Pesto von der Wiese

Wenn sommerwärts Stadtgäste in den Schorfheidewald kommen und das Wetter mal wieder nicht mitspielt, muss blitzschnell ein Ersatz-Erlebnis her, sonst nörgeln die Besucher. Geht also nichts mehr – wegen eines unerwarteten Kälteeinbruchs mit Dauerregen … – dann ist meine Rettung das schlichte, aber immer beeindruckende Brennnessel-Pesto. Selbst wenn es Bindfäden regnet, frisches Brennnesselgrün gibt es von April bis Oktober immer. Es muss ja nur die wetterfeste Gastgeberin kurz hinaus und Nesselblätter pflücken. Dann dürfen alle zusehen: Zuerst werden die Blätter mit heißem Schwapps Wasser überbrüht, danach brennen die Blätter nicht mehr. Das abgetropfte Kraut mit Sonnenblumen- oder Kürbiskernen, Salz, Pfeffer, einer Zehe Knoblauch in einer Schlagmühle zerkleinern, die Masse anschließend in eine Schüssel geben, Rapsöl unterheben – fertig ist ein lukullischer, vitamin-C-haltiger Venen-Putzer. Gesünder geht nicht! Und schließlich dreht es sich beim Ausflug nicht unbedingt um das Ankommen am geplanten Ziele, sondern um ein nachhaltiges Erlebnis: Das kann auch das gemeinsame Zubereiten eines Brennnessel-Pestos sein. Als „Grüne Kanapees“ kommt das Pesto zur Verkostung, die in großem Erstaunen mündet: Wie lecker doch! Das hätten die meisten nicht gedacht. Zu guter Letzt kann jeder Gast ein Gläschen Selbstgemachtes mit nach Hause nehmen. Schon strahlten alle wieder, als hätten sie den sonnigsten Waldtag verbracht.
PS: Im Kühlschrank hält sich dieses frische (konservierungsstofffreie) Pesto eine Woche.

© Petra Elsner

Brennnessel,  gezeichtet von Petra Elsner
Brennnessel,
gezeichtet von Petra Elsner

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