
Autor: Petra Elsner
Morgenstunde (788. Blog-Notat)
Eine neuerliche Chaoszeit liegt hinter uns. Heute vor einer Woche riss beim Ausgießen des Nudelwassers die Küchenspüle. Ein Knall, als hätte jemand geschossen. Es war nichts zu sehen und was es war, bemerkten wir erst, als das Wasser im Schrank darunter stand. Da half kein Fluchen und kein Zetern, die Spüle musste ersetzt werden, aber das Möbel darunter wollten wir beibehalten – die Kosten… Da hatten wir uns allerdings was vorgenommen. Freitag kam die Edelstahlspüle im passenden Format – dachten wir, denn was man nie mitbedenken kann ist, wie die Beckenform sich in den Unterbau (ein unbekanntes Land) einfügt, und so folgte eine Problemstellung der nächsten. Mit anderen Worten, es brauchte vier Tage, bis wieder Wasser in der Küche verfügbar war, das Möbel wieder bestückt und die gewohnte Ordnung wieder hergestellt war. Schnauf. Dazu das winterliche Schlotterwetter, es war doch schon mal Frühling, aber das Salat- und Radieschen-Wachstum im neuen Hochbeet stockt, gerade flockt es vor der Tür. Eigentlich wollte der Liebste am K-Freitag seinen Vater im Auer Krankenhaus besuchen, aber nun hat den Hochbetagten dort auch noch Corona erwischt, es jammert uns. Die Seuche ist eben noch nicht vorbei, es zählt nur niemand mehr, was in Wirklichkeit geschieht… Mögen die Tage bitte endlich wieder etwas geschmeidiger werden…
Foto: Lutz Reinhardt
Die Wolkenflüsterer
Die Wolkenflüsterer
Im Dunkel der Zeit, weit hinter den Sternen der Milchstraße, liegt ein Land im Nirgendwo. Es ist ein heller, friedlicher Ort. Hier singen die Stimmen jener, die die Erde verlassen haben, das erlösende Lied. Auf Ewigkeit. Nur die Wolkenflüsterer kennen den Weg dorthin. Das wusste Lilly vom Vater, der ihr auch sagte, wenn sie der Mutter etwas übermitteln wolle, sollte sie es den Wolkenflüsterern erzählen. Sie würden die Nachricht zu ihr tragen. Aber die Wolkenflüsterer schwiegen. Vielleicht war ihre Stimme nicht laut genug, deshalb stieg Lilly hinauf auf das Flachdach des Mietshauses. Es war ein grauer Regentag, man glaubte die Wolken mit der Hand greifen zu können. Da stand sie nun und rief so laut sie konnte: „Wolkenflüsterer! Ich habe eine Nachricht für meine Mutter im Land hinter den Sternen der Milchstraße, sie fehlt mir so. Sie soll nach Hause kommen!“
„Ist nicht das richtige Wetter“, raunte eine Stimme hinter ihrem Rücken. Auf der Sonnenbank des Dachgartens hockte ein alter Mann im Regencape und rauchte Pfeife.
Lilly ging neugierig auf ihn zu: „Wie meinst du das? Es ist doch wolkengrau, soweit der Himmel reicht.“
„Eben. Kein Wolkenzug. Nur in denen verstecken sich die Wolkenflüsterer. Komm wieder, wenn die Haufenwolken bei Schönwetter ziehen.“
„Ach, ich glaube, es gibt sie gar nicht – die Wolkenflüsterer,“ murmelte Lilly und hockte sich neben den alten Mann. „Wolken fliegen doch nicht durchs All ins Land hinter den Sternen der Milchstraße. Sie umkreisen nur unsere Erde.“
Der Mann nickte bedächtig: „Das stimmt schon, aber sie sind ja keine Wolken, sie sind ihnen nur ähnlich, die weißen Wünschesammler. Es ist ihr Flüstern, das durch Raum und Zeit dringt.“
„Meinst du wirklich?“
„Ganz sicher. Nichts geht verloren im Universum, sofern es nicht von Schwarzen Löchern geschluckt wird.“
Lilly schwieg ein Weilchen, dann fragte sie: „Hast du schon mal einen Wolkenflüsterer gesehen?“
„Oh, ja, so einige. Sie wirken zwar bedrohlich, aber sie sind ganz friedliche Giganten. Du musst allerdings wissen, dass sie nur Nachrichten mitnehmen, die auch erfüllt werden können. Das musst du bedenken, kleines Mädchen.“ Mit diesen Worten erhob sich der Mann und verließ den Dachgarten.
