Dorfgeflüster: Kürbiskönig gesucht

Kürbisvogel 1 von Petra Elsner
Kürbisvogel 1 von Petra Elsner

Kurtschlag (pe). Herbstzeit ist Kürbiszeit, und die wird in Kurtschlag seit zehn Jahren gefeiert.  „Wer hat den dicksten, wer hat den kleinsten Speisekürbis?“ heißt es, wenn am 1. Oktober 2016 der Kürbiskönig oder die Kürbiskönigin gekürt wird. Ab 15 Uhr steigt in und an der Gaststätte „Mittelpunkt der Erde“ das dörfliche Herbstfest mit allerlei Köstlichkeiten rund um die üppige Frucht. Zum Programm gehört wie immer ein Quizz und das Herbstliedermitsingen mit dem Dorfspatzen Kalle Hörning.  Die Kurtschlager Mädchen Oonjai und Kim üben schon ein Weilchen für ihr spezielles Gesangssolo. An den Ständen gibt es Pflanzen- und Sämereien der Freizeitgärtner, Garten- und Hausdekoartikel, Honig, regionale Postkarten und Literatur. Auf die kindlichen Besucher warten Kürbisschnitzen und der Bau einer Laterne, die zum Martinsfest am 12. November zum Einsatz kommen kann.
Gastgeber ist der örtliche Kulturverein, der mit selbst gebackenen Kuchen und leckeren Kürbis-Spezialitäten aufwartet. Das Schorfheidedorf am Döllnfließ freut sich bis 17.30 Uhr auf zahlreiche Besucher auch aus der Nachbarschaft. Der Eintritt ist frei.

Kürbisvogel 2 von Petra Elsner
Kürbisvogel 2 von Petra Elsner
Kürbisvögel 3 von Petra Elsner
Kürbisvögel 3 von Petra Elsner

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Die Maien – grüne Hoffnungsbündel

Frühlingsregen.
Frühlingsregen.

Es war mir ein Rätsel, weshalb in unserem Schorfheidedorf immer zu Pfingsten frisches Birkengrün die Tore, Ställe und Vorgärtchen schmückte. Einfach so, ein paar Zweige, gebunden mit Schnur. Das war und ist so bei den Alteingesessenen, aber woher der Brauch der „Maien“ rührte, konnte mir keiner so recht sagen. „Es ist bestimmt eine Art Schutz für Haus und Hof“, meinte die  Nachbarin rechterhand. Aber weshalb gerade zu Pfingsten?
Ich wollte es genauer wissen und habe mich etwas belesen. Das ist die Essenz: Die Birke gilt seit jeher als Symbol für Kraft und Anmut, Lebenswillen und Trost, für Licht sowie Heiterkeit. Das Aufstellen von Birkenzweigen soll die Freude über das Erwachen der Natur ausdrücken. Die Volkskundler sehen hinter den Maibräuchen eine Art Analogie-Zauber oder auch Analogie-Glaube. Das heißt, die Menschen glaubten, dass bestimmte gute Kräfte der Birke auf den Menschen oder das Vieh übergehen würden. Die Kraft des ersten frischen Grüns sollte beispielsweise die Kühe veranlassen, besonders viel Milch zu geben. Alle alten Maibräuche finden zwischen dem „Säen und Mähen“ statt, also in einer bäuerlichen Atempause. Doch in dieser wohnte die ungewisse Erwartung, wie die Ernte ausfallen würde. Die Maien sind also Ausdruck für die Hoffnung, alles möge sich gut und reichlich fügen.
Keine Frage, seit dem ich das weiß, wird auch unser Hof von Maien geschmückt, denn der fast vergessene Frühlingsbrauch ist ein schöner im dörflichen Leben.

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Dorfschauspiele 2015

Nachdem das Buch geschrieben, das Atelierfest und diverse Lesungen gegeben, klopft der Frühsommer mit all den ehrenamtlichen Verpflichtungen für das Dorf an die Tür. Zum Dorffest wird der Kulturverein zum dritten Male ein kleines Sagenspiel aufführen, wozu ich Ostern die “Teufelszungen vom Döllnsee” in eine spielfähige Variante mit erweiterter Handlung gebracht habe. Dazu hab ich für die Spieler Kopfstabpuppen gebaut. Am 4. Juli wird das kleine Sagenspiel erstmals aufgeführt. Indes wird geprobt und ich habe die nächste Aufgabe für den Kulturverein am Wickel: die Fotoausstellung “Kurtschlager Impressionen” zusammenzustellen und mit Passepartouts auszustatten. Die Bilder stammen aus etlichen Haushalten, manche sind 90 Jahre alt und winzig, die bearbeite ich … so werden sie schön wie nie zuvor. Am Vorabend zum Dorffest wird es eine Vernissage in der Kurtschlager Kirche geben und in schönes Licht getaucht, sollen die Fotos allen Blicken standhalten. Bis dahin ist noch viel zu tun …

