Eine Buchbesprechung

Liebe für Athen

Der Bildband in meinen Händen schickt mich auf eine Zeitreise in das alte Athen der 60er Jahre. Er lässt mich diese Stadt mit den Augen der Fotografin Katerina Zoitopoulou-Mavrokefalidou betrachten und ich kann dem Erwachen ihrer Liebe für diese Stadt beiwohnen. Zehn Jahre lebte die junge Griechin in Westberlin, bevor sie 1966 heimkehrte und sofort den Heiligen Felsen bestieg, um das Licht und die Schönheit, den Marmor und die alten Denkmäler in sich aufzunehmen. Sie geht den Weg der Touristen, doch im Abstieg entführt sie eine halb geöffnete Brettertür in die Stadt, in der ihre Liebe für die Athener erwacht. Katerina zeigt uns eine Stadt im Zeitenwandel. Langsam kommt die Moderne, aber die Armut der Menschen ist allgegenwärtig. Doch die fotografierende Frau sieht mehr: „Diese Stadt ist nicht arm. Sie ist reich an Mühsal, an Arbeit, an Leben.“, notiert sie. Sie führt mich an quirlige Plätze mit Kaffeeduft und Musik, daneben warten die Anstreicher auf ihre Tagelöhne und der Schuhputzer auf Kundschaft, ihr blickt er teilnahmslos, aber neugierig nach. Und weiter geht es über den Markt, wo für die Frische noch Eisblöcke sorgen. In dieser Männerwelt fallen aufdringliche Blicke auf die Fotografin, die sich hinter der Optik versteckt. Sie schaut auf die Auslagen und die Menschen dahinter. Und sie denkt dazu: „Götter der Fotografie. Sagt mir, wo sonst ihr solche Gesichter gesehen habt?“ Beim Betrachten ihrer Fotos spüre ich den Atem der Zeit, den Katerina Zoitopoulou-Mavrokefalidou eingefangen hat und ihn in diesem besonderen Bildband ausatmen lässt. Berührende Bilder aus jenen Tagen, in denen die Griechen noch fast unter sich waren. Sie hat den Blick von innen und von außen, denn sie verließ ihre Stadt, um zu studieren und sich zu entfalten. Mathematik an der TU Berlin und Film und Fotografie an der staatlichen Schule für Film und Fernsehen. Sie ist viel rumgekommen, hat Preise bekommen, hat ihr Leben als Filmeditor verbracht und hat sich neben vielem anderen mit der Übersetzung deutscher Literatur befasst. Ein Leben wie im Film, dramatisch und stolz. Ich durfte ihr einst begegnen, der wachen Frau mit dem magischen Blick für starke Bilder.

Der Bildband „Athen“, zweisprachig, mit Fotos von Katerina Zoitopoulou-Mavrokefalidou, erhältlich: kaziou1983@gmail.com,
ISBN 978-618-00-2316-9, Preis: 15 €, zzgl. Versand

 

