Morgenstunde (584. Blog-Notat)

Mitzuerleben, wie ein Manuskript zum Buch wird, ist immer aufregend. Da will keine Routine aufkommen und das ist auch gut so. Geschrieben habe ich „Das Nebeltor“ in der dritten Corona-Welle. Für mich war es ein Wegträumen aus der realen Zeit, aber deren Probleme blieben naturgemäß im Gepäck und formten das Thema: Die abhandengekommene Lebensfreude. Also schickte ich ein Kind ins blaue Land hinter dem Nebeltor zu den Wasserwesen, um dort das Elixier der Freude zu suchen. Flora musste dazu über Grenzen gehen und einige Abenteuer bestehen. In den nächsten Tagen wird „Das Nebeltor“ aus der Druckerei kommen. Wer will, kann es jetzt schon direkt beim Verlag vorbestellen, siehe hier:

Heute gibt’s vorab eine kleine Vorleseprobe…

Sollte sich das Video nicht öffnen lassen, klickt einfach hier:

 

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Morgenstunde (583. Blog-Notat)

Das neue Speicherfenster ist immer noch nicht da, aber wir müssen nun die Treppe zum Kaltdach abdecken, denn Feuchte macht sich breit. Deshalb müssen die Bilder jetzt weg aus der Sommergalerie. Wenn der Fensterbauer endlich das Fenster bringt, heben wir die Abdeckung eben noch einmal auf. Die Lieferkettenengpässe… Ich habe die meisten Bilder in den Boden gewuchtet und zu Blöcken aufgestellt. Latten zum Durchlüften zwischen alle Leinwände, dann gegen den Staub leicht mit Folie abgedeckt. Von den Seiten kann die Luft zirkulieren. Der Rückbau wird von Jahr zu Jahr anstrengender und der Stellplatz langsam knapp. Die großen Arbeiten auf Papier sind ausgerahmt. Sie verschwinden im Zeichenschrank im warmen Atelier. Die Fahnenbilder wurden zu guter Letzt einfach aufgerollt. Damit ist Saisonschluss für den Bilderspeicher 2021. Sechs Monate hält er Winterruhe. Ist jedes Mal seltsam meine Bilderkinder so lange unsichtbar zu halten.

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Morgenstunde (582. Blog-Notat)

Es ist schaurig-schön vor der Tür. Der Wind ist ruppig unterwegs und singt sein Novemberlied. Eine gute Zeit, wieder schreibend abzutauchen… Hier kommt der nächste Auszug aus meinem aktuellen Roman-Projekt “Die Zeit der weißen Wälder”:

 ….Liebe Frau Bach,
bitte entschuldigen Sie meinen unangekündigten Besuch. Ich wollte nicht übergriffig sein, aber ich brauche Sie dringend im Institut. Die Studie über die Zukunft von städtischen Großraumsiedlungen kommt ohne Sie nicht zum Abschluss. Wir brauchen Ihren sozialen Scharfsinn dafür. Bitte melden Sie sich …
Emilia las nicht weiter. Sie verschob die Mail in den virtuellen Papierkorb. Herzog störte. Aber die Frau wusste inzwischen, ohne den Verlustschmerz zuzulassen, würde sich ihre Trauer nicht legen. Deshalb verweigerte sie sich dem gewohnten Leben. Stattdessen holte sie sich aus dem Schuppen die nächsten Kisten und es war ihr, als würde sie in all der Fülle förmlich ertrinken. Die ungelesenen Bücher und Manuskripte der Mutter – unaufgeräumte Herzstiche.

