Morgenstunde (798. Blog-Notat)

Salbeitee, Ingwertee, Taschentücherhaufen. Die Erkältung ist zäh und nimmt eher zu als sich zu lindern. Zwei Wochen steht nun schon das Telekom-Päckchen mit dem SPEEDPORT SCHMART 4 PLUS bei uns rum und drohte uns still mit Veränderung! Gestern fassten wir uns ein Herz und sind erst einmal für den Glasfaseranschluss zu den Geräten dem Labyrinth des uralt DSL-Kabels nachgekrochen. Herrje: Es führt von der rechten Seite im Schlaf-Bücherzimmer die Fensterfront entlang, weiter hinter den deckenhohen Kleiderschrank, durch die verbaute Tür ins Atelier, von dort hinter dem Sofa zur Fensterfront, hinüber in den Computerwinkel. Wir haben es vor 15 Jahren gelegt, als noch kein Möbel stand. Es wurde klar, so kann das Neue nicht laufen. Nach der Lektüre der Bedienungsanleitung standen unsere Haare gewissermaßen schon auf Sturm. Wir fürchteten tagelang von der Außenwelt abgeschlossen zu sein, weil wir in dieser Fachsprache untergegangen waren, da sagte ich den alles ändernden Spruch: „Lass uns fachliche Hilfe ordern. Das kostet zwar ‘ne Stange Geld, aber wir reiben uns nicht die letzten Sinne auf.“ Der Liebste stimmte erleichtert zu, wohlwissend, was wir uns da von den Schultern nahmen. Es gibt Menschen, die tun sich schwer mit der Einrichtung technischer Geräte. In unserem Fall haben sich zwei solche getroffen und diesem Umstand geschuldet entspringen atemschwere Schnauftage, die uns vollkommen genervt zurücklassen 😊. Hilfe soll also am Montag kommen, wir werden sehn…

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Ein neues Künstlerbändchen ist entstanden …

Die ersten handgebauten Bändchen entstehen…

Der Regentag kam mir irgendwie zu pass. Sonst hätte ich die Pfriemele zu diesem  Kleinformat – 10 x 10,5 cm – garantiert nicht ausgehalten. Ich gestalte das alles in Word, weil ich für diese Minis kein Buch-Layout-Programm habe. Also russische Schnitztechnik sozusagen. Die nervt.
Aber jetzt ist auch die Mohnfee ins Format gebracht. Die ersten Teile sind fertig gefaltet, geschnitten und geheftet. Morgen regnet es wieder, da wächst wieder was …
Ein nummeriertes Bändchen kostet wieder humane 7 Euro, zzg. Versand.

Die ersten Exemplare sind eingetütet.

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Eine Havelsage: Selberjedan und Havelnix

Havelnix. Zeichnung: Petra Elsner

An einen Sommermorgen als noch Goldnebel über der Havel schwebte, hatte ein Fischer seinen Kahn in den Wind gelegt, denn er wollte sich ein paar Fische fangen. In der  Mittagsstunde hatte er genug beieinander. Der Mann ruderte ans Ufer, zündete ein Feuer an, putzte ein paar Fische und legte sie dann in seine Bratpfanne. Die Fische brutzelten schon ganz wunderbar und verströmten einen leckeren Duft, der einen kleinen Havelnix aus dem Fluss lockte. Der Nix trug eine rote Kappe und war kaum größer als ein Hähnchen. Der kleine Kerl stellte sich neben den Fischer und fragte nach dessen Namen. Der Fischer antwortete freundlich: „Wenn du es wissen willst, ich heiße Selberjedan.“
Der Nix konnte kaum sprechen, weil er das ganze Maul voller Fische hatte. So murmelte er: „Selberjedan, ich bespucke dich!“ Selberjedan glaubte seinen Ohren kaum: „Das mach‘ nur! Dann nehm‘ ich einen Stock und verhau‘ dir den Rücken, bis du krumm und schief bist“
Aber der freche Havelnix kümmerte sich nicht um die Drohung und sprach abermals: „Ich bespucke dich!“ Im nächsten Augenblick, spuckte er alle seine Fische in die Pfanne. Da nahm der Fischer zornig einen kräftigen Stock und schlug auf den Nix ein, bis der erbärmlich zu schreien begann. Das klang so herzzerreißend, dass sogleich alle Havelnixen ihre schönen Köpfe aus dem Wasser steckten und verwundert fragten, wer ihm denn was angetan habe?
Da schrie der Nix: „Selberjedan! Selberjedan!“ Als die Nixen das hörten, sagten sie: „Wenn du das dir selbst getan hast, dann ist dir nicht zu helfen.“  Mit diesen Worten tauchten die Wasserfrauen wieder unter. Da sprang auch der verprügelte Nix zurück in die Havel und hat niemals mehr einen Fischer oder Schiffer mit Fischen bespuckt.

