Willkommen im Blog „Schorfheidewald“. Nachdem ich gut zwei Jahre ein Blog bei WordPress als Fenster zur Welt probiert habe, wurde es Zeit, die Möglichkeiten für das Design zu erweitern. Ansonsten bleibt alles, wie es ist. Das Blog gibt Einblicke in mein alltägliches Schaffen im Atelier. Darüber hinaus erzählt „Schorfheidewald“ in Reportagen und Porträts von Menschen aus dem Norden Brandenburgs.
Eine Lesekostprobe zur Lesung am 6. März 2016, 15 Uhr, im Jagdschloss Groß Schönebeck (Schorfheide):
Zeichnung: Petra Elsner
Immer, wenn Ina sich entspannt für einen Termin entscheidet – irgendjemandem zum Geburtstagsbrunch zusagt oder zu einem literarisch-musikalischen Abend, kommt irgendwer daher und schiebt sich exakt mit seiner wichtigen Veranstaltung auf dieses freundliche oder festliche Datum. Am 4. wird Freundin Sabine 40 Jahre alt und nun trötet der Briefkasten gehässig: „Ätsch, ich hab‘ hier noch eine Einladung des örtlichen Kulturvereins, genau zum 4. – mit einem großen, unausgesprochenen, aber gut fühlbaren MUSS versiegelt.“ Der Tag hat plötzlich eine Delle, ein blaues Auge, und Ina mag gar nicht mehr in diese sommerliche Kalenderzeile schauen, denn die suggeriert jetzt Stress. Sie ist schlicht sauer, dass jemand es wagt, in ihren Kalender zu spucken. Ihr mit seiner kurzentschlossenen Wichtigkeit ein schlechtes Gewissen zu impfen, denn nun muss sich Ina neu entscheiden, zwischen Fest und Notwendigkeit. Und die Zeit als unbekannte Dimension tickt augenblicklich schneller, und schneller und schon ist es geschehen: Die gehetzte Variante von Ina erscheint.
Und weil die Zeit sich nicht verdoppelt und Ina immer vom Ernst des Lebens überrannt wird, kommt sie kaum noch zum Feiern. Das geschieht selbst in dem stillen Land, obgleich es doch den Stempel der gedehnten Zeit trägt. Und was ist mit Sex? Die gehetzte Variante von Ina hat keinen, denn Stress macht lustlos.
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Die zierliche Kindfrau balancierte lange auf extrem hohen High Heels von Termin zu Termin, um körperlich auf Augenhöhe jener Kerle zu sein, die die Verträge vergeben. Sie arbeitete eigentlich immer. Die Gedanken streng bei der Sache, strategisch und effizient in allem, was die gut gestylte PR-Frau auch tat. Erst nach dem zweiten oder dritten Weinschoppen konnte sie am Abend ihre fixierten Gedanken loslassen und vielleicht in die Weite schweifen. Aber für Sex war sie jetzt einfach viel zu müde, zumal es keinen festen Mann in dem Leben der Zarten gab, nur diese Sommerliaison mit Micha.
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Der Physiker war wie sie zeitlos unterwegs. Aber wenn der Sommer zur Hochzeit anstimmte, packte Micha seine Badehose ein und fuhr für drei Wochen aufs Land zu Tante Beate. Er hackte und stapelte ihr in dieser Zeit das Holz für den Winter, und sie verköstigte ihn dafür.
Abends schaukelte Micha mit seinen Gedanken in der Hängematte zwischen zwei Bäumen. Er döste sich im Nachtblau von Stern zu Stern und dann hinein in die Sommermilchstraße von Gasnebel zu Sternenhaufen, als wäre er der Held in Douglas Adams Zukunftsrausch „Per Anhalter durch die Galaxis“. Er liebte dessen Spruch: „Keine Panik!“ und scharfe Getränke im Bademantel. Am dritten, vierten Ferientag zog es Micha ins Templiner Kino, dort traf er sie – magisch von ihr angezogen.
Wenn Micha auftauchte, nahm Ina spontan eine Auszeit. Sie schlief in den Tag, pflegte sich und perlte erwartungsvoll die verführerische Variante von Ina hervor, für die pure Lust im Heu oder in Beates Rosenbettwäsche. Seit fünf Jahren ging das schon so. Micha und Ina trafen sich sonnabends auf der Terrasse zum Jazz wie ein Tanzpaar für ein paar Sommerwochen, stolz und schön, ohne irgendein Versprechen. Sie zehrten beide davon das ganze nächste Jahr – zwei Rastlose auf dem Weg zum Workaholic-Dasein. Doch etwas war anders in diesem Sommer.
mit dem März verknüpft, dann kann ich auch wieder Geschichten vom Duft der warmen Zeit lesen. Die Orte des Geschehens sind total regional. Bitte schon mal vormerken oder Karten für die Lesung am 6. März 2016 im Jagdschloss Groß Schönebeck ordern, es wär‘ mir eine Freude …
Die CD „Sagenhafter Barnim“ ist fein geworden. Heute steckte sie als Beleg in meinem Briefkasten. Elf meiner Sagenbearbeitungen sind darauf zu hören, eine habe ich selbst eingesprochen. Der Förderverein des Hospizes in Eberswalde hat gemeinsam mit dem ODF diese gelungene Hörspiel-CD produziert, deren Verkauf zu 100 Prozent der Unterstützung des Hospizes am Drachenkopf sowie des ambulanten Hospizdienstes im Barnim und der Uckermark zugute kommt.
… heute brauche ich mal wieder einen von meinen Schutzengeln, denn gleich brechen wir auf zu meiner Lesung „Sagen und sagenhafte Geschichten aus und für den Barnim“, 19. Januar,19 Uhr, im Il Castello in Eberswalde … Wie immer habe ich Lampenfieber, weil frau ja nie weiß, wer oder was sie erwartet….
Winter im Lesegarten: Die Märchen schlummern jetzt unter dem frischen Schnee. Aber am 8. Mai 2016 werden sie wieder ganz präsent sein – zum Saisonstart bei Brandenburgs Tagen der offenen Ateliers. Vielleicht schon mal vormerken? Zwischen 11 und 18 Uhr gibt es auf dem Künstlerhof wieder eine Bilderschau in Haus und Garten. Auch eine Hoflesung zum Sonntagskaffee biete ich wieder eintrittsfrei an.
wissend, dass es auch anders kommen kann, bin ich zuversichtlich und wünsche uns allen: 2016 soll ein gutes Jahr für uns sein! Möge der dünne Frieden im Land halten.
In der Stille dieser Stunden, die Ende und Anfang markieren, sind sie entstanden,
die Rabenkaten 12, 13 und 14. Darf ich vorstellen:
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