Morgenstunde (136. Blog-Notat)

Morgenstunde im Garten am Schorfheidewald, der erste Schneehauch vom Donnerstag.

Was war das gestern für ein schöner Abend in der „Guten Stube“ des Ruhlsdorfer Museums. Richtig voll wurde es, so dass man noch Stühle herbeibrachte. Man weiß ja nie, wie Dörfer ticken, aber Ruhlsdorf war in diesen zweieinhalb Stunden offen für alles. Ich las Kurzgeschichten aus vier meiner letzten Bücher und es war gewünscht, dass ich nach jeder Viertelstunde eine Pause machen sollte, wegen der Getränke und der Konzentration. Was einigermaßen schwierig ist, weil frau jedes Mal die Stimmung neu aufbauen muss und das Lampenfieber länger bleibt. Ich war froh als man mir zur zweiten herangerückten Unterbrechung deutete, doch gleich weiterzulesen. Schön.
Wir blieben an diesem Abend lange beieinander, Bücher wurden gewälzt, viele Fragen gestellt, Pläne miteinander geheckt, es war entspannt, gut gelaunt und mir schien, als hätten sie mich alle in ihr Herz geschlossen. Favorit des Geschehens wurde die Geschichte „Gerdas Hofgesellschaft“, weil sie wohl am meisten das echte Leben der Versammelten berührte. Zwei Fotos von der Lesung bekomme ich noch vom Ortsfotografen und stelle sie nachträglich hier ein.

Machts gut miteinander und habt ein schönes Wochenende,
ich tauche nun wieder in meine “MILCHMOND”-KLAUSUR ab,

Petra

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Geschwister

INEINEM.                 Zeichnung: Petra Elsner

Hasse mich nicht,
fürchte dich nicht,
ich bin dein Bruder,
der dich bewacht.

Tanze im Licht,
doch vergiss nicht,
ich bin dein Bruder,
die endlose Nacht.

  1. Januar 2019

© Petra Elsner
Hinweis zum Urheberrecht: Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden.

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In Klausur 2019

Das habe ich das letzte Mal im Winter 2015 gemacht, einen echten Rückzug in meine Klausurkammer. Das nächste Vierteljahr bis zum Abschluss meines neuen Buches will ich intensiv nutzen.  Ich klimpere also fortan intern auf meiner Gedankentastatur, lasst Euch überraschen. Und wer der Mörder ist, wird eh nicht verraten…
Im Blog werde ich einstweilen leiser treten, ich hoffe, Ihr verzeiht.
Eure Petra

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Morgenstunde (135. Blog-Notat)

Immer wenn richtig dick Schnee liegt, baue ich solche Schneegestalten. Aus Spaß an der Freude…

Nein, es hat nicht geschneit, der letzte so üppige Schnee fiel in der Schorfheide 2010 und aus jenem Winter stammen auch die drei Schneegestalten (oben). Weil heute Hl. Drei Könige ist, fand ich, sie passen gut zum Tag, an dem mir einfach nur nach Plaudern ist. Hab genug diese Woche getippt. Der Wiedereinstieg in die Krimischreibarbeit ging ganz gut, nach neun Monaten Arbeitspause daran – erstaunlich. Sonst habe ich immer zeitlich in einem Stück an einem Buch gearbeitet. Saisonales Schreiben und nach großen Zeitabständen Weiterschreiben ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Wie lange ich zum „Milchmond“ noch auf meinem Blog öffentlich arbeite, weiß ich noch nicht, denn das ganze Buch kann und will ich nicht als Scrolltext veröffentlichen. Schlussendlich soll der geneigte Buchfreund noch einen Grund haben, in das irgendwann fertige Buch zu schauen. Heute aber ist einfach nur Pause angesagt, habt alle miteinander einen entspannten Sonntag!

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Milchmond (40)

