Da waren wir wieder einmal bei einer Lesung im sehr engen Kreis beieinander. Das Museum hoffte auf Frost, der die Leute ins Haus bringt, aber bei frühlingshaften Temperaturen war es wohl soooo schön im Lichtermeer des benachbarten Weihnachtsmarktes. Nun denn, auf ein Neues…
Morgen, am 2. Adventssonntag lese ich im Museum Eberswalde ab 15.30 Uhr die schönsten Sagen des Barnims vor. Ich habe die alten Quellen sprachlich und logisch bearbeitet, hier und da Gestalt gebende Akzente und spannende Handlungen hinzugefügt, um sie in einer leichten poetischen, gut lesbaren Sprache dem regionalen Kulturgut modernisiert zu überlassen.
Das Wetter passt zur Stimmung im Land. Aber irgendwann: Kiste aus, die Hiobsbotschaften blieben heute draußen. Der erste schwere Herbstregen im Dunkelgrau des Tages lässt meine Weihnachtsgeschichte für 2015 fließen. Jetzt ist sie fertig, auch die kleine Vignette dazu, am 24. Dezember könnt Ihr sie hier lesen. Jetzt kommt nur Schnappschuss davon.
Auf dem Schreibtisch der Weihnachtsfrau … Foto: pe
Dies war der 500. Beitrag im Blog „Schorfheidewald“…
Heute kommt einfach mal nur ein medialer Falter aus meinem Lesegarten, der mit den vielen anderen Sprücheklopfern jetzt „eingemottet“ Winterpause hält. Ein weiser Vogel:
Das graue Wassermännlein Zeichnung von Petra Elsner
An einen späten Abend klopfte ein kleines, graues Männlein an die Hoftür eines Bauern in Althüttendorf. Die sonderbare Gestalt bat um ein Nachtquartier. Weil der Bauer arm war, konnte er nur seine Ofenbank oder den Heuschober als Lager anbieten. Doch das Männlein lehnte ab. Ein kühleres Plätzchen am Wasser wäre ihm viel lieber. Da spöttelte der Bauer: „Ja, wenn das so ist, kannst du ja in den Brunnentrog schlüpfen oder dich einfach am Weiher niederlegen.“ Das Männlein dankte, lief zum Weiher und vergrub sich dort zwischen den grünen Binsen, wie in einem Heuhaufen unterm Sternenhimmel. Der Bauer staunte am nächsten Morgen nicht schlecht, als das Männlein vollkommen trocken seinem ungewöhnlichen Nachtlager entstieg. Auf den verwunderten Blick seines Gastgebers hin fragte die graue Gestalt: „Hast du noch nie ein Wassermännlein gesehen? Dann schau genau hin, denn es könnten hundert oder gar aberhundert Jahre vergehen, bis einer von meiner Art wieder auf Erden weilt.“
Der Bauer war beeindruckt und fragte sodann: „Und wohin willst du jetzt aufbrechen?“ Da seufzte das graue Männlein: „Mir ist mein Weibchen verloren gegangen, ich will es heute am Grimnitzsee suchen. Kannst du mich ein bisschen begleiten?“ Der Bauer nickte und begab sich mit seinem Gast auf den Weg. Der Himmel hing tief und grau über dem weiten, flachen Gewässer, als das graue Männlein dem Bauern herzlich dankte und in die Wellen stieg. Zu guter Letzt rief es noch: „Warte auf mich und gehe erst, wenn du mein Zeichen siehst!“ Der Bauer starrte eine halbe Stunde auf den silbern schimmernden See. Da plötzlich tauchte der Wanderstab des Wassermännleins über der Mitte des Sees auf, sprang hoch in die Luft und verschwand wieder unter der Wasseroberfläche. Der Bauer lächelte. Da hatte sein freundlicher Gast seine Liebe wiedergefunden, und er konnte beruhigt heimgehen.
(Nach Rudolf Schmidt, Sagenschatz des uckermärkischen Kreises Angermünde, 1920, aufgefrischt von Petra Elsner)
Der Herbst bäumt sich ein letztes Mal
zu einem großen Leuchten auf.
Und doch beklagt er indem auch,
den Niedergang der lichten, grünen Zeit.
Im Blumenmond sang ich Euch Anfang Mai,
ein Lied vom Duft der warmen Zeit.
Die hat sich jetzt verkrochen,
für eine kalte Ewigkeit …
Petra Elsner liest im Blumenmond zum Atelierfest, Mai 2015Der welke Blumenmond im Spätherbst.
Es war ein spätsommerlicher Tag, goldener Oktober vom aller Feinsten. Dass trotzdem 22 Besucher in die Zehdenicker Klosterscheune kamen, grenzte schon an ein kleines Wunder, zu verlockend war das Draußen: Schippern auf der Havel, Garten beschneiden, Laub harken, Oktoberfest feiern … Jene, die kamen, hatten (glaube ich) eine Stunde und zehn Minuten lang eine Lesung, die offenbar gut ankam, denn die meisten Gäste haben ein Buch mitgenommen, was will frau mehr?
Das Portal.Die Gäste sortieren sich.Kurz nach der Lesung (einigermaßen platt …)
Der Tag ist ran und ich hocke bei einer Tasse Infektanflugstee (zu gleichen Teilen: Königskerzenblüten, Isländisches Moos, Lindenblüten und Schafgabe) und hoffe, es ist nur Psycho, denn natürlich hab ich vor Lesungen die große Flatter. Aber das legt sich nach dem ersten Absatz. Bin gespannt, wer heute Nachmittag (16 Uhr) in die Zehdenicker Klosterscheune kommt, um meiner Buch-Lesung zu lauschen, es wird eine unterhaltsame Stunde werden – versprochen.
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