Morgenstunde (601. Blog-Notat)

Ein Gespür von Weihnachten hängt in der Zeit. Gestern hat Sandra den Wichtel gegeben. Herrliche Leckereien stellte sie uns auf das Fensterbrett. Ganz herzlichen Dank in den Alten Kiez! Das war ein heiteres Trostpflaster für die Seele. Ach, ihr glaubt ja gar nicht, wie sehr mir das weihnachtliche Beieinander auf der Bleiche fehlt. Gefühlt fahren wohl alle Brandenburger heute nach Berlin, um wenigstens einmal über einen Weihnachtsmarkt zu schlendern und Glühweinduft zu schnuppern. Eine Welt ohne Feste ist einfach nur traurig. Als mein Sohn herangewachsen war und Weihnachten lieber bei Freunden oder der einen Freundin feierte, bekam für mich das Hohe Fest seinen ersten Riss, denn Weihnachten ohne Kinder wird unaufgeregter und verliert seinen Zauber. Als meine Eltern starben wurde es noch trauriger, weil man/frau selbst niemandes Kind mehr ist und an Feiertagen wird das besonders deutlich. Genau in dieser Zeit begann ich diese Weihnachtsgeschichten zu schreiben… die Mutation zur „Weihnachtsfrau“ begann. Das also war nun meine neue Aufgabe im Advent… Habt alle miteinander einen frohen vierten Adventssonntag!

Hier gehts zurück zum Adventskalender

Aufrufe: 201

Morgenstunde (600. Blog-Notat)

So langsam tröpfelt Weihnachtspost ins Haus. Mein Schriftstellerfreund Ecki hat mir sein neustes Werk vermacht (Freude, ich hab Lesefutter!!!) und zwei Herzmenschen namens Sabine schrieben mir zurück (wie schön!) und riefen nicht schlechterdings mal kurz oder lang durch… Ich bin gespannt, was morgen der Briefkasten spendiert.
Dieser 2. Sinnsucher (oben im Bild) ist gestern entstanden. Das Thema – die Suche nach dem Sinn – liegt wohl auf der Hand. Der Antrieb nach menschlicher Erkenntnissuche ist ja uralt und treibt mich immer mal wieder um, vor allem, wenn die Zeit ihren Sinn zu verlieren scheint. Meine Sinnsucher sind helle und dunkle Schattengestalten, keine Zeitschatten, sondern Bewusstseinsschatten, das Unterbewusste eben…
Habt alle einen schönen 4. Advent!

Hier gehts zurück zum Adventskalender

Aufrufe: 165

Morgenstunde (599. Blog-Notat)

Am Wochenende war die Adventszeit mal wieder so, wie sie sein kann: Klitzekleine Kaffeerunden, zu der jeder/jede eigene Knuspergaben zur gemütlichen Plauderzeit beisteuerte. Viel zu selten ist es in der C-Zeit so und ja, leider beherrscht das C-Thema auch hier wieder alles und jedes. Wir sehen erschrocken die Folgen und da meine ich nicht die vielen schlimmen Infektionen, sondern die psychische Verfasstheit. Die ersten Mitmenschen zerspringen in diesem Daueralarm.  Permanente Panikmache kann nicht der richtige Weg aus der Pandemie sein, zumal niemand wirklich weiß, über welchen vor uns liegenden Zeitraum wir hier sprechen. Gewiss können wir diese Pandemie nicht mit Pest oder Cholera vergleichen, denn die Wissenschaft ist weiter, aber daher können wir ahnen, es wird dauern… Ach, ich will mich heute Morgen nicht schon wieder daran festbeißen…

Also arbeite ich, wie immer, still vor mich hin und in den Pausen entstehen das Fest vorbereitende Kleinigkeiten wie diese hier: Gewürzeier – für den Fall, es kommen überraschend Gäste und man/frau braucht einen schnellen, herzhaften Snack. Das Rezept findet Ihr unten, weil es auch eine gute Variante für die kurzweilige Haltbarmachung überzähliger Eier ist. Und natürlich ist der Essig-Sud von seinen Ingredienzien her auch variabel und die Mengen auch.

