Morgenstunde (483. Blog-Notat)

Der Tag will nicht hell werden. Gewöhnlich wäre der Abend des 30. Aprils ein Fest im Dorf, mit Maibaumaufstellen und romantischem Feuer am Fließ. Aber zum zweiten Mal werden keine bunten Bänder im Frühlingswind flattern. Man braucht es nicht unbedingt, klar, aber diese schöne, alte Tradition war gerade im Dorf wiederbelebt worden. Schade. Was tröstet ist die Kälte vor der Tür, da müssen wir uns heute Abend nicht warm anziehen.

Schwebekörbchen auf Wilddraht

Der Dachs war wieder nachts im Garten…, aber wir haben jetzt etwas gefunden, was zumindest ihn am Zaun untergraben hindert: ein altes, sehr stabiles Wilddrahtgeflecht. Vor Jahren fanden wird entsorgte Reste im Wald, die wir für meine „Schwebekörbchen“ mitnahmen. Sie kamen auch als Gerüst für Kletterpflanzen zum Einsatz. Nun hat der Liebste ein Stück des eisernen Drahtgefechts spatentief am Zaun in die Erde gerammt und am Zaun befestigt, das half. Der Dachs hat zwar an seiner beliebten Durchgangsstelle gegraben, doch schließlich aufgegeben.  Bis zum nächsten Mal, aber wir haben ja noch reichlich von dem Zeug. Zurück ist er, wie er kam, über die benachbarten Kompostmauern, aber das macht ja keinen Zaunschaden…
Habt alle miteinander einen schönen 1. Mai!

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Morgenstunde (482. Blog-Notat)

Eine Winterarbeit hat sich realisiert und landete gestern in meinem Briefkasten – das schöne Familienbuch „Wer will schon in den Süden“. Die Geschichten und Gedichte gab der Verlag Tasten & Typen im Auftrag der Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e.V. heraus. Mit dem fantasievollen Inhalt habe ich nichts zu schaffen, es ist eine Anthologie namhafter Thüringischer Autoren, ich durfte lediglich die Illustrationen zum Buchcover liefern. Gewünscht waren dafür meine Schrägen Vögel, als Lesende im heimischen Urlaubs-Feeling. Und jetzt kann ich hier zeigen, wie sich meine Reinzeichnung verlegerisch weiterentwickelte. Im Druck wurde mein Sonnengelb nicht ganz getroffen, aber das ist technisch auch schwer und gelang eigentlich nur einmal mit der Fürstenberger Druckerei (Eisenhüttenstadt). Die hatten einen Druckmeister, der den Originalton auf den Punkt traf. Ich stand seinerzeit (2003) mit den Originalblättern zu meinem Kalender „Paradiesvögel“ beim Andruck neben ihm und er sah sofort, dass es ein „Indisch Gelb“ werden muss. Ein seltenes Ereignis, denn im Grunde verändert die Drucklegung meistens die Original-Optik zu einem eigenständigen Werk und ich finde die hier  wirklich gelungen.
„Wer will schon in den Süden“ hat im Geleit den Spruch von Jean Paul: „Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.“ In der Pandemie ein Ausweg, der unter www.verlag-tasten -und-typen.de zu finden ist.

Wer will schon in den Süden, Klappbroschur, fadengeheftet, 244 Seiten, 14,80 €, ISBN: 978-3-945605-47-9

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Schorfheider Baumgewisper 1

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Morgenstunde (481. Blog-Notat)

Da kommt Freude auf: zum dritten Mal in dieser Woche – Dachsbesuch. Er hat sich eingeschossen auf unser Gartenland und untergräbt die Zäune immer tiefer. Stur wie ein Panzer. Irgendwie müssen unsere Engerlinge besonders schmackhaft sein und die Regenwürmer auf dem frisch umgesetzten Kompost auch… ach. Die Nachbarn sagen, früher wäre das nicht so gewesen, was nur haben die Bewohner damals anders gemacht? Sie verraten es nicht. Da wandert die Fantasie…
Es kommt indes keine rechte Lust auf Leinwand auf. Zu Mitte Mai 21 war die ausgefallene Ausstellung aus Mai 20 verschoben worden, ich denke, sie wird wieder nicht stattfinden. Was brauche ich da neue Leinwände und teure Rahmen? Günstiger und platzsparender sind wohl lose Blätter, vielleicht schöne alte Bäume? Methusalem alt bitte…😊

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Morgenstunde (480. Blog-Notat)