… Nachts hockten abermals die schrulligen Moosgestalten vor Julie Ackers Hof und sinnierten unbeobachtet. „Sie haben den Falschen“, versicherte der schmale Schatten.
„Sie werden ihn wieder freilassen, denn selbst ein Wilderer ist er nicht. So was nenne ich schlicht Mundraub.“, raunte der kleine Schatten und der Große erinnerte sich: „In den 1840er Jahren gab es hier regelrechte Wilderer-Banden, die gewerbsmäßig alles bejagten, was ihnen vor die Flinte kam. Derbe Meuten waren das, die auch vor Mord nicht zurückschreckten. Sie rechtfertigten sich mit ihren Hungerlöhnen oder Missernten. Das waren üble Zeiten, in denen selbst für ein bisschen Holz gemeuchelt wurde. Drei Tote hinterließ der Raub von sechs Birken 1822 in den Königlichen Forsten zwischen Zerpenschleuse und Hammer. Aber es konnte noch um viel weniger gehen, wenn beispielsweise Förster oder Fußjäger und heimliche Grasmäher sich im Wald begegneten, da wurden meist kräftige Fausthiebe verteilt. Für eine Fuhre Gras fast totgeschlagen. Herrje. Viele Fälle blieben damals ungeklärt. Und die heimliche Jagd im Scheinwerferlicht gibt es immer noch, mit teuren Waffen ohne Rast und mit großer Gier. (*) Ich bin mir nicht mehr gewiss, ob die Kommissare wirklich noch die richtige Spur je finden.“

Als Julie morgens das Fenster zur Straße öffnete, sah sie noch die drei Sitzspuren im Schnee auf der Moosbank. Hatte sie was verpasst? Seit sie mit dem Ausbau der Ferienzimmer zugange war, fiel sie nachts in einen traumlosen Tiefschlaf. An den Wochenenden kam Kai, verlegte Kabel und putzte Wände. Heute würden sie malern. Aber noch lauerte sie auf das Bäckerauto, das heute etwas später dran war. Über all der Arbeit kamen Julie und Kai Fischer sich nicht näher, obwohl es sie es spürten, dass da ein Gefühl zauberte. Sie wusste nicht weshalb sie ihn auf schützende Distanz hielt. Es hupte schon weit von der Kreuzung her. Die Frau griff ihre Börse und schlenderte zum Halteplatz des Versorgerautos. Dort warteten bereits ein paar Nachbarinnen. Dörte tönte ganz aufgeregt: „Die Wildkamera hat einen großen Weißen abgelichtet. Einen weißen Wolf. Unglaublich!“ Die Frauen ringsum waren nicht so begeistert wie die Rangerin. Im Gegenteil. „Früher haben die Bonzen uns den Wald mit Schlagbäumen für ihre Staatsjagd verstellt, und jetzt ist es der Wolf, der uns den Wald als unsicheres Terrain vermiest. Abschießen müsste man die alle, ehe noch etwas geschieht“, schimpfte die alte Rosa. Sie war eine ausgewiesene Wolfsfeindin. Dörte holte tief Luft und giftete zurück: „Außer im Märchen ist noch keine Großmutter vom Wolf gefressen worden!“
Julie kaufte ihre Brötchen und entfernte sich wieder wortlos. Die ganze Aufgeregtheit rund um den Wolf nervte sie. Es ist ein großer Wald in dem wir hier wohnen und kein geschützter Freizeit- oder Therapiepark, dachte sie für sich. Waldbaden – was den Leuten so alles einfällt, wenn sie das gesunde Gespür für Natur verlernt haben. Die Frau kochte Kaffee, deckte den Frühstückstisch und wartete. Kai kam nicht. So begann sie alleine die Wände zu streichen.  Gegen 11 Uhr klingelte das Telefon. Julie ließ die Malerquaste fallen und nahm mit Farbfingern den Anruf entgegen: „Sind Sie Frau Acker?“ „Ja.“ „Hier ist das Vivantes, Klinikum im Friedrichshain. Herr Fischer liegt mit einer Bauchfellentzündung auf unserer Station und lässt sich entschuldigen…“
Eine gute Stunde später saß Julie an Kais Bettkante. Man hatte ihm das Bauchfell innerlich gespült und noch war er benommen von der Narkose. Sie griff seine Hand und streichelte sie vorsichtig…

© Petra Elsner
5. Januar 2019

Quellen:

(*) „… nur der Mond war Zeuge“ von Helmut Suter, Heft 6 der Schriftenreihe des Schorfheide-Museums Groß Schönebeck

Hinweis zum Urheberrecht:

Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Das Immerwiederkehrende:

Alltag 3, Januar 2019:

Die „Dinge des Alltags – das Immerwiederkehrende“ – ist das Jahresprojekt der Bloggerin Ulli Gau, an dem ich mich beteilige und 12 Monate lang immer am  1. Monatswochenende etwas aus meinem Alltag vorstelle.

Diesmal:

as Postmachen.

Jeden Morgen nach einem winzigen Frühstück ziehe ich mich mit meiner Tasse Filterkaffee an den Computer zurück und checke zuerst die Mailpost. Das geht gemeinhin flott, denn sogenannte Mailbriefe werden auch immer seltener. Meist fliegen einem nur ein paar Wortfetzen um die Ohren und ich antworte dann ebenso Staccato. Briefe muss man sich verdienen, denn sie kosten Lebenszeit. Briefe sind Jedermannsliteratur und Stimmungskinder, zugleich bilden sie den größten Speicher von Lebenstatsachen.