Die Ingredienzien für 30 Gewürz-Eier:
1 Flasche Tafelessig 1 zu 1 verdünnt mit Wasser, ½ Wasserglas Wallnussessig, ½ Wasserglas Himbeeressig, ½ Wasserglas Balsamicoessig, 2 Lorbeerblätter, 5 Piment, 5 Schalotten, 2 cm Ingwer in dünnen Scheiben, 10 Nelken, Knoblauch, etwa 3 Esslöffel Zucker zum Sud aufkochen und durchseihen. Nach dem Erkalten über die hart gekochten, gepellten Eier gießen, und das große Glasgefäß luftdicht verschließen.

Zwei Tage kühl stellen, dann ist die Außenhaut der Eier schkoladenbraun und man kann sie auf den Tisch bringen. Mit etwas Senf und saurer Gurke als Snack als Appetithappen. 14 Tage sind die Gewürzeier im Kühlschrank haltbar.

Hier gehts zurück zum Adventskalender

Aufrufe: 214

Morgenstunde (597. Blog-Notat)

Die Weihnachtspost ist raus und nun freue ich mich an den ersten eintrudelnden Erwiderungen. Kontakte irgendwie herznah zu erhalten, ist in diesen Zeiten, wichtiger denn je. Gestern haben wir zum Nikolaustag den Stollen verkostet, und: Er ist gelungen, das war die Mühe wert. Die Zutaten für die zwei kleinen Laiber haben mich rund 10 € gekostet. Für die gleiche Größe habe ich vergangenes Jahr für einen Bäckerstollen 35 € (zzgl. Versandt) bezahlt. Nur mal so nebenbei… und außerdem ist es einfach toll, die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Der Imkergatte hat beim Kneten geholfen, was zum Gelingen eine wichtige Zutat war, und so haben wir beide beim Kosten gemeinsam einen kleinen Stolz verspürt. Der Alltag im Advent hat immer mal wieder solche Momente. Im Atelier tickt heute ein Pausenzeichen. Brauche mal Abstand, die Distanz, um die Totale – das Ganze – zu sehen… und eben PAUSE, Kerzen anzünden, ein bisschen Sinnieren. Die Nachrichten mal nicht einschalten, für ein paar Stunden… Im Hof blüht unter der Wetterstation derweil noch eine Rose, der Schnee verdeckt, was ich im Garten nicht geschafft habe, gut so, kein schlechtes Gewissen mehr…


Hier gehts zurück zum Adventskalender

 

Aufrufe: 157

Morgenstunde (596. Blog-Notat)

Die üppige Briefpost zum Weihnachtsfest habe ich inzwischen geschafft. Aber alle kann man/frau auf diese Weise nicht beglücken, die meisten bekommen eine festliche Mail, die aber haben noch Zeit. Die Dunkelheit macht uns zu schaffen, also werfen wir Vitamin D ein und hoffen auf hellere Stimmung und weniger Müdigkeit. Die Roman-Seite ist gestern noch zustande gekommen, wer mag kann sie hier lesen…

Aus meinem Roman-Projekt:
“Die Zeit der weißen Wälder”

…Das war ihr Wunsch. All ihre Toten standen imaginär hinter ihrem Rücken und schupsten sie leise dorthin, wo sie jetzt stand: An einem Wendepunkt. Sie war zurückgegangen, um das Band aufzunehmen. Jetzt wusste sie, wie sie vorwärts gehen würde. Einen Augenblick machte sie das leicht und stark zugleich. Sie stellte die Kunstfotos ins Netz und betrachtete noch einmal prüfend das Ergebnis. Danach schrieb sie entschlossen ihre Kündigung und schickte sie per Mail an Herzog.

