Milchmond (25)

Öffentliche Winterschreibarbeit zur Kriminalgeschichte „Milchmond“ von Petra Elsner.

… Die Flugblätter der Polizei zeigten Wirkung. Plötzlich standen wieder Menschen auf der Dorfstraße beieinander, plauderten, gestikulierten und lachten auch.  Die Erleichterung, dass Lauras Mörder nicht aus den eigenen Reihen stammte, war ganz offensichtlich. Aber dass man nun keine Waldspaziergänge allein unternehmen sollte, war doch unheimlich. Dörte schauderte es und sie sorgte sich zugleich: „Wie soll ich denn jetzt meinen Vermessungen in der Heide nachgehen? Wir sind viele zu wenige Ranger in der Biosphäre, als dass wir zu zweit unterwegs sein könnten. Kommst Du mit Rosa?“ Die alte Nachbarin grinste und meinte nur: „Wenn Du mich trägst und meine Katze nimmst.“ Dörte atmete tief durch: „Tragen ja, Katze – nein.“
Hans-Joachim betrat die Straßenbühne. Er wollte seine Wochenladung Eier ausliefern und hatte dazu sein weißes Lieblingspferdchen angespannt, das einen Großvaterschlitten zog. Die Frauen prusteten, als der Mann seine üppigen Massen auf das Gefährt setzte und indem die morschen Leisten unter ihm zerbrachen. Zwei Zentner Hans-Joachim plumpsten in den Schnee, aus dem es nörgelte: „Da gibt’s nur alle zehn Jahre mal richtig Pulverschnee und dann putscht mein einziger dieselfreier Transporter!“ Als er wieder stand und Rosa ihm den Schnee vom Rücken klopfte, tröstete sie den Eiermann des Dorfes: „In meiner Scheune steht noch ein schöner, alter Kutschenschlitten. Den kann‘ste Dir holen, vorausgesetzt, Du nimmt auch meine kleine Katze mit dazu.“ Hans-Joachim brummte: „O.K.“

Auf der Bank lag etwas. Juli sah es ganz deutlich, auch im Dunkeln. Aber die Schatten waren nicht erschienen, obwohl es schon kurz vor Mitternacht war. Die Frau konnte nicht anders, sie musste aufstehen, den Mantel überstreifen und zu dieser Bank gehen, um zu sehen, was da lag. Es war ein Buch, ein dickes. Ganz neu und mit prächtigem Einband auf dem „Tintenherz“ stand. Sie sah sich um, als wollte sie vermeiden, dass ihr jemand zusah, wie sie nach dem Buch griff und es mit zu sich ins Haus nahm. Als sie es aufschlug, stand da in etwas zittriger Sütterlinschrift: „Lesen heilt. Dieses Buch wird Dein Freund sein, Dir in jeder noch so traurigen Stunde beistehen und Deine Einsamkeit zerstreuen. Vertrau‘ ihm!“

 

© Petra Elsner
Februar 2018

Hinweis zum Urheberrecht: Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Milchmond (24)

Öffentliche Winterschreibarbeit zur Kriminalgeschichte „Milchmond“ von Petra Elsner.