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Buchbesprechung

„Provinzgeschnatter 2014“ – Notate einer bekennenden Romantikerin

Wer die TV-Serie „Sex in the City“ liebte, wird auch das „Provinzgeschnatter 2014“ von Pauline Werner mögen. Die bekannte Thüringer Autorin plauderte für ihre Zeitungskolumne aus dem emotionalen Wir der vier Freundinnen Blondi, Kiki, Babsi und eben Pauline. Der Leser erlebt mit ihnen Dating-Geschichten und geht dabei über stöckelfreundliches Pflaster. Pauline ist dabei die bekennende Romantikerin, die immer noch auf ihren Prinzen hofft, der sie hoch zu Ross im Sturm erobert, doch im Leben entpuppt sich Mann dann doch eher als Frosch. All diese Selbstversuche des Jahrgangs 2014, die man/frau LEBEN nennt, hat Pauline Werner nun zu einem Buch mit 67 Seiten gebündelt und es selbst bei WirmachenDruck produziert. In Zeiten, die geschlossene Buchläden und Messeplätze hervorbrachten, ist das eine logische und mutige Antwort nicht nur dieser Autorin. Mit leichter Feder erzählt sie uns vom Base fasten, kostümiertem Biathlon, von gebrauchten Männern und auch von dem Schmerz, wenn das Kind loslässt. Sie verrät etwas vom Gespür einer Kleiderträgerin, entdeckt moderne Ritterlichkeit und die Partnersuche im Internet. Dabei geht’s durch die heimelige Landschaft, hoch auf Berge mit Burgen und zu verwunschenen Orten der Sagenwelt. Es sind Geschichten, die einen am Ende lächelnd auf dem Sofa zurücklassen und ein weiser Satz bleibt hängen: „Wenn man lächelt, lächelt die Welt zurück.“
Mit einem Hardcover ausgestattet ist die heitere Lektüre für 9,50 Euro (zzgl. Versand) ausschließlich bei Pauline Werner selbst zu haben. Rufen Sie einfach in ihrer Schreibstube an oder senden Sie ihr eine Mail. (pe)
Kontakt:  werner-pauline@gmx.de oder telefonisch:  01522 6250623

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Buchbesprechung

Gestern habe ich via Facebook diese tolle Besprechung von  Regina Libert entdecken dürfen. Vielen, herzlichen Dank dafür:
 
Die „Seltsame Welt“ der Buchautorin und Illustratorin Petra Elsner können Leser betreten, wenn sie ihr neuestes Buchprojekt in die Hand nehmen. In der Lektüre begegnen ihnen u.a. ein „Schafwandler“, garantiert „Falsche Federn“, ein „Grenzgänger“ zwischen Licht und Finsternis oder ein “Grausammler“, der nach längst verlorenem Grau sucht. Allesamt sind die Geschichten mit diesen herrlich optimistischen Grafiken illustriert, für die Petra Elsner nicht nur durch ihre „schrägen Vögel“ bekannt ist. Wenn auch warme Farben in freundlichem Gelb und Orange vorherrschen, so werden sie oft von einem kalten Türkiston gedämpft, dessen Frische den Leser in eine entspannte Stimmung versetzen kann. Ob Traum oder Wirklichkeit bleibt offen, hintergründig und eigenwillig sind die Geschichten auf jeden Fall. Die Autorin springt durch die Ebenen, zieht den Leser mit sich in ihre Welt. Seifenblasen am Anfang und am Ende des Buches, ein Bär schafft sie aus dem Traum.
Vielleicht fehlt Ihnen noch ein passendes Weihnachtsgeschenk? Zu erwerben ist die „Seltsame Welt“ bei petraelsner@gmx.de oder telefonisch unter 039883/48913.
 
Und hier gibt es noch eine Besprechung von Pauline Werner:
 

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Druckfrisch: “Seltsame Welt”

Das Kurzgeschichtenbändchen „Seltsame Welt“

Gerade eingetroffen: Der Titel „Seltsame Welt“. Er bündelt im Softcover 17 meiner illustrierten Kurzgeschichten für Erwachsene.  Skurrile Figuren entführen den Leser in melancholische Gedanken-Kulissen, die um den Wandel des Lebens kreisen. Es geht um Vergänglichkeit und Chancen in Stadt- und Zwischenwelten. Mal ironisierend, mal subtil, mal verwunschen. Diese Geschichten sind meine literarische Essenz aus der „Bleiernen Zeit“, der Wendezeit und aktuellem Leben. Nach rund 20 klassischen Buchveröffentlichungen in verschiedenen Verlagshäusern ist „Seltsame Welt“ meine erste Eigenproduktion. Ein Experiment jenseits des Büchermarkts, was nicht unprofessionell bedeutet, denn für die Herausgabe habe ich mir zwei Fachfrauen für die Gestaltung und das Lektorat mit ins Boot geholt. Gedruckt wurde es bei WIRmachenDruck in Stuttgart. Das 76 Seiten starke Bändchen kann jetzt telefonisch oder per Mail bei mir bestellt werden. Es kostet 10 € (zzgl. Versandkosten, 1 Buch = 2 €). Vielleicht kann es ja ein Weihnachtsgeschenk sein…