*

Der erste Herbststurm riss das Goldlaub von den Bäumen und peitschte das Land. In der Dämmerstunde fiel Strom aus. Es war wie ein Zeichen für Emilia, das Sichten zu beenden. Sie räumte auf und verschloss die Kisten wieder. Nur die mütterlichen Geschichten behielt sie bei sich. Bücher, die lange in der Finsternis davon träumten, dass sie jemand aufschlug und ihren Schatz entdeckte. Es wurde dunkel als der Sturm endlich einschlief, doch der Strom fehlte weiter. Die Frau stellte gerade Kerzen auf, als es sacht an die Fensterscheibe klopfte. Emilia blickte auf und sah den Kasper hinter dem Glas, der ihr vorsichtig zuwinkte. Na sowas, der Puppenspieler, dachte sie und öffnete die Tür mit klopfendem Herzen. „Ich kaufe keine Taschenspielertricks an der Haustür,“ spöttelte sie.
„Na, dann lass uns doch einfach reingehen,“ antwortete der Kasper und Hans, der Täuscher grinste.
„Von welchem Parkplatz hat es denn dich hierhergetrieben? Und wer hat dir verraten, wo ich lebe?“, fragte Emilia distanziert.
„Die Wirtin deines Ferienzimmers, war so frei. Ist zwar nicht datenschutzkonform, aber du weißt ja, ich habe bei ihr einen zeitweiligen Stellplatz.“ Hans, der Täuscher legte ein Foto in den Kerzenschein auf dem Küchentisch. Er setzte sich und wartete, dass Emilia es ansah. Sie brachte zwei Becher Rotwein herbei und erblickte das Bild: „Meine Großmutter Ria und Harry beim Puppenspiel?“
Hans nickte: „Ja, sie musste ihn im ersten Nachkriegssommer über die Dörfer begleiten, sollte erst einmal irgendetwas lernen. Aber sie hat nicht durchgehalten. Der alte Harry nahm es mit der Hygiene nicht so genau, wenn er Überland reiste. Er stank einfach entsetzlich in der Sommerhitze. Da ist sie auf und davon und Fredi war sauer.“
Emilia schüttelte ungläubig den Kopf: „Für mich war Ria eine Kabarettistin auf irgendwelchen Arbeiterbühnen. Nebenberuflich nur, weil auch Fredi, genau wie seine Eltern, von ihr verlangte, einen anständigen Beruf zu ergreifen. Sie lernte schließlich Stenotypistin, wurde Sekretärin. Weil so viele Männer im Krieg geblieben waren, gab es in den 50er und 60er Jahren eine bemerkenswerte Frauenförderung. Ria kam so zu einem Fernstudium: Regie und Journalistik. Danach wurde sie Aufnahmeleiterin beim Rundfunk und schrieb später für eine Radiosendung sehr durchschnittlichen Sketsche. Sie war nicht glücklich in alledem und deshalb kam wohl der Krebs. Großmutter hatte nur einen Bruchteil von Fredis Talenten geerbt, doch nie konsequent daran gearbeitet. Aber Talent ohne Training ist nichts. Ria war einfach eine leichtfüßige Lebefrau. Von ihrem Ausflug ins Puppenspiel hatte sie nie erzählt. Es muss sie abgeschreckt haben.“
„Na ja, es waren ihre Sturm-und-Drang-Jahre. Sei nicht so streng. Wir alle sind Kinder unserer Zeit. Damals herrschte der feucht-fröhliche Überschwang, eine feierwütige Freude, weil man am Leben geblieben war. In diesem Taumel ging sie nach Ostberlin und spürte ihren Chancen nach. Man sah sich danach nur noch selten und wurde sich schließlich fremd.“
Emilia nickte nachdenklich: „Als ich zwölf war, ist sie gestorben.“
„Ich weiß“, flüsterte der Mann, „danach riss die Freundschaft. Wir haben einfach nichts mehr von den Berlinern gehört. Aber es gab dieses Band zwischen unseren Sippen.“
Sie tranken den Wein in großen Zügen. Emilia schenkte nach und schmierte ein paar Schmalzbrote. Hans sah sich inzwischen in dem Raum um. „Sehr aufgeräumt.“
„Hättest ein paar Stunden früher kommen müssen. Totales Chaos. Da hockte ich noch inmitten des mütterlichen Nachlasses. Völlig versunken in der verschwommenen Vergangenheit. Tagelang. Ein wirres, schmerzhaftes Suchen war das.“
„Und, bist du fündig geworden?“
„Ich weiß nicht, vielleicht. Meine innere Stimme sagt mir: ‚Steig aus dem Hamsterrad! Folge deinen Talenten!‘, aber ich fürchte mich.“
„Wovor?“
„Zu scheitern.“…

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Morgenstunde (581. Blog-Notat)

Mit dem typischen Novemberwetter habe ich wieder mehr Atemprobleme als gewöhnlich. Kalte Luft zieht die Bronchen zusammen, mit der Folge, dass der Körper mit weniger Sauerstoff versorgt wird. Nebel reizt zusätzlich, weil die Wassertropfen darin kleinste Schmutzpartikel aufnehmen, die mit eingeatmet werden. Einem Gesunden macht das wenig. Aber unsereins… Also Schal vor den Mund, vor dem Rausgehen einen heißen Tee trinken, der den Brustkorb erwärmt und Notfallspray immer dabeihaben. Ungemütlich. Dazu passt lautes Lesen nicht unbedingt, aber da musste ich heute Vormittag durch. Jetzt liest der Liebste noch einmal. Die Korrektur der layouteten Fassung meiner Fantasy-Geschichte „Das Nebeltor“ stand an, bevor sie kommende Woche in die Druckerei geht. Nächste Woche werde ich für die Werbung noch eine kleine Leseprobe als ein Video vorbereiten, ich hoffe, Lunge und Stimme spielen mit…

