Morgenstunde (265. Blog-Notat)

Ich hadere mal wieder mit dem Alter, vor allem, wenn ich mich aus der Zeitung ansehe und ein zerknautschtes Morgengesicht zurückblickt – 66 Jahre alt und längst vom Kortison gezeichnet. Heilig Abend in der Gransee Zeitung gab es einen Beitrag über meinen Blog schorfheidewald.de, die Frau dahinter und dieses unvorteilhafte Konterfei. Es haben den Artikel nicht viele entdeckt, an so einem Tag … ganz klar, da ist keine Ruhe zum Zeitungslesen und ich denke: Gott sei Dank. Herrje: Atmen oder „schönsein“? Atmen ist alternativlos. Ich bin ungeübt mit dem Altern von Frauen in meiner Nähe. Bin jetzt vier Jahre älter als meine Großmutter Marie es wurde, 13 Jahre älter als meine Mam Rita, 17 Jahre älter als meine einzige Schwester Angelika. Die Schwiegermutter wird alt, aber sie hat andere Gene. In meiner Linie stehe ich ganz vorne und grusele mich durchaus an dieser Front. Ich fürchte nicht den Tod, nur den Verfall. Wann kommt die Gelassenheit? Es ist nicht die Zeit für Gelassenheit. Die Zeit dort draußen tobt zu wild, sie rüttelt an mir, lässt mich nicht wirklich in Ruhe. Vielleicht kommt Gelassenheit irgendwann, wenn der dünne Atem das öffentliche Lesen nicht mehr möglich macht, wenn ich mich zurückziehe und nicht mehr auftreten kann. Noch ist es nicht soweit, aber der Augenblick kommt näher…

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Morgenstunde (264. Blog-Notat)

Eisornament auf dem Vordach

Windgefegtes Eis auf dem Teich, Frostornament auf dem Vordach – der Winter bemüht sich an diesem ersten Januarsonntag um Schönheit. So mag ich es: Vor die Tür treten und staunen.
Eisblumen sah ich zuletzt bei meiner Großmutter, damals als die Fenster noch einglasig waren und im Winter immer zufroren. Guckloch hauchen jeden Morgen. Wie ist das Wetter hinter der Eismalerei? Eisblumen sind einfach bezaubernd, sie gehören ins Kleid der Schneekönigin und da sind sie gleich wieder – die Märchen – jedenfalls ihre Kulisse ist angerichtet. Aber heute ist etwas anderes dran: lesen, lesen, lesen…
Macht es Euch schön.

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Morgenstunde (263. Blog-Notat)

Ein Leporello im A3-Format zur Präsentation von Buchillustrationen bei Vorlesestunden.

Was habe ich schon alles ausprobiert, wie man am besten Buchillustrationen Grundschulkindern vorführt. Immer stimmte etwas nicht. Entweder waren die Zeichnungen zu winzig oder das kleine Erzähltheater nicht recht praktikabel und von den Außenplätzen nicht einsehbar. Schlussendlich störte das Hantieren nebenher nur meinen Lesefluss. Aber es wird oft gewünscht, auch die Buch-Illus zu zeigen. Mittwoch habe ich die nächste Vorlesestunde vor Grundschülern und diesmal fühle ich mich gut gerüstet, denn gestern kam mir diese Idee: Ein Leporello im A3-Format. Dazu habe ich die kleinen Buchillustrationen im Kopierladen auf besagtes Format vergrößert und später auf das selbst gebaute Leporello aus dicken Finnpappen kaschiert. Es ist beidseitig benutzbar. Auf der einen Seite befinden sich die Illu-Kopien zur Mohnfee-Geschichte, auf der anderen einige Schorfheidemärchen-Illus auf Fotos. Ich denke, das hat jetzt die richtige Größe für Kids, die auf Kissen sitzend der Lesung zuhören. Schön.

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Morgenstunde (262. Blog-Notat)

Ein Hauch von Winter lächelt hinter dem Fensterglas. Er hat unter einem blanken Himmelsblau eine wundervolle Raureif-Idylle inszeniert. Während einer Lese-Pause sah ich im Garten nach den winzigen Eisschönheiten, bevor in mich wieder meinem Winterprojekt zuwende, ganz unerschrocken im Anfangsstadium…

 

 

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Neujahrsvogel

Na dann: Flieg!

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Morgenstunde (261. Blog-Notat)

