Druckfrisches am Vorabend zum OFFENEN ATELIER

Das Cover zum druckfrischen Buch.

Am Vorabend zum OFFENEN ATELIER sind wir wirklich froh. Was zu tun war, ist getan und zu guter Letzt traf auch noch das lang erwartetet Sagenbuch aus Angermünde ein. Die Verlagsbuchhandlung hat meine Sagenbearbeitungen aufgegriffen und zu einem  schönen Buch (19.99 Euro) gestaltet. Sozusagen nach  meiner auf 100 Stück limitierten handgebundenen Ausgabe “Sagenhaftes”, ist das die professionell gedruckte Variante. Da gibt es morgen etwas Nigel nagelneues zu bestaunen …

Die Doppelstele mit Schorfheidemärchen.

Das Quartier ist soweit gerichtet. Das Zelt steht, 20 Liter Pfadfindersuppe sind gekocht, die Textbanner hängen schon in den Stelen. Die Hofstaffelleien sind zusammengeschraubt. Der Rest kann erst morgen früh verrichtet werden. Um 11 Uhr, schließen wir auf …

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Sagenhafter Barnim (24)

Die versunkene Stadt im Werbellinsee. Zeichnung: Petra Elsner
Die versunkene Stadt im Werbellinsee.
Zeichnung: Petra Elsner

Die versunkene Stadt im Werbellinsee:

Einer uralten Sage nach, gab es dort, wo heute der Werbellinsee mit seinem lichten Wasser in der Landschaft liegt, einst die wunderschöne Stadt Werbelow.  In ihrer Mitte erhob sich ein prächtiges Schloss, das von einem Wassergraben umgeben war. Hinein gelangte man nur über eine Zugbrücke. Auf dem Schloss herrsche ein böser Zauberer, der die Stadtbewohner mit unermesslichem Reichtum verdarb. Die Sitten verkamen und die Herzen der Menschen wurden schließlich hart. Eines Tages kam eine alte Frau mit der Bitte um etwas Brot an die Zugbrücke. Doch die Wächter schubsten sie pöbelnd beiseite. Der Schlossherr öffnete sein Turmfenster und rief ihr verächtlich zu, sie solle sich davon scheren. Die Frau verdunkelte sich und sprach: „Ich will zurückgehen, aber du sollst untergehen!“ Während sie ging, begegnete ihr ein Fremder, der ihr einen Kanten Brot zusteckte. Die Frau sah den gottesfürchtigen Mann dankbar an und murmelte: „Kehre um. Verlasse diesen Ort so schnell du kannst, denn er wird untergehen.“ Der Mann zweifelte nicht, denn er erkannte die magische Kraft der Alten. So fragte er nicht lange und verließ umgehend mit seinem Diener Werbelow. Doch als sie auf dem Berge angekommen waren, vermisste der Reisende sein Felleisen. Er hatte den Ledersack bei einem Marktstand unweit der Zugbrücke vergessen. Darum schickte er den Diener noch einmal zurück. Doch jener kam nicht weit. Dort, wo eben noch die ersten Pfahlhäuser der Stadt standen, erstreckte sich ein See soweit das Auge schauen konnte. Und während der Mann erschrocken auf den See starrte, hörte er aus den Tiefen des Wassers den allerletzten Schlag der Kirchturmglocke, bevor Totenstille über der Landschaft lag.

