Morgenstunde (429. Blog-Notat)

Gestern noch war dieses Leuchten im Garten, heute bedeckt sich der November mit Nebel. In der Milchsuppe herrscht reger Flugbetrieb im Hof. Kleiber, Spatzen, Meisen… Eine Haubenmeise ist besonders neugierig und schaut auch schon mal ins Küchenfenster.
NABU meint, es sei selten, dass Haubenmeisen an Futterhäuschen kommen, aber diese hat mir mit ihrem Fensterblick wohl signalisiert wollen: „Hey, wir brauchen Nachschub!“ Ich stehe wie ein Stein während wir uns anblicken, aber eine Kamera lässt der possierliche Vogel nicht zu. O.K., dann zeichne ich halt einen, so vergeht die Zeit in Erwartung neuer Ansagen aus dem Kanzleramt. Aber auch eine andere Schwebe hat uns ereilt, das Schwiegermütterchen (90) liegt mit Corona im Krankenhaus – ach…

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Morgenstunde (428. Blog-Notat)

Das Novemberlicht schmeichelt heute noch einmal und vertreibt die Sonntagsschatten. Nachbars Kater schleicht durch den Herbstgarten als wäre er der Chef im Revier. Den Grauen schmückt ein dichtes Winterfell. Könnte ich auch gebrauchen, was haben wir gestern geschlottert bei 3 Grad am Morgen. An die Kälte muss frau sich erst wieder gewöhnen. Die Draußenzeiten werden kürzer und die Zeit am Zeichenplatz länger. Ich habe gestern ein vages Thema auf den Tisch bekommen und könnte mit dem Vordenken beginnen, doch noch sind die letzten Entscheidungen nicht getroffen, denn die allgemeine Lage schwebt über jedem Kreativprojekt… Machen oder nicht? Wie hoch ist das wirtschaftliche Risiko für alle Beteiligten? Wir wissen es nicht.  Die Fenster sind jedenfalls geputzt und weihnachtlich geschmückt, das Jahr taucht ein in die Lichterzeit, ganz gleich was sonst geschieht. Gut, dass es noch unverrückbare Gewissheiten gibt.

 

 

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Morgenstunde (427. Blog-Notat)

Es war ein stiller Sonntag. Hab meinen verstorbenen Seelen ein Licht unter dem Wunschbaum angezündet, bei dem mitgebrachten Grabstein, der lange schon nur Gedenkstein ist. Ein stiller Ort in der Heide, wo ich ihnen nachspüren kann. Der Wind singt in der Birke, sein Hauch weht eiskalt. Ach, sie fehlen mir – immer und immer noch. Ohne sie bin ich die Unbeschützte – lange schon. Gedicht zum Tage

Nur er nicht:

Sie fegte den Hauch mit der Hand von der Schulter und dachte dazu: Geh‘, verdrück‘ dich aus meinem Leben! Aber er war immer noch da, dieser miesepetrige Herr, der ihr ständig ins Ohr raunte: „Tu‘ dies oder jenes nicht!“ Als er das letzte Mal über ihre Bettzipfel sprach: „Schlaf nicht so lange, nur der frühe Vogel fängt den Wurm!“, stellte sie einfach den Wecker ab und drehte sich noch einmal um. Es war der trotzige Beginn, sich gehen den Nörgler aufzulehnen. Seither versuchte sie ihn loszuwerden, diesen Schatten aus der Vergangenheit. 20 Jahre war er schon tot. Sie hatte längst vergessen, starb er 1996 oder 97? Er hatte sich schon lange zuvor weit von ihr entfernt und steckte in einem anderen, neuen Leben. Sie konnte kaum glauben, wie liebevoll und großzügig dieser harte Kerl in dieser Familie sein konnte. Der Vater – ein Gestaltwandler. Als er ging, schien er sich ihrer zu erinnern, denn seither war sie da, die strenge Stimme auf ihrer Schulter…

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Vorlesezeit (19)

Weil die Lesebühnen wieder geschlossen sind, gibt es abermals nun ab und zu Vorlesevideos aus dem Atelier am Schorfheidewald. „Winter- und Weihnachtsgeschichten“ lautet diesmal das Thema der kurzen Lesezeiten, Diesmal: Von der Stille im Zeitenwind…

Falls sich das Video nicht abspielen lässt, bitte hier klicken.
Wer die Geschichte selbst nachlesen möchte, findet sie hier.

