Morgenstunde (394. Blog-Notat)

September – der ist immer DIE Kommunikationszeit im Jahr. Die Menschen kommen aus dem Urlaub, rufen an, um ein Lebenszeichen zu senden oder ein Geschenk bei mir zu ordern. Man schmiedet hoffnungsvoll neue Projekte und kümmert sich wieder mehr umeinander. Die Tage sind dicht mit Besuchen und Besuchern besetzt. Das ist schön, aber schlaucht zugleich. Das weltabgewandte Leben in der Corona-Zeit hinterließ Spuren, denn frau ist das quirlige Miteinander einfach nicht mehr gewöhnt und verbraucht sich zu leicht in den Gesprächen. Es ist aber nicht nur ein Corona-Phänomen, sondern ein eigenwilliger Nachklang in Menschen, die einen Krebs überwunden haben, dass sie rasch ermüden. Wie mit einem Holzhammer haut es einen schlagartig um, auch vier Jahre später noch. So sind die Tage im September ein bisschen wie: Aufstieg und Fall. Trotzdem ist es schön, wieder unter Menschen zu sein, doch nach zwei Stunden verdrückt sie sich halt wieder, schlicht um auszuruhen. Gestern kam endlich das Päckchen mit Materialien aus dem Künstlerbedarf an, da kann ich gut weiter an meiner „Kurtschlager Edition“ werkeln, bis zum nächsten Klingelzeichen…😊

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Morgenstunde (393. Blog-Notat)

Sonntagnachmittag kam per Mail die Druckfassung zur Autorenkorrektur. Inzwischen ist der zweite Schräge-Vögel-Kalender “Lebensfreude…” in der Druckerei, nächste Woche wird es ihn im Verlag (Verlagsbuchhandlung Ehm Welk in Schwedt) geben. Die Cartoons sind von mir, die Sprüche haben die Verlegerinnen spendiert. Ich hab‘ mir ganz bewusst die Glücksschweinreiter auf das Cover gewünscht, denn Glück brauchen wir zu allererst in 2021. Möge das Leben wieder leichter werden, wild und wunderbar!  Nun wird endlich ein klein wenig aus meiner Winterarbeit greifbar, ein Geschenkbändchen mit den Schrägen Vögeln soll  im Herbst noch folgen. Im Grunde ist das „nur“ eine Versammlung beider Kalendermotive (2020/2021) – eine Umformung, nicht meine Idee, der Verlag wünscht es sich, soll er haben. Ansonsten herrscht Stille im Quartier. Die Bienen sind zurück, die Wiese ist gemäht. Ein paar Besuche wird es diese Woche noch geben, eine Pilzpirsch und vielleicht wächst ja dabei auch eine neue Idee, die im Atelier Gestalt annehmen wird… Habt eine schöne Woche allerseits!

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Der siebente Fisch – die ganze Geschichte