… Tief verschneit atmete die große Stille. Am frühen Morgen walzte eine Fuhre Langholz, vom Sandberger Damm her kommend, die nachts gefallenen Schneemassen über dem dörf­lichen Kopfsteinpflaster schön platt. Pro­blemlos hätte man jetzt hier Au­torennen fahren könnten, doch die meisten Tagesstunden würde diese schicke Piste nur den Katzen gehören. Bis auf die Zeit des Schneefegens, die den Menschen ein spontanes Nachbarschaftspalaver entlockte. Wenn denn einer draußen war.
Julie hatte den Weg bis zum Hoftor freigeschaufelt und schnaufte rotbäckig. Dieses Jahr würde es bestimmt eine weiße Weihnacht geben. Alle Jahre hoffte sie darauf, jetzt schmerzte der Gedanke, denn mit wem würde sie die Heilige Nacht teilen? Was macht man Weihnachten allein? Sie wusste es nicht und versuchte im nächsten Augenblick die Frage zu verdrängen.
Die Straße hinauf rollte ein Polizeiwagen heran und stoppte von dem Acker-Hof. Bei einer Tasse Tee erklärten die Ermittler der Betroffenen, was inzwischen feststand. Eberhard Stark berichtete sachlich: „Der Abgleich aller Fußspuren hat ergeben, zwischen Holzdiebstahl und der Mord gibt es keine Verbindung. Und auch die Recherchen im Umfeld ihrer Schwester führten uns zu keinem wirklich Verdächtigen. Wir mussten also einen anderen Ansatz finden. Von den bekannten  Sexualstraftätern kommt auch keiner infrage. Niemand der uns bekannten hat die Blutgruppe AB positiv. Aber wir gehen einer anderen Information zurzeit nach: Ende November sind zwei Insassen der geschlossenen Psychiatrie Berlin Hellersdorf entflohen. Bei Nacht und Nebel. Keiner weiß, wie sie das Objekt verlassen konnten. Bisher sind sie unauffindbar. Der eine, ein Mann, der sich als Werwolf aufführt, hat eben diese Blutgruppe. Der ist am Werbellinsee aufgewachsen und hat mehrere Jahre wie ein Tier im Wald gehaust. Der kennt sich also aus. Der andere, ein wirrer kleiner Mann, fast blind, ist wohl nur ein Mitläufer. Wir fahnden nach dem Duo, aber in der Winterkälte werden die Männer wohl kaum in den Wäldern der Heide unterwegs sein. Aber wer weiß. Wir werden Steckbriefe in den Dörfern verteilen und die Leute auffordern, nicht alleine durch den Wald zu streifen. “
Julie blickte mit ihren großen, hellen Augen auf, die sich wieder mit Tränen füllten. Ermittlerin Korn griff nach ihrer Hand: „Wir werden sie finden, ganz bestimmt.“ …

© Petra Elsner
Februar 2018

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Milchmond (23)

Öffentliche Winterschreibarbeit zur Kriminalgeschichte „Milchmond“ von Petra Elsner.

… Die Zeit war treulos und verschwand in einem schwarzen Loch. Julie konnte sich eine Woche später kaum entsinnen, was sie erledigt hatte und wem sie begegnet war. War sie überhaupt jemandem begegnet? Das Dorf mied jene, die den Tod berühren. Als ob es spürte, dass Julie gerade einen Fuß vor die Tür stellte, war plötzlich die Straße leergefegt. Zufall oder Kalkül, sie wusste es nicht. Die Frau hatte begonnen, mit dem alten Rabenvogel in ihrem Garten zu sprechen. Damit er näher kam, legte sie ihm ein Stück Brot auf das Fensterblech. Der Vogel erspähte ihre Aktion sogleich und kam nur, um rasch das Futter aufzunehmen und wieder ins Birkengeäst zu entfliehen. Aber in dem Moment seiner Landung, sahen sie sich Auge in Auge. Ein Dialog der Blicke – einen dankbaren Atemzug lang.

Zeichnung: Petra Elsner

Als es klingelte, schreckte sie regelrecht auf. Durch das Fenster zur Straße sah sie Otto Ehrenburg vor seinem schwarzen Pick Up stehen.
„Darf ich reinkommen“, fragte er, als sich die Tür öffnete. „Ich wollte endlich mal nach Dir sehen und fragen, ob ich Dir was helfen kann.“
„Kannst Du. Bestimmt“, gab sie abgehackt zurück.
Auf dem Weg zur Küche kramte er in seiner Hängetasche, um vorsichtig ein Päckchen herauszuheben. Als sie den Kuchen aus dem Seidenpapier entblößte, sagte sie nur trocken: „Windbeutel! Dass passt ja wie Faust aufs Auge!“
Otto war ein typischer Brandenburger, der mit Ironie nicht viel anfangen konnte, deshalb maulte er leise vor sich hin: „Du machst auch aus jeder Vorlage einen Elfmeter.“
„Kann sein.“ Julie lächelte milde und Otto Ehrenburg wusste, dass dahinter keine Absichten steckten. Die Schwester seiner Geliebten hatte ihm einst überdeutlich gezeigt, wie sehr sie ihn verachtete, weil er in seine trostlose Ehe zurückruderte. Nun saßen sie beieinander und konnten sich doch keinen Trost zusprechen. Es waren einfach die Falschen, die das versuchten, aber Otto sagte zu, beim Ausräumen der Berliner Wohnung zu helfen und schwere Arbeiten auf Zuruf zu übernehmen. Das war auch schon etwas. Als der Mann den Hof wieder verließ, rutschte Julie für den Rest des Tages abermals in eine dunkle Leere.