Bestellbar per Telefon:
039883 48913
oder via Mail:
petraelsner@gmx.de

„Seltsame Welt“, 17 Kurzgeschichten und 22 Illustrationen von Petra Elsner

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“Der Selbstversuch”

Frisch erschienen – eine Buchbesprechung

Ich liebe es, wenn gebundene Geschichten mit der Post kommen. Man öffnet das Kuvert und plötzlich duftet es nach frischer Druckfarbe. Ich blättere und finde: Fein gebunden, wunderschön illustriert! Die Buchperle „Der Selbstversuch“ kam heute gewissermaßen auf Samtpfoten aus Prenzlau zu mir und hat mir mit seinen 50 Seiten einen ausgesprochen vergnüglichen Lesenachmittag beschert. Das schlanke Katzenbuch stammt von der uckermärkischen Autorin und Illustratorin Regina Libert, die mit Herzblut aus dem Zusammenleben von Katzen und ihrem Personal erzählt. Besonders gefiel mir die abenteuerliche Verwandlungsgeschichte am Schluss, worin echte Tierbeobachtungen zu einer spannenden, literarischen Fantasie verwoben wurden. Sie mündet in einem subtilen Selbstversuch, den die Autorin herrlich überraschend aufgelöst und damit den Leser schmunzelnd zurücklässt. „Der Selbstversuch“ ist das ideale Geschenk für echte Katzenfreunde. Für 7.90 € kann man es  im regionalen Sortiment des Buchhauses Schulz in Prenzlau, Friedichstraße 19 finden. Wer mag, kann es auch direkt bei der Autorin Regina Libert telefonisch (03984/833660) zzgl. Porto bestellen. (pe)

 

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Besuch im Kinderzimmer

Wenn die Emotionen überkochen, schrillt Alarm aus dem Kinderzimmer. Zwei ganz besondere Kinderbücher aus dem Verlag Tasten & Typen beschäftigen sich mit diesen tränenreichen und stressbeladenen Szenarien. Autorin Kerstin Undeutsch erklärt in der Geschichte „Keine Angst vor der Angst!“, dass die Angst zu uns Menschen gehört, wie die Luft zum Atmen. Wenn sie das Zimmer betritt, lässt sie sich nicht einfach vertreiben, es braucht ein Bild von der Angst, um sie zu verstehen. Die Autorin hat dazu auch die starken Illustrationen geschaffen, die von ihrer Art her Kinderzeichnungen zitieren. Die öffnen ganz unmittelbar den Zugang für den kindlichen Leser. Das zweite Buch von Kerstin Undeutsch stell einen weiteren Besucher der Kinderzimmer vor: Die Wut, die unkontrolliert einen wüsten Scherbenhaufen hinterlässt. Aber es geht auch anders verrät diese Geschichte. „Keine Angst vor der Angst“ und „Wut zu Besuch“ sind zwei Bücher, die  große Probleme des Lebens betrachten und Familien bei deren Lösung hilfreich unterstützen. (pe)

„Keine Angst vor der Angst“: ISBN 978-3-945605-42-4
„Wut zu Besuch“: ISBN 978-3-945605-43-1 

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EIN KLEID GANZ AUS SCHNEE

Kleiner Zwischenruf aus meiner Blog-Pause, weil dieses Buch so verzaubernd ist und ihm leider die Leipziger Buchmesse fehlt – diese Empfehlung:

