Die Heimkehr der Bilder

Bilderzimmer: Sagenillustrationen

Bilderzimmer mit Sagenillustrationen

Die Schätzchen sind wieder Zuhause. Gestern haben wir die lange Sommerausstellung im Gemeindezentrum von Groß Schönebeck abgehängt. Sie lief vom 21. Mai bis 26. September – eine lange Zeit. Das Wiedersehen ist ein bisschen so, als wenn die Kinder monatelang unterwegs waren, dann endlich sieht man sie wieder und freut sich – wie herrlich sie sind …

Bilderfahnen und Leinwände im ersten Raum.

Bilderfahnen und Leinwände im ersten Raum.

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Dorfgeflüster: Kürbiskönig gesucht

Kürbisvogel 1 von Petra Elsner

Kürbisvogel 1 von Petra Elsner

Kurtschlag (pe). Herbstzeit ist Kürbiszeit, und die wird in Kurtschlag seit zehn Jahren gefeiert.  „Wer hat den dicksten, wer hat den kleinsten Speisekürbis?“ heißt es, wenn am 1. Oktober 2016 der Kürbiskönig oder die Kürbiskönigin gekürt wird. Ab 15 Uhr steigt in und an der Gaststätte „Mittelpunkt der Erde“ das dörfliche Herbstfest mit allerlei Köstlichkeiten rund um die üppige Frucht. Zum Programm gehört wie immer ein Quizz und das Herbstliedermitsingen mit dem Dorfspatzen Kalle Hörning.  Die Kurtschlager Mädchen Oonjai und Kim üben schon ein Weilchen für ihr spezielles Gesangssolo. An den Ständen gibt es Pflanzen- und Sämereien der Freizeitgärtner, Garten- und Hausdekoartikel, Honig, regionale Postkarten und Literatur. Auf die kindlichen Besucher warten Kürbisschnitzen und der Bau einer Laterne, die zum Martinsfest am 12. November zum Einsatz kommen kann.
Gastgeber ist der örtliche Kulturverein, der mit selbst gebackenen Kuchen und leckeren Kürbis-Spezialitäten aufwartet. Das Schorfheidedorf am Döllnfließ freut sich bis 17.30 Uhr auf zahlreiche Besucher auch aus der Nachbarschaft. Der Eintritt ist frei.

Kürbisvogel 2 von Petra Elsner

Kürbisvogel 2 von Petra Elsner

Kürbisvögel 3 von Petra Elsner

Kürbisvögel 3 von Petra Elsner

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Schöne Nachrichten

Das Cover der ersten Auflage. Zeichnung vom Kirchlein im Grünen von Petra Elsner

Das Cover der ersten Auflage.
Zeichnung vom Kirchlein im Grünen von Petra Elsner

Im Grunde bin ich gerade für alles zu müde. Die September-Urlaubsvertretung für eine Zeitung hat mich wirklich geschlaucht.  Ich muss endlich mal einen Gang runter schalten. Ausschlafen und als Projekt nur Gartenarbeiten. Während mein Kopf versucht zu pausieren, kommen die schönen Nachrichten: Mein Dezemberlesebuch bekommt eine zweite, um fünf neue Adventsgeschichten erweiterte Auflage, nun auch Hardcover. Das ist wirklich schön. Kurz nach dieser Verlagsnachricht ruft das Hotel Döllnsee an, um mir für den kommenden Dezember (nach drei Jahren) wieder Weihnachtsgeschichtenlesungen anzubieten. Ihr seht mich still lächeln. Das passt einfach für eine Weihnachtsgeschichtenerzählerin …

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Ohne zu fischen

Zeichung zu "Die Schätze im Teufelsberg" von Petra Elsner

Zeichung zu „Die Schätze im Teufelsberg“ von Petra Elsner

Manchmal geschehen die Dinge von allein. Naja, nicht ganz, Arbeit vorlegen musste ich schon. Leser dieses Blogs werden sie kennen – meine Sagenbearbeitungen aus den letzten Monaten. Die begann ich vor einem Jahr, als ich die freie Redaktion einer wöchentlich erscheinenden Geschichtsseite für die Märkische Oderzeitung übernahm. Inzwischen ist diese Themenseite eingestellt, wieder einmal Sparzwänge, was mich 2016 schon ein zweites Mal traf. Im Sommer hab ich aus den Zeichnungen und den Texten ein handgebautes Künstlerheft gebunden. Limitiert auf 100 Stück. Mehr habe ich der Sache nicht zugetraut. Aber jetzt liegt ein Angebot des Angermünder Verlages vor. Sie wollen daraus ein kleines Geschenkbuch im A6-Format machen, noch diesen Herbst. O.K., das ist wirklich fein. Wenn es zu haben sein wird, werde ich es hier mitteilen. Habt alle miteinander ein entspanntes Wochenende!

