Morgenstunde (501. Blog-Notat)

Der Blumenmond zur Margeritenzeit.

Im Blumenmond wildern die Margeriten, ich mag sie nicht abmähen – wofür? Der Ort kleiner Gartenlesungen ruht das zweite Jahr still, abgesehen vom Vogelkonzert. Bei schwülen 28 Grad ging am Wochenende alles langsamer. Ein Kreuz für die Wildrosen mussten wir allerdings aufstellen, damit sie nicht unter ihrer Last brechen. Schön war es die ersten Radieschen zu ernten, aber selbst zum Grillen waren wir einfach zu matt. Als ich jung war, blühte ich bei solchen Temperaturen richtig auf, das ist längst anders geworden, heute bevorzuge ich bei Hitze Schattenplätze. Es wird eben alles anders im Alter und es gibt so Tage, da frage ich mich, was ich der Welt noch zu sagen habe. Ein Zweifel nagt, fällt meine Art zu denken nicht langsam aus der Zeit? Wer weiß, kann sein. Aber ich kann es nicht wirklich lange lassen, muss Geschichten schreiben. Andere Reisen…

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Morgenstunde (85. Blog-Notat)

Hier waren wir noch gestern: Im erzgebirgischen Landschaftsschutzgebiet “Oswaldtal”, liegt das Örtchen Waschleithe. Es gehört zu der Stadt Grünhain-Beiersfeld .

In aller Früh hab ich rasch Gemüse geerntet, bevor die große Glut das Land grillen wird. Zurück von einem Familienevent am Samstag, fanden wir das alte Häuschen, obgleich alle Jalousien heruntergelassen waren, stickig und aufgeheizt vor. Erst um Mitternacht sank die Raumtemperatur auf 25 Grad. Reisen ist in diesen Tagen wegen der unzähligen Baustellen- und Unfallstaus wahrhaft strapaziös, aber im südlichen Erzgebirge, war die Nacht unter dunklen Tannenbäumen noch kühl. Es war die erste Juli-Nacht, die mir einen Tiefschlaf schenkte. Daran wird diese Woche wohl kaum zu denken sein. Ehrlich, mir reichts, die Hitze ist absolut kontraproduktiv, frau schafft so gut wie gar nichts und wird darüber unleidlich. Was wollte ich im Juli alles erledigt haben… es ist nur ein bisschen Fummel-Kram geworden, keine großen Würfe. Wir kommen andere nur in dieser Hitze voran?
Anfang der 90er Jahre dachte ich nach der Wende in Ostdeutschland ernsthaft über Auswandern nach. Ich war fünf Wochen auf Kap Sunion, der Südspitze Attikas. Die Dolmetscherin, die meinen ersten Roman ins Griechische übersetzte, hatte in Legrena ein Sommerhäuschen. Dort kam ich unter und spürte den Möglichkeiten nach, aber ehrlich, die Hitze, der ewige blaue Himmel stimulieren eine norddeutsche Schreiberseele kein bisschen … Nach jenem Sommer machte ich mich als freischaffende Autorin und Malerin selbstständig und nahm mein Glück in die eigene Hand. Langsam wurde ich wieder heimisch und legte den Auswandergedanken ad acter. Auch, wenn es dauerte, bis Frau, Ostdeutsche, nicht mehr so jung, überhaupt wahrgenommen wurde. Nun denn: Eines ist seither gewiss, Hitze und Arbeiten verträgt sich für mich einfach nicht….

Eine Leseprobe aus dem ersten Roman, der nie im Deutschen, sondern nur auf Griechisch erschien, findert Ihr hier:

Die Nacht

Oder auch hier:

Buchcover
Foto: Petra Elsner

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Morgenwelk

Foto: Petra Elsner

Der Morgen torkelt noch in seinen Träumen
vom Glück und vom Vollkommen sein.
Doch fällt die Sommernacht schwer aus Bäumen,
wird das Erwachen nüchtern sein.
Der Sommer heizt das Leben an,
das schwitzt und ächzt welk durch den Tag.
Kein Lüftlein weht, kein Lustgesang,
bis die nächste schwüle Nacht wieder Hitzeträume webt.

 

© Petra Elsner
Juli 2018
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