Morgenstunde (653. Blog-Notat)

Nachdem ich gestern sechs Stunden am Stück Farbe ins Buchcover gebracht hatte, musste ich mir erst einmal beim Garten gießen die Beine vertreten. Es war zwar Nachtregen angesagt, aber der stetige Wind hat die Böden staubtrocken hinterlassen, da muss man einfach wässern. Von den Unwettergüssen haben wir am Wochenende nur einen Liter abbekommen, das ist nix. Abends habe ich mir einen Schneidplatz eingerichtet und dazu den Zeichenplatz verdoppelt. Man wird erfinderisch, wenn der Raum begrenzt ist. Eine lose Holzplatte im gleichen Format meines Zeichentisches, wird mal zum Stehpult oder mein Rollschrank wird herangeschoben und dient als Unterbau für die Tischerweiterung. Ein paar schlichte Kanthölzer verändern die gewünschten Höhen. Finnpappe drauf – fertig 😊. Die nächsten zwei Wochen werde ich hier die Passepartouts für die örtliche Feuerwehrausstellung zuschneiden. 72 Ausschnitte werden es insgesamt sein. Dafür schneide ich jeden Tag vier, vielleicht sechs, mehr nicht, sonst gibt’s Muskelkater im Brustkorb, muss man nicht haben. Daneben wächst eine neue Geschichte…

16:45 Uhr: Der erste Bilderblock aus den 50er Jahren steckt im Passepartout.

Morgenstunde (652. Blog-Notat)

Noch nicht ganz vollzählig, aber es ist der einzige Schnappschuss vom Tage…

Als die Gäste eintrafen, wich der Stress augenblicklich von mir. Den halben Tag haben wir nach den Wolken geschaut, das Regenradar hin- und herbewegt. Um 14 Uhr goss es, da haben wir entschieden, die Möbel auf der Wiese nicht einzudecken, sondern zehn Plätze unter unserem Vordach und weitere acht in der Wohnküche zu schaffen… Bestimmt habe ich meinen Liebsten unendlich genervt, denn er meinte irgendwann: „Du bist wie ein aufgezogener Hamster unterwegs.“ Kein Wunder, wenn frau Arbeiten abgibt und dem Tempo des anderen zusehen muss… Damit ich nicht schon vor Beginn der Lesung außer Atem bin, hat er die Möbel geschleppt, Kabel verlegt, Staub gesaugt, Blätter gefegt, das Geschirr herangetragen, Technik aufgebaut…ich bin ihm unendlich dankbar für alles und seine Geduld.  Zu guter Letzt waren wir zu zehnt. Für mich war das so vollkommen in Ordnung, denn nicht jeder hat Lust auf Märchen, wenn im Dorf zugleich ein Simson-Treffen stattfindet oder das Wetter einen aufs Sofa drückt. Birgit hatte uns eine super Torte gebacken und Christina ein Blech mit leckerem Rhabarberkuchen. DANKE dafür! Der Kulturverein spendierte Blumen und Ute und Eckhard den Kaffee – und dann ging es los. Ich las drei Märchen – „Der siebente Fisch“, „Das Sonnenmädchen“ und „Der Regenmann“ (20 Minuten). Danach gabs eine Nachfüllpause für die Kaffeetafel. Der folgten weitere 20 Minuten mit einem Auszug aus „Das Nebeltor“. Was das wichtigste ist: Die Stimme hat gehalten 😊! Ich musste nicht husten, las nicht kurzatmig, wurde nicht heiser – Test bestanden 😊! Jetzt weiß ich, solche Gartenlesungen gehen wirklich wieder, wenn denn trockenes Wetter ist… Mir hat die Runde gutgetan und ich hoffe, den Zuhörern auch. Anschließend saßen wir noch ein gutes Weilchen bei einem  Riesling (von Sabine, Patricia und uns) beieinander und sprachen über die Coronazeit… Habt einen entspannten Sonntag allerseits!

Morgenstunde (651. Blog-Notat)

Irgendwie hat es mir keine Ruhe gelassen – die alleinige virtuelle Veröffentlichung von „Die Zeit der weißen Wälder“.  Denn es gibt immer noch so viele Menschen, die nicht mit einem Computer, Tablet oder Smartphon umgehen und das Lesen vom Blatt oder Buch vorziehen. Und ja, natürlich entsteht dabei eine gänzlich andere Stimmung als vor einem Bildschirm. Grundsätzlich hat sich nichts an meiner Entscheidung – die Novelle nicht zum klassischen Buchdruck zu führen – geändert, aber ich habe eine Lösung gefunden: Die handgefertigte, limitierte Künstlerausgabe. Also habe ich diese Woche ein Layout auf Naturpapier entwickelt und die ersten fünf Hefte mit je 48 Seiten gedruckt und gebunden. Ein Heft kostet 10 € (zzgl. Versand). Endlich kann ich innerlich mit dem Stoff abschließen und der Kopf ist frei für Neues…

Morgenstunde (650. Blog-Notat)

An der Havel in Mildenberg.

