Morgenstunde (1228. Blog-Notat)

Nachdem ich die Danksagung und den Rücktiteltext zum Weihnachtsbuch formuliert hatte, habe ich meinen Zeichenplatz aufgeräumt und zum Stehpult aufgetischt: Zwei Kanthölzer, eine Holzplatte und obenauf eine Finn-Pappe als Schneiduntergrund. Simpel, aber gut genug. Weihnachtsklappparten und den Nachdruck vom Künstlerheft FLÜSTERTON habe ich am Wickel. Ich könnte noch einen neuen Titel zur Kurtschlager Edition produzieren, aber nach der intensiven Zeichenzeit fehlt mir momentan der Antrieb. Es braucht ein bisschen Abstand zwischen den Projekten. Will die letzten hellen Tage genießen, obgleich die Luft gestern schon recht kühl war. Da geht das Atmen wieder langsamer, vorsichtiger. Darauf muss mich einstellen, um nicht allenthalben zu erschrecken, wie es sein kann… Und mich bloß nicht wieder von einem Lagerfeuer verführen lassen, heranzutreten und im Feuerschein diesen Feinstaub einzuatmen, der die COPD antreibt. Sehr schade, ich liebe diesen knisternden Schein. Man kann eben nicht alles haben.

Morgenstunde (1227. Blog-Notat)

Feierabend im Atelier.

Nun ist meine Weihnachtsproduktion abgeschlossen. Das zog sich über sechs Wochen, abzüglich der Außentermine und Besuchszeiten. Geschichte mit Aufmacher-Illustration sind geschrieben und gezeichnet, darüber hinaus entstanden 24 gute Weihnachtsgeister als Minigestalten.  Heute – zum Finale: der Nisser, ein echtes Schnuckelchen 😊. Alle diese Figuren habe ich danach im Photoshop in jeweils ein Winterfenster eingefügt – das wird der Kalenderlauf im Blog-Advent, jeden Tag ein Fenster, im Vollmond steht das Datum. Für mein analoges Atelier-Fenster habe ich diese Motive ausgedruckt, laminiert und zu zurechtgeschnitten. Das funktioniert dann wie ein Abrisskalender neben meinen Auslagen. Ich könnte stundenlang weiterspielen, aber ich denke, das reicht jetzt… ein paar von den Motiven könnte ich ja noch ausschneiden und als Hängerchen aufbereiten… 😊. Aber alles noch im Verborgenen und ja, das fällt mir wirklich schwer… Nun, ich denke, der Verlag wird mich nach der Buchmesse noch einspannen, so ein Buch macht sich schließlich nicht von allein, auch wenn schon alles zusammengestellt ist… aber jetzt kommt das Spannendste am Büchermachen – das Gestalten. Habt einen schönen Sonntagabend!

Morgenstunde (1225. Blog-Notat)

Der schöne Herbst im Hof schreitet voran…

Es war gerade ein bisschen zu viel Tamtam in der Küche und ich musste mich unbedingt setzen, als es klingelte: Überraschungsgäste aus Groß Schönebeck. Nun, verstecken kann ich die Schwäche nicht mehr, aber wir hatten feinfühlige Menschen am Tisch, die das nicht weiter ansprachen… Die Mutter mit ihren Herangewachsenen kosteten sich genüsslich durch die Honignuancen. Es war lustig ihnen dabei zuzusehen, wie sie abwägten und schließlich wählten. Danach gab es für mich etwas zum Staunen: Die Geschwister holten ihre dicken Skizzenbücher vor und zeigten mir ihr Vorankommen mit den Stiften. Ehrlich, dass hat mich tief berührt. Dieses erwartungsvolle Zutrauen scheint mir selten geworden, aber es gibt es noch. Schön und hoffnungsvoll. Man kann sie ja nur anstiften und ermutigen, manchmal gelingt das… Friedrich hat mir eine Zeichnung geschenkt: Der Schnickschnack-Laden von Bansin gegenüber vom Bierkutscher war darauf sehr gelungen zu sehen. Meine Augen begannen zu schwimmen, denn ich fahre nicht mehr mit ans Meer. Aber diese Zeichnung bekommt einen Ehrenplatz im Atelier…

Morgenstunde (1224. Blog-Notat)