In diesen dunklen Winterabenden spüre ich steinerne Müdigkeit, die immer einer Zeit folgt, die keine Spielstunden, sondern nur Pflichten kennt. Das Radio spuckt wie jeden Tag Horror-Monster und Wortgeister aus und lässt sie durch meinen Kopf schwirren. Doch sie verschwinden mit der Zeit, weil sie spurlos überschrieben werden von immer neuen Desastern. Wir können sie nicht alle in unseren Erinnerungen halten, die Last wäre einfach zu groß. Neues Leid überzeichnet altes, bis es sich verflüchtigt und unsichtbar wird. Wir haben in unserer Menschengeschichte keine Erfahrungen mit so einer monströsen Nachrichtenfülle, die sich täglich über uns ergießt, wie ein Vulkan, der Elend und Katastrophen speit. Er behindert freies Denken und trübt unsere Wahrnehmungen. Wir sollten uns doch endlich in diesem Land zusammenfinden und die Brüche, die der Erbsünde unsrer Großväter folgten mit Verständnis überspannen und Verstehen. Den Blick schärfen dafür, worin die Teilung Deutschlands wurzelte. Nur dort, an diesem Punkt – der Stunde null 1945 entstanden die Risse durch Schuld und Sühne. Alles andere ist/war nur ein Nachspiel. Wir sollten an den Spätfolgen dieser Teilung gemeinschaftlich arbeiten, denn ein Teil bekam echt schlechte Karten und hält dieses Blatt noch immer. Und morgen beginnt ein neues Jahr. Ich kann nicht jubeln, denn in dieser Zeit wohnt so viel Schmerz und Unvernunft, so viel Hass und Ungnade und so wenig Zuversicht. Trotzdem wünsche ich Euch allen: Frieden, Hoffnung, Gesundheit, Liebe und Glück.

 

Ein Neujahrsmärchen von mir findet Ihre hier:

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Morgenstunde (260. Blog-Notat)

Goldrauschen im Fenster.

Der Engel für die Goldenen Zeiten.

Ich hab die Bücher aus dem Fenster genommen und ein bisschen aus meiner Spachtelserie „Goldrauschen“ reingestellt. Sozusagen als Einstimmung auf das, was da kommen mag: Die Goldenen 20er. Erst einmal sortiere ich mich für die anstehende Winterarbeit: 10 Kurzgeschichten für eine Museumsschrift.  Das Öffentliches Schreiben an Irgendwas, wird es erst danach wieder geben können. Aber ich werde vom Fortgang der Dinge in der Morgenstunde erzählen.  Neujahr werde ich mit dem Studieren der historischen Quellen beginnen, denn vor die erste Zeile schiebt sich zwangsläufig umfängliches Lesen. Ich bin gespannt, denn diese Arbeit wird mich auch aus meiner Innenschau reißen, das kann nur gut sein – außerdem ist es ein schöner Auftrag, für ein großes Dorf im Land der wachsenden Seen echte Anekdoten aus den Familien in gut geschriebenes Lesefutter zu verwandeln. Im Frühling will ich damit fertig sein. Parallel dazu geht das Zeichnen am nächsten Schräge-Vogel-Kalender und vielleicht gibt es dann und wann auch ein paar Lyrik-Krümel… mal sehen. Habt alle einen schönen Sonntag miteinander!

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Lyrik-Krümel

Abgang

Verrauscht
in Wortgewittern
zieht das Jahr
seine letzten Stunden
mit lautem Getöse
durch die Zeit.
Es schweigt nur
in seiner allerletzten Sekunde,
wie ein Loch in der Nacht,
einen Atemzug vor der Ewigkeit.

© Petra Elsner

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Morgenstunde (259. Blog-Notat)

Die Weihnachtsfrau macht Schicht und legt die Beine hoch.  Schnauf. Irgendwie ist sie doch schon etwas in die Jahre gekommen 😊. Heilig Abend gab es übrigens meine jüngste Weihnachtsgeschichte in den Tageszeitungen Ostbrandenburgs, das hatte mich echt verwundert, denn in die Hand gegeben hatte ich es nur der Lokalredaktion Eberswalde… Der sogenannte „Tisch“ hat wohl einen “Durchläufer” für alle Lokalausgaben daraus gemacht, was durchaus ein Geschenk für mich war. Dankeschön.
Gestern Nachmittag las ich noch im Auditorium (Foto, rechts) des Hotel Döllnsee aus „Stumme Gänse“. Es gelang eine wache, heitere Stimmung zu erzeugen – echt schön für mich. Denn mal ehrlich, bei den klassischen Weihnachtsgeschichtenlesungen (10 Stück in einem), bei denen jede irgendwie ein kleines Wunder entfaltet und von der allerletzten Chance erzählt, schläft schon mal jemand in den Besucherreihen ein… Herrje, gut, wenn er/sie nicht schnarcht 😊. Also sowas gab es dieses Jahr nicht, dafür viele gute Worte.  Heute herrscht Stille im Quartier der schläfrigen Weihnachtsfrau, die das rote Zaubertuch bis zum nächsten Advent an den Nagel hängt hat. Am 2. Feiertag war’s bei uns daheim sowieso nicht mehr weihnachtlich: Die Eltern hatten ihren Hochzeitstag auf dieses festliche Datum gelegt und begossen ihn fortan immer mit einem leichtsinnigen Frühschoppen in der Sportlerkneipe von Zeuthen (wie hieß sie denn gleich? Café Langner? Oder so). Jedenfalls fanden sie nur leicht lädiert nach Hause, wo Großmutter und ich schon mit den Halb-und-Halb-Klößen warteten… Im Grunde war damit Weihnachten gelaufen, ist ja auch genug… Wahrscheinlich picheln die Beiden heute auf ihrer Wolke wie eh und je ihren klaren Schnaps, ich werd ein Gläschen auf sie heben in der stillen Nacht 😊. 