Sehr geehrter Herr Herzog,

es hat etwas gedauert, bis die Gewissheit in mir wuchs, dass ich meine Kraft nicht mehr in die Planung von städtischen Großsiedlungen stecken möchte. Diese Behausungen sind seelenlos. Ich werde mich zukünftig künstlerischer Arbeit widmen und kündige hiermit unseren Vertrag. Fristlos, denn ich nehme jetzt all meine unbezahlten Überstunden aus 18 Arbeitsjahren in Anspruch. Sie reichen weit über ein Vierteljahr hinaus.
Mit freundlichen Grüßen
Emilia Bach

Herzog war sauer und schlug mit der flachen Hand auf seine Tischplatte. „Fristlos? Eine Frechheit!“ Er stand auf und lief durch den großen Raum. Runde um Runde um Schreib- und Sitzungstisch. Wie konnte sie nur ihren sicheren Job gegen eine ungewisse Freiberuflichkeit eintauschen? Er fluchte gallig: „Der blanke Leichtsinn! Eine Weiberlaune! Kunst – in diesen Zeiten! Pa, wer braucht denn sowas! Das machen doch sowieso bald nur noch die Computer! Die hat einfach zu lange in ihren Albträumen gesessen!“ Marta Liebig, die Sekretärin öffnete sehr vorsichtig die Tür zum Chefzimmer: „Ist etwas, Herr Herzog? Brauchen Sie irgendetwas?“ „Raus!“ brüllte der Mann.  Die Tür schloss sich noch langsamer als sie sich geöffnet hatte. Herzog holte sich ein Glas Whisky aus der Büro-Bar und ließ sich damit in seinen Lesersessel fallen. Ja, klar, die Bach war eine gewande Zeichnerin, aber glaubte sie denn wirklich davon leben zu können?  Dieser Gedanke besorgte den Mann nicht wirklich. Es war eher der Umstand, dass er nun selbst diese ungeliebte Studie zu Ende führen musste und Vorschläge für eine komplexe Sanierung eines Großwohnblocks des Typs WBS 70 entwickeln musste. Er musste sich sozusagen schnellstens eine Platte machen, denn es gab niemanden im Team, dem er das überhelfen konnte. Und wenn er der Bach mehr Geld anbieten würde? Er griff spontan zum Telefon, wählte; Emilia sah die Nummer auf dem Display und drückte sie schmerzfrei weg.
Er hatte sie verloren.

Frei sein – das fühlte sich merkwürdig an. In diesem Land reden die Leute ja andauernd von Freiheit. Aber die allermeisten waren in ihrem Alltag nicht frei, sondern abhängig von Tausenderlei. Das spürte Emilia jetzt ganz deutlich. Natürlich wird Freiheit den Menschen in Deutschland sogar per Gesetz  zugesichert: Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Reisefreiheit… Aber die Lebensverhältnisse sind übergriffig und schränken die wahren Möglichkeiten ein. Durch Einflussnahme und Machtmissbrauch. Emilias Arbeitsverhältnis hatte in den letzten Jahren dazu geführt, dass sie sich nicht mehr spürte. Kein Teil von ihr schien ihr noch zu gehören. Alles ordnete sich diesem hochwertigen Job unter, der auch außerhalb der bezahlten Zeiten verlangte, dass sie bergeweise Fachliteratur las und forschte. Der Kopf war nicht frei. Deshalb war es so unermesslich schwer aus der Bahn auf einen anderen Pfad zu springen. Selbst wenn sie sich irrte, sich fürchtete, vielleicht versagte, sie war aus freien Stücken unterwegs und der Raum, der sich ihr jetzt öffnete, war weit…

Hier gehts zurück zum Adventskalender

Aufrufe: 205

Morgenstunde (595. Blog-Notat)

