KLAUSUR 2022

Es ist mal wieder soweit – die KLAUSR 2022 steht an. Seit 2018 versenke ich mich alljährlich im Winter in eine mehrwöchige KLAUSUR für eine ungestörte Schreibzeit. Heißt, der Blog atmet ein Weilchen Stille. Aber Ihr wisst ja, man kann in der Zeit zurückgehen, mehr 1795 Beiträge stehen hier online… sie erzählen aus meinem Leben, meinem künstlerischen Schaffen und meinen gesellschaftlichen Wahrnehmungen. Doch für größere Projekte braucht es Abstand zum Alltag. Ich will am Stück an meinem Romanprojekt „Die Zeit der weißen Wälder“ weiterschreiben. Seit Nikolaus pausierte das Projekt, weil die Weihnachtsfrau das Sagen hatte, aber jetzt…
Ich bin dann mal weg, bleibt tapfer und gesund!
Eure Petra

PS: Kommentare lese ich natürlich und beantworte sie auch.

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Eine Buchbesprechung

Nach hinten nicht und nicht nach vorne

Der neue Erzählband von Eckard Mieder ist auf der Suche nach dem Grund für die allgegenwärtige Müdigkeit und der Angst vor dem Zeitenwandel. Mit ruhiger Meisterschaft und zuweilen hübsch altmodischen Worten inszeniert der Dichter Kreuzfahrten durch die Abgründe der Seelen seiner Antihelden. Alle stehen im Zeitgestöber und stolpern geradewegs zu ihrem Wendepunkt. Bei der Stadt-Streunerin Ines findet der sich mitten auf einer belebten Straßenkreuzung. Im Polizeibericht heißt es dazu: „Sie ging nach hinten nicht und nicht nach vorne.“ Mieder denkt sich in das Desaster seiner Figuren und lässt den Leser wissen, wo es ins Ungewisse geht. Eine Stimme aus dem Off verrät uns „Das wissen wir nicht…“, und so erfahren wir auch etwas von den Zweifeln des Autors. Wie schon in „Der Lord geht noch einmal auf Sendung“ werden uns absurde und phantastischen Geschichten erzählt, die allesamt präzise das gesellschaftskritische Warum analysieren. Lebensweise und desillusioniert. Die eine schrumpft auf ihren Kern, bis sie verstummt. Ein anderer schaut teilnahmslos auf diese irre Frau, die ihn mit einer Waffe bedroht. Der Schneefall hinter dem Fenster hatte ihn mehr überrascht. Den Kindern des Ameisenvereins wachsen Ameisenköpfe – wohl als letzter Versuch Aufmerksamkeit zu erhaschen? Wahrscheinlich. Ein Aussteiger lebt als Eremit im Wald und begegnet unverhofft seinem früheren Ich. Realität oder Fieberwahr? Wir wissen es nicht. Und auch nicht, weshalb der Leser eines antiquarischen Buches, den Anmerkungen seines Vorlesers verfällt und plötzlich nach Oppenheim aufbricht, um diesen Leser kennenzulernen. Stadtgestalten, denen wir, wenn wir genau hinschauen, überall begegnen können. Irgendwo haben sie die falsche Kurve genommen, einen bizarren Richtungswechsel erfahren und wurden so zu Menschen, die das System ausspuckte. Eckhard Mieder hat sich ihrer mit feinem Gespür angenommen. (pe)

Nach hinten nicht und nicht nach vorne von Eckhard Mieder, ISBN: 978-3-89793-333-0, Verlag am Park, 208 Seiten, Softcover, 16 €

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Morgenstunde (611. Blog-Notat)

Sind Zwei im Zauberwald zwischen Klein Dölln und Kurtschlag spazieren gegangen, haben die Skulpturen von Siegfried Haase und Lutz Kittler in Augenschein genommen und gewiss über das Projekt „Überraschungswald“ oder auch „Kunstwald“ mächtig gestaunt. Eben dort, am Rande sind sie auch auf drei Märchen gestoßen. Schorfheidemärchen aus meiner Hand. Und weil sie so angetan waren, rief die Frau umgehend bei mir an und hat sich heute das Buch dazu aus dem Atelier geholt. So kanns gehen, kommt aber nicht so oft vor. Der kluge Wald ist eben kein Massenschauplatz, aber, es gibt ihn und Meister Haase werkelt immer weiter daran. Es ist ein Werden und Vergehen an diesem Ort, über den ich hier schon öfter erzählt habe (folge den Links, wenn es interessiert). Kunst im Waldlabor. Die Steine von Kittler und die Märchenplatten werden viel Zeit überstehen… 😊

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Morgenstunde (610. Blog-Notat)

