Morgenstunde (1199. Blog-Notat)

Dem kleinen Teufel im Efeu hat die Spatzenbande ganz schön zugesetzt. Wahrscheinlich ist er einfach zu winzig, dass jeder es mit ihm aufnehmen kann. Die Welt ist nicht gerecht.
Apropos 1199, bei dieser Zahl schwant mir was. Erinnert Ihr Euch noch an die neue Jugendsendung Elf99, die ab September 89 eine ungekannte Lippe „riskieren“ durfte? Benannt nach der Adlershofer Postleitzahl, läutete die Redaktion zumindest die kritische Berichterstattung über die letzten Atemzüge der DDR ein. Nun denn, vergessen und verrauscht. Wie alle, die damals Medien machten.
Eine hält immer noch das Heft in der Hand. Ingeborg Dittmann hat nach der Wende das Bürgerblatt Jot w.d. gegründet und es durch die Stürme der Zeit manövriert. Jahrzehnte schaut inzwischen das Magazin hinter die politischen Kulissen und schießt Federpfeile vom Rande ins Zentrum. Darüber hinaus porträtiert die Rock-Lady Inge (einst Musikredakteurin, später Chefredakteurin beim Neuen Leben) ostdeutsche Musiker und Kulturschaffende. Ein Leben für die (ihre) Zeitung. Neulich hat sie Micha Seidel auf seinem Kanal „Biertrinken mit Micha…“ sehr unterhaltsam vorgestellt. Lohnt sich reinzuhören! Heute bekam ich die jüngste Ausgabe von Jot w.d., worin meine Friedenstaube ein Plätzchen fand. Ich danke dafür!

Morgenstunde (1198. Blog-Notat)

Halb Teich, halb Sumpf…

Nachdem der Liebste kurz nach neun Uhr nach Gera aufgebrochen war, wurde der Tag plötzlich langsam und still. Die Beerdigung seines Onkels rief ihn in den Süden, acht Stunden Fahrt hin und zurück…. Mich hat man freundlicherweise entschuldigt, weiß ja jeder, was ist… und so bin ich, bevor die Hitze zuschlug, noch ein paar Duzend Zentimeter Teichufer beschneiden gegangen. Eine halbe Stunde vielleicht, dann musste ich ins kühle Häuschen flüchten. Unterwegs rupfte ich noch Brennnesselblätter, um daraus ein Pesto zu fertigen, mit Knofi und gehackten Walnüssen, ich mags auf frischen Tomaten. Seitdem gönne ich mir Ruhe, denn ehrlich, die tagelange Hitze schlaucht, erst recht, wenn tropische Nächte keine Erleichterung bringen. Hat jemand mitgezählt, wie viele Tage wir in diesem Sommer schon über 30 Grad hatten? Bestimmt rekordverdächtig und die nächste Welle deutet sich schon in der Großwetterlage an. Kinner ne, es reicht…

Brennnessel-Pesto:

Nesselblätter beherzt vom Stängel ernten. Mit heißem Wasser überbrühen (dann brennen die Blätter nicht mehr). Das abgetropfte Kraut mit Sonnenblumen- oder Walnusskernen, Salz, Pfeffer, Knoblauch in einer Schlagmühle zerkleinern, Rapsöl oder Olivenöl dazugeben – fertig ist der vitamin-C-haltige „Venenputzer“.

Morgenstunde (1197- Blog-Notat)

Am Morgen, als die Temperaturen noch erträglich waren, saß ich auf meinem kleinen Gartenwagen und schnitt das wuchernde Gras vom Teichufer, in dem sich lange Fadenalgen verfangen hatten. Einen Meter Ufer lang in gebeugter Haltung, dann hatte ich mir einen Lungenzipfel eingeklemmt und aus wars mit der mühseligen Verrichtung. Morgen kommen bunte Teichschnecken, die sollen diese Algen zum Fressen lieben, wer’s glaubt wir selig, aber wir probieren das mal (wieder). Was war der Teich früher immer hübsch frisiert, jetzt trägt er den Schopf vom Struwwelpeter. Man kann im Älterwerden eben nicht alles in Bestform halten. Was solls, wird’s wohl ein Sumpfrevier… Schön war dann aber doch, dass die Auftraggebende heute endlich das von mir entworfene Firmenlogo nach fünf Wochen bestätigte und schwärmte, dass der Honig tropfte. Ich bin erleichtert, dass es passt! Zeigen kann ich es naturgemäß nicht, denn das Logo ist ja noch nicht gesichert, aber ich habe es vom Tisch…

