Wind über dem Land

Draußen dröhnt der Wind wie ein tosendes Meer.
Jedes Jahr lauter und böiger, immerzu.
Der Wind, kein himmlisches Kind.
Herangewachsen zum wütenden Mann,
weht er das Mutterland zur fruchtlosen Steppe
und sät nur Durst. (pe)

Geheimnis 68, 18x18 auf Karton
Geheimnis 68, 18×18 auf Karton

Seelenfunken

Das Dunkel wirft schon lange Schatten,
es glimmt der Seele Funken leise nur.
Der Zeitenwind verwehte seine Energie,
ganz mager klingt die Lebensmelodie.
Das Rondo verlangt nach stillem Schlaf.
Morgen wird es weiter klimpern,
sofern die Seele es so mag. (pe)

Traumfänger 9  von Petra Elsner
Traumfänger 9
von Petra Elsner

Kalter Mai

Ein Mai, der sich in Kälte hüllt,
bewölkt den Spaß an der Natur.
Der Spargel schwächelt und pausiert,
der wilde Flieder duftet ungeniert,
das Liebchen wird jetzt nicht verführt.
Denn kühler Atem treibt die Gänsehaut ins Dekolleté
und auf den alten Mutterbergen fällt schon wieder Schnee.

Petra Elsner

Zeichnung: Petra Elsner
Zeichnung: Petra Elsner

 

Neujahr

Das Jahr ist jung,
der Vollmond alt.
Sein Licht ergießt sich
weiß und kalt in
die stille Landschaft
und macht im Morgengrauen
die flüchtige Bekanntschaft
mit der Tageszeit. (pe)

Spachtelarbeit von Petra Elsner
Spachtelarbeit von Petra Elsner

Vollmond

Die Nacht versank in einem Gewitter
aus Gedankenfetzen und fadem Traumschaum.
Kein Haar hat sich entspannt.
Bei Vollmond haben die Wirren Ausgang.
Sie jagen rastlos durch die nächtliche Kulissen,
immer schon, ein Leben lang.

Vollmond Zeichnung von Petra Elsner
Vollmond
Zeichnung von Petra Elsner

Empathie

Seelisch erschüttert stand sie im Wind,
getroffen von einem stummen Schrei.
Die fremde Schwingung ließ sie wanken
und schauen auf ein Sehnsuchtsbild
in seinen fernen Gedanken. (pe)

Ineinem Zeichnung von Petra Elsner
Ineinem
Zeichnung von Petra Elsner

Raureif

Das letzte Grün steht weiß gefroren
als ein bizarres Formenspiel.
Der erste Hauch des Winters
lässt es noch einmal leuchten,
bevor es in die Stille sinkt. (pe)

Raureif Foto: Petra Elsner
Raureif
Foto: Petra Elsner

Abschied

Es regnet Blätter
schwer und golden
der Himmel
riecht nach Rauch
das Herz zirpt melancholisch
den Ton der Winterzeit.

Im Wandel

Niemand ist immerzu so oder so.
Niemand weiß alles.
Niemand bleibt, was er augenblicklich ist.
Niemand bleibt wo er ist.

Jemand kommt und sieht.
Jemand wundert sich.
Jemand wehrt sich.
Jemand urteilt.
Jemand.

Mann ist nicht Frau:
Und Frau ist nicht Mann.
Mann sein und Frau sein bedeutet, anders empfinden.
Es gibt kein gleich sein,
nirgendwo.

Ich sein kann heißen:
Da sein und weg sein.
Seins finden, sich finden.
Ohneeinander, füreinander,
auch gegeneinander,
jeder.

Jeder ist anders,
Was ist jung, was alt?
Grün oder reif? Bunt oder steif?
Quatsch.

Mal laut, mal leise,
mal egozentrisch, mal fürsorglich,
mal froh, mal traurig,
mal alt, mal jung.

Wer denkt, verrennt sich zuweilen.
Wer nicht neu beginnen kann, wird starr.
Dazwischen ist es manchmal entsetzlich,
in alt oder jung – egal.

Möwmöw. Zeichnung: Petra Elsner
Möwmöw.
Zeichnung: Petra Elsner

Meer-Mehr

Das Meer in der Luft als Duft:
über den Wipfeln der Uckermark,
in den Bäumen und Träumen.

Das Mehr als gierige Sucht,
hat keinen Duft,
es treibt nur in die Gruft.

Träumecartoon: Klavier am Meer Zeichnung: Petra Elsner
Träumecartoon: Klavier am Meer
Zeichnung: Petra Elsner