne die Autorin schon Jahrzehnte und ihre Lebensgeschichte. Ich rate meinen FB-Freunden: Kaufen und lesen! Kontaktiert petraelsner@gmx.de. Nicht oft sind von Autorinnen oder Autoren handgefertigte, dazu noch selbst illustrierte Bücher im Buchhandel erwerbbar.
Ich bin sehr dankbar für diese Wahrnehmung, lieber Reinhard. Und ich weiß es zu schätzen, dass der „Faule Poet“ (er nennt sich selbst so) vom Vielitzsee, sich aufgerafft hat, für mich Worte zu finden 😊
Den Samstagnachmittag schenkten wir einer alten Freundin, die gerade ihr Leben sortiert und seit Jahren in einem schwerwiegenden Scheidungskrieg steckt. Wir hatten uns bestimmt fünf Jahre nicht mehr gesehen und da stand sie plötzlich vor der Tür. Fast vier Stunden intensives Reden, ich hatte mehrfach feuchte Augen, ob ihrer Situation. Hach, möge sie Halt finden und neu ankommen. Normalerweise reicht meine Kraft für solche intensiven Gespräche nicht mehr über Stunden. Es frisst meine Energie und das viele Sprechen, nimmt mir den Atem, aber sie brauchte es und ich ging anschließend für eine Stunde ins Bett. Außer Haus, also auf fremdem Terrain, gehen solche kraftraubenden Begegnungen gar nicht mehr. Selbst, wenn man mich hinfahren würde. Heute gehen wir in den Sonntagsmodus… habt alle einen schönen Tag!
Nun, werktätige Menschen werden heute vielleicht enttäuscht in das Regengrau schauen, aber ich finde es schön, dass es endlich regnet. Als ich gestern ein paar Pflanzen setzte, staubte die Gartenerde, so trocken ist es schon wieder. Also gönne ich der Natur die paar Tropfen, die hier im Nord-Osten Brandenburgs noch ankommen. Der Imkergatte hat die letzten Tage seine Frühjahrsarbeit an den Bienen wieder aufgenommen. Zwischendurch schleppt er Weidenschnitt und staucht ihn in die Trockenhecken. Er hat auch begonnen den Gehölzschnitt zu verbrennen. Zwei Jahre hatte sich da was angesammelt, nicht nur wegen der vergangenen Lebensschwere. Es war einfach, wenn er Zeit hatte, zu trocken und der Wald zu nah… Aber dieser Tage lichten sich die wilden Ablagen. Ich bin ganz glücklich über seinen Einsatz, denn der Garten war ja vornehmlich meine Freizeitarbeit… das ändert sich – leider. Aber, wenn ich sehe, wie stolz er ist, mir das abzunehmen und wie froh es mich macht, dass er sich nicht genötigt fühlt, dann wird es leicht, die Dinge anzunehmen 😊. Ja. Ich habe indes ein fettes Suppenhuhn (3,6 kg vom Fleischer) zu rund 10 Litern Hühnersuppe verarbeitet. Das letzte vor der warmen Zeit. Der Froster ist voll 😊. Mein alter Lungenprof meinte immer: „Hühnersuppe, Hühnersuppe!“ Ich halte mich daran. In den Zwischenräumen baue ich weiter Künstler-Hefte und tüte ein. Als wir Donnerstag zum Beutezug der Woche starteten, sah ich, überall schön die Ostereierbäumchen leuchten, das hatte ich noch nicht auf dem Schirm, abends lachte auch unser Bäumchen mit seinen bunten Eiern. Es geht aufwärts im Jahr. Wünsche ein schönes Wochenende allerseits.