Zwischen den Jahren hatte ich Besuch von meinem Qi Gong-Lehrer, der auch ein Dichter und Autor ist. Als er aufs Land zog, hatte er eine Kolumne im Nordkurier. In „Georgs Landleben“ bespöttelte er seine Ankunft auf dem Lande als naiver Ex-Berliner. Als er meine Schrägen Vögel-Cartoons sah, wusste er sofort, dit isses! Seine Kolumnen bekommen jetzt nach und nach von mir eine Schräge-Vogel-Illustration, das WAS und WIE war unser Gesprächsgegenstand im Atelier. Es sind ja nur 14 Texte (je eine A4-Seite), insofern wird es irgendwann einmal (alles offen) nur ein liebliches Broschürchen werden, aber Länge ist ja nicht gleich Größe… 😊. Oben seht Ihr nun die erste Illu, besser gesagt: die freistehende Vignette, die sein erster Text umspielen wird. Ich habe dabei keinen Termindruck, so können die Teile fließen, wenn Muße ist. Sowas bereitet dann nicht nur Arbeit, sondern ist macht echt Spaß. Habt einen schönen Sonntag alle miteinander!

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Morgenstunde (609. Blog-Notat)

Trübe, trist, dunstig, duster… auch dunkelschön – diese Januartage sind wieder die Tage der Nebelfee. Tropfengespinste, Schwadenwesen… Aber der Nebelfee habe ich schon eine Handvoll Geschichten gewidmet. Das reicht wohl, aber wie wäre es denn mit einem Klammhold oder Raureifelfe oder einer Pfützenspringerin? Daraus könnte was wachsen…
Augenblicklich habe ich zwei neue Märchenplatten (wetterfestes Alu-Verbund) für den Lesegarten in Druckauftrag gegeben, die kommen nächste Woche an. Es werden dann sieben Geschichten am Efeu-Zaun am Blumenmond sein. Das ist eine gute Alternative zu den Märchenbannern in den Gartenstelen. Die aufzuhängen, macht körperliche Mühe und sie sind nicht für jedes Wetter geeignet. Die Banner mit den Schorfheidemärchen kommen so nur noch zum Einsatz, wenn es Voranmeldungen im Sommer gibt. Ist der schwindenden Kraft geschuldet…

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Morgenstunde (608. Blog-Notat)

Der 12. Januar ist immer der Tag, an dem die Weihnachtslichter in unseren Fenstern erlöschen und die Schwippbögen, die Herrnhuter Sterne, die geschnitzte Krippe und die Spieldose die „Stille Nacht“ dudelt, verpackt werden und auf dem Dachboden verschwinden. Das Häuschen ist nun wieder minimalistisch dekoriert, es reicht, wenn einen im Atelier eine Russische Hängung angrinst und zuweilen „erschlägt“…Draußen ist es spiegelglatt und der Himmel trägt dieses Mausegrau, was nicht gerade den Tag aufhübscht. Es muss sich dafür etwas anderes finden, vielleicht lächelt was aus dem Briefkasten und wenn nicht, wird es mal wieder Zeit für einen Schräge-Vögel-Cartoon mit sonnengelben Himmel 😊. Es ist die Gute-Laune-Farbe, die ich schlicht im Baumarkt fand: Gelbe Holzbeize…. Macht es Euch schön!

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Morgenstunde (607. Blog-Notat)

Nach Neujahr fühlt sich die Zeit plötzlich beklommen an. Schlechter Schlaf, diffuse Stimmung. Dann schaue ich auf den Kalender und schlagartig ist‘s klar: Todestag von Mama. Es ist doch nun wirklich lange her und dennoch fährt mir diese Zeit in die Knochen, verlangsamt es mein diesseitiges Denken. Der Kopf stochert irgendwie im Nebel. 3. Januar 1984, 20:45 Uhr. Es ist seither eine immer wiederkehrende Gedenkzeit, ein Nachsinnen, eine besetzte Zeit, in der die Toten flüstern. Sie stoßen mich alljährlich an, wollen in mir klingen. Inzwischen lasse ich das zu. Für eine Woche oder zwei. Dann kann ich die Arbeit im Atelier fast vergessen, muss rausgehen, irgendetwas Handwerkeln oder Gärtnern, um der unsichtbaren Geschichte in mir nachzuspüren, doch ich bekomme sie nicht so recht zu fassen, weil sich das ausgeatmete Momentum von diesem Ausstoß an verändert bis es formlos ist… Da stecke ich irgendwie im Ungewissen fest…

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Morgenstunde (606. Blog-Notat)

