Morgenstunde (13)

Zeichnung: Petra Elsner

Florale Motive haben mich lange nicht mehr interessiert. Sie gehörten nicht zu jener  Bilderwelt, aus der sich meine Erfindungen speisen. Aber seit ich in diesem verpeilten Sommer das Märchen „Die Mohnfee und die verschwundene Zeit“ geschrieben und illustriert habe, ist das irgendwie anders. Immer wieder fragen mich Ateliergäste, ob ich nicht diese wundervollen Mohnblüten aus besagter Geschichte ohne Märchen aufs Blatt bringen könnte. Auf dem Berliner Kunstmarkt am vergangenen Wochenende war das auch allenthalben so. Hm, wollte ich eigentlich nicht. Aber nun, da es draußen  regendunkel ist und der Sommer sich wieder aus dem Staub gemacht hat, war mir nach leichter Kost gegen den Trübsinn. Und da sind sie nun, die ersten zwei Mohnblütenblätter. Nein, ich werde das Florale nicht ewiglich betreiben, aber als stimmungsaufhellende Fingerübung sind die Zarten wirklich geeignet. Offenbar helfen Mohnblütenblätter gegen Herbstblues… 🙂

Zeichnung: Petra Elsner

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Morgenstunde (12)

September im Lesegarten. Es ist früh am Morgen. Die Lesebanner sind schon aufgehängt und die ersten Möbel aufgestellt. Es fehlt noch das Kaffeegeschirr und die Sitzmöglichkeiten im Blumenmond. Noch liegen die langen Schatten auf der Wiese, aber heute Nachmittag wird hier mildes Sonnenlicht wohnen.

Das Wetter scheint mitzuspielen. Das ist ein Glück, denn heute Nachmittag kommt der Frauentreff aus dem Örtchen Hammer, um das Atelier und den Lesegarten zu besichtigen. Für mich ist das immer total aufregend. Denn man/frau kennt nicht die Erwartungshaltung der Ateliergucker und macht so viel  mehr als vielleicht notwendig. Zum Beispiel ist der Garten frisch frisiert. Klar, dass hätte ich im September eh vorgehabt, aber so auf den Punkt – nicht. Da wir einen Altweibersommertag bekommen haben, können wir die ganze Pracht wenigstens gut genießen. Ich werde 15 Minuten lang im Blumenmond eine Geschichte als Kostprobe vorlesen und Kaffee ausgeben. Danach hoffe ich auf wirklich interessierte Besucher, die sich gut umschauen und all die schönen Dinge mit den Augen berühren. Vor einigen Monaten hatte ich in Hammer eine Autorenlesung gegeben. Die Ausflugsidee der Landfrauen entstand in diesem Kontext. Ich bin gespannt wie das ausgeht.

(pe, 5. September 2017)

Gartenschmöker.

Stunden später:

War schön gewesen. Die Frauengruppe hat sich zwei Bleche voll Kuchen mitgebracht und zur Kaffeezeit meiner Mohnfeegeschichte gelauscht. Mit dem Ergebnis, dass doch ein großer Teil der Besucherinnen Bücher für sich entdeckten. Was will frau mehr! Dazu bekamen wir alle diesen wunderbaren Spätsommertag geschenkt- einfach klasse. Inzwischen ist das ganze Szenario im Garten zurückgebaut, wir sind gut geschafft. Zu morgen hat sich eben der nächste Atelierbesuch angesagt. Eine Kleingruppe, die ein Sommer- und ein Winterbuch von mir haben will – kann sie :).

Pausieren: Besucherinnen vom Frauentreff Hammer bei ihrer Kaffeezeit in der Nachmittagssonne.
Lesung im Sonnenlicht.

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Morgenstunde (11)