(Nach Adalbert Kuhn: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin 1843, aufgefrischt und verdichtet von Petra Elsner)

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Sagenhafter Barnim

Die Sagenbearbeitung:

Der Teufel vom Mühlentor

Der Teufel vom Mühlentor. Zeichnung von Petra Elsner
Der Teufel vom Mühlentor.
Zeichnung von Petra Elsner

In einer Zeit, als in Bernau noch das alte Mühlentor stand, lebte in einem der geduckten Häuschen an der Hohen-Stein-Straße der Torwächter mit seiner Familie. Die Stadt bezahlte den Mann für seine Dienste nicht besonders gut. Um sein Einkommen aufzubessern, schaffte er sich einen Ziegenbock an. Das war so ein Prachtexemplar mit großen Hörnern, leuchtend grünen Augen, einem langen Ziegenbart und einem seidig glänzenden schwarzen Fell. Der fleißige Bock beglückte fortan die über 900 Ziegen in der Stadt, und der Torwächter bekam dafür von den Ziegenbesitzern ein paar Silberlinge.  Allerdings war der Bock ein freiheitsliebendes Tier und riss ab und zu aus.
An einem Tag im milden Altweibersommer war der Küster von Ladeburg nach Bernau unterwegs. Er trug schwer an seinem Rucksack, in dem Tonkruken leise beim Gehen zusammenstießen. Er lächelte bei diesem Klang voller Vorfreude in sich hinein, denn  die Wochenration Kornbrand für sich und seine Freunde hatte er schon verkostet. Das hob seine Stimmung. Doch der Weg war weit, die Sonne brannte und der Durst des Küsters wurde größer. So kam es, dass er am Rollberg angekommen schwer torkelte und die Beine ihn nicht mehr weiter tragen wollten. Da gönnte sich der Küster ein Schläfchen im hohen Gras am Straßenrand. Erst im letzten fahlen Licht des Tages erwachte er wieder, denn etwas berührte ihn. Als er die Augen aufschlug, erschrak sich der verwirrte Zecher: Grüne Augen starrten ihn an und ein schwarzer Bart fuhr ihn durchs Gesicht. Mächtige Hörner drohten ihn zu stechen und ein fauler Atem schlug ihm entgegen. Der Küster schrie in Todesangst: „Herrje, der Leibhaftige!“ Er wand sich aus diesem schaurigen Anblick, sprang auf die wankenden Beine und stolperte mit rasendem Herzen in die Dunkelheit. Der erste Schritt stieß den Rucksack um und die Kornkrucken zerbrachen. Der Küster ließ alles stehen und liegen. Er rannte  vollkommen aufgelöst durch die Nacht. Keuchend erreichte er schließlich Ladeburg und erschreckte seine Freunde mit dem wildem Ruf: „Der Teufel, der Teufel!”
Indes war der Torwächter auf der Suche nach seinem wieder einmal flüchtigen Bock. Er lief wallauf, wallab, durchsuchte den Park, sah in der Lehmkute am Mühlenberg nach; auch an den Tümpeln hinter dem Georgenhospital war das Tier nicht zu finden. Der Torwächter fluchte und stapfte missmutig weiter zur Ladeburger Straße. Dort blitzte plötzlich im Straßengraben etwas Helles und daneben atmete etwas. Der Torwächter erkannte seinen Bock, der mit dem Kopf in den Scherben lag. Erschrocken kniete er nieder und bemerkte,  das Tier schlief nur, aber stank wie eine Schnapsbrennerei. Dankbar murmelte der Mann:  „Nur besoffen ist der Schwarze! Na, dann will ich mal den Handwagen holen.”
Wenn der Torwächter von nun an seinen schwarzen Bock suchte, fand er ihn stets genau an dieser Stelle am Rollberg vor.
(Nach Rudolf Bügel, verdichtet und aufgefrischt von Petra Elsner)

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Sagenhafter Barnim

Schlangen in Bernau Zeichnung: Petra Elsner
Schlangen in Bernau
Zeichnung: Petra Elsner

Die Schlangen und die Bürgerglocke von Bernau:

Vorzeiten wimmelte es in der offenen Feldmark rund um die mittelalterliche Stadt Bernau von Nattern und Schlangen. Um die Bekämpfung der Plage zu besprechen, sollte die gesamte Bürgerschaft zusammengerufen werden. Jedoch war die Stadt so angewachsen, dass es eine Glocke brauchte, alle Bewohner hörbar zu rufen. Doch so eine Glocke besaß Bernau damals noch nicht. Das sollte sich ändern und so wurden die Bernauer gebeten, all ihr wertvolles Metall, gleich ob als Gefäß oder Schmuckstück dem Unterfangen zu spenden.
Die meisten Bürger ließen sich nicht lumpen und trugen ihre Schätze herbei, damit der große Glockenguss gelingen konnte. Als schon die glühend heiße Gussmasse blubberte und brodelte, trat eine als Hexe verschriene Alte an den gewaltigen Trog. Die Bürger sahen die Gestalt mit Unbehagen, was nicht besser wurde, als sie mit gehobener Stimme einen Zauber zu sprechen begann: „Schlangen und Nattern werden verschwinden, soweit der Klang der Glocke reicht. Ohne Schlangen und Nattern wird die Gegend sein!“ Während sie sprach öffnete sie ihr Bündel, in dem sich eine Kreuzotter und einer Ringelnatter wanden. Die warf die Frau beim letzten Ton ihres Spruchs in den siedenden Guss. Den Menschen war es nicht wohl bei diesem Anblick, aber als die Glocke im Kirchturm hing und angeschlagen wurde, verschwanden mit ihrem Läuten Schlangen und Nattern hinaus in die Flur, soweit der helle Glockenklang vernehmbar war. Als allerdings über die Zeit die Bürgerglocke einen Riss bekam, kehrte das Gewimmel zurück, doch nur solange, bis 1649 eben diese Glocke umgegossen wurde. Nach dem ersten Glockenschlag verkrochen sich abermals die ungeliebten Tiere.

(Nach Adalbert Kuhn: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin 1843, aufgefrischt und erweitert von Petra Elsner)

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Sagenhafter Barnim (22) Die Sagenbearbeitung der Woche

Die Riesen am Parsteinsee

Das Hünenmädchen am Parsteinsee. Zeichnung: Petra Elsner
Das Hünenmädchen am Parsteinsee.
Zeichnung: Petra Elsner

Man sagt, am Parsteinsee lebten vorzeiten wilde Riesen. Sie seien um etliches größer gewesen als alle ihre Nachkommen. Diese mächtigen Hünen warfen oft gelangweilt mit Felsbrocken um sich und hinterließen bei ihren kraftvollen Steinwürfen immerwährende Fußabdrücke. Alle Berge haben sie geschaffen, tiefe Schluchten und selbst die Landseen gruben sie mühelos aus. Weil die meisten Riesen vom Naturell her eher faul waren, bauten sie sich später viele Abkürzungen in die Landschaft.
Am Parsteinsee kann man noch die Überreste eines solchen Bauwerks erkennen, dass einst ein Hünenmädchen unvollendet hinterließ. Es war gut 60 Fuß hoch und wollte sich einen Damm aufschütten, der es trockenen Fußes von Bölkendorf nach Brodowin bringen würde. Das Hünenmädchen schleppte zwei Schützen voller steiniger Erde herbei und warf je eine Last an beiden Uferseiten ab. Diese Aufschüttungen sind bis in die heutige Zeit als Landzungen gut erkennbar. Als die junge Riesin jedoch zum der dritten Mal mit einer Ladung Erde am See eintraf, stolperte sie und fiel so hart, dass sie sich ein Bein brach. Im Fallen flog die Erde schwungvoll mitten in den See, und aus der Schürzenladung wurde die Insel Parsteinwerder.