Ehrlich mal, was war das vorzeiten schön Post zu bekommen. Vor reichlich zehn Jahren bekam ich immer diese wundervolle Künstlerpost von meinem Malerfreund Ecki. Er ist leider vor ein paar Jahren gestorben, sonst würde ich bestimmt heute noch sieben handschriftliche Seiten zum Jahreswechsel von ihm bekommen. Schon die Umschläge waren eine Schau und die Briefe selbst hatte zu seinen nachdenklichen Texten auch immer kleine farbige Skizzen dabei. Alles kleine Originale. Ich habe sie geheftet und bewahre sie auf wie einen Schatz.
Klar schreibe ich heute auch kaum noch handschriftlich. Ich tippe, wie die meisten heutzutage. Zum Jahresausklang 2018 habe ich reichlich 50 Weihnachtsbriefe versandt – einmal im Jahr und per Post für alle jene die mit der Technik auf Kriegsfuß stehen. Inzwischen freue ich mich über gehaltvolle Mailbriefe ebenso, wie die aus dem altmodischen Briefkasten. Die Guten kommen wie einst als Papierausdruck in meine Jahressammelbox und ab und zu binde ich im Copyshop daraus ein Briefe-Buch zur Erinnerung.

  

Meine damaligen Briefe und Künstlerpostumschläge an ihn und andere habe ich natürlich nicht ….
Initialzeichnung (oben) von Petra Elsner.

 

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Milchmond (39)

… Drei Kähne mit Bootsführern hatte die Wasserpolizei den Kollegen von der Kripo per Lastwagen zum Damm im Moor gebracht. Seit Stunden suchten sie nach jenem Mann, der offenbar im Wald hauste und sich vor ihren Blicken verbarg. Warum? War er der Mörder von Laura, einer der entlaufenden Psychos oder nur ein scheuer Aussteiger? Die Anspannung war undefinierbar. Das Moor führte schmale Wasseradern, über die sie gut vorankamen, aber das Land im Dickicht erreichten sie so nicht. Sie mussten aussteigen und festen Boden suchen. Die Ranger wussten, wo diese kleinen Inseln zu finden waren. Der Weg war beschwerlich und Franziska Korn maulte bald: „Wozu gibt es eigentlich Hubschrauber?“
„Ja, ich dachte, so sind wir näher dran,“ antwortete Eberhard Stark. Es sollte recht behalten, denn kaum später entdeckten sie eine Köhlerhütte auf festem Grund. Bretter, Schilfgras und Moos bildeten eine Art Meiler, aus dessen offener Spitze Rauch aufstieg. Es war still, nur ein paar Hühner scharrten auf dem Boden nach Futter. Das Suchkommando umzingelte lautlos die Hütte und Ermittler Stark klopfte schließlich kräftig an die klapprige Tür. Sie wurde vorsichtig geöffnet. Eine gebeugte Gestalt trat ins Freie, die einigermaßen Erstaunen auslöste: Langes Grauhaar fiel dem Mann ins Gesicht und sein struppiger Bart bedeckte spärlich die Zahnlücken im Mund. Gehüllt in eine verfilzten Deckenkutte stand er ganz wehrlos in diesem Wintertag und stammelte: „Ich heiße Leo Altmaier und lebe seit Jahren in diesem Wald.“
Zeigen Sie uns bitte ihren Ausweis, Herr Altmaier? Wir müssen einen Sachverhalt klären!“, sprach Ermittlerin Korn ruhig den Mann an. Seine Augen huschten nervös hinter seinen dicken Brillengläsern über ihrem Blick, dem er nicht standhalten konnte. Er nuschelte kaum verständlich: „Hab keinen.“ Er blies sich fröstelnd in seine gefalteten Hände und trat von einem Fuß auf den anderen.
„Wenn sie gar nichts vorweisen können, was Sie ausweist, müssen wir Sie mitnehmen,“ sprach Eberhard Stark streng und der Waldmensch flüsterte resignierend: „Dann müssen Sie das tun.“
Leo Altmaier sprach an diesem Tag kein Wort mehr. Er wusste, dass die Gesellschaft Aussteiger argwöhnisch ins Visier nahm. Ohne Gemeinschaft und ohne Geld in die Wildnis abzutauchen, machte den Mann verdächtig. Sein Alter war kaum zu schätzen. Franziska Korn hatte ihm zur Nacht in die Zelle einen Stapel gebrauchter Kleidung neben das Waschbecken gelegt. Obenauf thronte ein Einmalrasierer. Er verstand den Wink.
Nein, Altmaier war nicht der gesuchte Psycho, sondern lediglich ein Zivilisationsflüchtling. Vielleicht hätte man im Wilderei vorwerfen können, aber darum ging es nicht. Frisch rasiert und gekleidet in Jeans, kariertem Hemd und einer dicken Strickjacke begann er anderntags bei der Befragung spärlich zu antworten: „Ich stamme aus Greifswald. Bin 46 Jahre alt, geschieden und war Tierpfleger. Die Trennung von Frau und Kindern hat mich und unseren Bio-Hof ruiniert. Die Zwangsversteigerung stand an. Ich wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte. Hab‘ ich alles stehen und liegen gelassen und bin ich einfach losgelaufen bis hierher in die Schorfheide. Das ist etwa zehn Jahre her.“
„Was wissen Sie über den Mord, Ende November im Wald bei Sandberg?“, polterte Kriminaloberkommissar Stark dazwischen. Diese Aussteigermär nervte ihn. Er verachtete den Mann und zeigte das ganz deutlich. Sein herrischer Ton ließ Altmaier zusammenzucken. Er stammelte nur leise: „Em, ich weiß nichts Genaues. Hab eine Frau schreien gehört. Bin dorthin, so schnell ich konnte. Fast irre vor Angst. Ich sah noch wie der Mann zustach und wegrannte. Zu einem grünen Auto, mit dem er floh. Es regnete und ich habe ihn nur als Schatten gesehen.“
„Und warum haben Sie uns nicht informiert?“, fragte Franziska Korn. „Sie haben die Frau einfach liegen gelassen?“
„Sie war tot und ich wollte nicht aus meinem Versteck. Ich hab sie am nächsten Tag mit einem, weißen Tuch bedeckt. Zu grausam war ihr Anblick. Man hätte mir bestimmt nicht geglaubt. Einem Waldmenschen. Sie haben mich ja auch gleich einkassiert, nur weil ich keinen Ausweis vorweisen konnte.“
Franziska Korn räusperte sich: „Herr Altmaier, wir brauchen eine DNA-Probe von Ihnen, um sie mit unseren Spuren abzugleichen.“ Hinter ihr stand bereits der Kollege vom Labor, mit einem Wattestäbchen zwischen seinen weißen Handschuhfingern…

