Morgenstunde (647. Blog-Notat)

Das Gartengrün vom Freitag.

Der Imkergatte ist bei seinen Bienen hinter dem spritzigen Gartengrün bei den dunklen Kiefern. Die Mücken sind gut unterwegs, also kümmere ich mich um das Anbringen der Insektenschutznetze vor unseren Fenstern. Der Rost kriecht durch die Farbe am Ständerwerk des Vordachs. Habe begonnen das Metallgerüst zu streichen, damit der Sonnenschutz unterm Glas aufgehängt werden kann. Es soll ja nächste Woche richtig heiß werden. Die vorgezogenen Gemüsepflanzen bekommen einen 24-Stunden-Brennnesselauszug zu Stärkung … Frühlingsverrichtungen durchziehen das Wochenende. Zwischendurch Küchenschichten, mein lange verstorbener Kochfreund Andi wäre stolz. Er hat mich angeregt, dafür zu sorgen, dass es einen nicht nur ernährt… Das Leben kann entspannt sein, denn das Kortison wirkt seit gestern. Ich weiß nicht, ob nachhaltig (denn es wird ja wieder abgesetzt), aber zum ersten Mal seit meiner Lungenentzündung, schaffe ich wieder etwas mehr körperliche Arbeit. Kein Leichtfuß, aber immerhin. Morgen setze ich mich in den kühlen Morgenstunden an die Zeichenarbeit für das Buchcover, auf das ein Kollege wartet… Habt einen schönen Sonntag alle miteinander.

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Morgenstunde (467. Blog-Notat)

Als ich die Augen heute aufschlug, klatschen Riesenschneeflocken aus den Wolken. Sie tauten schon zerrissen, indem sie fielen. Dazu fiel mir, nur halbwach, ein nächstes Szenenbild für den Klausurtext ein. Ganz andere Farbe, völlig andere Konsistenz – Assoziation eben, die riss mich aus den Federn, um schnell das Erdachte aufzuschreiben. Manchmal sind solche Bilder flüchtig wie ein Traum, wenn man eben noch halb schläft.
Erst nach dem kleinen Schreibanfall habe ich mir die RKI-Zahlen vom Tage auf den Bildschirm geholt. Da rollt sie also, die Dritte Welle, die Zahlen steigen sprunghaft, es war anzunehmen, sie beunruhigen trotzdem. Es war ja ein großes Lebensgeschenk für zwei, drei Generationen in Deutschland gewesen, nicht mehr mit Seuchen leben zu müssen, aber das hat naturgemäß auch einiges im kollektiven Bewusstsein vergessen gemacht. Als mein Großvater Arthur 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, litt er an Tuberkulose. Mit anderen kranken Männern haben sie ihn in einen Dorfkaten am Rande von Oberreichenbach o/l verstaut und gewissermaßen weggeschlossen – bis zum Tod. Es hieß das Siechenhaus. Die Frauen durften den Kranken Essen bringen und vor die Tür stellen. Zeiten, herrje. Ich habe als Grundschülerin Anfang der 60er Jahre einmal 14 Tage auf einer Seuchenstation wegen Ruhrverdacht zugebracht. Auch da blickten meine Eltern mitten im Winter nur die zwei Stockwerke zu mir herauf – Kontaktverbot war das gängige Prozedere in solchen Fällen. Es blieb beim Verdacht. Die Westdeutschen kennen noch die Ausbrüche von Kinderlähmung in den 60er Jahren. Wir sollten uns in unseren Familien mehr erinnern, um die Gegenwart besser zu ertragen…

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