Die Teufelszungen im Döllnsee

Die Kopfstabpuppen zu den Teufelszungen, gebaut von Petra Elsner
Die Kopfstabpuppen zu den Teufelszungen

Die Erzählerin:
In einer Zeit, als ein Frühjahrssturm den Schafen die Locken glatt kämmte, war die Herde des Schäfers Anton im Wald zwischen dem Großen Döllnsee und dem grünen Wuckersee in alle Winde verstreut. Er suchte viele Tage nach den Tieren, und als er sie endlich beisammen hatte, war der Heimweg noch sehr weit. Denn er hauste auf dem anderen Ufer des großen Sees. Anton schnaufte, und er wünschte sich im Stillen, würde doch ein Landweg über den See führen, dann wäre sein Weg nicht immer so unendlich weit. In der Dämmerung erreichte er müde seinen Hof und als er die Tiere im Stall hatte, schlürfte er noch die paar Meter in den alten Dorfkrug, um sich ein Feierabendbier zu gönnen.
Dort lehnte ein geheimnisvoller Mann am Tresen. Und weil Anton ihn so musterte, kam der Mann auf ihn zu und tippte mit zwei Fingern zum Gruß an seinen Schlapphut und sprach:
Der Geheimnisvolle: Ist es gestattet, sich zu dir zu setzen?“
Der Schäfer: Nichts dagegen, hock‘ er sich hin und erzähle mir was von der weiten Welt.
Der Geheimnisvolle: Ach, die große, weite Welt, sie ist fern, hier im tiefen Wald zählen doch andere Dinge.
Der Schäfer: So? Welche denn?
Der Geheimnisvolle: Was stellst sich dumm, du weißt schon: genug Futter für die Tiere und reichlich trockenes Holz für den Winter. Ein gutes Süppchen auf dem Feuer und das Leben gesund und nicht all zu schwer.
Der Schäfer: „Das Leben nicht allzu schwer, das ist wohl ein frommer Wunsch. Meine Wege zu den Waldwiesen sind so weit, das ich mir rasch Löcher in den Stiefelsohlen laufe. Müde bin ich jeden Tag wie ein Hund, wenn ich die Tiere endlich wieder im sicheren Stall habe, dann trinke ich noch ein Bierchen, dann rafft es mich auch schon auf das Nachtlager. Und mein Weib schweigt allein den Mond an.
Der Geheimnisvolle: Ja, das ist ein schweres Leben. Hoffentlich wird sich dein Weib nicht eines Tages davon machen und sich ein besseres Leben suchen, wenn du ihr so gar nicht die Zeit versüßt.
Der Schäfer: Das wäre schlimm, aber was soll ich machen?
Der Geheimnisvolle: Hast du denn so gar keine Idee, wie es leichter gehen könnte?
Der Schäfer: Doch, doch, es spukt mir schon lange ein Gedanke im Kopfe herum: Wenn es einen Damm über den See gäbe, dann wäre mein Weg nicht mehr so weit, und ich hätte etwas Zeit für meine Liebste.
Der Geheimnisvolle: Wenn es weiter nichts ist, da kann dir geholfen werden.
Der Schäfer: Wie das?

Erzählerin: Da lüftete der geheimnisvolle Mann seinen Schlapphut und der Schäfer erblickte das flammende Haupt des Leibhaftigen. Erschrocken wich Anton zurück. Im grauste vor dem schauerlichen Anblick, aber zugleich stieg eine Hoffnung in des Schäfers Herz auf, sein Wunsch könnte Wahrheit werden, und somit sein Leben leichter. Doch es war ihm natürlich klar, dass jedes Teufelswerk einen Preis hat. Vorsichtig fragte er den Teufel:
Der Schäfer: Was müsste ich dafür tun?
Der Teufel: Wenn ich dir bis zum ersten Hahnenschrei einen schönen Damm über den Großen Döllnsee baue, dann versprichst du mir einfach deine Seele dafür. Die wird fällig, wenn dein Tod kommt. Die kleine Nebensache wird dich zu Lebzeiten nicht berühren, damit ist alles abgegolten. Komm schlag ein.