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Neue regionale Postkarte

Zeichnung: Petra Elsner

Sommerliche Immanuelkirche zu Groß Schönebeck. Zeichnung: Petra Elsner

Eigentlich wollte ich ja keine regionalen Postkarten mehr produzieren, weil es einfach immer weniger Menschen gibt, die Postkarten beschreiben. Aber nun wurde ich gefragt, ob meinen Schorfheider Winterkarten auch mal sommerliche Motive nachfolgen könnten.

Hm.  Als ich vor einigen Wochenn das Motiv für die Abschiedskarte von Pfarrer Flade in Groß Schönebeck zeichnen durfte, wurde ich nochmals ermutigt, vielleicht eine weitere sommerliche Kirchkarte anzubieten. Und da ist sie nun – frisch aus der Druckerei. In einer Stunde bringe ich den ersten Posten zur Touristeninformation von Groß Schönebeck, dort kann man sie für einen Euro erwerben, bei mir im Atelier natürlich auch.

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Stiller Moment

Himmel von Petra Elsner

Himmel von Petra Elsner

Wenn  du gehst,
leg‘ ich mich nieder,
erdrückt vom Schmerz.
So viele sind schon davon gegangen, beschnitten mein Herz.
Wenn du gehst,
sterb‘ ich wieder
einen stillen Moment lang.

© Petra Elsner
August 2016

 

 

 

Hinweis zum Urheberrecht: Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bedarf meiner Genehmigung.

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Der Hasenräuber

Der Hasenräuber Zeichnung: Petra Elsner

Der Hasenräuber
Zeichnung: Petra Elsner

Feiner Nieselregen fiel auf den Nachtschatten, der durch den Wiesenhain am Koppelberg huschte. Aus dem Dorfkrug bei den Eichen drangen die trunkenen Stimmen des Heideläufers und seiner gedungenen Jagdknechte. Derbe Gesellen, die aufpassten, dass keiner unerlaubt den Wald betrat oder gar wilderte. Heute würden sie ihm nicht folgen, trotzdem schlich Gustav auf leisen Sohlen und mit lauschenden Ohren. Die Kröten quakten in den Hügeln und die milde Nacht atmete raschelnde Geräusche. Gustav kannte die nächtlichen Täuschungen, dennoch schien es ihm, sein Herz klopfte noch lauter. Tief hängende Zweige formten gespenstische Gestalten und Gesichter, ob vielleicht doch ein Jagdknecht auf der Lauer lag? Seine Augen bohrten Löcher in das Dunkel, als endlich die Wolkendecke aufriss, und der Mond sein Licht auf einen Hirsch auf der Waldweide warf.

Der geduckte Mann staunte das erhabene Tier an. Nein, er würde es nicht wagen, ihm nachzustellen. Diese Jagd gehörte dem Fürsten mit seiner Steinschlagflinte. Gustav war kein hemmungsloser Wilderer, der auch vor Menschenmord nicht zurückschreckte. Er suchte keine Trophäen, sondern legte Schlingen, um damit ab und zu einen Hasen zu fangen. Das empfand der Landmann als gerecht, waren es doch die Tiere dieses Waldes, die letzten Sommer seine Feldfrüchte fraßen, weshalb die Not auf seinen Hof kroch. Doch wen sie beim Wildern erwischten – gleich ob Hirsch oder Hase, den quälten die Häscher gar fürchterlich. Gustav  musste also unentdeckt bleiben.