In den Zeitenwind gesprochen.
Foto: Petra Elsner

Vor nicht allzu langer Zeit wurden die jungen Schreiber von erfahrenen Redakteuren unter die Flügel genommen. Denn so lernt man am besten fliegen (nicht wahr Gitta?). Gemeint ist eine fachlich, stilistisch und journalistisch solide Arbeit. Dabei ging es nicht nur um kompetente Recherche, sondern auch und vor allem um Augenmaß und Verantwortung. Ein Gespür für die Folgen einer Headline zu entwickeln. Das alles gibt es heute kaum noch. Denn die alten Redakteure hocken auf ihrem Erfahrungsberg wie auf einem Goldschatz und hüten ihn verschlossen. Doch das ist keine Rückversicherung für das Verleiben in den Redaktionsstuben. Längst gehen Sensation und Originalität vor Qualität und Mitmenschlichkeit. Berufsethos – was ist das heute noch?
Mein „Meister“ war einst der Redakteur Eckard Sommer. Er war kaum älter als ich, aber schon lange bei der Presse, während ich als 33-jährige Quereinsteigerin erst nebenberuflich studierte. Er übernahm für mich die sogenannte Zweitlese und trieb mir die schlimmsten ledernen Wortverbindungen aus. Danke Ecki! Ich spreche das ins virtuelle Nirwana, weil ich den Herrn Sommer kurz nach der Wende aus den Augen verloren habe. Sehr schade.
Schüler-Meister, dass ist, wie ich finde, auch heute noch ein wichtiges gesellschaftliches Verhältnis. Ein starkes Bindemittel. Die Jungen denken vielleicht, es gibt Google, was soll ich da noch irgendjemanden fragen. Aber Gespür und Instinkt bekommt man nicht über eine Suchmaschine serviert. Es gab schon einmal solch einen gesellschaftlichen Einbruch, nach dem die Jungen glaubten, die Alten nicht mehr zu brauchen. Es war die Erfindung der Schrift… (pe, 2. September 2017)

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Morgenstunde (10)

Blick aus dem Atelierfenster.

Es ist wohl das schwerste überhaupt,
für sich das richtige Arbeitsmaß zu finden.
Da starte ich einen Morgentest
und bringe damit meinen ganzen Tag damit durcheinander.
Zuerst legt sich ein Druck in die Zeit
und bindet die Gedanken an das Unterfangen,
statt frei zu sein für die künstlerischen Projekte.
Die „Morgenstunde“ als Plauderei wird es fortan immer mal wieder geben,
sporadisch ohne feste Verpflichtung.
Denn da draußen lockt das pralle Leben…

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Morgenstunde (9)

Gartenschmöker.

Eigentlich wollte ich nie wieder über das Arbeiten für Zeitungen schreiben. Eines Tages saß ich in einem Wartezimmer beim Arzt, lange und als ich nach zweieinhalb Stunden endlich dran war und mein Blutdruck 110 zu 180 anzeigte, wurde ich gefragt, ob ich mich aufgeregt oder Angst hätte. Ich schüttelte ahnungslos meinen Kopf. Erst auf dem Nachhauseweg wurde mir klar, was diesen Tumult ausgelöst hatte – das Büchlein „Der letzte Zeitungsleser“ von Michael Angeles, was ich im Wartezimmer las. Die Fiktion erzählt von einer Zeit, in der es kaum noch Zeitungen geben wird und der Hatz nach jener Rarität. Alles was darin berichtet wird, ist wie aus der Jetztzeit gepflückt, einer Zeit, in der die Blätter zu Filterpapier verkommen und verelenden. Beim Lesen raste mein Puls los, denn mein Innerstes schrie als wären die Zeilen in eine offene Wunde gefallen. Und das waren sie auch. An diesem Tag habe ich mir gesagt, es ist die Sache nicht wert, sich soooo aufzuregen. Aber das ist nicht wahr. Der Autor und Blogger Arno von Rosen hat mir heute mit seinem Beitrag über NACHRICHTEN dieses Stöckchen hingehalten. Er verwies darin auf einen guten Artikel von Sanra Matteotti, die den Verfall der Schweizer Zeitungslandschaft kommentiert und die Folgen für die Demokratie aufzeigt. Diesen Prozess haben wir im Osten Deutschlands schon lange durch. Seit mehr als zehn Jahren verkam das Zeitungsmachen zum FÜLLEN von Papier. Immer weniger Menschen müssen immer mehr Seiten schruppen. Das hat haarige Auswirkungen auf die Qualität von Recherche und Text. Und weil die Artikel im Mengen „ausgeworfen“ werden, als würden sie Maschinen produzieren, ist auch der verlegerische Umgang mit den Journalisten respektlos geworden. Von den freien Mitarbeitern will ich gar nicht erst reden. Die kommen noch hinter den Paketsklaven der Post. Was waren wir früher stolz über jede Edelfeder, die für unser Blättchen schrieb! Die Redaktion hat diesem Talent den Rücken frei geschaufelt und es gehütet und gepflegt. Heute sind alle Schreiber nur noch Kostenfaktoren. Und jeder, der noch draufsitzt auf dem alten Zeitungsdampfer hofft, der Pott möge ihn noch über die letzten Lebenswellen bis zur Rente tragen. Aber das ist ungewiss, wie die Frage, was kommt danach.

(pe, 29. August 2017)

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Morgenstunde (8)

Erntezeit.