Erzählerin:
Der Schäfer Anton willigte ein. Sogleich erhob sich der Teufel, zahlte die Zeche mit einem Silbertaler und eilte grußlos davon. Der Teufel begann unermüdlich sein Werk. Er bewegte wie von Furien getrieben gewaltige Erdmassen und schleuderte große Findlinge in den See. Anton lief aufgeregt nach Haus. In der Ferne hörte er den Teufel schuften. Da der Schäfer aber ein frommer Mann war, wurde es ihm unterwegs mulmig. Auf dem Hof angekommen fragte er schnaufend seine Frau:
Der Schäfer: Meine liebe Ilse, ich glaube ich habe einen schlimmen Handel geschlossen. Ein geheimnisvoller Mann erklärte mir im Krug, dass es ganz leicht sei, einen Damm über den Großen Döllnsee zu schaffen. Bis morgen früh, wenn der erste Hahn kräht. Der Geheimnisvolle entpuppte sich allerdings als der Leibhaftige mit flammendem Haupt. Ich glaube, er war nur auf meine Seele aus, die ich ihm versprochen habe.
Die Frau Ilse: Herrje, Anton, wie konntest du nur so leichtfertig sein? Es ist doch bekannt, dass der Teufel bei einem solchen Handel immer siegt. Aber warte. Ha, ich hab da eine Idee, vielleicht können wir ihn mit einer List schlagen. (Puppen gehen tuschelnd ab.)

Erzählerin: Der Dammbau des Teufels war beinahe fertig. Er wähnte, er hätte noch viel Zeit, denn die Nacht war noch stockdunkel. Da plötzlich aber krähte der erste Hahn als Zeichen des anbrechenden Tages. Der Teufel war irritiert. Hatte er seine Kräfte überschätzt? Wie war das möglich? Nun, die schlaue Frau des Schäfers, war mit einer Laterne in den Hühnerstall geschlichen und täuschte mit ihrem Licht den Hahn. Der krähte gleich so schön er konnte den vermeintlichen Sonnenaufgang an, obgleich es noch nicht einmal graute. Den Teufel aber durchzuckte es wie von einem Blitz getroffen. Er tobte und schrie seine Wut in die Nacht. Er war einer List aufgesessen und hatte damit den Handel verloren. Mit großem Getöse verließ der Gescheiterte seine Baustelle. Die beiden Halbinseln, die den großen Döllnsee verengen nennt man seither Schmällinge oder auch die Teufelszungen. (pe)

Lage der Teufelszungen im Döllnsee.
Lage der Teufelszungen im Döllnsee.

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Dorfgeflüster: Entschleunigte Zeit und ein Kürbiskönig

Heute gibt es mal wieder einen kleinen Nachtrag aus dem echten Dorfleben im Schorfheidewald:

So mancher Zufallsgast, der am 3. Oktober unser Kürbisfest in Kurtschlag besuchte, sprach aus, was er dachte: „Ach, so klein?“ Und ich dachte bei mir: Hallo, welche Vorstellung weckt eigentlich die Ansage „heiteres Familienfest“ oder „dörfliches Herbstfest“? Die von einem Riesenklamauk mit 1000 Besuchern oder gar mehr? Ein großes Marktgeschehen lässt vielleicht einkaufen, mit allem, was man sich vorstellen kann. Aber für ein Dörfchen mit schlapp 300 Einwohnern? Hier legt man noch selbst etwas auf, mit begrenzten Mitteln, dafür mit allen Talenten. Das muss man/frau erst einmal hinbekommen. Zumal naturgemäß die, die es leisten in den Dörfer immer weniger werden. In der herbstlich geschmückten Gaststätte “Mittelpunkt der Erde“ gab es zu guter Letzt keinen Stuhl mehr, um die leckere Kürbissuppe und den feinen Kuchen der Dorffrauen zu verspacheteln. So saßen die Älteren und schauten zu, wie die Kinder Kürbisgesichter schnitzten und selbst gestrickte Socken, Kunstgewerbe, Herbstblumenschmuck, Ansichtskarten … und Honig den Besitzer wechselten. Ganz emsig wurde an Johannas Bäume-Quiz gerätselt. Kalle stimmte mit seiner Gitarre Herbstlieder an und alle lauschten den Gedichten, die Sieglinde wunderbar und gekonnt vortrug. Es war ein beschauliches, leises Fest, eines, das dem Gast entschleunigte Gemeinschaftszeit schenkte – eine Rarität. Die allenthalben anzutreffende Erwartung: „Immer schneller, höher, weiter“ kann in Zeiten des demografischen Wandels auf dem flachen Lande nicht gelten, sondern vielleicht eher: „Macht euch glücklich, aber überfordert euch nicht.“ Das haben die Veranstalter des örtlichen Kulturvereins versucht: Mit einem von Cordula toll geschmückten Erntewagen, mit einer Handvoll Marktständen und dem lustigen Kürbiswiegen. Satte 31 Kilo wog die Siegerfrucht. Vielleicht sind die dicksten Dinger anderswo schwerer, aber dieser hier wuchs im mageren Schorfheidesand. Rund 80 Leutchen guckten am 3. Oktober 2014 zu, als Mani mit den Gewichten an der Dezimalwaage hantierte. Schnell war klar, die dickste Beere brachte Jürgen Steddin zum Fest und wurde mit ihr zum dritten Kurtschlager Kürbiskönig gekürt. Sichtlich erfreut, hievte er fürs Foto den großen Bauernkürbis noch einmal ins rechte Licht. (pe)