In dieser Nacht murmelte der kleine Schatten unbeobachtet auf der Moosbank: „Das Dorf macht wieder einen Bogen.“ Und der Große ächzte: „Das ist überall so, ganz gleich, ob Dorf oder Stadt. Während sich die Gesellschaft ständig jugendlicher, perfekter und effizienter gibt, entsteht in ihr ein Paradoxon: Die aufgeklärte Moderne weist Krankheit und Tod noch weiter von sich, als zu unseren Lebzeiten. Die Angst davor wächst, denn die Leute wollen nicht auf die Seite der Verlierer geraten. Deshalb weichen sie der Berührung mit anderer Leute Leid aus, als wäre es ansteckend. Man nennt das auch: hoch kultivierter Individualismus! Der treibt nicht nur in die Einsamkeit, sondern auch in eine allgemeine Gefühlskälte.“ Der kleine Schatten seufzte: „Können wir ihr irgendwie helfen?“
Und der Große antwortete hoffnungsvoll: „Vielleicht.“ …

 

© Petra Elsner
Februar 2018

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Milchmond (22)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu der Kriminalgeschichte „Milchmond“ von Petra Elsner.

… Nachmittags im Dorfkrug. Anna und Bernd Uhlig sahen Julie beim Löffeln der Täubchensuppe zu. Die stand nicht auf der Karte, Anna verteilte diese feine Suppe ausschließlich an geliebte Kranke im Dorf und Julie war geliebt und krank vor Kummer. Ihre Hausärztin fand das auch und hatte sie mit einem Krankenschein versorgt. Morgen würde sie die Formalien für die Beerdigung anpacken, allein der Gedanke daran, legte ihr Steine auf die Schultern. Die junge Frau schwieg und weil der Wirt die betretene Stille nicht aushielt, erzählte er, was da neulich geschehen war oder besser gesagt, was er davon noch wusste: „Sie haben mir alle Jagdwaffen abgenommen.“ Julie blickte stirnrunzelnd auf und der Wirt murmelte leise, fast unverständlich weiter: „Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren war, dass ich besoffen mit der Flinte in den Wald ging. Tresen-Koller oder erstes Delirium, keine Ahnung. Ich weiß nur noch, dass der Förster-Franz am Vorabend von einem weißen Hirsch erzählt hat, den er zwischen Schluft und Kappe gesehen hatte.“
Anna schüttelte ihren Kopf: „Du weißt doch, dass man einen Weißen nicht jagen darf. Der Göttliche steht dem Tode nahe.“
Uhlig nickte: „Er soll etwa da aufgetaucht sein, wo man Laura fand.“
Julie sah auf und sprach dunkel: „Immer, wenn es keine Klarheit gibt, munkelt das Dorf alte Legenden. Ich weiß nicht, wie ich das finden soll, aber sag mal Bernd, kennst Du die Legende vom Milchmond?“
Der einschlägig belesene Wirt kratzte seinen kahlen Kopf: „Hm, ja, doch, da gab es eine, die man sich erzählte, als der Wolf in der Schorfheide noch zugange war. Es muss vor 1850 gewesen sein, denn aus dieser Zeit stammen die letzten Hinweise auf ein Wolfsrudel in der Region. Die Legende vom Milchmond erzählt von einem weißen Wolf, keinem arktischen Wolf, sondern ein mystisches Mondwesen, das seine Braut meuchelt. Wahrheit oder Legende, die Dinge verweben sich manchmal. Es war die Zeit, als ein Zirkus über Land zog, der menschlichen Kuriositäten zur Schau stellte. Darunter auch einen vollkommen behaarten Menschen, den sie Wolfsmann nannten.  Das las ich im Tagebuch meiner Urgroßmutter. Sie hat beinahe alles aufgeschrieben, was man ihr am Tresen erzählt hatte. Ob die Leute aus solch‘ bizarren Anblicken eine Mär machten, oder ob es wirklich damals einen speziellen Mord in der Heide gab, der diese Geschichte hinterließ – ist mir nicht bekannt.“ Uhrigs Augen leuchteten, denn bei solchen Histörchen war er ganz in seinem Element. Auch er hatte unterm Tresen ein Notizbuch, indem er Kneipengeschichten niederschrieb, die er mit schelmischen Blick gelegentlich leise vortrug. Nur für spezielle Freunde, nie in großer Runde.
Draußen hupte Dörte Sandig. Sie hatte das Licht in der Wirtschaft gesehen, stoppte ihren Jeep, parkte ein und stiefelte über den Kopfsteinpflasterdamm. „Teestunde?“, pustete sie als sie den Raum betrat. „Nee, Märchenstunde“, antwortete Anna.
„Worum geht’s?“
„Um die Legende vom Milchmond.“
„Ach herrje, meint Ihr eine alte Sage bringt Licht ins Dunkel? Dann doch wohl eher echte Spuren und ein Wolf war, soweit ich weiß, nicht dabei“, kommentierte Dörte den seltsamen Denkansatz. Sie hockte sich zu Julie, nahm sie in den Arm und fragte flüsternd: „Was machst Du eigentlich da draußen alleine auf der Bank in der Winternacht?“
„Nichts, rauchen und Sterne gucken.“ …