Wenn man Kunst produziert und schriftstellerisch tätig ist, muss man die Dinge in die Öffentlichkeit tragen oder man kann sich einen Agenten leisten 😊. Man sucht sich seinen Verlag und Ausstellungsplätze, stellt aus und gibt Lesungen. All das habe ich gut 35 Jahre lang gemacht und doch haben sich kaum Türen geöffnet. Die Sängerin und Musikproduzentin Annette Humpe sagte jüngst in einem Podcast: „Für den Erfolg muss man auch durchgewunken werden.“ Also reingelassen in die Szene, besprochen werden in den Medien. Das zum einen, zum anderen nannte Rowohlt-Herausgeber Paul Auster als ein Entscheidungskriterium für den Erfolg eines Schriftstellers in seinem Verlag: „Er muss vorzeigbar sein.“ Das hatte ich im Ohr, als ich entschied, keine Lesungen mehr zu geben. Das Atmen, Ihr wisst schon… Wenn Künstler chronisch erkranken und möglicherweise das Rausgehen in die Welt nur noch bedingt möglich ist, dann kann man aufgeben oder man muss sich andere Kommunikationswege suchen. Künstlerisch Schaffen, das ist gewissermaßen mein Lebenselixier. Der Grund aufzustehen und der Wunsch, mich mit meinen Mitteln in unsere Lebenswirklichkeit einzubringen. Damit Letzteres möglich ist, musste ich mir für die Außenwirkung meiner Bücher und Bilder etwas anderes einfallen lassen: Zum Beispiel das „Öffentliche Schreiben“, die Lesekostproben, eigenes Marketing in den sozialen Netzwerken, Kombination von künstlerischen Genres wie Bildkunst & Lyrik (Gestaltete Lyrik) für virtuelle Präsentationen und nicht zuletzt diesen Blog selbst. Er ist mein Fenster zur Welt. Das Allerkleineste in dieser Reihe ist meine Atelierfensterwerbung als kleinen Hingucker für Spaziergänger. Gestern habe ich dafür den neunen Titel FLÜSTERTON dort in Szene gesetzt. Mal sehen, ob und was mir noch einfällt, denn noch ist das Ende offen…
Die ersten sechs Künstler-Hefte sind gebunden und in Cellophan-Tüten gesichert. Nachmittags gehen sie auf den Postweg, es müssen noch Briefmarken in Zehdenick beschafft werden. Ich merke, ich bin auch beim Falten und Binden langsamer geworden, aber darauf kann ich mich einstimmen. Es ist das lange Stehen am Pult bei den Verrichtungen. Es braucht Sitzpausen, damit der Sauerstoffgehalt im Blut nicht so extrem absackt. Ein paar Minuten, dann ist er wieder im grünen Bereich. Zuhause lässt sich das alles regeln, unterwegs – schwierig. Deshalb bin ich das auch kaum. Wie dem auch sei, ich finde, die Hefte sind gelungen, wäre schön, es käme ein Feedback 😊. Ich weiß, das ist eher selten. Heute geht’s an die nächsten Teile, ich hab meine Freude daran. Darüber hinaus lenken mich das Bauen, auch das Schreiben gut von den Befindlichkeiten ab. Was gar nicht so leicht ist, wenn man schon vom Ankleiden am Morgen schwer außer Atem kommt. Der erste Stimmungskiller im Tag. Ich schleiche dann mit meinem Heißgetränk hinüber ins Atelier. Lese ein paar Nachrichten und fange dann langsam mit meinen Dingen an. Nichts mehr erzwingen, fließen lassen… Und immer wieder belese ich mich: was hilft den Fortgang der COPD IV zu entschleunigen? Beispielsweise keine Getränke mit Kohlensäure mehr trinken, denn die Gase können auf Zwerchfell und Lunge Druck ausüben. Instinktiv hatte ich das schon vor einigen Jahren gelassen, das Nachlesen brachte mir heute die Bestätigung… Man muss sich einfach für die Lebensführung mit dieser Krankheit sehr viel selbst erarbeiten, denn Ärzte haben bei den Terminen für solcherart Aufklärung wenig Zeit.