Dort vorne, in dem Dunkelbusch, hatte er gestern seine Schlinge ausgelegt, aber was war das? Ein Knacken wie von einem Schritt. Gustav duckte sich tiefer und wartete. Ein Zündholz flammte auf und beschien ein fahles Gesicht. Nein, das war kein menschliches Antlitz. Gustav traute seinen Augen kaum, ein grauer Nachtelf zündete sich eine Pfeife an, schmauchte und blickte plötzlich zielgenau zu ihm. „Komm her, du Hasenräuber, du hast Beute.“ Sprach er und verschwand.

Dem Mann war es nicht wohl. Er starrte um sich herum, sah aber nichts als die Schwärze der Nacht. So ging er einen Schritt auf den Busch zu, als neben ihm wieder die Pfeife erglimmte und das Elfgesicht schmunzelte. „Schenkst du mir Deinen Hasen?“

Gustav stand unschlüssig, seine Knie schlotterten, während die Graugestalt wieder vollständig aufgetaucht war. „Ich schenke dir auch dieses wundersame Pfeifchen“, setzte der Elf nach.

Gustav schüttelte seinen Kopf: „Meinst du der Tabak macht satt wie mein Hase?“

„Was heißt hier ‚mein Hase’?“ zische der Elf. „Also gut, wir teilen uns den Fang, ich weiß, wie Hunger schmerzt“, murmelte Gustav, zerlegte den Hasen und gab die Hälfte dem Grauelf. Der dankte, legte die Pfeife samt einem Tabakbeutel in die Hand des Hasenfängers, zündete sich eine andere Pfeife an und damit verschluckte ihn der Wald. Gustav stand und wunderte sich, dann packte er sein Zeug zusammen und wollte gerade aufbrechen, als es abermals ganz in der Nähe knackte. Aber diesmal erkannte Gustav den Heideläufer mit seinen Knechten. Sie kamen von allen Seiten auf ihn zu. Einer knallte mit der Peitsche, der nächste zückte einen Dolch, der dritte durchstocherte mit einer Lanze die Luft. Gustav war starr vor Schreck, so hatten die Fänger ein leichtes Spiel. Übermächtig schlugen sie auf den harmlosen Wilderer ein. Als der nicht mehr zuckte, luden sie ihn auf eine Karre, machten ein Feuer und brieten sich den halben Hasen. Gustav stöhnte leise, Blut lief ihm von den Schläfen und sein Rücken schmerzte ganz fürchterlich. Er fingerte in seinen Hosentaschen nach einem Tuch und ertastete dabei die warme Pfeife. Sie glimmte offenbar noch. Sollte er es versuchten? Warum nicht. Er zog an ihr und sah im flackernden Licht, wie er sich langsam auflöste. Schmerzgekrümmt kroch der Mann ungesehen vom Karren in die schützende Dunkelheit und ward von seinen Häschern nie mehr gesehen. Immer wenn aus Gustavs Haus ein feiner Hasenbratenduft aufstieg, stürmten sie seinen Hof, dort aber fanden sie stets nur einen Schwaden von einer Tabakpfeife vor.

Aus „Schattengeschichten aus dem Wanderland“ – Schorfheidemärchen von Petra Elsner, noch immer erhältlich im Schibri-Verlag.

Hinweis zum Urheberrecht: Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bedarf meiner Genehmigung.

 

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Abendmonolog

Foto: Lutz Reinhardt

Foto: Lutz Reinhardt

Wenn der Tag sich senkt
und der Wolkennacht entgegen treibt,
frage ich mich: wohin?
Soll ich mein Segel morgen wieder in den Wind schieben?
Alle Energie zerfließt in dieser Gegenwehr.
Der Zeitenwind bläst schwer
um alle Ecken und kehrt jede Nische seelenleer.
Kein schwacher Falter tänzelt dort mehr:
verweht, gestutzt, stumpf- oder plattgemacht.
Der Sog des Vergessens frisst Talente und Empathie.
Drum muss ich mein Segel wieder in den Wind setzen,
bis auch meine Kraft erlöscht.

© Petra Elsner
August 2016

Foto: Petra Elsner

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Geschenk für den Lesegarten

Zwei aus einem Lindenstamm.

Zwei aus einem Lindenstamm.