(Volksmund aus der Prignitz, bearbeitet von Petra Elsner)

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Herzhaftes zu Ostern

Überall platzt der Frühling aus den Knospen und Ostern steht vor der Tür. Die Hoch-Zeit des Eies kommt in unzähligen Gewändern: Als Batik-Eier, Blaudruck-Eier, Wachstechnik-Eier mit kunstvollsten Ornamenten und Mustern, schlicht gefärbte, gelackte oder bemalte, geringelte, karierte, bepunkte oder schraffierte Eier; welche mit Landschaftsmotiven, umhäkelte, umwickelte, aber auch Holz-Eier, diverse Deko-Plastik-Eier, Steingut-Eier, Edelstein-Eier, Zucker- und Schokoladen-Eier, echte Frühstückseier. Meine Güte, was noch? Manchmal pochierte Eier, Spiegel- oder gerührte Eier, Senf-Eier, Eier im Glas, Eierstich, Eiersalat …
Ostern, das ist eben  das Eierfest schlechthin. Kulinarisch gesehen mehr etwas für Süße. Da Herzhaftes zu diesem Feste eher selten gefragt ist. Hier für alle jene, die es lieber etwas deftiger mögen, die Alternative: Gewürz-Eier. Das ist eine leckere Ei-Spezialität, 14 Tage haltbar und nicht nur für den Frühling empfehlenswert. Soleier kennt man ja von manchem schicken Kneipentresen, aber die hier sind einfach eine schmackhafte Wucht:

Die Ingredienzien für 30 Gewürz-Eier:
1 Flasche Tafelessig 1 zu 1 verdünnt mit Wasser, ½ Wasserglas Wallnussessig, ½ Wasserglas Himbeeressig, ½ Wasserglas Balsamicoessig, 2 Lorbeerblätter, 5 Piment, 5 Schalotten, 2 cm Ingwer in dünnen Scheiben, 10 Nelken, Knoblauch, etwa 3 Esslöffel Zucker zum Sud aufkochen und durchseihen. Nach dem Erkalten über die hart gekochten, gepellten Eier gießen, und das große Glasgefäß luftdicht verschließen.
Zwei Tage kühl stellen, dann kann man sie auf den Tisch bringen. Mit etwas Senf und saurer Gurke als Snack zum Osterwasser, als Appetithappen beim Skatturnier oder wo und wann auch immer. Probieren, die Herstellung ist wirklich simpel.

© Petra Elsner

Das Gewürzeierrezept stammt von ihm hier, Andi. Zeichnun: Petra Elsner
Das Gewürzeierrezept stammt von ihm hier, Andi, dem inzwischen verstorbenen Koch und Lebenskünstler. Zeichnung: Petra Elsner

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Advent, Advent…

Die heiligen drei Schneemänner.

Mal ehrlich, mir fehlt zur richtigen Stimmung der Schnee. Müssen ja nicht Berge sein. Schaut mal, so sah es vor drei Jahren vor unserem Häuschen aus. Das ist doch was…. Also bitte: Weg mit der Vorfahrt für  frühlingshafte Hochdruckgebiete im Dezember und Platz für ein schönes Schneelicht !

Habt alle miteinander einen schönen dritten Advent!

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Zum Nikolaustag: Der Schuhputzer

Der neue Nikolaus . Zeichnung: Petra Elsner
Niko, der Schuhputzer.
Zeichnung: Petra Elsner

Eine Nikolausgeschichte von Petra Elsner

Niko liebt Schuhe, besonders die knallroten, die bei den Frauen als Glücksschuhe gelten. Er ist gerade auf leisen Sohlen mit seinem Schuhputzkasten unterwegs, um sich vor der großen Oper – wie jeden Abend – in Position zu bringen. Ein guter Standort, denn wer will schon mit schmutzigen Schuhen ein so erhabenes Haus betreten? Besonders bei Schmuddelwetter kommt der echte Opernfreund nicht an Niko vorbei, zumal keiner einen derart wunderbaren Glanz auf das Leder zaubern kann wie der junge Mann, den es aus der türkischen Stadt Patara hierher verschlagen hat. Einen seltsamen Wanderstab führt er immer bei sich. Das uralte Stück ist das Einzige, was ihm von seiner Familie geblieben war. Weil aber Niko ein ehrlicher und immer gut gelaunter Schuhputzer ist, kommt er überall gut an und so nicht in Not. Jetzt schneit es nasse Flocken in der Stadt an der Spree, und Niko lächelt dazu: Schuhputzerwetter.

