Von drei Jahren hatte ich einen Augenscan, der hochauflösende Schichtbilder der Netzhaut und des Sehnervs produzierte. Kostenpflichtig, aber es ging ja darum, möglichst früh zu erkennen, wann der Sehnerv durch meinen erhöhten Augendruck geschädigt werden würde. Optische Kohärenztomographie (OCT) nennt sich das. Bei der Auswertung saß ein Arzt vor mir, der der deutschen Sprache nicht mächtig war. Ich verstand nur „dünne Gefäße“, was mich nicht sonderlich beunruhigte. Gestern meinte ein anderer Augenarzt, wir müssten nachsehen, wie weit die Schädigung vorangeschritten ist. Eigentlich wollte ich „nur“ einen OP-Termin wegen meines Grauen Stars verabreden. Ich sah ihn ungläubig an. Er scrollte meine virtuelle Akte durch und zeigte auf das damalige Testergebnis: Glaukom (Grüner Star). Ich hatte keine Ahnung. Dieser Arzt hatte auch keinen deutschen Pass, aber er sprach unsere Sprache verständlich. Draußen vor der Tür war ich nur noch fassungslos. Durch ein Sprachhandikap war ich jahrelang im Unklaren und hoffte immer noch, dass der Grüne Star nicht ausbrechen würde. Geht irgendwie gar nicht.
Kategorie: Morgenstunde
Morgenstunde (1211. Blog-Notat)
Zwei Hirsche haben nächtens geröhrt, erzählte mir der Liebste zum Morgenkaffee, aber Pilze gibt es noch kaum welche. Vielleicht demnächst, wenn die Sommerhitze sich davongeschlichen hat. Ich hab die letzte Gurke geerntet. Hing neben einer vergessen Geschichte… Damit nicht alles vergessen wird, habe ich gestern die ganzen Aktionen, die ich mit oder für unseren Kulturverein geleistet habe, aus meinem Computerarchiv zusammengesucht und auf einen Stick geladen. Etwas fürs kollektive Gedächtnis: Ausstellungen zu historischen Ansichten und dem Dorfleben, die Kürbisfeste mit den 12 launigen Krönungen, Sagen als Puppenspiel inszeniert, das Kurtschlager Kochbuch … 18 Jahre. In dieser Zeit habe ich dreimal meine Computertechnik erneuert, dabei ist manches schon wieder untergegangen. Die gelebte Freizeit wird immer erst später bedeutsam für das Archivwesen, wenn überhaupt. Jedenfalls habe ich jetzt diesen Stick gewissermaßen als Staffelstab. Die Dokumentation der Jetztzeit haben andere übernommen, gut so.
Ein paar Schaustücke:
Sagen als Puppenspiele
Ein Ausstellungsaufbau
Morgenstunde (1210. Blog-Notat)

Bis zum Teich sind es 106 Schritte. Der Liebste braucht für die gleiche Strecke 75 Schritte. Als Schnell-Läufer hat er eben mehr Schwung drauf 😊. Bei Schritt 45 steht übrigens mein erster Pausenstuhl. Dort schnaufe ich mit Nachbars Kater um die Wette… Das führt zu Einsichten: Ich kann nun nicht mehr auf Festen mein Zeug aus dem Atelier anbieten. Ist so, nicht hadern. Aber ich hoffe, dass zum Herbst wieder einmal der Eine oder die Andere bei uns klingelt und ein kleines Geschenk bei mir sucht. Das wäre schön.
Nachrichten halte ich seit Montag im Zaume, denn die Töne klingen wie immer, nur schärfer und ich denke: Nichts verstanden. Es sind doch wirklich irre Zeiten und es kommt mir so vor, als würden jetzt doch ein paar gescheite Intellektuelle sich Gedanken ‚um die Neugründung der politischen Kultur in der Berliner Republik‘ und um die System-Reformierung machen (z.B. siehe hier: https://www.instagram.com/ulfposh/, während das Volk schon wieder ganz andere Tatsachen schafft. Auch das kommt mir irgendwie bekannt vor…
Morgenstunde (1208. Blog-Notat)
Heute kamen die neuen Glückspilz- und Frosch-Notizblöckchen ins Atelier, das war ein Kleinstprojekt mit meiner einstigen Eulenverlegerin Daniela aus dem Schuttertal im Schwarzwald. Große Projekte haben wir in diesen Zeiten nicht (außerdem habe ich Eulen genug für zwei Leben gezeichnet und sie hat kein anderes Thema…), aber die kleinen Blöckchen haben wir uns gegönnt, zumal die Erfahrung besagt, sie verbreiten überall Freude. Kann man gebrauchen, ist ja sonst so gar nichts lustig. Der öffentliche Ton vor der Sachsen-Anhalt-Wahl wird immer giftiger. Die Probleme bekommt man damit nicht weggehext. Der Trend ist gesamtdeutsch sichtbar und hausgemacht. Das wird leider immer noch nicht verstanden. Es ist leichter den Ossi als Sündenbock festzunageln. Ändert auch nichts.