Diese Woche hatte es in sich: Der Versuch, drei Tage unterwegs zu sein, war nicht ohne, für eine, die kaum 30 Meter am Stück läuft, weil dann der Sauerstoff aus den Beinen weicht… Und gestern drängte noch der Pflegedienst, einen neuen Antrag an die Pflegekasse zu stellen. Seit Mai habe ich diese 1. Pflegestufe, die zum Jahreswechsel schon wieder wegfällt. Es war ein unangenehmer Weg dorthin, für ein bisschen Staubsaugen und Wischen aller 14 Tage, wozu meine Kraft schon lang nicht mehr ausreicht. Gesundheitsminister Linnemann setzt den Schwerpunkt auf ertüchtigende Reha. Ich denke da an meinen erfolglosen Reha-Antragskrimi vom Frühjahr und kann nur Kopfschütteln. Die Kasse hat lieber das Geld verzockt, als es für ihr Versicherten auszugeben. Es wäre mir lieber, ich bräuchte nichts von alledem…
In den ganzen Zwischenzeiten dieser Tage zeichne ich und bin inzwischen bei der 20. Figur für den virtuellen Adventskalender. Ein bisschen was fürs Herz muss es in diesen schwierigen Zeiten geben, finde ich. Gestern kam auch die Zusage der Lokalredaktion Bernau von der Märkischen Oderzeitung, dass sie auch dieses Jahr meine aktuelle Weihnachtsgeschichte drucken werden. Das ist mir eine Freude…

Morgenstunde (1223. Blog-Notat)

Entlang der Oder.

Auf den letzten Drücker meinte gestern der Liebste: „Wir müssen tanken, kommste mit?“ Es ging nach Polen, wo der gute Sprit gerade 1,70 € kostet… 60 Kilometer verfahren wir dorthin, da aber der Imkergatte immer noch Raucher ist, bekommt er dort die Schachtel Marken-Piepen für glatt 3 € preiswerter. Es lohnt sich also schon, erst recht, wenn man das Ganze zur Ausfahrt deklariert. Aber Stress ist doch immer dabei: 80 Liter hatte der Liebste noch im Tank, das sollte reichen, doch sieben Kilometer vor Hohenwutzen stand plötzlich die Tankanzeige auf NULL. Er verstand die Welt nicht mehr und ich sah den Mann schon Kilometer mit dem Kanister laufen. Kinner nee. Doch dann rollte das Auto weiter und weiter, bis zur Tanke auf dem Polenmarkt. Schnauf. Nach langem Schweigen meinte er, es muss am Sensor im Tank liegen, der vielleicht, eventuell… nicht mehr so genau in diesem tiefen Bereich misst. Es ist ein altes Auto… Auf der Rückfahrt über Joachimsthal nahmen wir die Seerandstraße, die geschmeidig am Werbellinsee entlangführt. Tolle Blickfänge: Die Segler, die Sonnenfunken auf dem See, Badeplätze, Angler am Schilf, dann rechts das wilde Moorland und hinterm Süßen Winkel – die Teiche. Unterwegs kehrten wir in den Anna’s Gasthof ein. Er wird deutsch-polnisch geführt. Also: Piroggen essen. Zufrieden kehrten wir heim.

Morgenstunde (1222. Blog-Notat)

Wenn der Efeu blüht, lebt und brummt der gesamte Bewuchs. Bei Sonnenaufgang zieht der drin wohnende Spatzenschwarm aus, denn gleich kommen Heerscharen von Hummeln, Bienen, Wespen, Hornissen, Fliegen, andere Flieger und ein paar Schmetterlinge. Da kann man wüste Kämpfe ansehen – mitten im Überfluss. Der Hof riecht derweil nach Seife, denn Efeublätter sind bekanntlich ein natürliches Waschmittel, mir duftet es zu sehr nach alter Wäscherei, aber für den Notfall, ginge es. Bald ist das Brummspektakel vorüber, dann tschilpen wieder die Spatzen laut darin – herrlich, manch Städter nennt das „Biolärm“… Am Wochenende war Kürbisfest im Dorf, ich war das erste Mal wegen mangelnder Kraft nicht mehr dabei. Aber Sabine und Patricia vom Kulturverein boten eine kleine Auswahl von meinem Büchertisch für mich an. Das ist wirklich bemerkenswert und ich bin einfach nur dankbar. Die Luft in gut besuchten Veranstaltungsräumen wird für mich sehr schnell zu dünn…



Morgenstunde (1221. Blog-Notat)