Kurz vor der Oper quietschen plötzlich Autoreifen sehr laut. Aus einer schwarzen Limousine springen vier Männer, öffnen den Kofferraum, hieven eine Truhe empor, schleppen sie auf den vereisten Gehweg und schieben sie mit einem mächtigen Drive auf Niko zu. Während die Truhe noch schlittert, springen die Vier zurück in den mysteriösen Wagen, einer setzt noch einen Esel auf die Straße, dann rasen sie davon. In dieser Stadt, in der an jeder zweiten Ecke ein Spielfilm gedreht wird, nimmt nicht wirklich jemand Notiz von der Aktion. Man ist eilig unterwegs und hat kein Auge für merkwürdige Inszenierungen. Nur der Schuhputzer steht wie angewurzelt und liest das Schild an der Truhe „Für Niko“. Der Esel ist inzwischen der Truhe gefolgt, nun zupft er an Nikos Ärmel, als wenn er sagen will: „Mach sie endlich auf!“ Das tut er dann auch und glaubt dabei seinen Augen nicht. Aus dem rot gefütterten Innern funkeln ihm Gold, Silber und Edelsteine entgegen. Niko schließt blitzschnell und sehr erschrocken die seltsame Fracht. Die kann ihm einfach nicht gehören. Aber hat er nicht am Rande eine Schriftenrolle gesehen? Nur einen Spalt öffnet er wiederholt die Truhe, fingert nach dem Papier und findet darin diese Nachricht: „Es ist der Rest, den Dein Urahne nicht unter die Leute gebracht hat. Gehe, und walte Deines Amtes!“ Welches Amtes?

Ein Bettler stört Nikos Gedanken: „Haste mal ein paar Cent?“ Der Schuhputzer greift wie selbstverständlich in die Truhe und reicht der ärmlichen Gestalt ein paar Goldstücke. „Oh, danke, großer Nikolaus, für diese opulente Gabe“, spricht der Bettler. „Wie kommst du denn darauf? Ich der Nikolaus?“, fragt Niko. „Na, du trägst seinen Bischofstab und machst den Armen erlesene Geschenke! Heute ist der 6. Dezember, du musst es einfach sein. Verstell’ dich nicht, ich habe dich erkannt.“ Niko ist nicht nur deshalb irritiert. Aber gut, wenn er heute einen sehr speziellen Tagesjob übernehmen soll, warum nicht? Den Inhalt der Truhe wird er schon rasch unter die Leute bringen. Der junge Mann lädt den wertvollen Kasten auf den Esel und tippelt durch die Stadt. Mit vollen Händen verschenkt er Gold, Silber und Edelsteine, doch so sehr er sich bemüht, die Truhe leert sich nicht, ihr Inhalt scheint nachzuwachsen. Als der Tag sich neigt, hat Niko begriffen: Er ist jetzt der neue Nikolaus, und nächstes Jahr, zur selben Zeit, wird er wieder mit der Truhe losstiefeln und die Menschen beschenken. Eine wirklich herzliche Aufgabe, aber all die anderen Tage will er weiter nur der Schuhputzer mit dem seltsamen Wanderstab sein.

Neu auf dem Buchmarkt
Das Buchcover “Von der Stille des Winters”

Diese  Lesekostprobe steckt als Adventsgeschichte in meinem Buch “Von der Stille des Winters”.

Erhältlich ist das Buch über diese Koordinaten:

Petra Elsner, „Von der Stille des Winters“, Hardcover, 92 Seiten, 2. stark erweiterte Auflage (des Dezemberlesebuches), zahlreiche Illustrationen von Petra Elsner, ISBN: 978-3-943487-79-4, Preis: 20 Euro, erschienen in der Verlagsbuchhandlung Ehm Welk

Spende? Gerne!
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Schorfheider Winterkarten – ein Kartenset

Der Kartenset
Schorfheider Winterkarten von Petra Elsner

Nach dem Wintermarkt in Annenwalde wurde ich heute im Netz gefragt, ob meine Schorfheider Winterkarten auch online bestellbar sind. Nun möchte ich hier kein Lädchen aufmachen, aber für das saisonale Kartenset würde ich mal eine Ausnahme starten.