Die mildern Tage um und nach Silvester habe ich schon wieder die Gartenarbeit aufgenommen. Es ist viel, was ich im Herbst nicht geschafft habe. Das Ackern hat mir gutgetan, denn das viele Stubenhocken ist nicht so hilfreich. Dann kam der Donnerstag mit seinem Neujahrs-Qi-Gong-Training. Oh je, mein Muskelkater mauzt schon den zweiten Tag. Freitag ging es zum Markt nach Templin, die Fahrt durch die winterliche Uckermark ist immer herrlich. Einfach einen Moment ins Land lächeln, was inzwischen viel zu selten vorkommt.
Denn die Nachrichten sind ein Jammer, alle Drama-Queens bestellen hier ihr Aufgebot. Ach, ich bin so müde von den ständigen Paukenschlägen und den Zeigefinger-Posen der Sauermilch-Moralisten. Wo sind die Mutmacher? Fürs Erste wäre es ja schon mal ein Lichtblick, wenn sich die Politik um mehr als nur das Nötigste kümmerte. Ich brauche z.B. keinen Kanzler, der uns wie gestern die Corona-Regeln herbetet. Dafür gibt es den Gesundheits- und den Innenminister. Von einem Kanzler erwarte ich Visionen und Strategien und vor allem einen ungeschönten Umgang mit den Leistungen der Politik in der Pandemie. Also: Klare Analyse. Die lässt immer noch zu wünschen übrig… Ich höre nur „Wir sind da gut durchgekommen… gut aufgestellt“ usw., aber die Leute landauf, landab erleben es anders. Und zu aller Erst wünschte ich mir, die Meinungsmacher im Lande würden sich wieder ihres vollständigen Sprachschatzes erinnern und nicht nur das Corona-Vokabular benutzen. Die Permanenz der immer gleichen Worte nervt nicht nur – sie mutet einfach hilflos und dümmlich an. Außerdem erzeugen sie eine ängstliche Konformität, die ein Gleichschalten assoziiert. Das passt einfach nicht zu einer pluralistischen Gesellschaft…

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Das Sonnenmädchen

(Die ganze Geschichte)  

Wenn sie den Raum betrat wurde es hell. Alle Blicke zog das Sonnenmädchen auf sich. Eileen war das höchst unangenehm, denn sie war schüchtern. So schüchtern, dass sie keine festen Schritte setzen konnte, sondern nur leicht tänzelte, als wenn sie schwebte. So war es nicht verwunderlich, dass sie alle nur “die Tänzerin” nannten.
Tanzen war Eileens Element, aber sie scheute das Rampenlicht. Nur auf der stillen Waldwiese drehte sie barfuß ihre Pirouetten. Eines Tages entdeckte sie im Waldsaum einen alten Mann, der ihr zusah. Seine Hände klatschten begeistert, als sie ihren Tanz beendete. Langsam ging er auf Eileen zu und sprach: „Noch niemals sah ich ein Mädchen so wunderfein tanzen. Ich will dich dafür belohnen, magst du dir etwas wünschen?
„Ach“, seufzte das Sonnenmädchen, „hätte ich einen dunklen Umhang, dann würden mich die Menschen weniger beachten und ich könnte ganz unscheinbar unter ihnen sein.“
„Das ist dein Wunsch? Du willst dich verkleiden?“, staunte der Alte.
„Nur das Leuchten bedecken.“
„Du willst also nicht mehr deinen Glanz verschenken? Oh, wie traurig. Aber gut, wenn es dein Wille ist, dann soll es so sein.“ Der Alte drehte sich einmal um sich selbst, griff aus der aufziehenden Dämmerung einen graublauen Umhang und legte ihn um Eileens Schultern. Im selben Moment war der Alte verschwunden.
Als sie nach Hause kam, schlüpfte sie in die Küche, aber weder die Mutter noch der Vater erhoben ihren Blick. Es war ganz so, als wäre sie unsichtbar. Überall wohin sie auch ging, niemand nahm mehr Notiz von dem Mädchen, das sein Leuchten verbarg. Zuerst empfand das Eileen wirklich befreiend. Kein Auge ruhte mehr auf ihr. Doch mit der Zeit wurde ihr Haar stumpf, das Gesicht grau und die Augen leer. Mit hängenden Schultern betrat Eileen die Waldwiese und begann einen müden Tanz. Der Alte war wieder am Waldrand erschienen und schüttelte entgeistert sein Haupt. Noch nie hatte er so einen schweren Trauertanz gesehen. Er ging auf das Mädchen zu und zog ihm das dunkle Tuch von den Schultern. Dazu sprach er sehr ernst: „Es ist deine Natur zu leuchten. Indem du dein Licht mit den Menschen teilst, belebt sich dein Glanz immer wieder neu. Los, tanzt dich raus aus deiner Dunkelheit!“ Er schupste Eileen ein bisschen von sich und warf ihr eine goldene Kugel zu: „Das ist das passende Geschenk für eine wunderfeine Tänzerin.“ Das Sonnenmädchen fing die Kugel und drehte sich lachend mit ihr. Alles an ihr begann wieder zu glänzen. Auf dem Heimweg begegnete sie einigen Nachbarn, die sie erstaunt fragten: „Wir haben dich so lange nicht gesehen, wo warst du nur?“
© pe

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