Ein Kleid, ganz aus Schnee

Märchenhafte Geschichten von Ingrid Annel     

Was für eine wundervolle Idee, alte Märchen einfach weiter zu erzählen. Da entdeckt ein Hase in einem alten Märchenbuch den peinlichen Wettkampf eines Artgenossen, der vor Zeiten von einem Igelpärchen gelinkt wurde. Was für ein Skandal! Deshalb fordert nun auch Hase Hubert das benachbarte Igelpaar zu einem ehrenrettenden Wettkampf hinaus und: scheitert. Gold- und Pechmarie verwandeln sich ins Gegenteil und die sieben Zwerge haben uns doch glatt den achten und neunten Zwerg verschwiegen.
Autorin Ingrid Annel schreibt ganz in der Tradition der großen Märchenerzähler und entstaubt dafür alte Legenden. Ihre Geschichten beginnen dort, wo die Hausmärchen der Gebrüder Grimm mit ungewissem Ausgang in „Der goldene Schlüssel“ enden. Sie macht daraus drei Schlüssel und schickt mit diesen drei Brüder auf den Weg, die passende Tür zum Glück zu finden. Dabei verrät sie ganz beiläufig, dass das Glück für jeden anders aussieht. Wie wahr und erzählt wird nicht nur in „Drei Schlüssel zum Glück“ vollkommen ohne erhobenen Zeigefinger.

Ingrid Annel pflegt einen klaren, ganz schnörkellosen Erzählstil, überrascht mit witzigen Pointen und unerwarteten Wendungen. Nicht immer führen ihre Geschichten in ein Happy End. Dort, wo es die Helden gierig umtreibt, landen sie im auch schon einmal in einem Desaster. So wie beispielsweise in „Das Gold vom Himmel herunter“, in dem ein TV-Bericht von einem Mädchen berichtet, dass wirklich alles verschenkte und dafür Taler von den Sternen bekam. Alle, die diese Sendung sahen, versuchten es dem Sterntalerkind gleich zu tun, sie verschenkten, was sie besaßen. Und die Sterne? Sie wunderten sich nur über die vielen Nackten dort unten auf der nächtlichen Waldlichtung.
Wunschträume enden nicht selten in Schall und Rauch. In der titelgebenden Geschichte wünscht sich eine afrikanische Prinzessin „Ein Kleid, ganz aus Schnee“. Niemand kann es ihr bringen, kein Prinz, kein Edelmann. Aber mit der Hilfe eines klugen Kochs findet sie zu ihm, für einen Lebensmoment. In „Irmelind und die sieben Zwerge“ schafft die Autorin aus einem Märchen-Cocktail einen ganz abenteuerlichen Plot, der Zwerge in sondersame Liebhaber verwandelt, nur damit die junge Frau ihren Prinzen bekommen kann. Insgesamt hat Ingrid Annel mit diesem zauberhaften Buch eine herzerfrischende Märchenlektüre geschaffen, die ich hier gerne weiterempfehle.

Petra Elsner

„Ein Kleid, ganz aus Schnee“ von Ingrid Annel, erschienen 2019 im Verlag TASTEN & TYPEN, Bad Tabarz, Hardcover mit Umschlag, 240 Seiten. Preis: 19,80 Euro, ISBN 978-3-945605-39-4

 

 

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Zwölf Monate: Blick auf die Bleiche am Döllnfließ (5)

Zwölfmal im Jahr schießt meine Kamera von der „Bleiche am Döllnfließ in Kurtschlag“ einen Schnappschuss und friert das Motiv so für die Ewigkeit ein. Herr Zeilenende hat das Projekt „12 Monate“ als Blogger-Aktion im  Februar 2017 angeregt … Mein sonntäglicher Fotoblick für den Monat Juni :

Es wird Sommer auf der Bleiche am Döllnfließ.

Der Sommer ist eingezogen und die erste Gras-Maat ist indes hinter der Bleiche geschehen. Auf dem Wasser des Döllnfließes tanzen Sonnenflecken. Auf der Bleiche wachsen Wildblumen. Ich stehe auf der blauen Brücke und suche vor meinem geistigen Auge nach Bildern, wie es hier einmal zugegangen sein muss – vorzeiten.