Morgenstunde (1195. Blog-Notat)

Nun ist auch der Umschlag zum 6. Flyer-Kunst-Buch in der handgefertigten Reihe UNIKATE entstanden. Der Mini umfasst acht kleine abstrakte Originale zum Thema Sommer. Echte Fummelei. Die Erstlinge im 10 x 10-Format waren handlicher und zu denen werde ich auch zurückkehren. Man muss halt ausprobieren, was gehen könnte… Als Einzelstück finde ich es fein.

Währenddessen hat der Imkergatte den Honig abgeschleudert, die Ernte 2026 ist geringer ausgefallen als im vergangenen Jahr. So ist Natur. Ende August wird sie hoffentlich im Glas sein, wenn nicht noch eine Hitzewelle zuschlägt, dann kristallisiert der Honig nicht und braucht mehr Zeit für die cremige Konsistenz…

Morgenstunde (1192. Blog-Notat)

Morgenschön. Das Licht schmeichelt den zarten Gartengestalten. Ich sitze leise, ein wenig matt im Hof und schaue den Spatzen beim Baden zu. Ganz versunken, bis Wolken aufziehen und Blätter über das Pflaster kreisen. Der stille Moment vor dem Tagwerk ist vergangen. Gedanken sortieren, was hast du jetzt vor? Was willst du noch erzählen? Der Pankower Maler Peter Becker erzählte mir als er 60 Jahre alt geworden war, er male nicht mehr, er habe genug geschaffen. Seine Tochter verkaufe sein Werk weiter, er schaue nur noch zu. Er war krank, die Hände zitterten, er hatte Parkinson. Aber er lächelte dazu ganz milde, keine Verbitterung, auch wenn ihm die Wende viel genommen hatte und diese dürren Jahre in seinem Hemd wohnten. Alles verweht mit der Zeit. Wenn man Kunstschaffender ist, muss man sein Wirken erst nehmen. Deshalb ist schwer, sich dabei nicht selbst so wichtig zu nehmen, erst recht, wenn es auf das Ende zugeht… der stille Peter konnte das.

Morgenstunde (1190. Blog-Notat)

Manchmal entwickelt sich ein flüchtiger Gedanke zum Bandwurmthema 😊. Als ich mir gestern den Weinstock im Hof betrachtete, dachte ich so im Stillen: Müsste mal wieder beschnitten werden – heute nicht… Aber wie wäre es denn mit ein paar Weinlaubpasteten zum Abendbrot. Mit Hackfleisch gefüllt, würde der Imkergatte sie vielleicht annehmen, er mag keine nahrhaften Experimente. Also habe ich mal eben gegoogelt, wie man die Blätter behandelt, damit sie rollfähig sind (3 Minuten in kochendem Wasser blanchieren) und entdeckte währenddessen, dass die Rote Weinrebe Heilpflanze des Jahres 2023 wurde. Guck an, was kann sie denn? Und da wurde es spannend: Weinblätter enthalten Vitamin B6, Vitamin B2, Calcium, Magnesium und Kalium. Weinblätter sind überdies erstaunlich nahrhaft. Sie sind kalorien- und fettarm, beeindrucken mit hohem Eiweißgehalt und reichlich Ballaststoffen. Auch der Gehalt an Flavonoiden kann sich sehen lassen – diese natürlichen Pflanzenstoffe schützen die Körperzellen vor freien Radikalen und haben günstige Effekte auf Blutdruck, Blutfettspiegel und das Immunsystem. Das ist doch einigermaßen bedeutsam und schon hatte ich nicht nur die gefüllten Weinlaubblätter im Sinn, sondern auch ein heilsames, wohlschmeckendes Pesto. Man könnte noch einiges mit Weinblättern anstellen, doch für diesen Nachmittag war es dann genug…

PS: Bitte nie den Wilden Wein probieren, der ist giftig!

