So, Feierabend! Die letzte Zeichnung ist abgeliefert. FMs Kolumne erzählt hier von einem umtriebigen LKW-Fahrer, der zwei Jahre Koch in einem japanischen Kloster war und nun, im Älterwerden, für sich einen Landsitz und auskömmliche Arbeit sucht. In einem Traum erschien ihm sein ehemaliger Zen-Meister, der ihm „Bokushingusuzume“ zuflüsterte, was so viel wie „Kackende Spatzen“ heißen soll (ich weiß, nicht sehr appetitlich, aber ich hab‘ es nicht erfunden und es stimmt auch nicht, denn der Google-Übersetzer meint: Bokushingusuzume hieße „Boxen Spatz“ – nun denn…). Unter diesem Namen macht der Typ Helmut schließlich einen Gasthof in der Uckermark auf, in dem er gelegentlich auch japanisch kocht. Soweit der Kern der Geschichte. Aber der Autor musste mich beraten, denn es fiel mir einfach nicht das Rechte ein. Nach seinen Tipps kam nun heute dieses Blatt zustande, womit die Schräge-Vögel-Reihe für „Georgs Landleben“ abschließt. Ist auch gut so, mein rechter Arm mault schon wieder, was nach insgesamt 16 Zeichnungen im Januar 2023 nicht so verwunderlich ist. Ich bin gespannt, was aus dem Seitenbündel entstehen wird. Die 14 Blätter sind meinerseits eine reine Option in die Zukunft.
Für die nächsten Tage gilt es, eine neue Geschichten-Idee zu entwickeln. Sie wird vorerst nicht im Blog auftauchen… Ein paar Geheimnisse müssen schließlich sein😊…
Morgenstunde (767. Blog-Notat)
Es ist Freitagabend und eben habe ich diese 13. Zeichnung fertigbekommen. Sie steht zu einem Text von FM, in dem der Held, ein Dichter (was sonst), in Ermanglung eines ruhigen Arbeitszimmers, beim Holzhacken nicht nur Scheite spaltet, sondern auch Textideen und die gewissermaßen wie Scheite stapelt, bis er sie gebrauchen kann… Morgen ist Zeichenpause, Augen ausruhen.
Der Liebste macht Fortschritte. Er ist nicht schmerzfrei, aber seit gestern Nachmittag sitzen wir wieder beieinander, schauen uns in die Augen und spielen zum Nachmittagskaffee Backgammon. Das ist eine echte Verbesserung von Lebensqualität 😊 im jungen Jahr. Womit ich abtauche in den Feierabend. Habt ein schönes Schneewochenende allerseits!
Morgenstunde (766. Blog-Notat)
Eisig draußen. Eine kleine Gartenrunde gedreht, dann rasch wieder ins Häuschen, am Kaffeepott aufwärmen. Eine sehr dichte Zeichenwoche neigt sich. Die 12. Vignette ist eben fertig geworden. Sie erzählt von einem Luftikus, der ständig skurrile, aber alphabetisch geordnete Pläne macht, die sich allerdings sehr schnell wieder in Luft auflösen… Kenn jeder eine/einen 😊. Den zu bebildern hat Laune gemacht. Zwei Motive sind für die Schräge-Vögel-Reihe zu FMs Texten noch zu finden… Wie immer, wenn es gegen Ende geht, fehlt was – der Grafikkarton ist ausgegangen, also bestellen und auf schnellen Versand hoffen, denn ich will fertig werden, mir ist nach eigenen Texten. Ich werde auf meine alten Tage, wohl kein wirklicher Teamplayer mehr werden, auch wenn ich‘s immer mal wieder versuche…
Eine Buchbesprechung
Der Vogel im Preußenkleid des Igels
Gedichte von Eckhard Mieder