Oh, das ist schwer, dachte Lilly: ‚Nachrichten ‚die auch erfüllt werden können‘. Sie wusste ja schon, Verstorbene können nicht zurückkehren. Sie haben ihren Körper wie ein Kleid abgelegt, nur ihre Seele schwingt weiter. ‚Fern von uns oder auch in unseren Herzen‘, hatte der Vater gesagt. Lilly überlegte tagelang, wie sie ihren Wunsch formulieren müsste, damit die Wolkenflüsterer ihn erhören würden. Das war nicht einfach, denn sie musste dafür annehmen, dass die Mutter nicht wiederkehren würde. Doch bei diesem Gedanken musste Lilly weinen. Sie stieg wieder hinauf zum Dachgarten. Das Wetter trug diesmal Sonnenglanz, und weiße Wolkenberge durchkreuzten den blauen Himmel. Die Sonnenbank war leer. Ein leichter, warmer Wind trocknete ihre Tränen. Doch auf einmal hielt Lilly den Atem an: zwischen den Wolkenbergen entdeckte sie einen Wolkenflüsterer. Sie stand auf und winkte ihm: „Hi, du guter Wünschesammler. Bitte trage einen Gruß zu meiner Mutter. Sie wird immer in meinen Herzen bleiben. Aber ich wünschte, ich hätte mehr Lebensmut.“ Der Wolkenflüsterer drehte ganz gemächlich sein weißes, wolkiges Haupt zu ihr und nickte. Als die Sonne schon tief stand, fegte eine jähe Böe einen kleinen Rosenstrauch vor Lillys Füße. Es war so eine schöne rosa Sorte, wie sie die Mutter liebte. Ihr Duft ließ Lilly endlich lächeln. Sie pflanzte ihre Mutterrose in den Dachgarten, und die Blüten schenkten ihr fortan Trost.
© Text & Zeichnung: Petra Elsner
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Fotoprojekt „Vier Jahreszeiten“
Bild 4: Kopfweide im April 2023
Meine Beteiligung am Projekt von Royusch
Das Fotoprojekt „Vier Jahreszeiten“ betrachtet fotografisch immer das gleiche Motiv im Jahresverlauf. Allein die Verwandlung durch die Zeit ändert es. Ich habe mich für meine Kopfweide entschieden. Sie ist der erste Blickfang in unserem 140 Meter langen Landschaftsgarten.

Und für alle Lesefreudigen: Das Weidenthema in einer meiner Fatasy-Geschichten – eine Auszug aus „Das Nebeltor“:
… Etwas knisterte dort. Einen Augenblick später begann es zu regnen und das Mondlicht erlosch. Aus dem Knistern wurde ein Prasseln. Flora war im Nu klitschnass und der Regen wurde immer noch stärker. Im nachtblauen Dunst entdeckte sie, unweit entfernt, die Schemen einer knorrigen Weide, die sie ächzend zu rufen schien. Dorthin hastete sie schutzsuchend. Schlamm spritzte dabei von ihren Sandalensohlen kniehoch. Die letzten Meter rutschte Flora förmlich auf den alten Weidenbaum zu. Schnaufend stand sie schließlich davor. Der Stamm der Weide war in der Mitte weit aufgebrochen. In diesen moosbedeckten Hohlraum flüchtete sich Flora. Drinnen schien es ihr, als wollte sie der alte Baum mütterlich umarmen und wärmen. Das zitternde Mädchen sank in die Hocke und wartete. Langsam nahm das trockene Moos die Nässe ihrer Kleidung auf und Flora fror bald schon nicht mehr. Die Zeit schien weiter zeitlos zu sein. Flora verspürte keinen Hunger und auch keine Müdigkeit. Was für ein Rätsel, wunderte sie sich im Dunkel der Höhle. Um die Weide wehte eine traurige Weise und Flora dachte, hier kann das Quellwasser der Freude nicht wohnen. Aber warum bin ich hier? Sie lauschte dem nachlassenden Regenlied, bis nur noch wenige Tropfen fielen. „Das Regenland hat viele Kräfte, du musst dich für eine entscheiden“, murmelte leise die Weide.
Flora wunderte sich kein bisschen darüber, dass der Baum mit ihr sprach. Sie hörte auf das, was die Weide sagte, denn nur das würde sie ein Stück weiterbringen. „Bin ich im Regenland?“ „Ja“, antwortete die Weide. „Das Regenland ist das Land der Feuchte, der alles entspringt. Jedes Leben und jedes Gefühl. Sieh, dort fließt ein immerwährendes Rinnsal, das schon einen See durchschwommen hat und darin Kraft aufnahm. Es wird gleich in den sternförmigen See fließen, um weiter zu wachsen und bald zu dem Strom anzuschwellen, der dem Land den Namen gab.“
„Die Ucker hat hier ihre Quelle?“
„Nicht genau hier. Wenn du dem Weg der Unzerbrechlichen folgst, kommst du direkt in ihr Quellgebiet. Aber dorthin geht man besser über Umwege“, murmelte die Weide bedeutungsvoll.