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Morgenstunde (426. Blog-Notat)

Das letzte Lindenblatt im Baum lächelt vor winterblauem Himmel. Es könnte so schön sein, ABER: 23.648 Neuinfizierte. Nach der morgendlichen Arbeit am Zeichenplatz stapfe ich angepiekt mit dem Rasenmäher über die Streuobstwiese. Das war es wohl für meine Dezember-Lesetermine. Kann frau sich jedenfalls denken, der Teil-Lockdown wird ganz sicher nicht mehr in 2020 aufgehoben, womit sich das nächste Monatsheu sich in Staub auflöst. Das alte Auto steckt wieder einmal in der Werkstatt. Die Injektionsteile sind vollkommen verölt. Wird teuer werden. Der Liebste löste  mich eben am Rasenmäher ab, nun vertritt er sich sein Unbehagen. Wenn ich Euch Weihnachtsgeschichten vorlese, soll das nicht heißen – alles wäre gut. Aber die Weihnachtsfrau kann nicht anders, das Geschichten vorlesen gehört in diese Jahreszeit, also will ich für Momente an Eurer Stimmungsschraube drehen. Jede Woche einmal bis Weihnachten… Habt erst einmal ein friedliches Wochenende!

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Lesezeit (18)

Weil die Lesebühnen wieder geschlossen sind, gibt es abermals nun ab und zu Vorlesevideos aus dem Atelier am Schorfheidewald. „Winter- und Weihnachtsgeschichten“ lautet diesmal das Thema der kurzen Lesezeiten, Diesmal: Das Pralinenmädchen.

Sollte sich das Video nicht abspielen lassen, klickt bitte hier:

Die Geschichte zum selbst lesen findet Ihr hier:

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Morgenstunde (425. Blog-Notat)

Nun, da warten wir also noch eine Woche auf die nächsten Hiobsbotschaften aus der Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten. Immer wieder dieses Vorpreschen, das vorzeitige Rufen aus dem Walde … Geduld vom Bürger verlangen, sie aber selbst nicht aufbringen. Wir beobachten alle diese Zahlen und verstehen. Verständnis wächst auch über die Sprache, aber eben auch Unverständnis. In der offiziellen Sprache menschelt es in dieser Pandemie viel zu wenig. Ein Beispiel: Wer kannte im Februar schon das Wort „vulnerable“? Und warum kennen wir es jetzt? Die meisten mussten bestimmt nachschlagen, ich auch und weiß nun, aha: „vulnerable“ heißt anfällig, verletzlich, verwundbar. Und warum sagt man das nicht(?): Die verletzlichen Gruppen – das klingt eindeutig und ist keineswegs trivial. Jeder weiß sofort worum es geht und so funktioniert „Transparenz“. Also weshalb das Verklausulieren? Der Begriff Vulnerabilität stammt aus dem Lateinischen vulnerable oder vulnerare „verwunden“. Die Gesundheitsbehörden definieren die vulnerable Gruppe als „aufgrund ihrer körperlichen und/oder seelischen Konstitution (z.B. Behinderung, psychische Störung, Schwangerschaft, hohes Alter) oder/und aufgrund ihrer besonderen sozialen Situation (z.B. obdachlose Frauen) verletzlichere (vulnerable) Personenkreise.“ Es stecken also ganz schön viele, sehr verschiedene Menschen in dieser bürokratische Schublade. Das Wort „verletzlich“ lässt sich offenbar nicht gut genug verwalten. Ich jedenfalls mag dieses Wort „vulnerable“ überhaupt nicht, es ist ein hässliches Wort, kein mitmenschliches und ich wünschte, es würde aus den täglichen Ansprachen wieder verschwinden.

