Morgenstunde (1192. Blog-Notat)

Morgenschön. Das Licht schmeichelt den zarten Gartengestalten. Ich sitze leise, ein wenig matt im Hof und schaue den Spatzen beim Baden zu. Ganz versunken, bis Wolken aufziehen und Blätter über das Pflaster kreisen. Der stille Moment vor dem Tagwerk ist vergangen. Gedanken sortieren, was hast du jetzt vor? Was willst du noch erzählen? Der Pankower Maler Peter Becker erzählte mir als er 60 Jahre alt geworden war, er male nicht mehr, er habe genug geschaffen. Seine Tochter verkaufe sein Werk weiter, er schaue nur noch zu. Er war krank, die Hände zitterten, er hatte Parkinson. Aber er lächelte dazu ganz milde, keine Verbitterung, auch wenn ihm die Wende viel genommen hatte und diese dürren Jahre in seinem Hemd wohnten. Alles verweht mit der Zeit. Wenn man Kunstschaffender ist, muss man sein Wirken erst nehmen. Deshalb ist schwer, sich dabei nicht selbst so wichtig zu nehmen, erst recht, wenn es auf das Ende zugeht… der stille Peter konnte das.

Lyrik-Krümel

Foto: Lutz Reinhardt

Sanfter Morgen

Leise schleiche ich
mich aus der Nacht.
Es zieht mich
in den wilden Garten.
Sonnenflecken blinzeln sacht,
tanzen, funkeln, leuchten.
Beim Kaffee lausche ich ganz still
nach einem unscharfen Gedanken.
Noch greift der Tag nicht nach mir.
Schlägt kein Kummer an die Tür.
Da kann ich langsam sein.

 

© Petra Elsner

 

Lyrik-Krümel

Dezember

Spät im Jahr
flieht die Zeit
vollgeschrieben
ist der Kalender
ein Fest noch
einen Tanz
dann schweigt
die Stille sanft.

© Petra Elsner

Und hier geht’s zurück zum Adventskalender.

Lyrik-Krümel

Schneezeit

Gedämpftes Rollen
Leise Schritte
knirschen, knistern, knacken
über weiße Pisten
Die Stille hört zu
Die Zeit kommt zur Ruh‘
Endlich.

© Petra Elsner

Hier gehts zurück zum Adventskalender

Stille 2020

In kaltem Atem
ruht der Wald
Nebelgrau schwebt
er in der Landschaft
Kein Feuer brennt
für irgendwen
Kein Lied erwärmt
die Welt
Die Stille schleicht
durch den Kalender und
schließt das Jahr
verlogen schrill.
© Petra Elsner, 9. November 2020