 

 

Die Geschichte des klaren Flachlandbaches

Sonnenflecken auf dem Fließ.

Wie es gewesen ist, erzählt das Heftchen „Das Döllnfließ eine wichtige Lebensader der Schorfheide“ des Autors Siegfried Haase. Es ist in der Schriftenreihe des Schorfheidemuseums von Groß Schönebeck erschienen. Darin erfahren wir: Das Einfließgebiet des Döllnfließes mit seinen großen Sanderflächen gehört zu den seltenen Regionen, in denen sich noch reines Trinkwasser bilden kann. Gut 200 Jahre nutzte man hier die Kraft des Wassers zum Flößen. Das Fließ verließ den Großen Döllnsee als stark mäandrierender Fachlandbach. Vermutlich wurde in der 2. Hälfte des 17. Jhd. mit dem Flößen begonnen, denn als Folge des 30jährigen Krieges brauchte man für den Wiederaufbau Unmengen von Bau- und Brennholz. Von 1713 stammt die erste urkundliche Erwähnung der Flößerei auf dem Döllnfließ.

Historische Aufnahme aus Kurtschlag: Beim Bau von Karpfenteichen am Döllnfließ in den 30er Jahren des vergangenen Jdh.. Foto: Archiv Kulturverein

 

 

Um das Flößen zu ermöglichen, wurde das Fließ auf einer Länge von 6444 Ruthen (1 Ruthe = 3,76 Meter) durch wildes Sumpfland auf eine Breite von mindestens 4 Metern und einer Tiefe von 0,60 Metern ausgegraben. Enge Mäander wurden durchstochen und eine Uferseite begehbar gemacht. Dort, wo das Schwemmholz auf der Flutwelle den Wasserlauf verlassen konnte, wurden Dämme errichtet. Und wegen des Gefälles von 18 Metern bis zur Havel wurden etliche Schleusen gebaut.

Das blaue Heftchen vom Groß Döllner Autor Siegfried Haase.

Der Autor stellt darüber hinaus die Werkzeuge zur Wasserregulierung vor. Sein Exkurs führt weiter in die Modalitäten der einstigen Flößerordnung ein. Erzählt von Verstopfungen an den „Krummen Orten“. Wir erfahren, dass auf dem stillen Flachlandfließ 17 Meter langes Stammholz geflößt wurde, von alten Berufsständen wie dem Regimenter, dem Schleusenwärter und seinem Meister und einem strengen Fließaufseher. Bei Klein Dölln gab es Mühlentechnik (Döllnmühle 1756) am Fließ und in den großen Kolken hinter den Schleusen wurde gefischt. Vornehmlich nach Krebsen. Die Fänge wurden nicht selten von Krebsdieben vorgenommen, die ihre Beute in Weidenkörben im leichten Wasserstrom versteckten.

Das blaue Heftchen von Siegfried Haase aus Groß Dölln beschließt seine gelehrigen Ausführungen mit Faktenwissen über die Wasserregulierung und die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt im und am Fließ einst und  heute.

Vor einigen Jahren habe ich über Siegfried Haase eine Zeitungsgeschichte geschrieben. Wer mag, findet sie hier,

 

Weitere Blogger, die am Projekt teilnehmen:

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

Chris zeigt den Baum vor seinem Fenster

frauholle52 blickt auf ihre Terrasse

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

lunarterminiert beobachtet ihren Schreibtisch

Meermond zeigt ihre Füße her

Mein Name sei MAMA nimmt uns mit unter den alten Kirschbaum

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

Neues vom Schreibtisch zeigt den Park rund um die Reste des Garnisons-/Katharinenfriedhofs in Braunschweig

Petra Elsner zeigt die Bleiche am Döllnfließ

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

tallyshome zeigt ihr Wohnzimmer-Sofa

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

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Traumschön und echt: Familienlieder für unterwegs

Das Cover.