 

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Morgenstunde (424. Blog-Notat)

Gestern rief mich die Bürgermeisterin von Marienwerder an. Der Museumsführer, der in einem Wendebuch sechs Ruhlsdorfer Episoden von mir (illustriert mit Gemälden von Helga Hagitte) enthält, ist zwar gedruckt, aber das Museumsfest wurde aus den bekannten Gründen im Spätsommer abgesagt. Mein Honorar für diese letzte Winterarbeit sollte sich aus dem Verkauf des Buches im Museum speisen. Aber wo kein geöffnetes Haus, da auch kein Verkauf. Doch es gibt noch Zeichen und Wunder, von sich aus hat mir der federführende Heimatverein eine andersgeartete Vergütung angeboten. Das ist echt schön und auch, dass sie dieses Dorf-Museums-Buch nun anstatt einer Dorfweihnacht in die dörflichen Haushalte verschenken werden. Das ist doch mal eine schöne Geste in dieser sonst so verschlossenen Zeit.
Ganz glücklich darüber, hab‘ ich danach gleich zwei neue Märchen-Platten (Alu-Verbund) für unseren Lesegarten als Druckauftrag rausgegeben. Der Lesegarten wächst jedes Jahr ein bisschen weiter, denn es werden auch wieder Zeiten kommen, in denen die Menschen in kleinen Grüppchen ins Atelier und den Bilderspeicher kommen und vielleicht auch den Garten erleben möchten. Ich glaube fest daran. Große Atelierfeste fallen für immer weg, dazu fehlt mir inzwischen einfach die Kraft und vor allem der Atem. Muss ja auch nicht sein. Macht es Euch schön an diesem Sonntag!

Märchen-Platten im Lesegarten. Foto: pe

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Eine Buchbesprechung

Liebe für Athen

Der Bildband in meinen Händen schickt mich auf eine Zeitreise in das alte Athen der 60er Jahre. Er lässt mich diese Stadt mit den Augen der Fotografin Katerina Zoitopoulou-Mavrokefalidou betrachten und ich kann dem Erwachen ihrer Liebe für diese Stadt beiwohnen. Zehn Jahre lebte die junge Griechin in Westberlin, bevor sie 1966 heimkehrte und sofort den Heiligen Felsen bestieg, um das Licht und die Schönheit, den Marmor und die alten Denkmäler in sich aufzunehmen. Sie geht den Weg der Touristen, doch im Abstieg entführt sie eine halb geöffnete Brettertür in die Stadt, in der ihre Liebe für die Athener erwacht. Katerina zeigt uns eine Stadt im Zeitenwandel. Langsam kommt die Moderne, aber die Armut der Menschen ist allgegenwärtig. Doch die fotografierende Frau sieht mehr: „Diese Stadt ist nicht arm. Sie ist reich an Mühsal, an Arbeit, an Leben.“, notiert sie. Sie führt mich an quirlige Plätze mit Kaffeeduft und Musik, daneben warten die Anstreicher auf ihre Tagelöhne und der Schuhputzer auf Kundschaft, ihr blickt er teilnahmslos, aber neugierig nach. Und weiter geht es über den Markt, wo für die Frische noch Eisblöcke sorgen. In dieser Männerwelt fallen aufdringliche Blicke auf die Fotografin, die sich hinter der Optik versteckt. Sie schaut auf die Auslagen und die Menschen dahinter. Und sie denkt dazu: „Götter der Fotografie. Sagt mir, wo sonst ihr solche Gesichter gesehen habt?“ Beim Betrachten ihrer Fotos spüre ich den Atem der Zeit, den Katerina Zoitopoulou-Mavrokefalidou eingefangen hat und ihn in diesem besonderen Bildband ausatmen lässt. Berührende Bilder aus jenen Tagen, in denen die Griechen noch fast unter sich waren. Sie hat den Blick von innen und von außen, denn sie verließ ihre Stadt, um zu studieren und sich zu entfalten. Mathematik an der TU Berlin und Film und Fotografie an der staatlichen Schule für Film und Fernsehen. Sie ist viel rumgekommen, hat Preise bekommen, hat ihr Leben als Filmeditor verbracht und hat sich neben vielem anderen mit der Übersetzung deutscher Literatur befasst. Ein Leben wie im Film, dramatisch und stolz. Ich durfte ihr einst begegnen, der wachen Frau mit dem magischen Blick für starke Bilder.

Der Bildband „Athen“, zweisprachig, mit Fotos von Katerina Zoitopoulou-Mavrokefalidou, erhältlich: kaziou1983@gmail.com,
ISBN 978-618-00-2316-9, Preis: 15 €, zzgl. Versand

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