Das neueste Buch von Eckhard Mieder ist ein lyrisches Bündel, in dem der Autor selbst Protagonist in seinen Texten ist. Im Chamäleon-Gewand kann er Vogel, auch Igel sein. Seiten voller heiterem Gezwitscher, dann plötzlich stachlige Absurdität – ein echter Mieder also, der für seine Gedichte-Sammlung schon mal ins „Archiv der Albträume“ griff. Dabei begegnet er Ikarus und Sisyphus, um dann, ganz entspannt Orten die Stimmung abzulauschen. Der Leser begegnet mit „Fresslust gendernden Wespen“, von denen die dickste zur Hummel mutiert. Leichtfüßig, auch hadernd spürt der Dichter der „Rätsellast des Lebens“ nach, vergangenen Zeiten und Reisen nach Island, Schweden, Lappland. „Am Ende der Welt spricht Gott mit Gletscherzungen, Fischschuppen im Haar.“ Von der Schönheit der Natur überwältigt, schenkt er uns Wander-Balladen, witzige Sprachbilder, freche Aphorismen, scharfsinnige Verserzählungen, die wenigen vulgären Sprüche hab‘ ich großzügig überblättert. Nicht meins. Aber gleich dahinter freie Lyrik vom Feinsten mit humoristischer Note im Abgang, wie hier:
„Es gibt eine Stille
Schritte. Ein paar Dutzend Meter
in den Wald. Die Blaubeeren sind
geharkt von Menschen aus
Thailand. Die ausgehobenen Bäume,
braun vor Erde um ihre Wurzeln, ähneln
Bären im Stande launischer Scheu. Das Moos
klumpt zu Buckeln der Trolle.
Morgen ist. Bläue ist. Nicht
ein Vogel unterwegs. In der Nähe
gibt es einen See, in dem die Fische
beim Morgentee sitzen und Knäckebrot
essen. Was der Mensch kann, kann
der Rotbarsch seit langem; frag ihn mal.
Und nichts ist zu hören. Nichts.“
Und zwischen all dem expressionistisch Absurden ein Seitenhieb von West nach Ost:
„…Hab Geduld! Mach uns nicht das schöne Land entzwei
so plötzlich…“
In fast allen Notaten schwingt sie mit, die Liebe zu den Wurzeln, dem Land, das verlassen liegt und der Dichter weit weg, wo „die Sonne untergeht“ im Überdruss versinkt. Nur eine schwache Stimmung vielleicht, denn am Ende spricht er von Liebe und kämpft gegen Salomon um die bessere Hymne den Frauen. Da wagt er sich was und gewinnt (mein Lächeln).
Mieders Gedichte in „Der Vogel im Preußenkleid des Igels“ sind im Verlag am Park erschienen. ISBN: 978-3-89793-357-6, 130 Seiten, Softcover, 15 €
© Petra Elsner
Morgenstunde (765. Blog-Notat)
Nörglerischer Sonntag. Nach einer grauen Regenwoche erste Schneeglöckchen und Licht in Sicht. Der Dachs ist auch schon wach, oder hat sich gar nicht erst zur Winterruhe hingelegt. Er stöbert jedenfalls sichtbar herum, aber ich habe ja in „Der wilde Garten“ meinen Frieden mit ihm gemacht. Vielleicht.
Tag 15 im Jahr und der Liebste steht immer noch beim Essen, man könnte wegen der seltsamen Kommunikationspose Genickstarre bekommen. Aber Männer lieben es ja wohl, wenn Frauen zu ihnen aufschauen 😊. Jedenfalls konnte er gestern schon einen ersten Waldspaziergang unternehmen, dennoch, es klemmt irgendwo und der Schmerz mit seinen Einschränkungen macht dumpfe Laune. Wenn die Luft zu dick wird, gehe in Garten harken, das hilft die Fassung und den Sonntagsfrieden zu wahren… Nachmittags werde ich ein Sammelpassepartout für die sechs Märchenzeichnungen aus der ersten Januarwoche schneiden – für eine mögliche Ausstellung, noch unbestimmt.
Morgenstunde (764. Blog-Notat)
„Landstarre“ bezeichnet in FMs Text einen von bürokratischen Hürden traumatisierten Zugezogenen. Nach etlichen Tagen erwacht der in der Geschichte aus seiner Reglosigkeit mit einer Idee, und das ist der Moment, für den ich gestern diese Zeichnung fand. Hach, geschafft! Und eine weitere abends, aber ich werde hier nicht alle Serienschritte vorführen, ist ja eine Auftragsarbeit, zu der noch weitere acht Teile vor mir liegen… Aber heute nicht, der Himmel hat aufgerissen, da will ich Sonne aufs Haupt haben und werde statt zeichnen, im Garten eine der Kopfweide beschneiden…
Schönes Wochenende allerseits!