Die erste CD von „Rolfsrudel“ liegt vor – eine Besprechung

Es ist drin, was draufsteht: „jwd“ Familienlieder für unterwegs. Komisch-frech und echt. Sie selbst nennen den frischen Sound „Pop- und Kloppmusik“. Die Scheibe von „Rolfsrudel“ ist die erste dieser Formation. Geboten werden heiter bis wolkigen Märchen-Abenteuer-Balladen. Sie stammen alle aus der Feder von Rolf Gundelach und entstanden in den vergangenen zehn Jahren für ganz unterschiedliche Projekte. Immer war Rolf Gundelach hier der „Leitwolf“. So kam es zu dem Namen der Gruppe. Sie lädt zum Mitsingen ein – gleich womit und wohin es geht. Da wird angstfrei ein Seeabenteuer genommen und das Heimweh mal gelitten, mal bekämpft. Ein Clown darf nicht fehlen, der uns ein schauriges Melodram von der Reise vom Leben auf der Fahrt erzählt. Dorthin, wo das Lachen ungestellt ist, um frei zu sein. Das ist großes Musiktheater und erinnert an den Geschichtenerzähler André Heller. Einfach herrlich! „Wieviel Lichter“ hat das Dorf am Meer?“ macht leichtfüßig erlebbar, dass man aus jedem, weiten Blick ein Spiel oder eine Idee gewinnen kann. Von den Erlebnissen am Meer und auf der Wiese müde, bekommen wir nun ganz berührende Schlaflieder zu hören. „Dornröschen ist müde“ ist einfach zärtliche Herzwärme pur.       Und zu guter Letzt schweben die weiten und mutigen Träume ein.
Diese Scheibe ist wie ein Sommerwochenende am Meer. Zwischen all den Reisebildern fließen alltägliche Familienszenen in die Liederwelt ein. „Mäuschen ab ins Badezimmer“ oder im „Taschenlampen-Tango“ entdecken wir echtes Kindererleben wieder.
Holt Euch die Scheibe, sie ist wirklich gut. Diesen Liedern wünscht man, dass sie nach- und mitgesungen werden, möglichst in vielen Familien, nicht nur unterwegs. Produziert wurde die CD vom Label OLAMICORAMA. Interessenten können die Scheibe mit dem sonnigen Bocklet, dass alle Liedtexte enthält für 15 Euro im Internet bestellen unter: https://folgen-sie-uns.de/familienlieder/

Petra Elsner

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Das Zauberwort „Asyl“ – eine Buchrezension

Gitta
Gitta Mikati beschreibt den Auslöser für ihren Roman: „2008, als es um die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ging, da war das plötzlich in meinem Kopf. Es gibt so viele Ost-West-Themen. Aber diese Schleusergeschichte war unberührt. Niemand wusste davon, was damals durch die DDR möglich war. Ich habe durch meine private und berufliche Situation so viel mitbekommen, dass ich dachte, wann, wenn nicht jetzt. Ich nahm an, das schaffe ich in drei Monaten. Aber dann habe ich mehr als drei Jahre an der Geschichte geschrieben. Beim Schreiben wurde mir erst klar, wie viel Wissen ich in mir hatte, was aber brach lag. Überlagert von der Zeit. Ich musste es ins Hier und Jetzt bringen: Da schwappte plötzlich die Nachricht von der Suche nach einem Skelett durch die Presse. Es handelte sich um eine große Suche nach einem türkischen Türsteher, der seit über 20 Jahren auf einem Grundstück im Berliner Umland verscharrt sein sollte. Das ganze Grundstück wurde Meter für Meter durchforstet. Das war mein Aufhänger: Wie konnte es sein, dass einer 20 Jahre vergraben ist und kein Mensch stellt Zusammenhänge her?“

In „Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel“  schlägt die Bernauer Autorin Gitta Mikati ein unbekanntes Geschichtskapitel auf:

An dem Tag, als die ergebnislose Suche nach dem Skelett eines Türstehers im Berliner Umland durch die Nachrichten ging, wusste Gitta Mikati, sie muss die Umstände des Menschenschmuggels über Berlin Schönefeld nach Westberlin aufschreiben und damit altes Leben berühren. Das ist 20 Jahr her.