Der siebente Fisch

„Ach, nö“, nörgelte der Großvater vor sich hin: „Schon wieder einer weg!“ Er schob sich die Brille fest auf die Nase und zählte noch einmal: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs – äh, wo ist der Siebente?“ Er suchte mit seinen trüben Augen den Goldfischteich ab, aber der Siebente fehlte. Wo war er hin? Nachbars Kater schlich unschuldig auf seinen Samtpfoten durch das hohe Gras am Zaun und mauzte leise: „Ich war es nicht.“ Der Großvater sah ihm ungläubig hinterher, aber er würde schon dahinterkommen, wer den Siebenten geraubt hatte. Den letzten Siebenten hat ein Silberreiher geholt und den hatte Leo Krause jetzt auch wieder in Verdacht. Er musste sich einen neuen Siebenten besorgen. Sieben war eine magische Zahl: Sieben Tage hat die Woche. Sieben Weltwunder gibts, sieben Tore zählt die Unterwelt und im siebenten Himmel wohnt die Liebe. Märchen verehren die magische Sieben in „Die sieben Raben“ oder „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Die Sieben war Leo Krauses auserkorene Glückszahl, die er für sein Wohlbefinden brauchte. Ein zerbrochener Spiegel bringt sieben Jahre Pech und so ein Wasserspiegel aus dem jemand einen Fisch stielt, ist gewissermaßen auch kurzweilig zerbrochen. Also fuhr Leo Krause, das Unglück verhütend, in seine Lieblingszoohandlung und kaufte sich einen neuen siebenten Goldfisch. Das hat er schon öfter machen müssen, deshalb grinste der Verkäufer den alten Mann an: „Schon wieder einen Siebenten?“ Leo Krause nickte wortlos und guckte sich einen neuen Fisch aus.
Diesmal solle es ein ganz besonderer Goldfisch sein, einer mit Schleierschwanzflossen, damit er ganz sicher sein könnte, er ist der echte Siebente. Zuhause angelangt, goss der Großvater das Glas mit dem Fisch vorsichtig in seinen Teich und begab sich auf die Lauer. Denn schließlich konnte er ja nicht alle Gartenbewohner unter Verdacht stellen. Üble Nachrede, das ging für Leo Krause so gar nicht. Er wollte Klarheit. Hinter einer Tarnplane mit Guckloch saß der Mann auf seiner Bank und wartete, was am Teich zur Abendstunde geschah. Die Schnecken krochen aus dem Moos am Wasserrand und schlichen hinüber zum Salatbeet. Zwei Ringeltauben kamen, um zu baden.  Die Fische interessierten sie dabei nicht. Sonst geschah lange Zeit nichts. Leo Krause wäre beinahe eingenickt, als er ein Knirschen vernahm. Woher kam es? Eine Steinplatte am Ufer bewegte sich und etwas Rotes kam zum Vorschein. Von weitem sah es so aus, als wäre es ein roter Grasbatzen, der sich sehr geschwind bewegte.

Vorsichtig schlich der Großvater zum Teich, aber schwuppdiwupp war das hüpfende Büschel unter den Farnwedeln verschwunden. Leo Krause wartete ein Weilchen und fixierte dabei das Staudenbeet jenseits des Wassers, aber dort schnuffelte nur der Igel nach Käfern und Regenwürmern auf seiner Abendrunde. Langsam versank der Garten in der Dämmerung, heute würde Krause das Rätsel nicht mehr lösen können.
Schon mit den ersten Vogelstimmen stieg der Mann wieder aus seinem Bett, um nur gar keinen Teichbesucher zu verpassen. Mit einem Pott Kaffee platzierte er sich abermals auf der Bank hinter der Tarnplane und beobachtete das Gartenstück. Ein Waschbär durchstöberte das Revier und fraß das Fallobst von der Wiese. Dann ging er, wie er gekommen war, hinaus in den nahen Wald. Inzwischen fielen die Sonnenstrahlen auf die Solarzelle im Gras und setzten den leisen Bachlauf in Gang, was die Spatzen, Meisen und die Grasmücken bemerkten und sich dort nacheinander zum Morgenbad einfanden. Das heitere Gezwitscher weckte auch das rote Grasbüschel, das sich langsam aus seinem Steinversteck schob. Es hatte Arme und Beine und eine grüne Hose an. Der Großvater rieb sich die Augen und wunderte sich still. Das kleine Wesen legte sich auf seinen Bauch, tauchte sein Gesicht vollkommen in den Wasserspiegel und sah nach den Fischen: „Oh, wie schön bist du denn?“, wisperte der Rotschopf dem neuen Siebenten zu. „So, herrlich, so vollkommen anzusehen, komm näher, komm!“
Der Siebente fühlte sich geschmeichelt und schwamm auf das Wesen mit den schönen Worten zu. Das war der Moment, in dem Leo Krause seine Kescher über das Rot schnellen ließ und seinen Fang geschickt hochzog. In dem sackartigen Netz zappelte nun laut klagend ein Troll.