Nun hat es doch noch geschneit und auch wenn es schon wieder taut, in der Morgenstunde waren die Blicke aus den Fenstern ein Traum. Und doch will in diesen Tagen nicht so recht Adventsstimmung aufkeimen, auch wenn ich den Budenzauber probe und Märchenzeiten streue, die Nachrichten drücken einen einfach immer wieder in den Keller. Am ersten Advent sind wir Zwei in der Dunkelheit zur Bleiche am Fließ gelaufen: Ob vielleicht doch dort ein Feuer lodert? Aber nein, war/ist ja verboten in Brandenburg. Einsam stand der Dorfweihnachtsbaum in der dunklen Kälte. Was waren wir an dieser Stelle schon herzhaft fröhlich miteinander in unserem Dorf. In diesen Tagen trifft man sich nur noch am Zaun oder auf Beerdigungen. Kinner nee. Werde heute einen Schreibtag einlegen, eine Seite für das Roman-Projekt wird vielleicht werden. Könnt Ihr morgen lesen. Zum Adventssonntag gibt es hier noch einen Extra-Link zu der Geschichte: Der Waldschrat

Und hier gehts zurück zum Adventskalender

Aufrufe: 236

Morgenstunde (594. Blog-Notat)

Es ist gerade noch so dunkel draußen, dass wir schon am Morgen die Kerzen anzünden. Noch weitere 20 Tage, dann ist Wintersonnenwende – also der kürzeste Tag und die längste Nacht. Danach gehts wieder aufwärts, aber augenblicklich stecken wir im tiefsten Dunkel.

Zur Ablenkung gibts hier einen weiteren Ausschnitt aus meinem Roman-Projekt: “Die Zeit der weißen Wälder”

….Emilia zeichnete. Schwarze, fließende Linien auf langen, weißen Gewebebahnen. Meterlange Lianen, die sich zu Worten wanden, ausstrahlten, um abermals zu zerfließen zu Pfaden, Jahresringen, Lebenslinien. Ihr Thema – das Menschenband, die Verstrickungen der Generationen. Plötzlich wusste Emilia, dass es genau dieser Gedanke war, der sie aufgerufen hatte, ihm Gestalt zu geben. Eine innerliche Initialisierung mit Imperativ: Du musst es zulassen und ihm folgen! All diese Linien ergaben atmende Muster, ein rhythmisches Zusammenspiel, wie ein lebender Organismus. Fieberhaft entwickelte die Frau ihren Stil in absoluter Stille. Kein Radio, kein Fernseher, nur sie und dieses schwarze Acryl auf weißen Bahnen, die an der Decke der einen Wand hingen, abwärts schwebten, über den Boden liefen, um gegenüber an der anderen Wand wieder aufzusteigen. Meterlange Gebilde und mittendrin eine Frau auf der Suche nach dem Gespür dieses großen Zusammenhangs. Sie experimentierte mit natürlichen Pflanzenfarben aus Holunder- und Blaubeeren, aus der Gerbsäure der Walnussfrucht und Spinat. Dieses kräftige Farbspektrum verdrängte das schwarze Acryl vom Malgrund. Emilia hatte das Gefühl, ihre Mutter sah ihr über die Schulter und lächelte. Eine leise Zufriedenheit machte sich in der Suchenden breit. Nur nachts lag sie unruhig und stundenlang schlaflos. Ihre Nachtgedanken kreisten um den Puppenspieler.