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Die Weihnachtsgeschichte für 2019

Der fabelhafte Herr Mermel zaubert Schnee.

Der Herr Dezember und der Zeitzauberer

Der Herr Dezember hatte dem Zauberer versprochen, pünktlich zu sein, aber er war nicht gekommen. Er sollte ein bisschen Schneegestöber für den 1. Advent mitbringen, doch offensichtlich war daraus nichts geworden. Wo er nur steckte? Hatte er sich im Kalender verirrt, irgendwo zwischen den Zahlen und Zeiträumen? Oder war er umwölkt versunken in einem Herbsttief? Über dem Weihnachtsmarkt verschwand eine späte Herbstsonne vom Abendhimmel und die Kinder schwitzten unter ihren dicken Mützen, denn er, der fabelhafte Herr Mermel hatte ihnen Schnee und Kälte versprochen. Und nun? Natürlich war der Zauberer Mermel auf alle Eventualitäten vorbereitet. Er griff in seiner Manteltasche nach dem großen lila Fächer und dem winzigen Päckchen Papierflocken. Unsichtbar für die vielen Kinderaugen nahm er sich eine Hand voll Flocken und ließ sie nun langsam zwischen den Fingern herabrieseln. Mit der anderen Hand fächerte er den Flocken Luft zu und augenblicklich sah es so aus, als würde er einen kleinen Schneesturm herbeizaubern. „Oh!“ und „Ah!“ rauntes es um den Schneezauberer. Der unerwartete visuelle Effekt rettete ihm seinen Abgang. Den aber hatte sich der fabelhafte Herr Mermel ganz anders vorgestellt. Er war mit seinen Flocken von der großen Weihnachtsmarktbühne gesprungen und tauchte mit hängenden Schultern in der Menge ab. Dabei dachte er eben noch, gerade hier, wo die Menschen sich auf das hohe Fest einstimmen, könnte er etwas über die geheimnisvollen Phänomene der Weihnachtszeit erzählen. Er wollte ihnen diesen sonderbaren Raum erklären, in dem die glücklichste Zeit wohnen kann, wenn man sie hineinlässt. Vielleicht hätte er dem Publikum auch noch verraten können, weshalb die Zeit darin mal schneller und mal langsamer voranschritt. Denn er wusste: Zeit ist das größte Geheimnis und Glück überhaupt. Aber zu der rechten Zeit gehört auch das richtige Wetter. Wo nur war der Herr Dezember mit seinem versprochenen Schnee abgeblieben?

Der goldene Wächter des Kalenders stoppte den Lauf der Zeit. Natürlich durfte er das gar nicht, aber er hatte einen Pakt mit der Gier geschlossen. Er lachte dazu hämisch und stampfte seinen mächtigen Spieß fest in den Kalenderboden. Auf der Lanzenspitze stecke eine Schneekugel, die den geschrumpften Herrn Dezember gefangen hielt. Seit sieben Jahren schnippte der Kalenderwächter den Schneewinter aus der Jahreszeit und ließ damit den Herr Sommer übermächtig werden. Der gefiel ihm viel besser, denn im Sommer gab es nicht diese besinnliche Zeit, in der sich die Herzmenschen einander zuwandten und das hektische Treiben aus ihren Festtagen verdrängten. Dieses Menscheln um das große Geheimnis der Dezemberzeit nervte den Wächter. Er glaubte die Macht zu besitzen, diese festliche Stille gegen das Motto „Zeit ist Geld“ austauschen zu können und schob es nun mit voller Wucht den Menschen in die Nacken.

Der fabelhafte Herr Mermel ahnte Schlimmes. Er eilte in seine Werkstatt und zauberte sich einen Gehilfen, einen Zeitengel, den er aussandte, den Herrn Dezember zu suchen. Der Zeitengel durchstöberte sorgsam jeden Winkel des Kalendariums. Dabei war ihm aufgefallen, dass auch der Herbst zu schrumpfen begann. Bald gelangte er an die Lanze des Wächters und sah was geschehen war. 
Der fabelhafte Herr Mermel hatte eine Idee: Er zauberte tausende Zeitengel mit Bauchläden voller Wunderzeittüten. Auf jedem Marktplatz der Welt standen sie am Heiligen Abend und verschenkten Wunderzeittüten mit Schneekugeln darin. Noch in dieser Nacht schüttelten unzählige Kinderhände einen Wintersturm herbei, der den Kalenderboden ins Wanken brachte. Die Macht des gierigen Wächters verwehte, denn er konnte gegen das Wünschen und Träumen nicht ankommen. Ein alter Zeitmeister erschien, riss die Lanze aus der Kalenderzeit und verjagte schließlich den haltlosen Wächter aus dem Amt. Der Herr Dezember kam frei, er streckte sich zu voller Größe und seine Wunderzeit begann.© Petra Elsner

Mit dieser Geschichte wünsche ich allen Lesern von schorfheidewald.de eine frohe Weihnacht, Glück, Gesundheit und eine gute Zeit
mit Euren Herzmenschen,

Eure Petra

 

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