© Petra Elsner
4. Januar 2019

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Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Milchmond (38)

… Bisher führten die Ermittlungen der Kripo im Mordfall Laura Acker ausnahmslos ins Leere. Jetzt schien sich eine neue Spur aufzutun, der man umgehend folgte. Unter Mithilfe der örtlichen Jägerschaft und der Ranger von der Naturwacht durchkämmten sie am nächsten Morgen den Schneeglöckchenwald. Der Winter war zurück. Nachts hatte es geschneit und den milden Frühlingssonntag als Episode verweht. Zwei Dutzend Männer und Frauen mit geschärften Sinnen durchsuchten das Revier. Sehr leise, man hörte nur ab und an das Knacken der Zweige unter ihren achtsamen Schritten.  Plötzlich brüllte einer: „Hierher!“ Bernd Uhlig hatte ein weiteres Lager entdeckt, in einer Senke unter einer gestürzten Kiefer. Dieser Unterschlupf war größer, als das Erdloch im Dachsbau und mit einer alten LKW-Plane regensicher gemacht. Ermittler Stark sperrte den Ort mit weiß-rotem Band für die Spurensicherung ab, denn hier waren deutliche Fußabdrücke zu entdecken. Kaum schneeverweht. Stark murmelte Franziska Korn zu: „Den haben wir bestimmt aufgescheucht, aber gut, dort liegt eine Fährte.“ Er winkte zackig dem Hundeführer zu: „Geht langsam voran!“
Hinter dem Schneeglöckchenwald lag das Moor, ein unheimliches Gebiet, das kaum von Menschen betreten wurde. Geheimnisvoll hockte das Binsengras auf der stahlgrauen Wasserfläche. Wie listige Trolle. Der Wind über der weiten, offenen Fläche fuhr in das trockene Schilf und ließ die Blätter knistern. Flüsterlaub, dachte Bernd Uhlig bei sich und es schien ihm, als würden die Moorgeister den Suchenden zuschauen und miteinander wispern. Ein mystischer Schauer wehte Uhlig Fantasie an. Er schlug den Jackenkragen hoch, als wollte er seinen Nacken vor weiteren düsteren Anflügen schützen. Nur ein fester Damm durchquerte das schwankende Sumpfland. An einer kleinen Brücke, die über einen der vielen Wassergräben führte, verlor der Fährtenhund die Spur. Sie schien ins Wasser gesprungen.
Franziska Korn trat an die Stelle und dachte laut: „Es ist kalt. Der Mann wird nicht das Wasser durchwaten, nur in allerhöchster Not. Also ist er vielleicht mit einem Kahn von hieraus weiter.“ Stark nickte: „Wir brechen hier ab. Es dämmert schon. Ich ordere uns zu morgen früh ein paar Kähne.“…