Nicht nur, dass der Stoff es in sich hatte, es brauchte dafür auch die große, unbekannte Form. Bisher hatte sie ausschließlich Kurzgeschichten und Kurzkrimis geschrieben. Für den großen Spannungsbogen führte sie im Milieu am Stuttgarter-Platz intensive Gespräche. Als Ehefrau eines Libanesen war sie seinerzeit mittendrin in den Problemen der Bürgerkriegsflüchtlinge. Als Beamtin bei der Berliner Polizei bekam sie eine andere Draufsicht auf die kriminelle Energie, die aus der Not anderer Kapital schlug. Heruntergebrochen in fiktive Literatur findet Gitta Mikati zu einer spannungsdichten Erzählsprache, die den Leser nicht mehr aus den Fängen lässt.

In „Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel“  taucht der Leser ein in die Geschäfte eines Klans, der das Geld aus dunklen Geschäften in der Diskothek Big Apple reinwäscht. Mikati erzählt aus der Perspektive der jungen Maria, die im Big Apple im Kassenhäuschen sitzt und notfalls weiß, wie man die Geldkassette mit einem Baseballschläger verteidigt. Eines Tages im Frühjahr 1977 wartet Maria am Grenzübergang Berlin Friedrichstraße auf Mahmoud, der aus Beirut kommt. Sie lehrt den jungen Fremden, der kein Wort Deutsch spricht, auf wenigen U-Bahnkilometern das Zauberwort „Asyl“. Es schützte vor dem Abschiebe-Gewahrsam und war die Eintrittskarte in die westliche Welt. Aber hier begegnen die Flüchtlinge zuerst ihrer Schattenseite.

Gitta Mikati schlägt in ihrem Debüt-Roman, der schon als Manuskript 2012 auf der Leipziger Buchmesse einen Publikumspreis bekam, ein weitgehend unbekanntes deutsch-deutsches Geschichtskapitel auf. Der Menschenschmuggel aus dem Libanon brachte von 1975 bis 1990 der DDR Devisen, für die man keine Skrupel kannte. 900 000 Visa und Flugtickets wurden damals ausgestellt. Zugleich hoffte man offenbar mit den tausenden Flüchtlingen den deutschen Westen zu schwächen. Der Roman „Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel“  bekommt in den Tagen der aktuellen Flüchtlingskrise ganz ungewollt eine hochaktuelle und brisante Note, doch als sie begann, war das Buchmanuskript längst geschrieben.

Seit zwei Jahren lebt Gitta Mikati in Bernau. Lange hat ihre Literaturagentin gebraucht, einen Verlag für den knisternden Stoff zu finden. Dieses Warten blockierte den Schreibfluss der Frau. Sie nutzte die Zeit umzuziehen und ihre neue Heimatstadt zu entdecken. Im September 2016 erschien das Buch im DIVAN Verlag. Nun endlich kann sie loslassen, um ein neues Spannungsgeflecht für uns zu verdichten. Sie verrät schon einmal worum es diesmal geht: „Es wird wieder eine Mischung aus Fakten und Fiktion sein. Terror und Umweltkatastrophen sind das Thema.“

Petra Elsner

 

„Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel“

Gitta Mikati, Roman „Berlin Beirut. Eine Lüge zu viel“, 256 Seiten, erschienen bei DIVAN, Klappenbroschur, 15,90 Euro, ISBN: 978-3-86327-036-0

 

 

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