Morgenstunde (1207. Blog-Notat)
… ich schreib dann mal wieder – langsam und im Stillen. Nur den Anfang stelle ich hier ein. Es geht um den Versuch, ein literarisches Bild für das mentale Zeitempfinden zu erfassen, vielleicht mit einer reinigenden Nebenwirkung, die Lasten abzuschütteln. Vielleicht gelingt das, wer weiß:
Das schwere Grau
Sie lugte zaghaft aus dem Grau. Der Winter verharrte schon viel zu lange und die Gedanken webten inzwischen dicke Fallstricke. Sie waren nicht sichtbar, aber sie waren da und sie verhedderte sich in ihnen. Sie stolperte und schlingerte, wie die Welt, die sich Tag um Tag in neue Krisen stürzte. Nichts schien ihr noch in Ordnung zu sein. Schon gar nicht ihr Gedankengewebe.
Das Grau war nicht nur eine Farbe, es war ein mentaler Zustand, der die Schultern beschwerte. Sie trug schwer daran, aber damit war sie nicht allein.
Mona Wiese sah überall Menschen, die vom Weltgeschehen gebleicht und verbogen waren. Wer hatte sich das ausgedacht, jeden Tag das bluttopfende Elend dieser Welt auf die Abendbrottische zu spucken? Jedes Massaker, jeden Vulkanausbruch und jede Erderschütterung vom hinterletzten Winkel der Welt. Das Maß des Erträglichen war lange schon überschritten und Mona Wiese hatten sie auf dem Gewissen, diese maßlosen Nachrichtenmixer…
Morgenstunde (1206. Blog-Notat)
Als Kind spielte ich mit allen Kindern, die im Sandkasten saßen. Wir lernten uns zu fetzten und zu vertragen. Auf dem Schulhof begegneten sich noch alle Schichten und wir lernten unser Anderssein zu akzeptieren. Alle Meinungen, die da waren. Als wir aus der Schule kamen, hatten wir ein gutes Gespür dafür, was es alles gibt unter uns Menschen.
Heute sind die Wahrnehmungen andere: Kinder wachsen in „Filterblasen“ auf, Familien lassen in ihrem Umfeld nur Gleichgesinnte zu und jetzt sehen wir die Blüten, die das treibt. Man hat in den vergangenen 15 Jahren die unbequemen Meinungen ignoriert, bis sie so mächtig wurden, dass die bewährten Meinungshoheiten ins Wanken gerieten. Und um die „Brandmauer“ hochzuhalten, entstanden u.a. diese unseligen Meldestellen, die unverhohlen zum Denunziantentum aufrufen, um ihre Demokratie zu schützen, nicht unser aller Demokratie. Das hätte sich die Stasi nicht gewagt. Die agierte verdeckt. Aber ganz offen Andersdenkende zu canceln und damit existenziell zu bedrohen, das ist so eine Giftblüte dieser Zeit und sie wuchert grundgesetzwidrig:
Artikel 5: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
Das Gebäude „Demokratie“ bröckelt heute aus der Mitte heraus oder besser gesagt von Innen. Es ist ein Unding, dass der Kulturkampf im Lande so abgehoben und ideologisiert ausgrenzt. Es ist einfacher sich zu verweigern, oder besser gesagt feige, nicht die Debatte im gesamten Gesellschaftsraum zu führen.