Morgenstunde (1189. Blog-Notat)

Diese Schöne wächst aus einer Fuge (5 mm) des gepflasterten Hofes. Ein unbeachteter Winterfutterkern trieb überlebensstark zum Licht. Natur ist immer wieder überraschend. Aus ebensolcher Rille wächst ein krüppliger Holunder im Hof, man mag es kaum glauben, wie er das geschafft hat, ohne das Pflaster anzuheben. Er darf dortbleiben, denn wer Hand an diesen Gottesbaum legt, den trifft Holla mit Krankheit oder Tod. Also schön die Finger davon lassen…

Je 5 nummerierte Hefte pro Titel, obenauf eine O-Nummer als folienloses Ansichtsexemplar.

Nach zwei Wochen Druck-, Falt- und Bindearbeit ist die Offerte meiner ELSNER EDITION in neuem Papier und Karton fertig. Demnächst werde ich sie einer Galerie anbieten. Vielleicht kann ich so einige Menschen mit meinen handgefertigten Künstler-Heften erreichen. Es wird eine Option in die Zukunft…

Morgenstunde (1188. Blog-Notat)

Auf der Fahrt nach Hirschfelde…

Die Wetter-App meint, es wird heute einfach nur ein Sommertag. 25 Grad, sonnig. Ja, bitte! Es reicht mir langsam durch abgedunkelte Räume zu schleichen. Aber diesmal haben wir damit das Häuschen bei 23 Grad halten können. Gestern unternahmen wir die alljährliche Winterfuttertour zum Imkereifachhandel in Hirschfelde. Im klimatisierten Auto war die Fahrt gut zu verkraften. Regen haben wir nicht abbekommen, nur wilde Wolkenzüge.  Heute ist mein vorläufig letzter Buchbindetag, es wird auch Zeit, ich will endlich die bestellte Leinwand beginnen, und schließlich naht auch das Etikettieren der Honiggläser. Aber dazu müssen die Temperaturen runtergehen, bei Hitze entsteht nicht die gewünschte cremige Konsistenz… Ein wenig Geschäftigkeit bewegt uns also und gegen meinen Hitzeschaden (Schwindel) aus der ersten Welle im Juni, mixe ich mir jetzt täglich einen Elektrolyte-Drink (eine Messerspitze Kochsalz, je eine 250 g -Tablette Magnesium, Kalium, Kalzium auf ein Glas Wasser) – es ist damit besser geworden…

Morgenstunde (1187. Blog-Notat)

Gestern Abend traf eine Sendung mit Elfenbeinfarbigen DCP Karton aus Den Haag ein. Würde es klappen? Denn inzwischen ist auch der mondi-Karton für die Umschläge meiner Heftproduktion ausgelaufen. Ich benutze das feine 200g-Papier seit 25 Jahren… Um die Heft-Reihe weiter stimmig zu fertigen, brauchte ich einen guten Ersatz, wie schon vor Monaten für die Innenseiten. Es lag nahe bei dieser neuen Firma nach einer 200-Gramm-Variante zu fragen, aber die hatte zwar eine schöne Härte, war aber zu dünn. 28 € in den Sand gesetzt… Also ein paar Gramm mehr probieren, würde sich der 250-Gramm-Karton noch Falten lassen??? Und ja, er lässt sich ohne Knitter falten und das Endprodukt sieht jetzt richtig gut aus. Ich bin erleichtert, Problem gelöst.

Morgenstunde (1186. Blog-Notat)

Der Morgen ist sommerlich sanft. Habe die Topf- und Kübelpflanzen gedüngt, aber der Körper will nicht so recht. Schwäche. Also gehe ich ins Atelier und falte die nächsten Bögen für neue Künstlerhefte. An schwächlichen Tagen baue ich mich mit solchen Verrichtungen auf. Etwas wird… Bei der nächsten Gartenrunde zupfe ich hier und da ein paar Grashalme aus den Staudenbeeten, sie verwildern, der Garten wächst mir über den Kopf, denn der Atem stottert, wenn ich Kraft in die Hände gebe. Dazu braucht es nicht viel und der Kopf hat darüber zu tun, nicht in Trübsal zu versinken. Es wäre kein Wunder. Aber, es wird ein besserer Tag kommen, auf den kann ich mich freun…