Die märchenhaften Winterkarten zeigen: das Kirchlein im Grünen, das Hotel Döllnsee, den Kaiserbahnhof von Joachimsthal, den Askaniaturm von Eichhorst und die Kirche von Groß Schönebeck. Das Set kostet 5 Euro, zzgl. Versand von 1,45 Euro.

Via Mail: petraelsner@gmx.de  bestellbar.

 

Hier noch einmal alle Motive etwas größer:

Askanierturm Eichhorst, Zeichnung von Petra Elsner
Askanierturm Eichhorst,
Zeichnung von Petra Elsner

Kaiserbahnhof Joachimsthal. Zeichnung von Petra Elsner
Kaiserbahnhof Joachimsthal.
Zeichnung von Petra Elsner

Kirchlein im Grünen - Alt Placht. Zeichnung von Petra Elsner
Kirchlein im Grünen – Alt Placht.
Zeichnung von Petra Elsner

 

Kiche von Groß Schönebeck mit weißem Hirsch. Zeichnung von Petra Elsner
Kirche von Groß Schönebeck
Zeichnung von Petra Elsner

 

 

Hotel Döllnsee. Zeichnung von Petra Elsner
Hotel Döllnsee
Zeichnung von Petra Elsner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Eröffnete Winterzeit

Ein bisschen kaputt war frau dann schon nach dem großen Besucherauftrieb in der Gestütsscheune.
Ein bisschen kaputt war frau dann schon nach dem großen Besucherauftrieb in der Gestütsscheune von Annenwalde.

Der “Winterliche Scheunenmarkt 2016” in Annenwalde ist Legende. Die Wiedergeburt des beinahe beerdigten Festes war ein gelungenes, regionales Ereignis. Nach neun Stunden stehend bin ich jetzt hübsch plattfüßig und müde. Danke allen, die meinen Stand  besucht haben.

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WENDE-STRUDEL

Nachdem sich zur US-Wahl die  gesellschaftlichen Eliten so komplett geirrt haben, und immer wieder von Wutbürgern und Abgehängten als ausschlaggebende gesprochen wird, eine undefinierbare Bedenklichkeit nachschwappt, ist es vielleicht besser, erst einmal hier die eigenen Hausaufgaben zu machen. Wie und warum entstehen diese “Schattengewächse”. Durch Misswirtschaft, soziale Härte, mangelde politische Verantwortung im Kontext der ungezügelten Weltwirtschaft und die Arroganz der Macht. Meiner Meinung nach birgt auch der Einigungsprozess der Deutschen solch einen Sprengstoff. Man hat einander damals nicht gut zugehört… Ich habe O-Töne aus meiner damaligen Gedakenwelt. Etwas werde ich hier posten. Wieviel davon liegt bei Euch – für ein Mehr braucht es die Nachfrage.

"Wieder geboren werden", Augsustraße, Berlin 1993
“Wieder geboren werden”, Augsustraße, Berlin 1993

Nachgesetzter Epilog:

Noch vor zwei Jahren war es selten, dass irgendwer wirklich Gehör bekam, der sich kritisch zum Prozess der Deutschen Einheit äußerte. Wer sich vorsichtig vorwagte, stand augenblicklich im Hagel. Es prasselten Vorwürfe von Undankbarkeit über ihn nieder. Wo doch so viel Geld in den Aufbau Ost fließt. Und wo kein Haben, da kein Sagen. Oder aber, man stellte den Rufer in die PDS-Ecke und verunglimpfte ihn zugleich als Ewig-Gestrigen. Wer aber will schon bei den Verlierern sein? Wenngleich, sagt das –zig tausendfache Aufstehen nach dem Fall nicht ungeheuerliches über die innere Kraft von diesen Menschen? Man könnte daraus Mut schöpfen. Oder sind die Zeiten wirklich so satt und sicher, dass man diese Wandel-Geschichten nicht als gesellschaftliche Anregung braucht? Es schien lange so. Also öffneten ohne Getöse sehr bald hier und da im Osten Kneipen mit bewusst zusammengesuchtem DDR-Ambiente. Leise, sich selbst ironisierende Schwatznischen. Im Winter 1995/96 feierten tausende in Ostdeutschland „Ost-Rock-“ und „Kessel-Buntes-Partys“. Die Gazetten nannten es Nostalgietrip. Erneut ein Schuss daneben. Das ist so, wenn vorzugsweise Westdeutsche für Ostdeutsche öffentliche Medienmeinung machen. Ein Klischee mehr ist geboren. Eines, das den Ärger der Ostdeutschen nur mehrt und sie an ihre DDR-eigenwillige „So-nicht-Mentalität“ erinnert. Tonlos wie damals, aber nie ohne Gegenwehr. Am 5. Mai 1996 sagten Ostberliner und Brandenburger zur Länder-Fusion schlichtweg NEIN. Erschütterung zuckte durchs Land. Wie schön, denn ohne Erschütterung gibt es keinen Zweifel. Aber Zweifel ist ein innovatives Moment. Die Ostdeutschen zogen nach dem unglaublichen Leben verändernden Tempo der letzten sechs Jahre einfach die Notbremse. Menschen mit östlicher Erfahrung wissen: das ist ein Zeichen. Ein „So-nicht-Zeichen“. Aber Vorsicht mit schnellen Schlüssen! Es gibt sie nicht, DIE Seelenlage der Ostdeutschen und auch nicht eine einzige Erklärung. Will man wirklich wissen, was los ist, muss man zurückgehen in die Zeit nach der Stunde Null. Wer hat westseits schon wirklich eine kleine Ahnung, was den Ostbürgern mit und nach der Wende widerfuhr?