Es duftet nach trocknenden Pilzen im ganzen Häuschen. Wohltuend: Der Spätsommer verschenkt gerade Gaumenfreuden und ein bisschen Jagdfieber. Milde hängt im Gartengrün, in das sich schon viel Braun mischt. Wir hoffen auf eine gute Pilzsaison und beschauliche Waldspaziergänge. Man/frau sollte in jederart Herbst zur Ernte kommen, aber das ist nicht so. Doch heute Morgen klemm‘ ich mir mal die große Nachdenklichkeit.
In einer Stunde wird es klingeln und eine taffe Lehrerin wird auf dem Hof spazieren, um mit mir unser Apfelprojekt für die Kleine Grundschule in Groß Schönebeck zu besprechen.

Der kleine Apfekönig. Zeichnung: Petra Elsner

Meine Geschichte „Der kleine Apfelkönig“ wird von den Kindern in ein Stück zum Erntedankfest verwandelt. Die Lehrerin will mir zeigen, wie sie meinen Text für die kindlichen Spieler umgeschrieben hat. Dabei kann ich über das Runterbrechen etwas lernen. Das ist spannend für mich und lässt zugleich verschmerzen, dass der Aufwand für solche Projekte unverhältnismäßig hoch ist. Zur Vorarbeit gehörte neben der Geschichte: fünf Malblätter zu entwerfen, ein Bühnenbild auf Stoff aufzureißen und natürlich ein Konzept zu schreiben. Die Malblätter werden von den Kids farbig ausgelegt und dienen danach als Spielhilfe, denn die Blätter zeigen immer einen Szeneninhalt. So können sie leichter mit eigenen Worten die gehörte Geschichte nacherzählen. Darum geht es. Und auf der Seite der Macher verschmelzen im Vorspiel (also in einer Stunde) die Talente. Ein feiner Morgen!

(pe, 28. August 2017)

 

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Morgenstunde (6)

Stufen zum Stolper Turm. War schön gewesen gestern. Ein Blick in die Ferne atemschwere Zeit. Foto: pe

Meine Morgenpost enthielt schwere Kost: Da schrieb mir ein Autorenkollege zum Werdegang seiner Bücher: Es sei nicht eine Frage der Qualität, ob ein Buch gut ginge … „die Präsenz im Buchhandel fehlt, und ohne die ist der Verkauf schwierig bis unmöglich.“ Ja, klar, dem ist so.
Ich kann mich noch erinnern, wie glücklich ich über meinen ersten Verlagsvertrag war, der mir zwar unbezahlt wirklich alle Rechte nahm, dafür aber eine deutschlandweite Präsenz versprach. Gemeint war wohl eher, dass das Werk von überall aus bestellbar war (und ist), aber ausliegen wird es wohl nur in der herausgebenden Buchhandlung. Das hat Folgen. Man/frau wird nicht gelesen. Aber Lesungen (das Zubrot des Literaten) werden nicht so gerne mit unbekannten Autoren angesetzt. Wer geht schon gerne zu Unbekannt? So inszenieren Buchhandlungen nur Autorenlesungen, wenn das Buch überall zu sehen und zu erwerben ist. Aber bei Auflagenhöhen von unter 1000 Stück – wie soll das gehen? So bleibt die Beteiligung am Umsatz schmal und steht in keiner Relation zum Aufwand. Nur in Sonntagsschmonzetten lebt das Wohlstandbild  über gut dotierte Literaten weiter. Doch der Wandel des Buchgeschäftes hat längst dessen Schaffensumstände verdorben. Gutes Einkommen realisieren nur jene, die mit Großverlagen arbeiten können, die die Kraft zur Marktschwemme haben. Was nichts über die Qualität verrät…
Aber es ist schon so – wir Schreiberlinge sind inzwischen viele. Zu keiner Zeit gab es derart viele kluge und gut ausgebildete Menschen wie in der Gegenwart. Dieses Kreativpotential will sich äußern und nicht nur schaffen – geschleust durch wirtschaftliche enge Kanäle. Aber es muss ja nicht in Buchform sein … Blogger leben auch in einem schönen Land…

Ein entspanntes Wochenende wünscht Euch Petra

PS: Mit der Morgenkolumne geht es Montag wieder weiter.