„Hey, lass mich raus!“
„Du bist also der Fischräuber an diesem Teich,“ grummelte der Großvater streng. „Aber wo gibt es denn so etwas, dass ein Troll bei Tageslicht unterwegs ist? Du müsstest längst ein Steinklumpen sein, also kannst du gar kein echter Troll sein. Vielleicht ein Zwerg oder Puck, aber kein Troll.“
„Aber klar bin ich ein Echter, ein guter Nisser aus Norwegen. Im letzten Sommer habe ich einen wunderschönen Zauberfisch gefangen. Der hatte mir versprochen meinen allergrößten Wunsch zu erfüllen, wenn ich ihn zurück in den Fjord werfe. Ich wollte immer schon bei Licht spazieren gehen, ohne dass es mich dabei in einen Stein verwandelt. Dass hat der Fisch mir zugesprochen. Und so hab‘ ich ihn zurück ins Wasser geworfen. Mein Wunsch erfüllte sich und so bin ich der einzige Troll, dem das Tageslicht nichts mehr antun kann. Übrigens, ich heiße Rosso und du kannst mich jetzt wirklich aus dem Netz lassen.“
Leo Krause murmelte: „Na gut, aber an meinem Fischteich wird nicht mehr geangelt, klar?“ Dann senkte er den Kescher zu Boden und ließ den kleinen Kerl aus den Maschen klettern.
„Klaro, hier wird nicht mehr gefischt! Aber Pilze und Beeren darf ich mir doch suchen?“, fragte Rosso nach.
Der Großvater nickte, baute seine Tarnplane ab und ging seinen Verrichtungen nach. Das Rätsel war ja nun geklärt. Abends stellte er dem Troll ein Schüsselchen Brei neben dessen Unterschlupf, man soll ja einem Troll ab und zu etwas spendieren, damit er keinen Unfug treibt und man gut mit ihm auskommt. Zufrieden genoss Leo Krause den Sonnenuntergang auf seiner Gartenbank, als er plötzlich ein Jammern und Schluchzten vernahm.

Am Teich hockte Rosso und wimmerte. Leo Krause fragte besorgt: „Was ist mit dir, kleiner Troll?“
„Ach, ich hab‘ so Heimweh“, schluchzte Rosso. „Weißt du, ich bin ja nur aus Versehen hier. Wurde mit einem Seesack verschleppt. Wusste doch nicht, dass der Seemann auf große Fahrt gehen wollte. Und nun fehlen mir die Freunde und die bunten Fische im Fjord.“
Leo Krause war ratlos, aber dann erinnerte sich: „Hm, meine Nachbarn fahren nächstes Jahr wieder nach Norwegen zum Fischen. Mit denen könntest du bestimmt mitreisen, aber bis dahin musst du dich wohl gedulden.“ Der Großvater streichelte dem Traurigen tröstend über den Rotschopf, dann ging er zu Bett.
Der Siebente hatte das Gespräch belauscht und lugte nun durch den Wasserspiegel: „Wir können ja inzwischen Freunde werden!“
Rosso wischte sich die Tränen von den Wangen: „Willst du mir helfen?“, fragte er den Siebenten.
Der hauchte: „Wenn ich es kann, unbedingt.“
„Du wirst es können, wenn ich dir all meine Zauberkraft schenke. Mit der kannst du mich nach Hause senden, leicht wie ein Luftzug. Du musst es dann nur denken und es geschieht. Ich selbst kann es nicht. Du wärst dann auf immer ein Wunschfisch, würde dir das gefallen? Schön genug bist du ja schon.“
„Und wie!“, sprach aufgeregt der Siebente.
Rosso schloss die Augen und murmelte unverständlich einen Zauberspruch. Vor seinem Mund erschien eine goldene Lichtkrone, die er mit den Worten: „Nun sei ein guter Wunschfisch!“, dem Siebenten auf den Kopf setzte.
Den Fisch durchfuhr einen seltsame Kraft, die ihn leuchten ließ.
Dann hockte sich der Troll an den Teichrand und sprach: „Ich wünsche mich zurück an meinen Fjord!“ Sagt es und war verschwunden.
Als der Großvater am nächsten Tag die Fische fütterte, konnte er den Troll nicht mehr entdecken. Das fand er recht schade, denn er vermisste Gesellschaft. Leise sprach er vor sich hin: „Ach, die Kinder waren lange nicht mehr hier, sie fehlen mir sehr.“  Kaum gesprochen, klingelte es an der Gartenpforte und heiterer Besuch trat ein. Immer wenn Leo Krause fortan nach den Fischen sah und dort beiläufig einen kleinen Wunschgedanken aussprach, erfüllte der Fische mit der Zauberkrone sein Verlangen sogleich. Er musste nur nah genug am Wasser stehen, damit ihn der Siebente auch gut verstand.