Am Morgen lag alles und jedes unter einer gelben, klebrigen Schicht Kiefern-Blütenstaub. Mangels Regen versinken wir gerade in diesem pulverisierten Gelb. Beim Laufen durch die Wiese staubte es und beim Rasenmähen auch. Mittags waren wir nach einem Termin im Mildenberger Hafen essen und auch dort lag selbst der Wasserspiegel der Hafenbecken stumpf und trüb. Allein die Havel nahm die Pollen mit sich hinfort. Wir allerdings müssen bis Freitag durchhalten, dann gibt es Gewittergüsse, die es hoffentlich richten werden. Ich bitte den Wettergott, dass er Samstag zu meiner Gartenlesung die Wolken dichthält. Notfalls müssen alle Gäste verteilt ins Häuschen. Mit Mikro und Verstärker kann man meine Geschichten dann überall im und am Haus hören. Hatten wir schon mal in einem sehr kalten April mit den Kulturbündlern aus Zehdenick, die fanden es nett so dicht beieinander. 25 Leute in der Wohnküche, sie wollten kaum gehen. Aber lieber wär‘s mir trocken im Garten. Wir werden improvisieren…

Morgenstunde (649. Blog-Notat)

Der Teich ist frisch frisiert und die meisten Jungpflanzen sind in der Gartenerde. Im hinteren Garten mähe ich nicht, es ist viel zu trocken… Brandenburg versteppt. Bei diesen körperlichen Verrichtungen schmeiße ich wieder Kilos. Bin wieder runter auf 50, das fühlt sich klapprig an. Bei meinem Morgenkaffee entscheide ich: Heute nicht, heute einfach sitzen und zeichnen, reichlich essen und wachsen 😊.
Der Postbote wird später einen mächtigen Karton Passepartout-Karton vorbeibringen, damit geht’s in den nächsten Tagen ans Zuschneiden. Die örtliche Feuerwehr feiert im Juli ihren 90. und wünscht sich eine Ausstellung… soll sie haben. Ehrenamtlich.
Der Imkergatte hatte Sonntag seinen ersten kleinen Schwarm in diesem Jahr, der aber ließ sich nicht fangen. Er sitzt immer noch am Fuße eines Eiben-Busches, sehr ungewöhnlich.  Vielleicht kann die Weisel nicht richtig fliegen, wer weiß. Wahrscheinlich werden sie in ihren Stock zurückkehren. Ein Volk spinnt immer, jedes Jahr ein anderes…

Morgenstunde (648. Blog-Notat)

„Sonntag – es fällt nie wieder Schnee…“ der Manne Krug-Song säuselt mir durchs Hirn an diesem Morgen. Es liegt so ein wunderfeines Frühlingslicht vor der Tür, da kommen diese Assoziationen von ganz allein.  Es juckt mir in den Fingern, endlich die vorgezogenen Pflanzen in die Hochbeete zu setzen. Seit Februar habe ich sie im/am Haus… Das Gras wächst inzwischen als wollte es Buschland werden… die ganze Woche über knatterte ein Rasenmäherdröhnen durch das Dorf und wir müssen auch ein Gartenteil frisieren, denn am Samstag gibt es Besuch im Quartier. Ich gebe für den örtlichen Kulturverein eine Märchenlesung im Garten. Dafür übe ich dieser Tage, denn die Stimme will trainiert werden nach dem ganzen Desaster. Es ist für mich ein Test, will sehen, wieweit die Luft reicht. Allerdings ist das alle Tage anders…  Der Grobentwurf für die das Kollegen-Buchcover steht, ich könnte an die Reinzeichnung gehen, hab aber irgendwie keine Lust. Dafür „möwte“ es mal wieder im Atelier, wohl vom Fernweh getrieben – ans Meer wäre schön, aber der Imkergatte steckt jetzt in der Bienensaison… Habt einen schönen Sonntag alle miteinander 😊.

Morgenstunde (647. Blog-Notat)

Das Gartengrün vom Freitag.

Der Imkergatte ist bei seinen Bienen hinter dem spritzigen Gartengrün bei den dunklen Kiefern. Die Mücken sind gut unterwegs, also kümmere ich mich um das Anbringen der Insektenschutznetze vor unseren Fenstern. Der Rost kriecht durch die Farbe am Ständerwerk des Vordachs. Habe begonnen das Metallgerüst zu streichen, damit der Sonnenschutz unterm Glas aufgehängt werden kann. Es soll ja nächste Woche richtig heiß werden. Die vorgezogenen Gemüsepflanzen bekommen einen 24-Stunden-Brennnesselauszug zu Stärkung … Frühlingsverrichtungen durchziehen das Wochenende. Zwischendurch Küchenschichten, mein lange verstorbener Kochfreund Andi wäre stolz. Er hat mich angeregt, dafür zu sorgen, dass es einen nicht nur ernährt… Das Leben kann entspannt sein, denn das Kortison wirkt seit gestern. Ich weiß nicht, ob nachhaltig (denn es wird ja wieder abgesetzt), aber zum ersten Mal seit meiner Lungenentzündung, schaffe ich wieder etwas mehr körperliche Arbeit. Kein Leichtfuß, aber immerhin. Morgen setze ich mich in den kühlen Morgenstunden an die Zeichenarbeit für das Buchcover, auf das ein Kollege wartet… Habt einen schönen Sonntag alle miteinander.