Sie war genervt. Seit Tagen baute sie an ihrer Website. Ihr Nacken schmerzte und die Augen waren trocken vom zu langen Starren auf den grellen Bildschirm. Emilia ging ins Bad und träufelte sich Tropfen in die Augen. Dabei dachte sie: Du hast dir den schlechtesten Zeitpunkt für deinen kreativen Aufbruch ausgesucht. Corona verschloss auch diesmal die Kulturstätten und es plante inzwischen niemand mehr wirklich eine Ausstellungszeit. Deshalb wollte sich die Frau eine virtuelle Galerie einrichten, einfach, um sich irgendwie zu zeigen. Ausgang offen – ein Versuch für öffentliche Wahrnehmung. Doch es ging ihr einfach zu mühselig voran. Aber heute könnte sie endlich beginnen, ihre schier endlosen Gewebebänder als Rauminstallation ins Netz zu stellen. Dann könnte sie ihr Wohnzimmer wieder „entkleiden“, aufräumen, um neu zu beginnen.
Während sie den Raum optimal ausleuchtete und zu fotografieren begann, befielen sie wieder diese Selbstzweifel. Was ist es wert? Wer braucht das? Sie änderte ihre Perspektive und schoss im Liegen Ansichten vom Aufsteigen und Fallen der Strukturbänder. Würde sie jemand verstehen? Was löst diese Kunst aus? Könnte sie das Denken beeinflussen? Wegführen von dem detailversessenen Aufflackern von Ideen, die sehr bald wieder niedergerissen werden, ausgelöscht und vergessen? Wäre es möglich, das menschliche Sein als Ganzes anzunehmen. Altes nicht zu verwerfen, sondern einfach Neues dazuzufügen? Um wieviel reicher wäre die Welt? Und man/frau müsste nicht allenthalben Vergessenes neu bergen, um es wieder nützlich zu machen. Das Band der Generationen würde so sichtbar sein. Kein dünner Faden, sondern ein dickes Seil…

Hier gehts zurück zum Adventskalender

Aufrufe: 182

Morgenstunde (593. Blog-Notat)

Gestern Mittag bedankte sich die Druckerei Rahn aus Ahrensfelde für die von mir für sie gezeichnete Weihnachtskarte. Die Antwort war ein bisschen überfällig und ich machte mir inzwischen schon so meine Gedanken… Aber nun – puh – Erleichterung. Auftragsarbeit ist immer ein etwas heikel, weil man nie genau weiß, wie die eigene Interpretation beim Gegenüber ankommt.  Aber sie fanden, es sei „eine tolle Grafik!“, wie schön. Zeigen kann ich sie hier nicht, die Drucker wollen ja damit noch ihre Kundschaft überraschen…

Weil man mich der Letzt fragte, wann könne man mal wieder einen Ausschnitt aus meinem Roman-Projekt “Die Zeit der weißen Wälder” lesen (?) – Bitteschön:

…„Klar, wovor sonst“, murmelte Hans, der Täuscher und sprach dann fester: „Jeder neue Weg, der gegangen werden will, macht erst einmal Angst. Aber neues Terrain zu erkunden ist auch beflügelnd. Man spürt, wie man wächst, dass macht mit der Zeit sicherer.“
„Aber auch einsam, denn man passt plötzlich zu keinem der alten Gemeinschaft mehr, ist keiner mehr von ihnen, steht außerhalb des Kreises.“ Emilia gestikulierte mit harten Händen. Es sah beinahe so aus, als schmerzten die Worte, die fielen.
Der Puppenspieler räusperte sich, „Du solltest dir neue Gefährten suchen. Menschen, die ähnliche Wege gehen.“
„Wozu? Diese Solisten sind doch alle irgendwie schräg. Völlig gefangen im eigenen Kreisel. Solche Typen wie du, verbieten sich ja sogar zu lieben.“
Da war es raus. Eigentlich wollte Emilia, die Szene am Feuer nicht kommentieren. Aber offenbar hatte seine Zurückweisung doch einen Stachel gesetzt. Schweigen begleitete das Trinken. Emilia holte die zweite Rotweinflasche, entkorkte sie und stellte sie etwas zu heftig ab. Die Becher klirrten. Eine Wucht der Gefühle schwappte wortlos aus ihr.
„Ich bin ja hier, um es zu erklären, wenn es denn geht“, druckste der Mann.
Emilia setzte sich demonstrativ, stemmte die Ellenbogen trotzig auf die Tischplatte und ihr Gesicht in die Hände. Ihre Augen fixierten den hageren Mann. Jedes Wort wäre jetzt das Falsche gewesen. Hans stand langsam auf und zog sie aus ihrer lauernden Position in seine Arme. „Bitte verzeih mir.“
Bittere Küsse erwiderten seine. Das Spröde wurde weicher und zwei Menschen verloren sich aneinander in dieser langen Nacht.