„Welche Umwege?“, fragte Flora in die Nachtstille, aber die alte Weide schwieg…

Morgenstunde (787. Blog-Notat)
Die Schnippelei ist beendet, der Schneidplatz weggeklappt und das Atelier ist wieder unverstellt. Der Muskelkater wird sich noch verziehen…😊 Bei diesen Vignetten-Blöcken sieht man ganz deutlich, die Zeichnungen sind für ein Buch bestimmt, nicht für die Wand. Für die Präsentation zu einer Lesung mag es gehen, allerdings war der Aufwand für diese kleine Schau auf Staffeleien schon ganz schön aufwändig, was tut man nicht alles für Freunde… Es hätte vielleicht auch EINE groß gezogene Kopie als Hintergrund gereicht. Nun denn, die Woche ist rum. Die nächste Zeit gehört der großen Leinwand und den Märchen…. Habt ein entspanntes Wochenende alle miteinander!
Morgenstunde (786. Blog-Notat)
Da habe ich gestern am Wentowsee eine feine Begleitung für die Musikalische Lesung am 4. Juni in der Zehdenicker Klosterscheune zugesagt bekommen. Mit Micha Seidel arbeiten zu können, ist für mich wirklich ein Geschenk. Wir hatten das Zusammenspiel schon einmal an einem stürmischen Regentag in Tornow in einem flattrigen Veranstaltungszelt miteinander gewagt und das macht mich sicher, dass die Kombination nicht nur passt, sondern auch stärkt. Es wird vornehmlich unterhaltsame Texte geben, wie „Falsche Federn“, „Mann ohne See“, „Konzert für ein Saxophon“… und Micha wird auf dem Bandoneon spielen und alte und neue Lieder singen. Ich bin voller Freude… und ich hoffe, ihr kommt und schaut Euch das an 😊…
Foto: Kathy Seidel
Morgenstunde (785. Blog-Notat)
Die erste Schneidarbeit hat einen derartigen Muskelkater hinterlassen, dass gestern kein Passepartout-Messer in die Hand nehmen konnte. Eine Hand hält das Lineal fest, die andere schiebt mit Druck das runde Schneidgerät. Weil das Schmerzen im gesamten Oberkörper macht, hocke ich noch immer im verstellten Atelier und schreibe lieber Briefe. Sonntagsarbeit 😊. Aber danach werde ich mich an den zweiten Bilderblock wagen (müssen). Wenn ich die fünf Ausschnitte nicht am Stück schneide, geht’s vielleicht ohne Nebenwirkungen. Will diese Verrichtungen hinter mich bringen…Habt einen schönen Sonntag alle miteinander!
Morgenstunde (784. Blog-Notat)


Ist grad ein bisserl eng bei mir. Die Leinwand musste runter von der Staffelei, weil ich Passepartouts für die Schrägen Vögel zu „Georgs Landleben“ schneiden will. Drei gerahmte Bilder-Blöcke werden es, die sollen zu den Tagen den „Offenen Ateliers“ Brandenburg in Gandenitz bei Grit dem Autor Frank Martens gewissermaßen als Lese-Kulisse dienen. Auf diese Weise kommen die Arbeiten aus dem Zeichenschrank und zeigen sich kurzweilig dem geneigten Publikum. Den kleinen Zeichen- und Schneidplatz freizulegen und der angefangenen Leinwand einen zeitweiligen Stellplatz zu geben, das war gestern Abend schon grenzwertig, denn für hochkant ist die Zimmerdecke zu niedrig und die Wandflächen sind verstellt – das Kreuz der Gegebenheiten… aber für zwei Tage wird es gehen…😊 Da das Wetter nicht frohlockt, konkurriert die Gartenarbeit gerade nicht mit dem Atelier, aber überall ruft Arbeit…
Schönes Wochenende Euch allen, wo immer Ihr seid 😊!
Fotos: Lutz Reinhardt
Lyrik-Krümel
Morgenstunde (783. Blog-Notat)
Es sind wieder mal Wuseltage in Haus und Garten. Der Imkergatte kratzt Beuten und ich bugsiere Komposterde von A nach B. Staubverbesserung 😊, denn Boden kann man es nicht nennen, was da auf dem Heideland beheimatet ist. In den Hochbeeten ist die erste Saat eingebracht und in Reihen dazwischen, die im Winter gewonnene Terra Preta als Dünger. Ich bin gespannt, ob sich was verändern wird. Heute Morgen haben wir die erste selbstgemachte Butter verkostet – eine Offenbarung. Die schmeckt wie einst. Es ist schon krass, wie sich unsere Lebensmittel immer zum Schlechteren hin verändern. Dieses Verpanschen ist eine schlimme Unart. Zuerst bemerkten wir, dass sich gekaufte Butter immer schlechter schmieren ließ, dann, dass der runde Buttergeschmack nachließ. Machen wir also fortan die Butter fürs Brötchen selbst und nehmen die Gekaufte nur noch zum Kochen. Preiswerter ist hier das Selbstmachen nicht, aber genussvoller. Für 125 Gramm benötigt man 300 g Sahne. Im Atelier wird im Augenblick mal weniger… es gibt einfach draußen soo viel zu Schauen 😊 und Handtieren…