***

© Petra Elsner, September 2020

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Der siebente Fisch (3)

Öffentliches Schreiben: Hier entsteht eine Gartengeschichte für Familien. Ihr könnt abschnittweise mitlesen und mir so beim Arbeiten ein bisschen zusehen. Zum 1. Abschnitt hier, zum 2. Abschnitt hier klicken.

…„Hey, lass mich raus!“
„Du bist also der Fischräuber an diesem Teich,“ grummelte der Großvater streng. „Aber wo gibt es denn so etwas, dass ein Troll bei Tageslicht unterwegs ist? Du müsstest längst ein Steinklumpen sein, also kannst du gar kein echter Troll sein. Vielleicht ein Zwerg oder Puck, aber kein Troll.“
„Aber klar bin ich ein Echter, ein guter Nisser aus Norwegen. Im letzten Sommer habe ich einen wunderschönen Zauberfisch gefangen. Der hatte mir versprochen meinen allergrößten Wunsch zu erfüllen, wenn ich ihn zurück in den Fjord werfe. Ich wollte immer schon bei Licht spazieren gehen, ohne dass es mich dabei in einen Stein verwandelt. Dass hat der Fisch mir zugesprochen. Und so hab‘ ich ihn zurück ins Wasser geworfen. Mein Wunsch erfüllte sich und so bin ich der einzige Troll, dem das Tageslicht nichts mehr antun kann. Übrigens, ich heiße Rosso und du kannst mich jetzt wirklich aus dem Netz lassen.“
Leo Krause murmelte: „Na gut, aber an meinem Fischteich wird nicht mehr geangelt, klar?“ Dann senkte er den Kescher zu Boden und ließ den kleinen Kerl aus den Maschen klettern.
„Klaro, hier wird nicht mehr gefischt! Aber Pilze und Beeren darf ich mir doch suchen?“, fragte Rosso nach.
Der Großvater nickte, baute seine Tarnplane ab und ging seinen Verrichtungen nach. Das Rätsel war ja nun geklärt. Abends stellte er dem Troll ein Schüsselchen Brei neben dessen Unterschlupf, man soll ja einem Troll ab und zu etwas spendieren, damit er keinen Unfug treibt und man gut mit ihm auskommt. Zufrieden genoss Leo Krause den Sonnenuntergang auf seiner Gartenbank, als er plötzlich ein Jammern und Schluchzten vernahm …

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Der siebente Fisch (2)

Öffentliches Schreiben: Hier entsteht eine Gartengeschichte für Familien. Ihr könnt abschnittweise mitlesen und mir so beim Arbeiten ein bisschen zusehen:
Zum 1. Abschnitt:

… Vorsichtig schlich der Großvater zum Teich, aber schwuppdiwupp war das hüpfende Büschel unter den Farnwedeln verschwunden. Leo Krause wartete ein Weilchen und fixierte dabei das Staudenbeet jenseits des Wassers, aber dort schnuffelte nur der Igel nach Käfern und Regenwürmern auf seiner Abendrunde. Langsam versank der Garten in der Dämmerung, heute würde Krause das Rätsel nicht mehr lösen können.
Schon mit den ersten Vogelstimmen stieg der Mann wieder aus seinem Bett, um nur gar keinen Teichbesucher zu verpassen. Mit einem Pott Kaffee platzierte er sich abermals auf der Bank hinter der Tarnplane und beobachtete das Gartenstück. Ein Waschbär durchstöberte das Revier und fraß das Fallobst von der Wiese. Dann ging er, wie er gekommen war, hinaus in den nahen Wald. Inzwischen fielen die Sonnenstrahlen auf die Solarzelle im Gras und setzten den leisen Bachlauf in Gang, was die Spatzen, Meisen und die Grasmücken bemerkten und sich dort nacheinander zum Morgenbad einfanden. Das heitere Gezwitscher weckte auch das rote Grasbüschel, das sich langsam aus seinem Steinversteck schob. Es hatte Arme und Beine und eine grüne Hose an. Der Großvater rieb sich die Augen und wunderte sich still. Das kleine Wesen legte sich auf seinen Bauch, tauchte sein Gesicht vollkommen in den Wasserspiegel und sah nach den Fischen: „Oh, wie schön bist du denn?“, wisperte der Rotschopf dem neuen Siebenten zu. „So, herrlich, so vollkommen anzusehen, komm näher, komm!“
Der Siebente fühlte sich geschmeichelt und schwamm auf das Wesen mit den schönen Worten zu. Das war der Moment, in dem Leo Krause seine Kescher über das Rot schnellen ließ und seinen Fang geschickt hochzog. In dem sackartigen Netz zappelte nun laut klagend ein Troll …

