Morgenstunde (1205. Blog-Notat)

Immer, wenn ich zu meinem Lungenarzt muss, habe ich Stress und der Blutdruck geht an die Decke. Vor allem, weil die neuen Werte mir dann sagen, was ich schon längst spüre: Das Atemvolumen schrumpft und also auch die Meter, die ich ohne Schwierigkeiten gehen kann usw. Ich wollte und will diesen Stress nicht mehr hinnehmen und habe mir im Frühsommer etwas ausgedacht. Wir sind außerhalb der Termine in der Finowfurter Praxis gefahren und ich habe einen dicken Briefumschlag an der Rezeption für meinen Arzt hinterlegt. Darin war eines meiner Bücher „Der Duft der warmen Zeit“ mit einer Karte und dem Spruch „Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!“ Ich dachte mir dabei, wenn ich das nächste Mal zu ihm muss, kann ich ja mir vorstellen: Endlich komme ich dazu, mir seine Reaktion abzuholen (und nicht ich MUSS heute…). 😊 Es ist nicht ganz aufgegangen, denn ich bekam sofort von ihm eine hocherfreute Mail und später noch eine, als er das Buch gelesen hatte. Die Verwandlung vom lebensschwachen Objekt zum Subjekt 😊Das war mein Ansinnen und vielleicht gelingt es mir so, die negativen Begleitemotionen umzuwandeln, wer weiß…

Das Buch gibt es übrigens noch im Handel, siehe hier.

Morgenstunde (1204. Blog-Notat)

Es war eine inspirierende Woche. Es gab Gurken und Tomaten im Garten, drei Froschwinzlinge am Teich. Ein Essen in Templin und 15 kleine Vorlesungen beim Online-Kongress „Lebensfreude statt Lebensfrust“ mit Prof. Hüther und seinen Gästen. Einiges war sehr spannend. Da ging es um Innere Verträge, Potenziale erkennen, um Neugierde und Mitgefühl und einen Satz von Verena König, der auch für Kranke stimulierend ist: Selbst, wenn ich… (z.B. den Berg nicht mehr hochkomme), so kann ich aber doch… (den Berg aus dem Tal ansehen). Die Hinzufügungen kann sich jeder selbst für sich suchen. Das erinnert mich an das Gedicht von Rose Ausländer:

Noch bist du da

Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

Ja, das muss ich mir immer wieder vergegenwärtigen. Nicht alles, was ich da beim Kongress zu hören bekam, hat mich gefesselt, aber es gibt immer wieder neue Einsichten. Bis Sonntag geht die Wissensvermehrung. Nachmittags hab ich dann doch noch meine Weihnachtsgeschichte für 2026 geschrieben. Mit dem Zeichnen dazu geht es weiter… Schönes Wochenende allerseits!

Morgenstunde (1203. Blog-Notat)

Ist es nicht herrlich, wenn die Hitze endlich abklingt? Pure Erleichterung macht sich breit. Hitze macht nachgewiesener Weise denkfaul, lustlos, langsam, konzentrationsschwach – krank, kränker… Hitze sorgt nicht nur für Kreislaufprobleme, sie schlägt eben auch aufs Hirn und wenn die Ü-30-Tage weiter zunehmen, schwächelt die komplette Jahresleistung. Jedenfalls bei Kindern, Alten und Kranken. Mich macht sie leer. Die Ideen verflüchtigen sich. Vor lauter Verzweiflung habe ich mir in der letzten Hitzewelle Weihnachtsfilme bei prime angesehen. Vorzugsweise Geschichten im Schnee… sorgten wenigstens für seelische Abkühlung 😊. Es ist die Dauer der Hitzewellen, die diesen Sommer für mich und viele andere so unerträglich machen. Deshalb glaube ich, wir müssen das Leben und Arbeiten in den Hitzewellen der Zukunft neu denken. Ideen wie Agroforst und Schwammstädte sind nur erste Ansätze…

Unsere Linde als dominanter Mutterbaum im Garten. Kaum beschnitten, bietet sie einen raumgreifenden Schattenplatz, der wie eine lichte Höhle wirkt.