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Morgenstunde (580. Blog-Notat)

Die Impfdurchbrüche mit Todesfolge am Werbellinsee haben meine wiedergefundene Lebensfreude hart ausgebremst. Was für ein Desaster! Hier endet mein Verständnis. Die Menschen in den pflegenden Berufen sollten dem Leben verpflichtet sein und dazu gehört letztendlich auch die Einsicht zur Impfung. Alles andere ist für mich Körperverletzung von Schutzbefohlenen oder eine Art OP am offenen Herzen ohne Gummihandschuhe. Politik sollte hier klar sein und nicht irritieren. Stattdessen hat ihr schwammiger Kurs die gesellschaftlichen Fronten immer nur weiter verhärtet. Wie kommen wir da nur wieder raus? Und über alle dem zieht sich die Pandemie ins uferlose. Ich habe mir heute erst einmal die Grippeschutzimpfung geholt, einen Termin zur Booster-Impfung war noch nicht zu bekommen. Wir haben diese Woche in den Medien erfahren können, die Astra-Impflinge haben nach sechs Monaten gerade mal noch einen Schutz von ca. 50 Prozent. Es wird also zusehends wieder ein Lotteriespiel Menschen zu begegnen…

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Die kleine Dachsbande

Heute gibt es hier mal etwas ganz anderes:
Eine Vorlesegeschichte für KITA-Kinder

Die kleine Dachsbande

„Attacke!“, rief die kleine Dachsbande wie mit einer Stimme in die Dämmerung und begann ihr allabendliches Wettgraben am Zaun zum alten Obstgarten.  Das Dorf inmitten des großen Waldes bot einfach zu verführerische Futterplätze. Die munteren Jungen legten sich schwer ins Zeug und untergruben den ersten Zaun. Die Menschen hatten ihre Schlupflöcher aus der vergangenen Nacht tagsüber mit schweren Steinen verstellt. Aber denen werden sie es schon noch zeigen, schließlich hießen sie nicht umsonst Frechdachse. Also begannen die Drei unerschrocken mit ihren starken Schaufelkrallen sich einen neuen Weg zu bahnen. Keiner konnte das besser. Der Eine grummelte dabei, der Andere grunzte etwas angestrengt und der Letzte schnaubte kräftig. Mit dem Vater war es leichter, Zugänge zu schaffen. Aber die Eltern waren von ihrer Nachtwanderung nicht zurückgekehrt.  Die Jungen wussten, es war spät im Herbst, sie mussten sich unbedingt für die Winterruhe einen dicken Speck anfressen. Also gingen sie alleine auf Futtersuche. Vom großen Komposthaufen duftete es gar köstlich nach Gemüseabfällen und den Regenwürmern darin.  Die jungen Dachse stießen ihre Nasen tief in den Kompostberg und quiekten vor Freude, als sie frisches Futter fanden. Es dauerte nicht lange, da kamen drei Waschbären am Komposthaufen vorbei und meinten: „Das Vogelhaus ist wieder aufgestellt, lasst uns dorthin laufen. Sonnenblumenkerne sind einfach köstlich!“ So schlichen sie zu sechst, ganz, ganz vorsichtig in den spärlich erleuchteten Innenhof, wo ein prächtiges Vogelhaus stand. Die Waschbären kletterten gekonnt den Dreifuß hinauf. Im Häuschen angekommen, fraßen sie gierig die saftigen Kerne. Die Dachse konnten nicht klettern. Aber weil die kleinen Bären in dem Futter herumtobten, fielen auch jede Menge Kerne zu Boden, die die Dachsjungen auflasen. Zusammen ist man eben stärker, erfuhren die jungen Tiere in dieser Nacht und so gingen die sechs Freunde fortan gemeinsam auf Futtersuche.

© Text & Zeichnung: Petra Elsner

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Lyrik-Krümel

Zimt und Zunder

Dem Jahr entflieht das Licht.
Verbraucht sind all die Farben.
Nun taucht die Zeit
in Zimt und Zunder
und jeder hofft auf kleine Wunder,
auf zarten Reif und leise Heiterkeit.