Am nächsten Morgen war der Strom wieder da, aber der Sturm hatte polare Luft herangeschoben. Der Wald hinter dem Haus glitzerte im Raureif.  Hans war zeitig aufgestanden und bereitete ein üppiges Frühstück vor. Der Duft des Kaffees schlich über das Nachtlager und weckte Emilia. Sie fühlte sich erwärmt und geborgen als sie aufstand und in die offene Küche trat.
„Morgen! Aufgehört oder ausgeschlafen?“
„Vom Duft geweckt, bekomme ja nicht jeden Tag ein Frühstück serviert.“
Hans räusperte sich: „Wird auch nie alle Tage sein. Ich muss ja weiter touren.“
Emilia verschloss sich wieder: „Ja, verstehe und was wird das nun? Eine Gelegenheitsbeziehung?“
„Frag nicht, ich weiß es doch auch nicht.“
Sie aßen miteinander, aber die Nähe der Nacht wich einer ungewissen Distanz. Hans, der Täuscher brach nach der zweiten Tasse Kaffee auf. Zu einen Schauplatz in der Lausitz. Ohne eine Verabredung. Als Emilia enttäuscht das Radio anschaltete, warnte eine dringliche Stimme vor der anschwellenden vierten Corona- Welle. Sie fluchte angewidert….

Aufrufe: 199

Morgenstunde (592. Blog-Notat)

Diesen schönen Weihnachtsstern haben uns gestern zwei Herzmenschen aus Wandlitz ins Häuschen getragen. Nein, sie hatten nicht meine Absage des Adventsgeschehen auf dem Hof überlesen, sondern sich gesagt, alleine können wir ja kommen und bringen einfach Glühwein in der Thermoskanne mit. Wir zwei schauten von der Mittagsruhe noch einigermaßen verschlafen aus der Wäsche. Aber das Kichern begann, als die beiden sogar eigene Glühweintassen auspackten. So unter dem Motto: Weiß ja grade keiner so ganz genau, welche Regeln gelten und welcher Verhaltenskodex im Hause herrscht. Aber gut so, denn ich hatte erst gar keinen Glühwein im Hause, weil die Woche so leise verlief, dass ich dachte, bis Neujahr kommt eh keiner mehr… Ein Hauch von Advent schlich sich mit dem Pärchen ins Haus: bei Kerzenlicht Plätzchen verkosten und ein bisschen schnattern über die Zeit. Zwei Bücher nahmen sie mit aus dem Atelier und ihr geschenkter Stern wird nun in meine vorweihnachtliche Zeit leuchten. Habt Dank dafür!

Aufrufe: 176

Morgenstunde (591. Blog-Notat)

Heute back‘ ich, morgen auch. Morgen die Familienplätzchen, heute zwei kleine Stollen. Einen für die hochbetagten Eltern, den anderen für uns. Mehr wird nicht gebraucht. Wir haben es noch erlebt, wie die Großmütter und die Mütter ihren Stollenteig auf dem Schlitten in einer kleinen Zinkwanne zum Bäcker zogen. Sieben, acht Laiber wurden es, die bis Ostern reichten. Das Handgemachte bekomme ich nicht mehr von der Zunge, deshalb mag bis heute keine Industrieware, also selbst ist die Frau. Jetzt liegen die Teile in der Küche und duften vor sich hin, abends kommen sie in Blechdosen und reifen dort bis Weihnachten.
Habt einen schönen ersten Advent, auch wenn die Nachrichten wieder ganz gruselig sind, bleibt alle miteinander tapfer und behaltet die Nerven!

24 Stunden später: Die Böhmischen Familienplätzchen sind fertig, Advent kann kommen…

Aufrufe: 118