Morgenstunde (1202. Blog-Notat)

Kurz vor Friedrichswalde auf der Döllner Straße…

Wie macht man das: in der Welt bleiben? Und wie behält man den Mut zu kleinen Ausflügen „in diese Welt“, wenn sie nicht gut gelingen? Wir versuchen wenigstens einmal die Woche gemeinsam vom Hof zu kommen, doch schon bei kleinen Belastungen streikt mein Kreislauf, weil die Organe und die Muskeln nicht genug Sauerstoff bekommen. Heute nahmen wir den Katzensprung über die Oder, um auf dem Polenmarkt Vollzutanken, Zigaretten und Butterkäse einzukaufen. Das Laufen in der Sonne vom Parkplatz zu den Ständen brachte mich schon nach schlapp 200 Metern ins Wanken, so dass wir unfreiwillig das nächstbeste Schnell-Restaurant betraten. Das Essen war mäßig, aber ich konnte die Krise aussitzen. Spaß geht anders…
Was aber wirklich wunderschön war – die Fahrt durch den großen Schorfheidewald zwischen Großen Döllnsee und Wuckersee, vorbei an den Torwächterhäuschen von Carin Hall, hinunter zur Judenbrücke und weiter auf dem Kopfsteinpflasterdamm nach Friedrichswalde… Die Luft war frisch und das Sattgrün streichelte die Seele. Hier wohnen viele meiner Märchen…

Moosgrün zum Beispiel:

Morgenstunde (1201. Blog-Notat)

Mir war heute, als wäre es ein träger Sonntag im August. Alles ging mir nur langsam von der Hand. So ist die Lebenszeit mit COPD. Es gibt ab und zu gute Tage, die anderen sind gezeichnet von allem Möglichen. Von Schwäche, von Kurzatmigkeit, von Brustkorbschmerzen … und manchmal ist eben all das auf einmal und an einem solchen Tag will ich einfach nur schlafen oder spielen. Hab mich für letzteres entschieden und ein Windschiffchen gebaut. Zum Spaß. Das Segel ist ein Cartoon-Ausschnitt auf Transparentpapier gedruckt, der nun laminiert über einem Treibholz flattert. Ich werde noch ein paar Kleinere fertigen, bei denen das „Schiffchen“ aus einem Lindenhölzchen geschnitten sein wird. Irgendwann die Tage, wenn ich mal wieder eine Spielzeit brauche. Habt einen schönen Abend alle miteinander…

Morgenstunde (1200. Blog-Notat)

Neue Woche, neues Glück? Naja, erstmal nur nächtens reingestolpert. An der Teppichkante hängengeblieben, mit rechten dem Arm auf dem Esstisch gelandet, um das Stolpern abzufangen. Ja schön, das war gelungen, aber nun ist der ganze Unterarm blau. Pergamenthaut (vom Kortison) hält keinen Stupser aus, sondern reagiert mit bizarren Einblutungen. Es könnte ruhig mal nix sein, aber es ist eben immer was…
Für ein paar Pinselstriche am Auftragswerk wirds reichen. Sibirische Tundra ist gewünscht, die tiefe Weite wird schon langsam, am Vordergrund ist noch zu arbeiten. Während der heißen Mittagsstunden ist dafür genug Gelegenheit. Dieser Sommer heizt uns allen mächtig ein, aber nicht nur wettermäßig. Es ist, als bräuchte es nur einen Funken durch „fremde Mächte“ (wie Dobrindt sie nennt), um den nächsten Weltkrieg zu entfachen. Eine seltsame Schwebe taumelt über der Jetztzeit.