 

© Petra Elsner
Februar 2018

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Milchmond (21)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu „Milchmond“, eine Kriminalgeschichte von Petra Elsner.

… Auf Anhieb berührte ihre Trauer sein Herz. Sie floss mit seiner zusammen. Ungefragt, ungebeten, einfach so. Kai Fischer hatte vor einem Jahr Frau und Tochter verloren. Ein Unfall bei Blitzeis auf der A10. Seither wunderte er sich jeden Abend, dass er morgens überhaupt aufgestanden war und Schritte in den Tag gesetzt hatte. Er dämmerte mehr als dass er lebte, nur die Arbeit sorgte dafür, dass die Trauer stundenweise unter den Verrichtungen schwieg. Ansonsten brannte sie in jeder Zelle seiner hageren Gestalt. Unaufhaltsam, so schien es ihm jedenfalls bis eben, als ihn die Trauer von außen ansah.
Seit dem Fund an der Waldstraße waren zwei Tage vergangen. Julie Acker hatte sich mit Hausmeister Fischer in Lauras Wohnung verabredet. Ermittlerin Korn wollte sich von dem Lebensmittelpunkt der Toten ein Bild machen und nach möglichen Hinweisen suchen. Während Korn sich umsah, die Regale durchstöberte, standen Fischer und Julie unbeholfen in dem kahlen Zimmer. Alles wirkte irgendwie nur hingestellt, abgestellt, nicht eingerichtet. Die Ermittlerin fand: „Recht minimalistisch. Es sieht nicht gerade so aus, als lebte sie gerne hier.“
Julie nickte: „Ja, es war nur ihr Fluchtpunkt. Zwischen all der Arbeit, in der sie steckte, war eigentlich nur Zeit zum Schlafen. Leben ist anders. Aber nach der Geschichte mit Otto Ehrenburg fühlte sie sich offenbar ungeliebt und das kommt dabei raus.“ Ihre Hand wies offen durch den Raum, der mehr einer Abstellkammer glich.
Sie sah zu Kai Fischer und fragte: „Könnten Sie mir ein bisschen helfen, die Wohnung zu räumen? Nach Weihnachten will ich sie der Verwaltung übergeben.“
„Klar, mache ich“, antwortete Fischer und bot an, die Sachen mit dem Transporter nach Sandberg zu fahren.
Julie blinzelte dankbar und fragte die Kripofrau: „Das geht doch in Ordnung, oder brauchen Sie die Wohnung noch zu irgendetwas?“
Franziska Korn schüttelte den Kopf: „Nein, alles gut, Sie können die Wohnung auflösen, es gibt für uns hier nicht wirklich etwas zu entdecken.“ …

© Petra Elsner
Februar 2018

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Blätter zur Kriminalgeschichte „Michmond“

Der Weiße zur Legende vom Milchmond.
Zeichnung: Petra Elsner

Zwei Illustrationen zu Milchmond sind am heutigen Sonntag entstanden, eine zeige ich: Den weißen Wolf.  Schönen Sonntagabend allerseits!