Morgenstunde (763. Blog-Notat)
Zeichenzeit. Der Dauerregen (so sehr wir auch das Wasser brauchen) er drückt mit seinem Dämmerlicht aufs Gemüt. Also versuche ich mich mit den Schrägen Vögeln aufzuheitern. Zu den Martens-Kolumnen Rollentausch und ländliches Grüßen ist mir, wie man sieht, was eingefallen, aber wie zum Teufel zeichnet man „Landstarre“? Ein Rätsel für den Tag.
Fotoprojekt „Vier Jahreszeiten“
Immer mal wieder ruft einer der Blogger, denen ich folge, zu Jahresbeginn ein Fotoprojekt aus, an dem man sich beteiligen kann. 2017 und 2018 hatte ich mich zuletzt an solchen Projekten (siehe unter Aktion 12 Monate: Bleiche am Döllnfließ und Das Immerwiederkehrende) beteiligt, danach war es nur ein Beobachten der anderen. Gestern entdeckte das Projekt von Royusch und entschied mich spontan mitzumachen. Das Fotoprojekt „Vier Jahreszeiten“ betrachtet fotografisch immer das gleiche Motiv im Jahresverlauf. Allein die Verwandlung durch die Zeit ändert es. Ich habe mich für meine Kopfweide entschieden. Sie ist der erste Blickfang in unserem 140 Meter langen Landschaftsgarten. Die Weide habe ich vor 14 Jahren aus einer kleinen Rute gezogen. Es war nur ein Stöckchen von einem Spaziergang durch die Wiesen am Döllnfließ entlang.
Bild 1: Kopfweide im JANUAR 2023
Dies ist der Januar-Blick auf die Weide in triefender Nässe. Normalerweise ist sie zu dieser Jahreszeit längst beschnitten, aber das haben wir im letzten Herbst einfach nicht geschafft. Es wird in den nächsten Wochen schon werden…
Lyrik-Krümel
Vom kleinen Licht
In einem Lichtpunkt, keinen halben Meter breit,
bist du allein mit dir und dem Buch.
Das ganze Universum ist ausgeblendet
und ein anderes liegt ausgebreitet vor dir.
In das kannst du eintreten
ohne alle Last und den
liegengebliebenen Verrichtungen,
die versunken vom Dunkel bedeckt sind.
In diesem Lichtpunkt
kannst du leicht davonschweben.
© Petra Elsner 2023
Morgenstunde – ein Wort zum Sonntag (762. Blog-Notat)
Die Neujahrstille der jüngsten Tage ist wieder einmal trügerisch: Die weihnachtliche Feuerpause scheiterte im Ukrainekrieg. Im Ruhrgebiet Festnahmen wegen Terrorverdacht und gleich nebenan sammeln sich Klimaaktivisten gegen anrückende Kohlebagger … das Neue beginnt, wie das Alte endete, wäre ja auch glatt ein Wunder, wenn‘s anders gewesen wäre. Wer war da hoffnungsvoll? Die „besseren Menschen“ der grünen Elite haben die Leute mit geringen Einkommen vergessen: Studenten, die Neurentner mit den schmaleren Budgets und Geringverdienende. Die Lebensverhältnisse klaffen kratertief auseinander und umso weiter sich die Interessenlager voneinander entfernen, desto weniger sehen sie sich. Immer mehr Menschen leben unter dem Radar. Die einen verschwinden aus dem Licht und die anderen kleben am Glanz und reden sich schön, zu schön. Denn unter dem Lack wächst der Rost einer lustlosen, vernachlässigten Gesellschaft. Langsam, selbstverliebt und peinlich moralisierend. Das Nicht-Hinsehen, das sozial Ausgrenzen und gesellschaftliche Abhängen ist auch eine Variante von Rassismus, meine Damen und Herren….