„Der Lack ist ab“, sagt die spindeldürre Frau Krause und hustet, als wollte sie einen Kohlenkeller mit Brocken füllen. Blass ist sie, aber voller Galgenhumor. Oma Schwertfeger liegt gegenüber wie hingerichtet auf dem Krankenhausbett und harrt erwartungsvoll auf ihre nächste Behandlung. Sie ist schon das fünfte Mal in diesem Jahr in dieser Klinik in Gransee, in der die Schwestern besonders nett sind. Oma Schwertfeger ist 93 Jahre alt und nach dem Umzug in das Dorf am Stechlinsee vereinsamt. Der Sohn hat sie vor fünf Jahren dorthin geholt. In die obere Etage seines Hauses. Am See war sie noch nie, sie ist schlecht zu Fuß. Mit jedem weiteren Tag in diesem Krankenzimmer blüht sie auf wie ein Alpenveilchen. Und erzählen kann sie! Aber noch beeindruckender ist ihr Schnarchen in der Nacht. Morgens legt sich Trude mit sechs gebrochenen Rippen in das Bett neben ihr. Sie schläft, als hätte sie seit Wochen keinen Schlaf gefunden. Das Handy surrt und der Alarm ihres Zuckermessgerätes schlägt an. Trude hört nichts, man muss sie wecken. Am Handy nervt der betrunkene Lebenspartner, stündlich ruft er an. Trudes Unfallgeschichte ist dünn, sie deckt jemanden. Nach zwei Tagen schickt man sie zurück ins Leben. Es ist schon nach 16 Uhr. Ich schaue mit der spindeldürren Frau Krause im Laptop „Drei Haselnüsse“ an. Trude steht hinter uns, man merkt, es gefällt ihr in dieser Stimmung. Eine Schwester bringt Pillen und seufzt: „Ach, Haselnüsse, wie schön.“ Trude steht immer noch. Den entlassenden Arztbrief bekam sie schon vor zwei Stunden. Nach dem Dämmern wird es dunkel im Zimmer, nur das Filmlicht flackert. Am Sonntag ist 1. Advent, ich werde wieder daheim sein und bin froh darüber. Trudes Handy surrt und Aschenbrödel reitet zum Ball. Die Tür schlägt auf, das Licht geht an, zwei Schwestern beziehen Trudes Bett neu, sie muss gehen. Wir halten den Film an und verabschieden sie. Eine Neue betritt das Zimmer. (pe)
Heute beginne ich voller Freude mit dem Drucken, Falten und Binden der Novelle FLÜSTERTON. Die 36 Seiten sind layoutet und so entsteht mein fünfter Titel in der nummerierten, handgefertigten Reihe ELSNER-EDITION. Bestellbar ist er per Mail an elsner@schorfheidewald.de oder PN auf Facebook (bitte Adresse angeben), das Heft kostet 10 € zzgl. 1,80 € Versand.
Danksagungen Wer uns und speziell meinen Imkergatten kennt, weiß, Ronjas Imkerwissen stammt von ihm. Er arbeitet seit mehr als 40 Jahren mit Bienen, ist fachlich gut belesen und hat mit mir sein Wissen und seine Art zu Imkern geteilt. Ich wollte über Ronja dieses spezielle Wissen populär verständlich machen, auch damit diese Arbeit und der Imkerhonig an sich mehr wertgeschätzt werden. Meinem lieben Lutz gilt dafür und auch für seine Erstlese der Manuskriptseiten besonderer Dank. Für das immer zeitnahe Korrekturlesen und einfühlsame Redigieren, das Meinung sagen, Aufbauen an schlechten Tagen und Ermutigen, danke ich meiner treuen Freundin Ines Wagenbreth. Dank gilt auch meinen FB-Freunden, die mir geholfen haben, das Covermotiv auszuwählen. Euer Voten für eins von drei Motiven hat mir richtig Spaß gemacht. Da „sprachen“ sogar einige, die sonst nur schweigsam mitlesen. Vielen Dank dafür. Ich habe im Heft auch die zweit- und drittplatzierten Motive verarbeitet…
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