 

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Morgenstunde (53)

Zeichnung von Petra Elsner

Wochenende!!!! Die Tasten ruhen gleich still – Montag könnt Ihr die nächste Wortladung erwarten.
Für heute sind kreative Pinselübungen vorgesehen. Hier schon mal ein Entwurf zu einem Titelbildhintergrund…Ein Nachthimmel eben.

Eigentlich wollte ich keine Zeichnungen zu dieser Kriminalgeschichte anbieten, aber eine Handvoll wird es nun vielleicht doch, mal sehen was da wächst.
Die Nachtschatten auf der Banke sollten es schon sein, notfalls finden die sich auf dem Rücktitel wieder. Ein anderes Blatt könnte die Wolfs-Legende illustrieren… Alles ist noch offen, wie in einem Spiel, dass sich gleich einem Puzzle am Ende finden wird.

Entwurf zum Titelblatt von Petra Elsner.

 

 

Hier mal ein Textversuch für das Titelblatt (siehe links), aber die typographische Gestaltung kann ein Verlag fraglos viel besser als ich, ist also nur eine Arbeitsansicht.

 

Entspannte Freizeit wünscht Euch,
Petra

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Milchmond (20)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu der Kriminalgeschichte „Milchmond“ von Petra Elsner.

… Die Ermittler hatten die schlimme Nachricht erst am Abend Julie Acker überbracht. Die OP-Schwester konnte tagsüber telefonisch nicht erreicht werden. Wegen des Sturms war der ganze Operationsplan dicht zusammengerückt. Die Pausen waren kurz und unbestimmt, so entschloss man sich, auf ihre Heimkehr zu warten. Nun hocken sie in der Hofküche. Das Surren des Kühlschranks verstärkte die große Sprachlosigkeit, die nach der Todesnachricht plötzlich unter dieses Dach gezogen war. Die Botschaft war Bestätigung, irgendwie hatte Julie den Verlust seit Tagen gespürt, nur das Wie, konnte und wollte sie nicht erahnen. Alles geriet an diesem Abend aus den Fugen. Die Mutter dement, der Vater verschollen, die Schwester tot. Diese Lebensbrüche schnitten ihr Kerben ins Herz.  Wie sollte sie das alles ertragen, den Verlust und die Einsamkeit? Julie konnte die Tränen nicht mehr halten. Die Zeit dehnte sich, irgendwann fragte die erschütterte Frau schluchzend: „Wer hat sie gefunden?“
„Ein Feuerwehrmann, Otto Ehrenburg“, antwortete Franziska Korn.
„Oh, wie bitter, gerade er.“, murmelte Julie.
„Wieso, was ist mit ihm?“
„Wegen Otto hat Laura Sandberg verlassen. Sie hatten ein Techtel, aber Ehrenburg entschied sich, in seiner Ehe zu bleiben. Zuletzt kam Laura nur noch ungern nach Sandberg, aber wir hatten ja gemeinsam unsere Mutter zu pflegen.“ Julies Augen versanken beim Sprechen wieder in Tränen. Die Korn blinzelte ihrem Kollegen zu, was soviel bedeutete: Komm, Rückzug. Sie verließen das Trauerhaus. Für heute war es genug, sie wollten nur noch die Akte zum Holzdiebstahl aus der Nacht vom 24. zum 25. November einsehen. Offenbar gab es zwischen diesem Mord und dem Holzdiebstahl einen Zusammenhang, und man musste nach dem grünen Opel des Opfers suchen. Die Auskunft der Wiese-Zwillinge im Dorfkrug ließ vermuten, dass es der Täter war, der über die Döllner Chaussee mit diesem Auto davon fuhr.

