Die Farbenfrau aus der “Kleinen Schorfheide”

Vom Wandel der Träume in Gandenitz:

Grit Jänisch-Martens verrät: „Mich reizen total die Grüntöne. Man kann x-verschiedene Gelbtöne haben und x-verschiedenen Blautöne, die mischt man zu Grün, aber umso ein zartes Frühlingsgrün der Birken zu erzielen, muss  ich experimentieren und das ist es, was ich liebe.“ Foto: Lutz Reinhardt

Grit Jänisch-Martens verrät: „Mich reizen total die Grüntöne. Man kann x-verschiedene Gelbtöne haben und x-verschiedenen Blautöne, die mischt man zu Grün, aber umso ein zartes Frühlingsgrün der Birken zu erzielen, muss ich experimentieren und das ist es, was ich liebe.“
Foto: Lutz Reinhardt

Sie ist längst ein Gesicht des Nordens. Still, zurückhaltend, warmherzig. Die Farbenfrau ist verliebt in Farben, die der Natur entspringen. Sie färbt damit in großen Trögen die Wolle der Schafe, die Seide der Seidenraupen, Baumwolle und Leinen.  Manchmal schaut sie in einen dramatischen Winterhimmel und wünscht sich, ihr Garn in dieses unglaubliche Violett zu tauchen. Immer aber experimentiert sie rund um die Farbe Grün, ein Glück für sie, wenn die jenes erreicht, das die Birke in ihre ersten zarten Blattspitzen schiebt.
Der innerliche Aufbruch zum Landleben ist schon ein gutes Weilchen her und nährte sich, als die frischgebackene Ingenieurin für Wasserwirtschaft Mitte der 90er Jahre in Berlin keine Arbeit fand. Durch Zufall geriet Grit Jänisch-Martens (43) in den Uni-Betrieb, wo sie sich mit Arznei- und Gewürzpflanzen beschäftigen konnte. Es galt im Feldversuch  zu erforschen, ob man diese Pflanzen auf bestimmte Inhaltsstoffe züchten kann, darunter waren auch Färberpflanzen. Das passte. Denn die Lust, mit Naturstoffen selbst zu färben, machte sich gerade in ihrem Freundeskreis breit. Bei Grit war dieses Interesse schon älter.  Die Quelle dafür entsprang im Elternhaus in Hönow, das seinerzeit noch im Grünen lag. Sie erinnert sich:  „Ich wollte immer Tiere haben und hatte mein eigenes Beet. Die Familie reiste und wanderte viel, unternahm weite Radtouren. Ich glaube, mein Umweltbewusstsein entstand schon in dieser Zeit. Bei Falko war das ganz anders. Er kommt aus der Stadt Brandenburg und konnte sich nie vorstellen, aufs Land zu ziehen, während es bei mir schon immer ein Traum war.“
Aber wer mit Grit leben will, musste wohl irgendwann mit in ihrem Traum  reisen. Das Paar ist jetzt 23 Jahre beieinander und gleich nach ihrem Studium „war klar, wir ziehen auf‘s Land“, verrät die Frau schmunzelnd.  Aber wohin?  „Wir haben Annoncen gesichtet,  sind mit dem Auto rumkutschiert, und haben uns schließlich einen Sommer lang auf die Räder gesetzt.  Erst radelten wir durch Märkisch Oderland – dann in die Uckermark. In Templin waren wir ganz verzaubert – boh, ist das schön, irgendwie hier muss es sein.“ – das neue Leben und es fand sich in Gandenitz am Rande der “Kleinen Schorfheide”.
Doch von dort oben war es zu weit, um beruflich zu pendeln.  Alternativ hieß das, etwas Eigenes aufzubauen, dazu belegten die beiden noch ein Fernstudium für Baubiologie. Zwei Jahre lang. „Ursprünglich wollten wir ein Ingenieurbüro aufmachen, aber als wir das Grundstück hatten und die Versorgungslücke erkannten, reifte die Idee zum Laden“, erklärt Grit den Wandel. 2001 haben sie schließlich das Grundstück gekauft, bauten an den Wochenenden um- und aus. 2004 gaben sie die sichere Existenz in Berlin auf und zogen vollständig in das abgelegene Bauernhaus in Gandenitz.
Vier Mutterschafe und einen Bock weiden vor dem Hof am Waldrand, der jetzt in der winterlichen Stille ruht. Ab und zu tuckert jemand per Auto über den Sommerweg heran, um in Falko Martens (42) Naturbaustoffhandel einzukaufen oder sich baubiologisch beraten zu lassen.  Das ist vornehmlich sein Part, aber Grit weiß alles über natürliche Farben und hilft, wo sie kann. Ihr Mann ist darüber hinaus der Spezi Lehmbau und Lehmofenbau. Seit die zwei Kinder kamen, hat sich für Grit alles noch einmal gedreht. Ja, sie ist und bleibt die Farbenfrau des Nordens, aber immer mehr ihrer Lebensenergie fließt augenblicklich in den Baustoffhandel und die Organisation der Familie. Das ist nicht nur für Frauen typisch, jeder, der auf dem flachen Lande eine Geschäftsidee ausprobiert, muss sehen, was zu guter Letzt wirklich ernährt. Und dass heiß gelegentlich auch, Träume zu erden und sie nur in den Freiräumen zu leben. So arbeitet die Farbenfrau jetzt in großen Schüben an ihrem Farbrausch – umso seltener, je größer die Lust. Die Brillanz natürlicher Farbstoffe ist unglaublich. Und das Staunen darüber auch.  Den Marktbesuchern ist meist nicht klar, dass es kaum 150 Jahre her ist, da alles noch mit natürlichen Materialien gefärbt wurde, weil es gar nichts anderes gab“, erklärt sie wissend. „Das Volk hatte damals eigentlich keine Farben. Rot und Blau  gehörte den Reichen. Es gibt viele Pflanzen, mit denen man Gelb färben kann, Goldrute und Färberkamille, aber Gelb trugen die Huren und die Juden – also wollte diese Farbe wirklich keiner haben …“ Die Farbenfrau doziert und leuchtet dabei. Sie hat früher an der Humboldt Universität einmal im Jahr eine Vorlesung gehalten und lächelt über diese Ausnahme. Aber wer weiß, was und wie sich das Leben noch einmal wandelt.

© Petra Elsner

Kontakt:
Naturfärbe-Atelier, Grit Jänsch-Martens, Küstrinchener Weg 3, OT Gandenitz, 17 268 Templin, Telefon: 03987 200744

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