Wie wird es sein, das Leben nach der Pandemie? Wenn wir die Masken ablegen, werden wir darunter noch ein Lächeln finden? Werden die Kinder wieder singen oder nur noch Abstand halten? Und was wird nie wieder sein? In diesen Tagen empfinde ich schmerzhaft die Kontaktarmut, der eine Stille nachfolgt, die nicht mehr Auskunft gibt, darüber, ob eine Arbeit angekommen ist oder nicht. Die Kontaktenden funken nicht mehr. Von Ende Februar bis Mai 2020 schrieb ich an sechs Episoden für ein Wendebuch für Ruhlsdorf. Es sollte zum Museumsfest im Spätsommer seine Premiere feiern, aber dieses Fest verhinderte Corona und die Premiere steht heute noch aus. Ein Teil der Auflage wurde zu Weihnachten den Dorfbewohnern spendiert, aber ich weiß bis heute nicht, wie die Geschichten aufgenommen wurden. Und so geht es mit all den Dingen, die in den vergangenen Monaten entstanden sind. Auch der Verlag schweigt, weil natürlich niemand so recht weiß, wie es weiter geht. Nur – irgendwann entsteht so eine diffuse Lage, in der man sich nicht mehr gewiss ist, ob die Arbeit noch Sinn macht, welchen Gebrauchswert sie hat. Gestern kam eine Nachbarin und holte sich meinen Krimi „Milchmond“. Sie hatte sich das Buch bei einer Freundin geliehen und verlegt. Sie fand es einfach nicht wieder und so kaufte sie es halt, um die Rückgabe zu garantieren. Dabei erzählte sie, wie sehr sie in die Geschichte eingetaucht sei. Sie las auf Empfehlung… und so drehen die Geschichten ihre stillen Runden, aber ich erfahre davon selten. Wie gut, dass manche schusselig ist 😊…

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Morgenstunde (479. Blog-Notat)

VERBLENDET, 40 x 40, Acryl auf Leinwand

“Du fährst in das Land der Kultur.“, sagt die Mutter auf dem Bahnhof zu dem traurigen Kind Marcel Reich-Ranicki im Film. „Das Land der Kultur“ – das war das Markenzeichen Deutschlands, selbst in dessen dunkelster Zeit. Heute ist das Markenzeichen Deutschlands weggeschlossen, seit 14 Monaten. Und auch mit dem Bundes-Lockdown, der gestern mit viel Gezeter den Bundesrat passiert hat, bleibt es bei der neudeutschen Systemrelevanz. Allgemein beklagt wird die schlechte handwerkliche Seite des Gesetzes und die Ignoranz der Pandemieerfahrungen. Die Verhältnismäßigkeit der „letzten Lösung“ namens Ausgangssperre wird nun die Richter beschäftigen. Es ist ein Teufelskreis.  Ich bin mir nicht gewiss, ob diese kraftlose Verordnungs-Manie überhaupt noch etwas bringt. Die Fallzahlen sanken der Letzt nicht wegen der Verordnungen, sondern weil sich so viele Menschen von sich aus streng zurücknahmen und nicht weil die Königin raunte „…ich werde mir das nicht mehr lange ansehen…“  Das Licht steigt, die Tage werden länger und heller und die politische Antwort heißt: Ausgangssperre für die allermeisten Bürger. Wenn diese Zeit einmal vorbei sein wird, werden sich wirklich viele der jetzt politisch Handelnden bei den Menschen entschuldigen müssen. Fraglich, ob sie diese annehmen werden.
Auch wenn derzeit wenig Kultur gebraucht wird, gestern ist in meinem Atelier diese Leinwand entstanden, ich nenne sie „Verblendet“…

 

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Morgenstunde (478. Blog-Notat)

Der Vormittag gehört noch dem Garten, aber wenn das schlechte Wetter kommt, wird es wohl mit dem Weiß auf der Leinwand weitergehen. Das Weiß der Mystiker hat mich schon immer fasziniert. Das Weiß, die hellste aller Farben, die Lichtfarbe, die das Verborgene blitzen lässt. Als Weißerscheinungen. Für Kandinsky war das Weiß ein Symbol einer Welt, in der Farben und alle malerischen Dispositionen verschwunden sind. Eine Sphäre, die nicht antwortet. Das große Schweigen eben, als Raum der Transzendenz. Es gab immer mal diese Hinwendung in meiner Malerei als „Freies Weiß“, wie diese beigestellte Arbeit. Aber dieses Thema ist für mich noch nicht „auserzählt“… und nach dem genauen Zeichnen in den letzten Wochen, wird diese Hinwendung auch eine Art Befreiung sein…


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