Als die Dorflaternen zur Nacht abgeschaltet waren, schlürften die Schattengestalten wieder zu ihrer Moosbank. Der Kleine raunte: „Endlich haben sie die unterm Laub gefunden. Da wird die Legende vom Milchmond wieder Nahrung bekommen, wir müssen sie ihr erzählen.“ Der große Schatten nickte.
Eine Welle schwerer Gedanken überflutete Julie.  Was um Himmels Willen war nur in dieser Nacht auf der Waldstraße geschehen? Wer oder was hatte das Auto zum Stehen gebracht? Und weshalb hatte Laura den Wagen verlassen? An Schlaf war für Julie nicht zu denken. Sie öffnete die Tischschublade und griff nach den Pausenzigaretten ihrer Schwester. Sie nahm sich eine, zündete sie an, zog an ihr und hustete. Vor drei Jahren hatte sie sich das Rauchen abgewöhnt, jetzt aber glaubte sie, die Dinger wieder zu brauchen. Sie trat ins Freie, sog wieder an der Zigarette und lief ein paar Schritte. Als sie aufblickte, sah sie die Nachtschatten winken. Allein die Vorstellung, dass die Beiden auf sie gewartet hatten, wärmte ihr leidendes Herz. Die Frau hockte sich still auf die Bank und die andere, hinter der Gardine, trat kopfschüttelnd zurück in Dunkel. Sie sah nur wie die junge Nachbarin mutterseelenallein auf der Bank saß – was für ein seltsamer Anblick.
Julie hörte indes schweigend den Moosgestalten zu und rauchte. Nun ächzte der große Schatten: „Es ist schon fast vergessen, aber vorzeiten erzählten sich die Frauen in der Schorfheide diese Legende: Wenn es im Winter einen großen Milchmond gibt, holt sich der weiße Wolfsmann eine Braut, begehrt sie eine Nacht lang und versenkt sie Morgengrauen im Reich der Toten. Fortan erscheint sie als weiße Frau immer wenn es wieder einen Milchmond gibt und geistert durch die Nacht.“
„Herrje, müsst ihr mir auch noch Schauergeschichten erzählen“, stöhnte Julie. Sie stand ruckartig auf und verließ die Schatten. Aber natürlich würde sie noch den Wirt vom Krug nach dieser alten Sage fragen – morgen oder übermorgen…

 

© Petra Elsner
Februar 2018

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Morgenstunde (52)

Im Frost.

Heute mal krimifrei. Die Tasten dürfen gleich ruhen, zugunsten eines Waldspaziergangs, sonst rutscht mir die Geschichte noch in die Träume. Die Schreiberin driftet in dieser Schöpfung wieder in ein Eigenleben, fernab der Realität. Mein Liebster versinkt derweil mit viereckigen Augen im Olympiaschnee. Ich schau nur finale Entscheidungen, um dann gleich wieder zurück in die Geschichte zu schleichen. Das ist auf die Dauer nicht so gut, Pausen müssen sein.
Gestern Abend habe ich mal auf die Statistik der Blog-Leser des gestrigen Tages geschaut. Da geht es zurzeit sehr leise zu, offenbar schleppen sich die meisten Leute mit ihrer Grippe nur noch ins Bett oder tragen schwer an ihren roten Faschingsnasen. Was mich allerdings verwunderte, es gibt einen Mitleser auf Singapur. Hey, wie schön! Ich möchte Euch dort draußen in den Weiten des Netzes durchaus mal ermutigen, hier einen Kommentar zu schreiben, damit man/frau sich kennenlernen kann. Wie auch immer, habt einen schönen Tag alle miteinander, kuriert Eure roten Nasen und macht Euch glücklich!