© Petra Elsner, 1. November 2021

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Morgenstunde (579. Blog-Notat)

Es raschelt überall im Garten. Das knisternde Laub, fallende Tautropfen, eine Haselmaus im Strauch. Noch sind die Farben Feuerwerk, noch nicht braun-grau. Das Sein in diesem Zwischenraum ist zwar erschöpflich, doch wunderschön. Wenn da die Dachsbande nicht wäre. In der Nacht zu gestern müssen es mehrere gewesen sein, denn im Zaunstück zum Nachbarn waren gleich drei, dicht beieinanderliegende Untergrabungen vorzufinden, Unglaublich stur, schiebt das Tier (oder die Tiere) die schweren Sperrsteine beiseite. Aber vielleicht lässt sich das einfach nicht abwenden, wenn man so dicht an einem großen Märchenwald lebt. Oder vielleicht wird es endlich Zeit für ein Dachsmärchen, dass es für mich zu schreiben gilt, wer weiß, mal sehen was fließt… Ab morgen dürfen wir uns auf die Winterschlafzeit freuen und die Dorfkinder werden abends verkleidet an den Hoftüren läuten, um Süßes einzufordern, womit die Zauberzeit beginnt…

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Morgenstunde (578. Blog-Notat)

Heute ist Blättertag. Unsere Straßenlinde hat abgeworfen, das wird einen goldenen Kompostberg geben, mal sehen, was ich schaffe. Nachmittags werde ich weiterschreiben. Der Liebste ist wieder zu seinen Eltern gefahren, die Strecke über Dresden bis Aue ist baustellengespickt, da wird er fünf Stunden brauchen, wenn’s reicht. Gestern haben wir die Kapper Ausstellung abgehängt, womit der herbstliche Rückzug der großen Bilder beginnt. In den ersten Novembertagen werden wir den Bilderspeicher schließen und den Treppenaufgang isolierend abdecken. Bis April… Aber egal. Im Winterhalbjahr kommen eh weniger Menschen ins Atelier und jene, die sich aufmachen, wollen die Büchergeschichten und Illus sehen, dazu Tee oder Kaffee trinken und plaudern. Wie es ausschaut, trauen sich die Veranstalter noch nicht Weihnachtslesungen zu planen, ich muss offenbar kurzfristig reagieren. Wenn nicht, dann nicht. Es wäre das zweite Mal, dass meine Weihnachtsgeschichten unberührt in den Mappen schlafen. Irgendwie irritiert das eine Weihnachtsfrau schon. Auf jeden Fall werde ich versuchen (wenn man uns lässt), am 1. Advent am Hof-Feuer stündlich (14:15 Uhr, 15:15 Uhr) eine Weihnachtsgeschichte zu lesen und danach zum Weihnachtseinkauf bitten, für geladene Gäste, damit die Aktion klein bleibt.
Nun denn, hab ein herbstfrohes Wochenende und genießt die letzten warmen Sonnenstunden!

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Morgenstunde (577. Blog-Notat)

Stress-Stunden liegen hinter uns. Jetzt, zurückgekehrt, dampft jeder für sich erst einmal ab. Wir waren wieder in Charité in Berlin-Steglitz. Dicker Verkehr, dreimal die richtige Abfahrt verpasst, immer wieder zurück auf die Stadtautobahn und neuer Abfahrtsanlauf. Der Liebste war über sich verärgert, hektisch, ich daneben mit einen Angst-Blutdruck kurz unterm Autodeckenblech. Die Lungenfunktion war dadurch stark beeinträchtigt, genauer gesagt: beim Arzt-Termin nicht messbar. Der Professor schaute mich nachdenklich an und erhöhte die Dosis des Kortison-Sprays. Immer Ende Oktober, wenn das kühlere Wetter einzieht, wird es eh schlechter mit dem stabilen Atmen. Sommer- und Winterlunge eben. Aber Dank der Anti-Körper-Therapie ist wenigstens das Allgemeinbefinden nicht so schlecht, wie vor einem Jahr. Trotzdem, doppelte Ration Kortison ist mit den Nebenwirkungen auch nicht gerade lustig. Die Haut will Pergament werden. Bitte nicht drücken, das gibt blaue Flecke. Schon allein vom aufliegenden Bein im Schlaf. Schitt. Altwerden macht gelegentlich ratlos und traurig. Aber nun liegt die Kutscherei erst einmal für ein Vierteljahr hinter uns… Schnauf. Was machen eigentlich Leute, die solche Fahrten nicht mehr leisten können? Sie bekommen einfach dieses Medikament nicht. Im Flächenland Brandenburg wird generell früher gestorben. Ich hoffe, wir schaffen das noch ein Weilchen nach Berlin. Meine Qi Gong- Ertüchtigung hat sich der Prof interessiert notiert, vielleicht (ganz sicher!) ist das auch etwas für andere Lungenkranke im späten Stadion, in dem Joggen & Co einfach nicht mehr geht. Morgen geht’s wieder ins Land-Dojo in Krohnhorst, für heute ist‘ genug.

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