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Der siebente Fisch (1)

Öffentliches Schreiben: Hier entsteht eine Gartengeschichte für Familien. Ihr könnt absatzweise mitlesen und mir so beim Arbeiten zusehen:

„Ach, nö“, nörgelte der Großvater vor sich hin: „Schon wieder einer weg!“ Er schob sich die Brille fest auf die Nase und zählte noch einmal: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs – äh, wo ist der Siebente?“ Er suchte mit seinen trüben Augen den Goldfischteich ab, aber der Siebente fehlte. Wo war er hin? Nachbars Kater schlich unschuldig auf seinen Samtpfoten durch das hohe Gras am Zaun und mauzte leise: „Ich war es nicht.“ Der Großvater sah ihm ungläubig hinterher, aber er würde schon dahinterkommen, wer den Siebenten geraubt hatte. Den letzten Siebenten hat ein Silberreiher geholt und den hatte Leo Krause jetzt auch wieder in Verdacht. Er musste sich einen neuen Siebenten besorgen. Sieben war eine magische Zahl: Sieben Tage hat die Woche. Sieben Weltwunder gibts, sieben Tore zählt die Unterwelt und im siebenten Himmel wohnt die Liebe. Märchen verehren die magische Sieben in „Die sieben Raben“ oder „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Die Sieben war Leo Krauses auserkorene Glückszahl, die er für sein Wohlbefinden brauchte. Ein zerbrochener Spiegel bringt sieben Jahre Pech und so ein Wasserspiegel aus dem jemand einen Fisch stielt, ist gewissermaßen auch kurzweilig zerbrochen. Also fuhr Leo Krause, das Unglück verhütend, in seine Lieblingszoohandlung und kaufte sich einen neuen siebenten Goldfisch. Das hat er schon öfter machen müssen, deshalb grinste der Verkäufer den alten Mann an: „Schon wieder einen Siebenten?“ Leo Krause nickte wortlos und guckte sich einen neuen Fisch aus. Diesmal solle es ein ganz besonderer Goldfisch sein, einer mit Schleierschwanzflossen, damit er ganz sicher sein könnte, er ist der echte Siebente. Zuhause angelangt, goss der Großvater das Glas mit dem Fisch vorsichtig in seinen Teich und begab sich auf die Lauer. Denn schließlich konnte er ja nicht alle Gartenbewohner unter Verdacht stellen. Üble Nachrede, das ging für Leo Krause so gar nicht. Er wollte Klarheit. Hinter einer Tarnplane mit Guckloch saß der Mann auf seiner Bank und wartete, was am Teich zur Abendstunde geschah. Die Schnecken krochen aus dem Moos am Wasserrand und schlichen hinüber zum Salatbeet. Zwei Ringeltauben kamen, um zu baden.  Die Fische interessierten sie dabei nicht. Sonst geschah lange Zeit nichts. Leo Krause wäre beinahe eingenickt, als er ein Knirschen vernahm. Woher kam es? Eine Steinplatte am Ufer bewegte sich und etwas Rotes kam zum Vorschein. Von weitem sah es so aus, als wäre es ein roter Grasbatzen, der sich sehr geschwind bewegte…

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Morgenstunde (391. Blog-Notat)

Das Wiesenland rechtsseits vom Dorf trägt schon sein Herbstgewand. Umbra und schwarzgrün. Über den Himmel fegen wilde Wolkenbilder licht- und dunkelgrau, Sonnenregen fällt, ein Regenbogen zieht auf, Gewitter grummelt in der Ferne. Ich mag diese Kulisse des Reifens und Vergehens, denn ich bin ein Herbstmensch. Nachdem wir am Wochenende zwei Steinpilze und einen Birkenpilz im Garten gefunden haben, hat den Liebsten das „Jagdfieber“ ereilt. Er musste hinaus in den Hochwald, gleich hinter der Gartenpforte. Aber er ging leer aus, der Wald ist noch zu trocken, der reichliche Regen der letzten Tage hat den Waldboden nicht wirklich durchfeuchtet. Aber der Herbst beginnt ja erst. Ich nehm‘ mir heute einfach mal eine schöne Gartenzeit, umpflanzen und Steine rücken, vielleicht grinst ja ein Troll unter einem Stein hervor und erzählt mir eine Geschichte…

Zum Feierabend ist er da, ein Gartentroll, fehlt nur noch ein Name und natürlich eine Geschichte, mal sehen, was wird….