Morgenstunde (646. Blog-Notat)

Das Kunst- und Honig-Häuschen zum Saisonstart.

Eine ganz schöne Wuselwoche war das. Hunderterlei Kleinigkeiten in Haus und Hof und größere Brocken, wie das Einrichten des Bilderspeichers. Mittwoch gabs eine Überlandfahrt nach Prenzlau mit Mittags-Picknick am (diesmal touristenfreien) Potzlower Seenblick. Weiter gings durch das wunderschöne Kuppenland hinab nach Fergitz und Suckow. Ein Traum. Hier atmet die Seele. Den Lyrik-Krümel „Mai“ habe ich mir aus dieser Landschaft gepflückt. Wenn es Wiedergeburt geben sollte, würde ich gern in ebendiesem Landstrich Kopfweide sein 😊.
Das Wort „Butterblumenwetter“ hatte ich schon auf der Zunge, als wir zum Dorf rausfuhren und darüber ergab sich mit dem Imkergatten ein kleines Wortgefecht. Er, der gebürtiger Sachse, meinte trocken: Butterblumen seien was anderes, das sei Löwenzahn. Und ich pochte darauf, dass Löwenzahn in unseren Breiten im Volksmund auch „Butterblume“ genannt wird, oder ob er schon mal vom Löwenzahnfest gehört habe… Wir hatten beide recht, hab‘s nachgeschlagen:
„Wenn die Rede von Butterblumen ist, ist nicht ganz klar, ob der Löwenzahn oder der Scharfe Hahnenfuß gemeint ist. Beide werden auch als Butterblumen bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen volkstümlichen Namen, der je nach Region mehr oder weniger verbreitet ist. Der Löwenzahn, ist neben dem Namen Butterblume auch als Kuhblume (in Sachsen), Bumbaumel und Pusteblume bekannt.“ (Gartenjournal)
Jetzt wissen wir es genau und mein „Butterblumenwetter“ darf so heißen 😊.
Die Ausfahrt tat mir gut, aber die Kraft ist immer noch eher klapprig.

Potzlower Seenblich am 4. Mai 2022.

Morgenstunde (645. Blog-Notat)

Soweit ist er wieder eingerichtet, der Bilderspeicher für 2022. Wie man rechts im Foto sieht, wartet da noch ein neues Fenster auf seinen Einbau. Ist letzten Herbst wegen Corona nicht zustande gekommen und jetzt – krieg‘ mal einen Handwerker… Die großen Arbeiten auf Papier dämmern dieses Jahr im Zeichenschrank, ich spare mir einfach mal das anstrengende Rahmen hinter Glas. Es gibt genug Leinwände zu sehen… Draußen beginnt das Gartengrün wieder blickdichte Ecken und Nischen zu zaubern. Bald wird das pralle Grün  Kraftquelle sein, kann ich gut gebrauchen…

Morgenstunde (664. Blog-Notat)

Ein fröhlicher Baum thront seit gestern Abend auf der Bleiche am Döllnfließ. Nach gut zwei Jahren haben wir wieder einen Maibaum im Dorf. Seit jeher gilt er als Symbol der Liebe, der Zuneigung, der Lebensfreude und der Fruchtbarkeit. Ein Stimmungsaufheller. Vor ein paar Jahren hatte der örtliche Kulturverein die Tradition wiedererweckt, auch, um den jungen Dorfbewohnern den Bändertanz zu überliefern. Schon damals waren die Agierenden keine jungen Mädchen mehr, die den üblicherweise ausrichten. Doch die Jungen übernahmen nicht das Geflecht an der Stange und die Alten wollten auf die Dauer nicht mehr. Aber einen Maibaum wollte man schon. Nachbarin Christina kam auf die Idee, die Baumstange nach bayerischem Vorbild zu bemalen – nicht weiß-blau, sondern rot-weiß, den Farben Brandenburgs. Weitestgehend allein legte sie die Bemalung an. Auch den Bänderkranz mit Birkengrün band sie. Ihr Mann Jürgen schlug die Hülse in die Wiese und transportierte das Ganze zum Platz, wo helfende Hände die Lichtgestalt mitaufrichteten. Es gab Bier, Bratwürste, Fischhäppchen und ein wärmendes Feuer. Es sind meist ganz wenige Menschen, die eine so schöne Aktion ermöglichen. Die Stimmung war heiter und half mit, das Gemeinschaftsleben im Dorf nach der Corona-Pause wieder anzuschubsen. Für mich war es schon seltsam, einfach nur dabeizustehen und das Szenario zu genießen. Muss ich auch erst noch lernen.  Aber ich hatte eh meine Kräfte für den Tag schon verschossen. Wir haben die Winterabdeckung zum Dachgeschoss geöffnet, danach galt es Winterschäden mit Wandfarbe zu beheben. Heute packe ich die Bilder aus und hänge sie auf – langsam und mit Verschnaufpausen natürlich…