Morgenstunde (1205. Blog-Notat)
Immer, wenn ich zu meinem Lungenarzt muss, habe ich Stress und der Blutdruck geht an die Decke. Vor allem, weil die neuen Werte mir dann sagen, was ich schon längst spüre: Das Atemvolumen schrumpft und also auch die Meter, die ich ohne Schwierigkeiten gehen kann usw. Ich wollte und will diesen Stress nicht mehr hinnehmen und habe mir im Frühsommer etwas ausgedacht. Wir sind außerhalb der Termine in die Finowfurter Praxis gefahren und ich habe einen dicken Briefumschlag an der Rezeption für meinen Arzt hinterlegt. Darin war eines meiner Bücher „Der Duft der warmen Zeit“ mit einer Karte und dem Spruch „Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!“ Ich dachte mir dabei, wenn ich das nächste Mal zu ihm muss, kann ich ja mir vorstellen: Endlich komme ich dazu, mir seine Reaktion abzuholen (und nicht ich MUSS heute…). 😊 Es ist nicht ganz aufgegangen, denn ich bekam sofort von ihm eine hocherfreute Mail und später noch eine, als er das Buch gelesen hatte. Die Verwandlung vom lebensschwachen Objekt zum Subjekt 😊Das war mein Ansinnen und vielleicht gelingt es mir so, die negativen Begleitemotionen umzuwandeln, wer weiß…
Das Buch gibt es übrigens noch im Handel, siehe hier.
Morgenstunde (1203. Blog-Notat)
Ist es nicht herrlich, wenn die Hitze endlich abklingt? Pure Erleichterung macht sich breit. Hitze macht nachgewiesener Weise denkfaul, lustlos, langsam, konzentrationsschwach – krank, kränker… Hitze sorgt nicht nur für Kreislaufprobleme, sie schlägt eben auch aufs Hirn und wenn die Ü-30-Tage weiter zunehmen, schwächelt die komplette Jahresleistung. Jedenfalls bei Kindern, Alten und Kranken. Mich macht sie leer. Die Ideen verflüchtigen sich. Vor lauter Verzweiflung habe ich mir in der letzten Hitzewelle Weihnachtsfilme bei prime angesehen. Vorzugsweise Geschichten im Schnee… sorgten wenigstens für seelische Abkühlung 😊. Es ist die Dauer der Hitzewellen, die diesen Sommer für mich und viele andere so unerträglich machen. Deshalb glaube ich, wir müssen das Leben und Arbeiten in den Hitzewellen der Zukunft neu denken. Ideen wie Agroforst und Schwammstädte sind nur erste Ansätze…
Morgenstunde (1202. Blog-Notat)
Wie macht man das: in der Welt bleiben? Und wie behält man den Mut zu kleinen Ausflügen „in diese Welt“, wenn sie nicht gut gelingen? Wir versuchen wenigstens einmal die Woche gemeinsam vom Hof zu kommen, doch schon bei kleinen Belastungen streikt mein Kreislauf, weil die Organe und die Muskeln nicht genug Sauerstoff bekommen. Heute nahmen wir den Katzensprung über die Oder, um auf dem Polenmarkt Vollzutanken, Zigaretten und Butterkäse einzukaufen. Das Laufen in der Sonne vom Parkplatz zu den Ständen brachte mich schon nach schlapp 200 Metern ins Wanken, so dass wir unfreiwillig das nächstbeste Schnell-Restaurant betraten. Das Essen war mäßig, aber ich konnte die Krise aussitzen. Spaß geht anders…
Was aber wirklich wunderschön war – die Fahrt durch den großen Schorfheidewald zwischen Großen Döllnsee und Wuckersee, vorbei an den Torwächterhäuschen von Carin Hall, hinunter zur Judenbrücke und weiter auf dem Kopfsteinpflasterdamm nach Friedrichswalde… Die Luft war frisch und das Sattgrün streichelte die Seele. Hier wohnen viele meiner Märchen…
Moosgrün zum Beispiel:
Morgenstunde (1200. Blog-Notat)
Neue Woche, neues Glück? Naja, erstmal nur nächtens reingestolpert. An der Teppichkante hängengeblieben, mit rechten dem Arm auf dem Esstisch gelandet, um das Stolpern abzufangen. Ja schön, das war gelungen, aber nun ist der ganze Unterarm blau. Pergamenthaut (vom Kortison) hält keinen Stupser aus, sondern reagiert mit bizarren Einblutungen. Es könnte ruhig mal nix sein, aber es ist eben immer was…
Für ein paar Pinselstriche am Auftragswerk wirds reichen. Sibirische Tundra ist gewünscht, die tiefe Weite wird schon langsam, am Vordergrund ist noch zu arbeiten. Während der heißen Mittagsstunden ist dafür genug Gelegenheit. Dieser Sommer heizt uns allen mächtig ein, aber nicht nur wettermäßig. Es ist, als bräuchte es nur einen Funken durch „fremde Mächte“ (wie Dobrindt sie nennt), um den nächsten Weltkrieg zu entfachen. Eine seltsame Schwebe taumelt über der Jetztzeit.