Eure Petra

Blogstatistik

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Milchmond (19)

Öffentliche Winterschreibarbeit zur Kinimalgeschichte „Milchmond“ von Petra Elsner

… Stunden später wurde das Opfer rechtsmedizinisch untersucht und es war bald  klar, das Tötungsdelikt ging mit einer Vergewaltigung und schweren Misshandlungen einher. Ein exakt gesetzter Messerstich ins Herz, machte dem Martyrium der jungen Frau schließlich ein Ende. Die Winterkälte konservierte den traurigen Zustand, der keinen Zweifel über den Tathergang bei den Experten hinterließ. Auch DNA wurde entdeckt: Graues Haar, Hautteilchen und Sperma. Druckstellen – offenbar von den Händen des Täters – verrieten, er muss groß und kräftig gewesen sein, und er hatte die seltene Blutgruppe AB positiv.
Im Sandberger Dorfkrug hatten zwei Ermittler der Mordkommission Prenzlau ihr ambulantes Büro einen Tisch aufgeschlagen. Dem Wirt war das nicht recht, er hatte an seinem Ruhetag nur für die Feuerwehrleute spontan geöffnet, um den Helfern einen warmen Platz und eine deftige Bohnensuppe auszugeben. Strom gab es noch nicht, aber der alte Kachelofen spuckte wohlige Wärme und Kerzen spendeten ein schummriges Licht. Mit quenglicher Stimme fragte Uhrig: „Möchten Sie vielleicht was Heißes? Tee, Kaffee oder Bohnensuppe? Der Gasherd macht‘s möglich, nur Wasser ist knapp.“
Die zwei Kriminaloberkommissare entschieden sich für Suppe und Tee. Als der Wirt servierte, dankten sie höflich und begannen zugleich mit ihren routinemäßigen Fragen. Oberkommissarin Franziska Korn sah Uhing ruhig an: „Irgendwelche Fehden im Dorf, von denen wir wissen sollten, Herr Wirt?“
„Nichts von Bedeutung. Sandberg ist ein stilles Dorf. Es gibt fast nur noch alte Leute hier, von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen. Die Ackerschwestern wären bestimmt auch schon weggemacht, hätte der republikflüchtige Vater ihrer Mutter nicht so ein elendes Leben beschert. Der hat sich über Ungarn rausschleusen lassen und sie bekam Berufsverbot. Sippenhaft eben. Geputzt hat die gelernte Drogistin im Hotel bis sie das große Vergessen erwischte. Ein Scheißleben. Aber die Mädchen haben gut zu ihr gehalten. Nur miteinander hatten sie ab und zu ein bisschen Stress. Zicken-Alarm, mehr nicht. Letztes Jahr ist Laura nach Berlin gezogen. Wissen Sie, Distanz und Nähe, dass ist auf dem Dorf immer ein Drahtseilakt, da ist es manchmal besser,  eine Zeitlang Abstand zu wahren.“
Der Wirt wollte sich zurückziehen, aber Ermittler Eberhard Stark, rückte ihm einen Stuhl neben sich zurecht: „Erzählen Sie weiter, weshalb hatten die Schwestern öfter Streit?“
Uhlig schniefte: „Ach, nichts Besonderes. Laura lebte gerne auf großem Fuße und kam deshalb mit ihrem Gehalt als Altenpflegerin nicht gut aus. Sie pumpte sich bei jedem was, der dazu bereit war. Die meisten schwiegen darüber, aber ihre große Schwester hat ihr oft die Ohren langgezogen.“
Die Tür ratschte, Püschel und Ehrenburg traten grüßend ein. Klopften sich den Schnee von den Jacken und schleppten sich an den Kachelofen. Sie waren müde und erschüttert. Der Feuerwehhauptmann sprach mit gesenktem Blick in den Gastraum: „ Wir haben ein Holzkreuz und ein Grablicht am Fundort aufgestellt.“
Anna Uhlig hatte ihre winzige Küche verlassen und brachte den Männern am Ofen dampfende Suppenschüsseln: „Hier Jungs, damit ihr ein bisschen auftaut.“ Sie streichelte die Zwei mit ein paar Strichen über deren Arme, Worte fand die scheue Frau des Wirtes nicht. Schnell war sie wieder in ihr Reich verschwunden als wäre es ein sicherer Ort.
Draußen heulte der Sturm. Trotzdem war es so leise in Sandberg als hielten alle den Atem an, wie immer, wenn der Tod in ein Haus gekrochen war. Leben und Sterben sind auf dem Land noch so nah, dass das Leid anderer gefühlt wird…

© Petra Elsner
Februar 2018

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Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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