(Nach Peter K. Stumpf, aufgefrischt und erweitert von Petra Elsner)

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Sagenhafter Barnim (21)

Die weiße Frau im Rehdanzbruch:

Die weiße Frau im Rehdanzbruch Zeichnung: Petra Elsner
Die weiße Frau im Rehdanzbruch
Zeichnung: Petra Elsner

Am himmelblauen Werbellinsee zwischen Joachimsthal und Cöllnischem Teerofen liegt ein Bruch, dass die Leute das Rehdanzbruch nennen. Dort sieht man an einer Stelle eine kleine Senke, in der immer Wasser steht. Die Lache ähnelt einem Scheffelmaß, das man zum vermessen von Korn benutzte. Immer wieder versuchte man dieses Loch zuzuschütten. Doch wie viel Sand und schwere Steine man auch in den Schlund gab, jedes Mal gluckste sogleich das Wasser wieder hervor und schuf sich eine neue Mulde. Die Leute munkeln: Im Bruch hockt eine wunderschöne Jungfer, die endlich erlöst werden will. Manchem jungen Mann sei sie schon erschienen – in weißen Tüchern, aber niemand nahm sie zu sich.
Einmal arbeitete ein Knecht auf der nahen Kuhweide. Er setzte Pflöcke den ganzen langen Sommertag. Müde von der schweren Arbeit, gönnte er sich ein Schläfchen und darüber wurde es Nacht. Als er unter dem Mond erwachte, erschien in Sichtweite eine weiß gekleidete Gestalt mit langen, rabenschwarzen Haaren. Langsam näherte sie sich seinem Lager und winkte ihm dabei dreimal, als wollte sie ihn zu sich locken. Aber der Knecht reagierte nicht, denn er mochte keine dunkelhaarigen Frauen. Schon gar nicht, wenn sie nachts in der Landschaft herumspuken. So blieb der Knecht reglos sitzen. Da kehrte die weiße Frau schlagartig um und ging zu jener Stelle zurück, an der sich das Wasserloch befand. Dort verschluckte sie das Dunkel. Dem Knecht war das egal. Er legte sich ins Gras und schaute in den Sternenhimmel. Kaum später wehte das Winseln der verschmähten Jungfrau durch die Nacht. Das vertrieb den Nachtschwärmer endgültig von diesem Ort.
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Sagenhafter Barnim (20)

Die Wunderblume am Lieper Damm:

Die Wunderblume am Lieper Damm Zeichnung von Petra Elsner
Die Wunderblume am Lieper Damm
Zeichnung von Petra Elsner

Vor Zeiten war der Schiffer Friede Sievertsberg mit einer Kahnladung Bretter unterwegs. Am Abend legte er beim Lieper Damm an, um sich im Krug ein Nachtmahl und ein paar Bierchen zu gönnen. Gegen Mitternacht kehrte er zu seinem Kahn zurück. Doch als er schon ganz nah an seinem Anlegeplatz war, sah er über seiner Ladung eine dürre, weiße Gestalt hin und her schweben. Er rieb sich die Augen. Doch nein, er hatte nicht zu viel getrunken. Der Schiffer erblickte wirklich eine helle Gestalt, die etwas zu suchen schien. Ein Weilchen ließ er den Spuk gewähren, verlor ihn aber nicht aus den Augen. Währenddessen wechselte die Gestalt ihre Farben und leuchtete mal Kristall-Weiß, dann blass Gelb und schließlich kräftig Blau. Inzwischen stand der blaue Geist am Steuer und drehte es nach Osten. Da musste der Schiffer einschreiten. Er pfiff beherzt einen scharfen Ton zwischen zwei Fingern und augenblicklich war die Gestalt vom Lastkahn verschwunden. Vorsichtig schritt der Schiffer seine Ladung ab. Doch so genau er auch suchte, er fand keine Schaden und keinen Grund für die nächtliche Spukerei.
Anderntags durchstöberte er nochmals den ganzen Kahn und musterte dabei jeden Zentimeter. Plötzlich entdeckte er höchst erschrocken einen Riss im Kahn, knapp über der Wasserlinie. Unentdeckt hätte seine Weiterfahrt gewiss schlimm geendet.
Wochen später ging der Schiffer an einem schönen Sonntag von Niederfinow durch die duftenden Wiesen am Lieper Damm. Als er zu der Stelle gelangte, wo er nachts auf das Gespenst getroffen war, fand er an jenem Anlegeplatz eine wundersame Blume. Die leuchtete wie die Geistergestalt in wechselnden Farben. Der Schiffer staunte verwundert die Pflanze an, während ein Schäfer betulich seine Herde heran trieb. Das besondere Farbenspiel der Blüte sah auch der Schäfer, der sich nun zu dem Schiffer hockte. Der erzählte nun die erlebte Schauergeschichte, die er bisher keinem verraten hatte. Es war der Schäfer, der die Geschichte immer weiter erzählte. Seither heiß die Wunderblume am Lieper Damm “Schäferblume“. Nur Sonntagskindern ist es vergönnt, sie zu sehen. Man sagt der zarten Pflanze nach, dass sie jenen Geist verkörpere, der einst den Schiffer Friede Sievertsberg vor dem sicheren Untergang gerettet habe.