 

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Morgenstunde (390. Blog-Notat)

Gestern von Kraft geträumt und sogar mit dem Rasenmäher einen Weg durch das Gartenland gefräst. Wie unterschiedlich die Tage doch laufen. Heute flau, morgen wow, nicht gerade sportlich, aber immerhin – in Bewegung. Ich weiß nicht, was meine Lunge so beeinträchtigt hat: das Chlor im Wasser (ich habe als Kind Leistungssport als Schwimmerin betrieben, war täglich 4 bis 6 Stunden im Wasser), die Nitroverdünnung, mit der ich als Lehrling Drucksiebe auswaschen musste, der Feinstaub in den Straßen Berlins – Zellen vergessen nie… und natürlich das Nikotin bis noch vor 14 Jahren – vielleicht ist es der Mix, aber weshalb an manchen Tagen fast gar nichts geht und an anderen es besser ist auf flachem Niveau, es wird mir ein Rätsel bleiben.
Kurz vor Sonnenuntergang hab ich mir die Kamera geschnappt und bin langsam zur Wiesenlandseite des Dorfes gelaufen.  Der Regen hatte sich gerade verzogen und die Luft war frisch. Linkerhand frohlockte beim der Dorfaue ein Polterabend. Ich nahm den rechten Zugang. Vor dem „Mittelpunkt der Erde“ standen zwei Frauen und plauderten. In der Gaststätte tagte der Kulturverein, aus dem ich mich für die Corona-Zeit zurückgezogen habe. In geschlossenen Räumen, dass geht für mich einfach noch nicht (wir empfangen derzeit unsere wenigen Gäste auch ausschließlich auf der Terrasse unter dem Glasdach). Sie wollten mich am liebsten unterhaken und mit hineinnehmen, aber ich drehte mit feuchten Augen ab, dem einen Bild entgegen, was noch ging, bevor eine dicke Wolkenfront das Naturschauspiel bedeckte. Corona macht Lungenkranke einsam und das Verständnis dafür, hält sich in Grenzen. Leider.

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Morgenstunde (389. Blog-Notat)

Handgefertigte Vorlesemappe mit einer goldenen Dreierspirale, der keltischen Triskele, die steht für Werden, Sein und Vergehen.

Schon wieder Freitag, wo ist die Woche hin? Mau verrauscht. Na immerhin ist das Lyrik-Bändchen geworden. Ich hatte mir gestern gerade die neue Vorlesemappe für das Museumsfest in Ruhlsdorf gebaut, wo die Museumsbroschüre mit einer neuen Geschichte von mir Premiere haben sollte, da wurde das ganze erst mal wieder ABGESAGT. Die Infektionslage… Nun liegt das gedruckte Büchlein beim dortigen Heimatverein rum und wartet auf einen ersten öffentlichen Auftritt. Das PDF sieht gut aus, man kann sich darauf freuen, aber ich bin nicht der Herausgeber und darf so nix zeigen. Dieses verflixte 2020. Trotzdem gab es etwas Schönes in diesen Tagen. Wir haben am Mittwoch die dicke Grafik-Mappe nach Eberswalde gebracht und die Schenkung meiner Sagen-Serie vollzogen. Ich hatte dabei eine stille Freude in mir, denn ich bin davon überzeugt, dass die Sachen im Regionalmuseum in den richtigen Händen liegen. Das Wochenende wird wieder dem Imkergatten gehören. Er wird seine Wanderbienen heimholen, platzieren und füttern. Da ist was los auf dem Hof. Habt alle miteinander ein entspanntes Herbstwochenende! Ich bau‘ derweil weiter Künstler-Bücher und feg die Spinnen aus dem Haus 😊.

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