© Petra Elsner
3. Januar 2019

Hinweis zum Urheberrecht:

Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Milchmond (37) – Beginn der 2. Winterschreibzeit zu dieser Kriminalgeschichte

Was bereits geschah:

Nach einem Schwesternstreit kommt Laura Acker nicht in das uckermärkische Dorf Sandberg zurück. Julie Acker wartet am nächsten Tag vergeblich auf ihre Ablösung bei der Betreuung der dementen Mutter. Aber Laura scheint abgetaucht. Doch in besagter Streitnacht geschah noch etwas anderes: Rosa Nagels Wald wurde geklaut, einen ganzen Hektar – einfach so. Die Polizei sieht kaum Chancen für eine Aufklärung des Diebstahls, deshalb statten die Waldbesitzer sich mit Wildkameras aus. Doch statt einem Langfinger läuft ihnen ein großer, weißer Wolf vor die Linse. Die fast vergessene Legende vom Milchmond bekommt wieder Zunder. Vorzeiten unkte man in der Schorfheide: Wenn es im Winter einen großen Milchmond gibt, holt sich der weiße Wolfsmann eine Braut, begehrt sie eine Nacht lang und versenkt sie im Morgengrauen im Reich der Toten.
Wochen später, nach dem ersten großen Wintersturm, finden die Feuerwehrmänner bei ihren Aufräumarbeiten Lauras leblosen Körper unterm Schneelaub. Das Dorf hält den Atem an. Haben der große Holzklau und der Mord etwas miteinander zu tun? Ist gar der Mörder einer von ihnen? Oder ist die Legende vom weißen Wolf Wahrheit geworden?

Letztes Kapitel aus dem März 2018 hier:

Milchmond (37):
… Anna und Luise telefonierten nach ihrem Waldmarsch mit der Polizei und erzählten von  ihrer merkwürdigen Entdeckung. Auf den Steckbriefen, die inzwischen verwittert in den Dörfern der Heide hingen, wurde extra darum gebeten, die Augen offen zu halten und seltsame Dinge zu melden. Die Waldschwestern hatten auf ihrem Heimweg diskutiert und arg gezögert, mit den Behörden in Verbindung zu treten. Seit der politischen Wende 1989 hatten sich die Frauen aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Sie wählten noch immer die Roten, aber nur, weil die anderen ihr altes Leben missachteten und sie zu Kostgängern machten. Abgeschoben in den Vorruhestand und damit in ein ärmliches Dasein, kamen sie einfach nicht in der neuen Zeit an und jene fand auch nicht zu ihnen in den alten Katen am Waldrand. Doch in diesem Fall, wo es doch um die Ackertochter ging, überwanden sie sich zu dieser Kontaktnahme und erklärten sich auch bereit, die Beamten zu dem Versteck im Wald zu führen…

© Petra Elsner
2. Januar 2019

Hinweis zum Urheberrecht:
Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

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Mein Januar-Schaufenster

Das Januarfenster zeigt den Auftakt-Band zur neuen Verlags-Reihe “Mini-Lektüre”.

Mein Atelierfenster ist oftmals zugleich auch ein kleines SCHAUFENSTER. Jeden Monat zeige ich Euch fortan, was ich dort zur Schau stelle. Diesmal heißt das Thema “Der kleine Apfelkönig”, der vor drei Wochen als Mini-Lektüre/Band 1 in der Verlagsbuchhandlung Ehm Welk in Schwedt an der Oder erschien.

Es ist eine Ausgliederung aus bereits bestehenden Publikationen, weil das Teil immer wieder Furore macht. Irgendwie ist das kein Wunder für die Uckermark. Hier gibt es schon lange die berühmte Apfelgräfin, einige Apfelmänner und nun eben auch, den kleinen Apfelkönig

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