Unser Lesegarten hat Zuwachs bekommen. Eine Skulptur, die in den neuen Garten der Familie Flade in Wittenberge nicht mehr hineinpasst. Deshalb haben wir sie geschenkt bekommen, was mich ungemein freute, weil sie wirklich gut zu meinen Märchen passt. Heute hat sie ihren Platz bekommen – vor einem im Frühsommer zartrosa blühenden Rosenbusch. Den Namen des afrikanischen Bildhauers werden wir auch noch herausfinden.

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Immer auf Augenhöhe unterwegs

Weil diese beiden Menschen so besonders sind, stelle ich im Nachtrag meinen Zeitungsartikel auch in den Blog Schorfheidewald ein:

In seiner letzten Predigt fand Stephan Flade Worte, deren Essenz Kraft für den nächsten Schritt geben. Kaum zu glauben, was das Paar alles in seiner kurzen Lebenszeit in der Schorfheide alles angeregt und inszeniert hat: Sommerausstellungen in der Winterkirche, Konzerte „Schorheideklänge“, den Kintopp und das Solidario-Lädchen, das Gedenken, der von den Nazis ermordeten Pfarrersfamilie Wagner, Treffen Pflegende von Denmenzkranken, Patenschaften für Geflüchtete u.v.a.m. Foto: Lutz Reinhardt

In seiner letzten Predigt fand Stephan Flade Worte, deren Essenz Kraft für den nächsten Schritt geben. Kaum zu glauben, was das Paar alles in seiner kurzen Lebenszeit in der Schorfheide alles angeregt und inszeniert hat: Sommerausstellungen in der Winterkirche, Konzerte „Schorheideklänge“, den Kintopp und das Solidario-Lädchen, das Gedenken, der von den Nazis ermordeten Pfarrersfamilie Wagner, Treffen Pflegende von Denmenzkranken, Patenschaften für Geflüchtete u.v.a.m.
Foto: Lutz Reinhardt

Groß Schönebeck. Im Kirchgarten berührten sich am  Sonntagnachmittag des 21. Augusts sommerliche Leichtigkeit und die Bittersüße des Abschieds. Statt feierlichem Einzug in die Kirche: Stühle schleppen, wie immer zupackend – die Flades. Sechs Jahre und sechs Monate hat das Pfarrerspaar gezeigt, was möglich ist, wenn Mitmenschlichkeit gelebt wird. Wie aus der Zeit gefallen, gegen den Strom. Das ist anstrengend, und fast jeder fragt sich an diesem Tage, was sein wird in Groß Schönebeck, wenn diese beiden Menschenfischer nicht mehr den Karren ziehen und andere ermutigen mitzuwirken. Und sie, Annette und Stephan Flade, sorgen sich natürlich auch, ob ihre eingebrachte Energie nachwirken wird und nicht mit der Zeit zerbröseln.

All diese Fragen schwingen mit als um 14 Uhr der Abschiedsgottesdienst in der randvollen Immanuelkirche beginnt. „Singen, den Druck rauslassen, als Überlebensmittel!“ erinnert der Pfarrer in seiner letzten Predigt, was ihm in harter Gegenwehr half unangepasst in der DDR zu leben. In einer knappen Rückschau erzählt Stephan Flade von ihrem fast 40jährigen Wirken für den Glauben. Der Pfarrerssohn aus Pirna und die Bäckerstochter aus Wittenberge ergaben diese ungewöhnliche menschliche Legierung, die an einen antiken Urglauben erinnert: Männer und Frauen waren einst ein Kugelwesen, ein All-Eines, wie es kraftvoller nicht sein kann. Flade resümiert in seiner Zustandsbeschreibung aus den beiden Lebensläufen: „Und immer wieder laufen. Christ sein hat etwas mit olympischen Dimensionen zu tun. Dranbleiben, fit sein, Zeugnis ablegen.“ Er spricht von fairem Verhalten und dem aufrechten Gang durch die Zeiten. Die Erweckung durch den Prager Frühling. Er erzählt von Fluchthilfe und Widerstand und wie sie als Pfarrer und Pfarrerin um den Abbau von Standesunterschieden und  transparenten Strukturen in Pritzwalk und Babelsberg rangen. Immer in Reibung. Bescheiden resümiert er: „Das wenige, was wir tun konnten, haben wir getan.“