Morgenstunde (1197- Blog-Notat)

Am Morgen, als die Temperaturen noch erträglich waren, saß ich auf meinem kleinen Gartenwagen und schnitt das wuchernde Gras vom Teichufer, in dem sich lange Fadenalgen verfangen hatten. Einen Meter Ufer lang in gebeugter Haltung, dann hatte ich mir einen Lungenzipfel eingeklemmt und aus wars mit der mühseligen Verrichtung. Morgen kommen bunte Teichschnecken, die sollen diese Algen zum Fressen lieben, wer’s glaubt wir selig, aber wir probieren das mal (wieder). Was war der Teich früher immer hübsch frisiert, jetzt trägt er den Schopf vom Struwwelpeter. Man kann im Älterwerden eben nicht alles in Bestform halten. Was solls, wird’s wohl ein Sumpfrevier… Schön war dann aber doch, dass die Auftraggebende heute endlich das von mir entworfene Firmenlogo nach fünf Wochen bestätigte und schwärmte, dass der Honig tropfte. Ich bin erleichtert, dass es passt! Zeigen kann ich es naturgemäß nicht, denn das Logo ist ja noch nicht gesichert, aber ich habe es vom Tisch…

Morgenstunde (1193. Blog-Notat)

Zurück in meinem Kramladen, hab ich zwei Tage nach der Tour nach Güstrow meinen Blutdruck eingefangen und schaue wieder besser aus der Wäsche. Es ist schon grenzwertig, wie sehr ein paar wenige Anstrengungen das ganze alte Haus zum Wackeln bringen. Da treibt eins das andere an… Dieser Umstand verlangt den Rückzug aus dem öffentlichen Leben und ja, dass vermisse ich doch sehr. Will die Tage etwas mit einem neuen FLYER-KUNST-BUCH experimentieren, dass ist das sozusagen eine selbst verordnete Freude, die die Überlebenslust stärkt….

Morgenstunde (1192. Blog-Notat)

Morgenschön. Das Licht schmeichelt den zarten Gartengestalten. Ich sitze leise, ein wenig matt im Hof und schaue den Spatzen beim Baden zu. Ganz versunken, bis Wolken aufziehen und Blätter über das Pflaster kreisen. Der stille Moment vor dem Tagwerk ist vergangen. Gedanken sortieren, was hast du jetzt vor? Was willst du noch erzählen? Der Pankower Maler Peter Becker erzählte mir als er 60 Jahre alt geworden war, er male nicht mehr, er habe genug geschaffen. Seine Tochter verkaufe sein Werk weiter, er schaue nur noch zu. Er war krank, die Hände zitterten, er hatte Parkinson. Aber er lächelte dazu ganz milde, keine Verbitterung, auch wenn ihm die Wende viel genommen hatte und diese dürren Jahre in seinem Hemd wohnten. Alles verweht mit der Zeit. Wenn man Kunstschaffender ist, muss man sein Wirken erst nehmen. Deshalb ist schwer, sich dabei nicht selbst so wichtig zu nehmen, erst recht, wenn es auf das Ende zugeht… der stille Peter konnte das.

Morgenstunde (1191. Blog-Notat)

Nachdem die Galeriekiste gepackt war, sind wir heute alles ignorierend nach Güstrow aufgebrochen. Im Grunde weiß ich ja, reisefähig bin ich nicht mehr so recht. Meine Fahrmeise trieb natürlich wieder den Blutdruck an, als wir in der Galerie 21 ankamen, stand ich hochrot auf sehr wackligen Beinen. Es gab trotzdem ein gutes Kennenlerngespräch mit der Galeristin Kersten Klevenow. Sie nahm meine komplette Vorauswahl an sich, alles schöne Dinge, die erschwinglich sind. Die Zeiten sind so. Zurück bis zum Auto waren es keine 50 Meter, aber ich musste alle paar Schritte stehen bleiben. Im Auto maß der Blutdruck über 200. Meine Güte, das bisschen war schon zu viel Anstrengung. Ich warf Tabletten und los gings. In Mirow nahmen wir eine Mahlzeit beim Italiener, ich spürte, wie der Druck langsam nachließ. Zuhause angekommen fand ich auf dem Atelierfensterbrett eine Schüssel voll Klaräpfel von Gertrud und Horst vor, was hab ich mich darüber gefreut 😊Ich danke sehr…