Nein, diese nachstehenden Notate beanspruchen keine literarische Qualität. Fiktiv sind nur die Namen. Die Begebenheiten und das Bedenken der Zeit sind authentisch. Ich wollte den Strudel fassen. Jene damalige gedankliche Kasteiung und die ungeheure Hatz. Dieses „täglich neu begreifen“ zwischen Schock, Wut, Scham, Aufbruch und Erschöpfung musste ich einfach festhalten. Denn irgendwie war mir ja klar, dass man selbst Teil einer ungeheuerlichen Verwandlung war. Günter Gauss nannte den Prozess für die Ostdeutschen „Kulturschock“. Der vorliegende Text gibt bruchhafte Reflektionen dessen wider. Als distanzloses Zeitdokument auf der Suche nach Halt. Ich habe es nicht aus Sicht der Jahre danach bearbeitet, denn es geht nicht um gegenwärtige Gewissheit. Der O-Ton ist für das Nachempfinden jener Zeit (so das überhaupt geht) wichtiger.

Ganz sicher ist es etwas riskant, die betagten Gedanken unkaschiert in eine Zeit zu legen, in der die Deutschen immer noch durch soziale Befindlichkeiten getrennt sind. Das wird noch Jahrzehnte so sein. Denn ich glaube, man kann seine Wurzeln nicht einfach kappen: Schnitt, Klappe, ein neues Leben. Das Neue wird immer etwas getönt sein vom Alten. Ein völlig normaler Umstand, den man allerdings den Ostdeutschen als Handikap vorwirft. Hier beginnen die Merkwürdigkeiten und Demütigungen. Doch es hilft niemandem materielle und ideelle Krisen totzuschweigen. Man/frau muss sie als deutsches Erfahrungskapital bergen, tabuisiert reißen sie die Gräben nur weiter auf. Deshalb lege ich diese Essays in Ihren Tag. Sie stammen von einer, die einst dachte, dass die Geschichte Deutschland für immer geteilt hat und sind ein Bedenkangebot über anders gewachsene Leben mitten in Deutschland. Damals Anfang der 90er.

Petra Elsner, Mai 1996

Wenn Ihr davon etwas lesen wollt, dann sagt es.

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Schöne Nachrichten

Das Cover der ersten Auflage. Zeichnung vom Kirchlein im Grünen von Petra Elsner
Das Cover der ersten Auflage.
Zeichnung vom Kirchlein im Grünen von Petra Elsner

Im Grunde bin ich gerade für alles zu müde. Die September-Urlaubsvertretung für eine Zeitung hat mich wirklich geschlaucht.  Ich muss endlich mal einen Gang runter schalten. Ausschlafen und als Projekt nur Gartenarbeiten. Während mein Kopf versucht zu pausieren, kommen die schönen Nachrichten: Mein Dezemberlesebuch bekommt eine zweite, um fünf neue Adventsgeschichten erweiterte Auflage, nun auch Hardcover. Das ist wirklich schön. Kurz nach dieser Verlagsnachricht ruft das Hotel Döllnsee an, um mir für den kommenden Dezember (nach drei Jahren) wieder Weihnachtsgeschichtenlesungen anzubieten. Ihr seht mich still lächeln. Das passt einfach für eine Weihnachtsgeschichtenerzählerin …

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