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Morgenstunde (5)

In den Weiden…

Sonnenfunken gaukeln in den Morgen ein letztes Lied vom Sommer. Doch dieses Licht tanzt nur windig, nicht warm. Acht Grad Aufstehtemperatur – da muss frau für den Wohlfühlzustand richtig zaubern. Ein paar Lindenklanghölzchen in den Weiden reichen dazu nicht aus. Wir werden jetzt ins Auto steigen und an die Oder fahren. Dem Wetter voraus. Dort wird der Tag am längsten regenfrei sein. Ich will neue Blicke sammeln. Diesseits des Stroms, nicht jenseits im Land meiner väterlichen Ahnen. Mit gekappten Wurzeln lässt sich schlecht wachsen – das ist eines meiner Merkzeichen auf meinen weisen Sprüchevögeln. Geflossen aus erlebter Wahrnehmung. Dieses Ziehen in die Fremde, auf blutigen Fluchtwegen hat ein großes Schweigen in meiner Sippe hinterlassen und einen ängstlichen Zukunftsblick. Gefühlt habe ich den immer noch in meinem Nacken. Gewehrt dagegen – ein Leben lang.

(pe, 24. August 2017)

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Morgenstunde (4)

Morgens in aller Frühe: 11 Grad und Dunst. Ich hab die Heizung aufgedreht und gestern Abend zum ersten Mal wieder ein Kerzenlicht ins Fenster gestellt. Ein sichtbares Zeichen, die dunkle Jahreszeit öffnet ihre Pforten. Die Schwalben sammeln sich schon auf den Stromleitungen und alten Antennenmasten, bald wird der erste brunftige Hirsch röhren.

Wandkalender im Atelierfenster.

Über dem Licht im Atelierfenster thront jetzt das Kalendertitelblatt für 2018. Endlich ist das Teil eingetroffen! Mein Prachtstück für alle Freunde der Eule kam gestern Nachmittag mit der Post. Wer schon länger hier mitliest, ahnt vielleicht, diese Zeichnerei an den Vögeln der Weisheit hat mich im letzten Winter wieder gesund gemacht. Kein Wunder also, dass für mich von diesen Blättern eine besondere Kraft ausgeht…
Wer will, kann sich seinen Kalenderwunsch für das nächste Jahr nun auch bei mir erfüllen. Bitte dazu anrufen, denn wir sind ja nicht pausenlos auf dem Hof: 039883 48913. Danke herzlichst.

Das Cover mit Schleiereulen.
Zeichnung: Petra Elsner

Das Kalendarium steht unter dem Thema “Flug durch Europa” und stellt in natürlicher Schönheit die 13 Eulenarten des Kontinents vor.
Ich selbst versende das Werk nicht, das macht der Verlag Messner Druck & Verlag, Talstraße 15 in 77978 Schuttertal.
Das Teil kann bei Verlegerin Daniela Messner
via Telefon oder per Mail bestellt werden:
druckerei-messner@t-online.de
Telefonisch:
078239609750
Dienstag bis Freitag erreichbar über: 06061968564
Der Kalender kostet 20 Euro zzgl. Versand.
Über die ISBN: 978-3-934309-29-6 kann der Kalender im Grunde von jeder Buchhandlung geordert werden.

(pe, 23. August 2017)

 

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Morgenstunde (3)

13 Grad vor der Tür, da schüttelt es einen doch wie Espenlaub und man denkt darüber nach, die Heizung wieder anzuschmeißen. Doch dann wurde es mir gleich warm ums Herz, als ich eben den Computer hochfuhr und von Manfred, dem unermüdlichen Websiten-Redakteur von kurtschlag.de erfuhr, die neue Seite über die Buschdorfkünstler sei freigeschaltet. Das ist wirklich stark, aber seht hier selbst.

Präsentation auf kurtschlag.de

Als die Redakteure Christina und Manfred mich vor drei Wochen um einen kleinen Text und ein Foto baten, war nicht abzusehen, was für eine super Präsentation daraus werden würde. Habt großen Dank für diesen gelungenen Schauplatz im virtuellen Schorfheidedorf !

Wie das nur früher war: Da hatte man/frau ein Bild geschaffen, irgendwer kaufte es und weg war es für alle Zeiten. Vielleicht gab es noch ein Papierfoto von dem Werk, aber gewöhnlich war es nach dem Besitzerwechsel für mich so, als hätte es diese Arbeit nie gegeben. Das ist kaum 20 Jahre her. Aber mit der Digitalisierung leben die vergebenen Bilder weiter. Die Malerin füttert ihr Festplatten-Schatzkästchen und kann sich die Bildansichten aufrufen so oft sie will. Das nährt die Gewissheit rund um das eigene Schaffen und ist die gute Seite des Bilderrausches unserer Tage. Von der Schlechten – wie der Inflation der Fotos und der damit verbundenen wirtschaftlichen Entwertung eines Berufsstanden – rede ich heute mal nicht.
(pe, 22. August 2017)

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