Frostige Wirklichkeit

Frost
Erfrorene Kirschblüte April 2017. Foto: pe

Im Totentanz der Zeit
schweben flirrende Stimmen
vom Dunkel ins Licht.
Winterlich, schauerlich, unheimlich, eiskalt.

Sie tränken das Leben
mit dumpfen Getöse
fernab aller Mitmenschlichkeit.
Nervös taumelnd, überfordert, sich selbst fremd.

Sie hetzen durch die Gegenwart
beängstigend sorglos
hinein in den großen Weltenknall.
Verdrossen, abgekämpft und rücksichtslos.

© Petra Elsner
April 2017

Wegzeichen

Foto: Petra Elsner

Tod,
du hast mich wachgerüttelt:
Lebe
und sinniere nicht!
Lass‘ die Fragen nach dem Morgen,
um dem Heute still zu lauschen
und der Freude,
dass du noch da bist.

© Petra Elsner
April 2017

Langschläfer

Grauverhangen. Foto: Petra Elsner

Morgengrauen tief getönt,
stöhnt leise aus den Federn.
Nur Kaffeeduft lockt in den Tag.
Da heb‘ ich meine müden Glieder,
ein bisschen neidisch auf die Gestalt,
die eben noch da nieder lag.
Die träumte leicht von sonnigem Gefunkel.
Doch endlich erwacht
war der ganze Tag nur dunkel.

Petra Elsner
5. März 2017

 

Hinweis zum Urheberrecht: Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bedarf meiner Genehmigung.

Vom Glück

Frühlingsläuten. Foto: pe

Das Glück braucht
keinen Regenschirm
und keine Sockenhalter.
Es will nicht viel,
nur Frühlingslicht,
schon treibt es still
in jedem Alter.

Petra Elsner
5. März 2017

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Nachtland

Im Schatten der Träume. Foto: pe

Komm leg‘ dich in meinen matten Schatten.
Die Nacht tanzt voller Gespenster
wild und uferlos.
Komm feg‘ deine Furcht aus meinem Nacken
und mach‘ die Leinen los.

Die Zeit nimmt Fahrt auf –
gegen Gischt und Sturm.
Der Kurs heißt: Nachtland,
lass die Leinen endlich los.

Komm pflück‘ dir einen Stern
aus meinem Himmel,
und steck‘ ihn dir an deinen Hut.
Rutschen die Schatten von den Planken
öffne den Tag wieder mühelos.

© Petra Elsner
24. Februar 2017

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Das Grau geht

Nieselschleier wehen
das Land atemschwer.
Es schmatzt und fröstelt.
Das Grau verharrt noch allerorten.
Trist und bleiern,
als wollte es noch Zeit horten.
Doch es döst hier nur noch
diesen Tag und jene Nacht.
Hinter den Stürmen
entfacht sich das große Lebensleuchten.

Frühlingsleuchten. Foto: pe

Einkehr

Foto: Pe

Wie viele Leben leb‘ ich schon?
Ist es das fünfte oder letzte?
Ganz gleich.
Ich lebe endlich zeitergeben.
Fühl‘ wieder Freud‘ und Segen.
Ohne Hatz ist endlich Ruh‘.
Und der ganze Weltenregen
prasselt nieder anderswo.

Wo wohnen die guten Zeiten?

Hinter den schwarzen Wolken
haust vielleicht die gute Zeit?
Im fernen Licht,
dort vorne irgendwo.
Ich will es sehn.

Wo warten die guten Zeiten?
Hinter dem Mondlicht?
Im blanken Schatten des Skalpells?
Muss ich dorthin fliegen oder schreiten,
wo Schmerz und Sorge endlich sind?

Wo wohnen die guten Zeiten?
Die Kraft ist dünn.
Längst welken die Gedanken
und der Spürsinn auch.
Ich will in gute Zeiten.

© Petra Elsner

Gute Zeiten
Hängematte im Regen.
Foto: pe

Novemberfrost – ein Wintergedicht

Novemberfrost
Frost

Das Grau
schleicht sich
in die Landschaft,
wie das Alter
in die Lebenszeit.

Welk und müde
kräuselt sich
das Blattwerk
in die Vergänglichkeit.

Nur der Mond
leuchtet tröstlich
über all der Leere,
die frostig knistert:
Es war einmal …

Eisig schön.
Eisig schön.

© Petra Elsner
November 2016

 

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Herbstverweht

Herbst im Lesegarten. Foto: pe
Herbst im Lesegarten. Foto: pe

Golden wirbeln sie davon,
die Blätter im Oktoberwind.
Sie knistern, kreisen, taumeln,
und steigen in den Böen
frech über Nachbars Zäune.
Es ist ihr letzter wilder Tanz im Jahr,
der leuchtend über kahle Kronen lacht.

© Petra Elsner
Oktober 2016

 

 

Tautropfen.
Tautropfen.

 

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