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Sagenhafter Barnim (19)

Die Schätze im Teufelsberg:

Die Schätze im Teufelsberg Zeichnung: Petra Elsner
Die Schätze im Teufelsberg
Zeichnung: Petra Elsner

Zwischen Liepe und Oderberg liegen der Blocksberg, der Teufelsberg und der Schlossberg. Man munkelt, in der Schlucht zwischen den beiden letzten geschehen unheimliche Dinge. Dort kam eines Abends ein Fischer von Niederfinow vorbeigeschippert und wollte am Teufelsberg ein wenig verschnaufen. Als er seinen Kahn sicher an Land hatte, kam hastig ein schwarz gekleideter Mann den abschüssigen Pfand hinunter gelaufen. „Komm mit, du kannst dir Geld holen“, rief er ihm zu. Der Fischer schwankte zwischen Vorsicht und Versuchung, folgte aber schließlich neugierig dem Fremden. Der führte ihn geradewegs in die Schlucht. Der Fischer staunte, als er plötzlich vor vielen mit Gold gefüllten Fässern stand. Der Fremde sagte zu ihm: „Nimm dir eines“ und verschwand augenblicklich im grünen Dickicht. Der Fischer rieb sich erfreut die Hände und packte zu. Als er mit der Tonne beim Kahn angelangt war, dachte er bei sich: Der seltsame Mann ist verschwunden, da kann ich mir ja noch eine zweite Tonne holen. Getrieben von Gier rannte er los. Als er schnaufend mit der zweiten Tonne eintraf, war die erste Tonne fort. Herrje, was für ein Spuk, dachte der Fischer, wollte aber die erste Tonne nicht verschmerzen und holte sich noch eine dritte. Zurück am Ufer, war auch die zweite Tonne verschwunden. Da sprang den Fischer die Angst an und er sah, dass er davon kam. Wie er jedoch von Land abstieß, hockte der schwarze Mann mit stechendem Blick in der Bootsspitze. Der Fischer ruderte so schnell er konnte heimwärts. Kurz vor dem Eintreffen drehte er den Kahn, so dass die Spitze mit dem schwarzen Mann vom Land weg in Wasser zeigte. Der Fischer sprang auf das rettende Land und der Dunkelmann wetterte: „Das war dein Glück, dass du mich nicht zuerst an Land gelassen hast. Du wärst mit Fass und Kahn versunken. Weil du aber so habgierig warst, hast du nun statt Gold oder Silber, was in den ersten beiden Tonnen steckte, nur noch Kupfer in deiner Tonne.“ Und was er sagte, wurde wahr.
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Sagenhafter Barnim

Das Kindel in den Schönower Niederungen:

Kindelwald. Zeichnung von Petra Elsner
Kindelwald. Zeichnung von Petra Elsner

Die sumpfigen Niederungen und der Wald vor Schönow raunen eine alte Legende: Die herzzerreißende Geschichte vom Kindel, die aus kriegerischen Zeiten rührt.
Der Sage nach flüchteten die Schönower eines Tages mit all ihrem Hab und Gut vor brandschatzenden Horden in den nahen Sumpf im Norden. Der Pfad dorthin lag verborgen im Dickicht. Nur die Einheimischen wussten, wie man über das schlingernde, morastige Waldland zu einer festen Insel gelangen konnte. Eilig war der Aufbruch, denn in der Ferne sahen die Schönower am weiten Nachthimmel die Brände in der Nachbarschaft. Bald würden die wütenden Männer auch ihren Ort zerstören. Das nackte Leben war nur sicher, weil die Bauern diesen geheimen Unterschlupf kannten. Doch als sie ihr Nachtlager unter hohen Baumkronen aufschlugen, bemerkten sie, ein Kind fehlte. Es blieb unklar, ob es vergessen wurde oder sich verlaufen hatte. Inzwischen waren die feindlichen Horden in Schönow eingefallen und durchsuchten Hof für Hof nach Menschen und Schätzen. Doch sie fanden nur diesen kleinen Jungen, der ängstlich in einem Schatten kauerte. Rüde zerrten sie ihn in den Feuerschein und prügelten auf ihn ein, als er über das Versteck der Dorfbewohner schwieg. Vielleicht wusste das Kind den Weg nicht, vielleicht beschütze es aber auch ein ganzes Dorf.
Schönow ging in dieser Nacht in Rauch und Flammen auf, und kindliche Schmerzschreie zerfetzten das Dunkel. Als es still wurde, zogen die Feinde weiter. Anderntags fanden die Angehörigen am Rande des Sees die Leiche des gepeinigten Knaben. Atemschwer waren Mensch und Landschaft bei diesem furchtbaren Anblick. Und so kam es, dass man seit jenem düsteren Morgen das sumpfige Waldland und die ganze Gegend um Schönow nur noch „das Kindel“ nennt. Und in manchen Herbstnächten weht dort sein ruheloser Geist durch die Zeit.
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Sagenhafter Barnim (18)

Der Pimpinellenberg:

Auf der Anhöhe des Pimpinellenbergs kann man weit ins Niederoderbruch schauen und besondere Heilkräuter entdecken. Zeichnung: Petra Elsner
Auf der Anhöhe des Pimpinellenbergs kann man weit ins Niederoderbruch schauen und besondere Heilkräuter entdecken. Zeichnung: Petra Elsner

Auf dem Sandberg des Pimpinellenberges beim Oderberger See wachsen seit langer, langer Zeit besondere Pflanzen. Auf den steppenähnlichen Trockenwiesen gedeihen Karthäuser-Nelke, Acker- und Wachtelweizen, Astlose Graslilie, Goldhaar-Aster, Wiesen-Kuhschelle, Sibirische Glockenblume, Kronwicke und natürlich jene Pflanze, die dem Gebiet den Namen gab: die Pimpinella saxifraga, die Kleine Bibernelle. Sie ist von alters her als Heilpflanze gegen Lungenkatarrh bekannt und soll der Sage nach sogar die Pest vertrieben haben. Und das kam so:
Als während des Dreißigjährigen Krieges das grausame Sterben herrschte, und die Pest die Menschen zu Hunderten hinwegraffte, war die Verzweiflung allseits groß und eine schwere Ratlosigkeit lähmte das Land. Doch eines Tages kam ein weißer Rabe von Norden heran geflogen. Der Vogel war weißer als Schnee und jede Taube und ganz offenbar war er als Bote unterwegs. Er schwebte über dem Sandberg, landete und schrie weithin hörbar ins Land: „Ist die Krankheit noch so schnell, heilt sie doch die Pimpinell!” Sodann erhob sich der weise Rabe wieder und verschwand bald am Horizont. Und der Legende nach wurde mit der Pimpinellen-Wurzel dem Sterben schließlich Einhalt geboten.
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