Es ist Tag der Deutschen Einheit und keiner hat für mich je so deutlich erklärt, was mein jahrelanges Empfinden stützt: das Gespräch mit dem Soziologen und Elitenforscher Michael Hartmann gestern im Ersten Deutschen Fernsehen. Er erzählt, wie beständig „der Blick durch die westdeutsche Brille“ ist und dass bisher nur der Westen wirtschaftlich entscheidet, was im Land geschieht und wie Entscheidungsträger auszusehen haben. Ganz klar und ohne Schnörkel (um es nachzuhören, klicke hier). Keine Tünche über der Wirklichkeit, ich danke dafür!
Ansonsten habe ich wohl genug dazu geschrieben, beispielsweise hier.
Habt einen schönen Tag alle miteinander!

Berliner Kneipe 1992-Verkehrsberuhigte Ostzone – in der Auguststraße – Berlin-Mitte,
Foto: Petra Elsner

Morgenstunde (1220. Blog-Notat)


Dort, wo meine großen Bilder seit zwei Jahren in weiße Tücher gehüllt schlafen, lagern nun auch bis zum Frost eigene Äpfel und Kartoffeln von Haralds Feld. Unsere Nachbarn schenkten uns zwei Kartons voll. Prächtige Teile. So ist das hier. Der Herbst ist üppig: Da bringt mir Regina noch heißen eingekochten Saft, Jürgen bietet Birnen an und Jens schenkt uns selbst geangelten Fisch aus Norwegen… Die Nachbarschaft verteilt, was sie überflüssig hat und lässt möglichst nichts umkommen. Es ist einfach herrlich, erst recht mit diesem Sonnenwetter überall dem geschäftigen Treiben. Wenn der Frost kommt werden wir wieder das Obergeschoss ausschließen. Die Äpfel und Kartoffeln lagern dann frostsicher auf der dunklen Treppe. Ist nicht mehr lange hin…
Samstag ist Kürbisfest im Dorf, die Kiste mit Kleinigkeiten aus dem Atelier zum Verkauf durch Sabine ist gepackt. Da fühle mich gleich nicht mehr so verloren mit all meinem Zeugs… Auch die Preise für Quizz und Kürbisgewinner holte der Kulturverein bei mir. Das hilft, denn die neugierigen Bilder-Bücher-Gucker schauen nur noch sehr selten rein. Ist es mein Alter oder die Zeiten, gewiss was von beidem – was solls. Die Menschen haben schwerer zu tragen, verloren ist die Leichtigkeit …

Morgenstunde (1219. Blog-Notat)

Ihr Lieben alle, die Ihr mich gestern mit guten Wünschen bedacht habt – seid herzlich bedankt! Es war ein praller, sommerlicher Tag, die ersten Gäste kamen gegen 10 Uhr, die letzten gingen kurz vor 22 Uhr, so viele Worte und Gedanken… Blumen und geistige Getränke.

Mittags war Ruhe. Der Liebste stiefelte in den Wald und sah nach den Pilzen, ich setzte mich an das Werk, dass mir Sonntag ins Haus getragen wurde. Die Schwedter Verlegerin plant eine erweiterte Neuherausgabe meines Weihnachtsbuches „Von der Stille des Winters“, das 2016 erschien. 10 Jahre sind seither vergangen, mindestens 10 neue Weihnachtsgeschichten kamen hinzu. Es wird einen neuen Titel bekommen, die Texte mit Berlinbezug fliegen raus, es soll eine echte regionale Perle werden. Nun denn, das wird bestimmt…

Morgenstunde (1218. Blog-Notat)


Freitagmorgen, das große Kochen beginnt… Pünktlich zum Herbstbeginn hab ich mir von unserem Mildenberger Lieblingsfleischer ein fettes Suppenhuhn (3,6 kg) geholt. Das werden mindestens acht gesunde Essen (ist besonders gut für die Lunge) für jeweils zwei Personen. So habe ich den Aufwand nur einmal aller sechs Wochen. Daneben galt es Wirsingkohlrouladen fürs Mittagessen zu bereiten… Jetzt, nach Stunden bin ich platt, muss Pausieren, denn der Liebste ist inzwischen im Wald… da wird es heute Abend spät. Pilze schnippeln und Suppe eintüten. Nahrhafte Tage sind das… Hirsche röhren zur Mitternacht immer noch von den Wiesen rechts hinter dem Dorf. Schönes Wochenende allerseits!