Während er weiter spricht, von ihrem Einsatz in Indonesien, ihrem erlebten  Fremdsein, ergießt sich draußen ein schweres Sommergewitter. Dramatische Unterstützung von oben. Gut, dass der Pfarrer auch ein Bauherr war und die Kirche ein neues, schützendes Dach bekommen hat. Die Worte führen nach Groß Schönebeck. „Mit Mühe und Offenheit haben wir unsere Rolle wahrgenommen. Den Rest kennen Sie – im Gebrauchen und Verbrauchen.“

Es folgten die sachlichen Dankesworte des Biesenthaler Pfarrers Christoph Brust. „Hand in Hand mit Deinem Schöpfer und den Gemeinden – das war Dein Credo.“  Dann ruft er Stephan Flade zu sich zur Entpflichtung. Die Gemeinde steht und hört: „Du bleibst berufen zu predigen, zu Taufen …, aber du bist nun auch frei von allen Diensten und Pflichten. Ich bitte Dich, nimm dieses Freisein auch an.“ Nach der Entpflichtung wird auch Annette Flade, die sich offiziell schon einige Zeit im Ruhestand befindet, dazu gerufen. Zur Gemeinde spricht Brust: „Achten Sie den Dienst dieser Beiden und beten Sie für sie in ihrem neuen Lebensabschnitt!“ Sichtbar ergriffen von dem Zeremoniell geht das Paar ab und in dem Gotteshaus ringt fast jeder mit den Tränen. Kein ergriffener Reflex, die versammelten Menschen spüren erstmals den Verlust und den Schmerz der Herzlichkeit. Mit jedem folgenden Grußwort verdichtet sich diese Emotion. In den Abschiedsworten wird das reiche Wirken des Paares für die Region deutlich. Bürgermeister Uwe Schoknecht hebt die gemeinsame Gründung des Bündnisses Bunte Schorfheide hervor und fasst zusammen: „Sie haben in der Schorfheide die Zivilgesellschaft gestärkt.“ Die Barnimer Sozialdezernentin Silvia Ulonska überbrachte  Grüße von Landrat Bodo Ihrke und stellt die engagierte und höchst kompetente Flüchtlingsarbeit von Annette Flade heraus, aber auch die Schaffung des Solidario-Ladens und die Arbeit für Menschen mit Demenz. Wissend, was für ein enormer Verlust der Wegzug der Flades sein wird, ringt sie bei ihrer Ansprache um Fassung.
Stellvertretend für die augenblicklich 42 Geflüchteten in Groß Schönebeck bedankten sich die Tschetschenin Zaynab Arsunkaeva und die Syrerin Iman Mohammed in deutscher Sprache bei Annette Flade für die Aufnahme und Betreuung. Für das Groß Schönebecker Willkommensteam verabschiedete ihr Sprecher Rainer E. Klemke: „Es gehen zwei Lotsen von Bord, die uns zu neuen Ufern geführt haben. Die uns Wegweisung gaben, wenn wir an gefährlichen Klippen zu scheitern drohten, die uns Trost gespendet und neue Horizonte eröffnet haben.“

Während sich das Wetter draußen lichtete und wieder pralles Sonnenlicht in den Kirchgarten fiel, schenkte der neue Kirchenchor dem Sangesbruder Stephan Flade ein flottes Liedchen, auf die Melodie des Schlagers „Amore“ gedichtet. Diese Heiterkeit nimmt die Schwere wieder aus dem Geschehen.
Es wurden an diesem Tag noch hunderte Dankesworte gesprochen. Nach dem Gottesdienst begann gegen 16 Uhr das schier unendliche Defilee der Kirchgemeinde und ihrer Gäste. Anderthalb Stunden lang schüttelten der scheidende Pfarrer und seine Frau Hände. Herznah, fröhlich, immer noch einen Rat den Mutlosen gebend, duldsam gegenüber dem Schwachen, Kranken und Alten.
Derweil ließ man sich im Garten zum Kaffeetrinken nieder, wie bei einem entspannten Sommerfest. Die Zerpenschleuser Kirchgemeinde gab noch ein Ständchen und zu guter Letzt ertönten die Jagdhörner der Schorfheider Jagdhornbläser. Adé Familie Flade.

Petra Elsner

 

 

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