Der 3. Kurtschlager Kürbiskönig: Jügen Steddin Foto: Petra Elsner
Der 3. Kurtschlager Kürbiskönig: Jügen Steddin
Foto: Petra Elsner

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Dorfgeflüster: Met und Schwärme

Die Bienen schwärmen. Foto: pe
Die Bienen schwärmen. Foto: pe

Als mein Liebster begann, Bienen zu züchten, schenkte mir Frau Jesse, die Chefin vom Imkereihandel Berlin, eine Flasche Met. Ich hatte keine Ahnung, auf welchen Schreck hin ich den trinken sollte. Jetzt weiß ich es: Auf das Los der Imkerfrauen, die nie mehr Sommerurlaub haben, denn von April bis Oktober gehört der Mann den Bienen.
Es ist der erste Hochsommertag des Jahres 2014, Dienstag, der 20. Mai. An diesem Morgen musste mein Liebster für ein paar Untersuchungen abermals ins Krankenhaus einrücken. Ich hatte mir gerade einen Pott Kaffee eingeschenkt und wollte vor der Arbeit im Atelier einen entspannenden Gartenrundgang unternehmen, als es plötzlich an der Waldkante sehr laut wurde. Tausende Bienen starteten zu einer Wolke auf, die mit unglaublichem Getöse drei, vier Meter hoch über dem Grundstück stand. Es sah aus, als wäre die Luft von Bienen geschwängert. Die Wolke löste sich nach einer Handvoll Minuten in fünf Schwärme auf, die sich so nach und nach in den Obstbäumen der angrenzenden Gärten niederließen. Mein Herz klopfte, und ich dachte: Schöne Bescherung – und der Imker nicht daheim!
Nun ist es ja so, dass schwärmende Bienen, weil sie keine Brut und keinen Honig zu verteidigen haben, nicht stechen (so sie nicht geärgert werden). Aber so einen Schwarm im Apfelbaum, findet nicht jeder Nachbar prickelnd. Also was tun? Hatte ich nicht heute Morgen Manni auf dem Damm gesehen? Der könnte vielleicht sich den einen oder anderen Schwarm aus der Landschaft pflücken, bevor sie auf nimmer Wiedersehen im Schorfheidewald eine Baumhöhle beziehen.
Ich hatte Glück, Manni hatte in diesem Frühjahr aus Liebhaberei mit dem Imkern begonnen und spielte gerade mit dem Gedanken, sich Königinnen zu züchten, um weitere Ableger zu bilden. Das braucht er nun nicht mehr, denn er hat nach einem aufregenden Tagewerk fünf prächtige Schwärme in seinem Garten und eigentlich sollte er nun seiner Frau eine Flasche Met schenken (lassen) …

© Petra Elsner

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Dorfgeflüster

Stolperndes Herz und Dorfhelfer:

Männer sorgen gelegentlich für dramatischen Auftritte. Beispielsweise wenn sie schwächeln und ein Arztbesuch dringlich wird. Mein Liebster gehört zu jener Spezies, die selbst mit stolperndem Herzen erst im letzten Augenblick Einsicht zeigt und sich den Notwendigkeiten ergibt. Da kann es schon mal vorkommen, dass Frau Doktor den Süßen umgehend ins Krankenhaus schickt, und ich verlassen mit dem alten, roten Auto in der Landschaft stehe. Mit fliegenden Augen: Wo sind die Blinker, wo das Licht? Das letzte Mal hab ich vor drei Jahren auf dem Fahrersitz gesessen – einmal nur nach der erfolgreichen Fahrschule … Wie komme ich jetzt hier weg und wie weiter? Das Notizbuch mit den Dorftelefonnummern habe ich nicht dabei. Kurtschlag hat, obgleich zu Zehdenick gehörig, kurioserweise ein Templiner Vorwahl, so kann ich nicht am ärztlichen Tresen im örtlichen Telefonbuch suchen. Da fällt mir Kerstin von der Fahrschule Günther ein. Wollte eh‘ Auffrischstunden nehmen, damit ich mich endlich mit dem alten Auto zu fahren trau‘. Jeder hat so seine Macke, mich plagt eine diffuse Fahrangst. Kerstin kommt zwei Hände voll Minuten und bringt mich – völlig aufgelöst – erst einmal nach Haus. Schnauf. Wir verabreden Fahrstunden. Aber wie nun weiter? Kurtschlag ist kein Dorf mit Bahnanschluss … Es sind die Nachbarfrauen und – männer, die mir in den nächsten Tagen beistehen und mich befördern. Fahrten ins Granseer Krankenhaus, um nach dem Liebsten zu sehen … Zu allen Überfluss standen am Wochenende die „Offenen Ateliers“ an. Unsere Einladungen waren raus – die Aktion lief an, war einfach nicht mehr zu stoppen. Schlussendlich ersetzten die fehlende Männerhand unberufene Dorfhelfer. Viele sprangen mir selbstlos hilfreich zur Seite – beim Zeltaufbau und Möbelrücken, mit einem Kuchen, einem beherzten Wort … So konnten Atelier und Lesegarten am ersten Maiwochenende rund 120 Menschen empfangen. Man sagt, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Ich setze dem mal einen Spruch hinzu: Wer von einem Dorf beschützt wird, der kommt durch jede Zeit. Habt alle vielen, vielen Dank!

© Petra Elsner

Im Bilderhof Foto: pe
Im Bilderhof
Foto: pe
Bevor die Gäste kamen...
Bevor die Gäste kamen…
Lesung
Lesung
Zuhörer
Zuhörer
Zuhörer 2
Zuhörer 2

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Dorfgeflüster: Auf dem Eichendamm

Ein Winterspaziergang:

Das Döllnfließ am Eichendamm Foto Lutz Reinhardt
Das Döllnfließ am Eichendamm
Foto Lutz Reinhardt

An diesem glasklaren Wintertag plätschert das Döllnfließ bei der Eichendammbrücke in einem wundersamen Glitzerlicht. Uns ist nach Naturschau, also stiefeln wir kurz entschlossen los, wollen auf dem Eichendamm einen weiten linken Bogen nehmen. Der schmale Ackerweg gesäumt von alten, windschiefen Eichen führt durch feuchte Wiesen und Felder hinüber nach Kappe. Harter Frost macht es jetzt möglich, die Gräben durchzogene Flächen zu betreten. Bei mildem Wetter ist hier schwankendes Land, morastiges Gelände. Unzählige Spiegelbilder in den Wasserläufen und Schattenspiele verzaubern uns. Ein Raubvogel kreischt, ein Fuchs spaziert uns entgegen und flüchtet erst wenige Augenblicke vor uns in eine Deckung. Nagespuren eines Bibers erzählen etwas von stiller Landnahme. Der Schnee knirscht und funkelt. Linkerhand steigt das Land ein wenig zu einem welligen Hügelzug an – die Rabenberge. Plötzlich befinden wir uns auf einem Rastplatz, der von mächtigen Buchen mit knorrigen Wurzeln umstellt ist. Eine Feuerstelle und eine eingepackte Sitzgruppe verraten, hier gibt es zuweilen launige Gesellschaften. Sommerwärts. Stünde ein Gasthaus in der Nähe, unser Weg wäre zweifellos ein richtig beliebter Wanderpfad. Aber ist nicht, und so sind wir vollkommen allein. Mir ist nach einem Heißgetränk, jetzt, nicht später. Der Mangel dieser eiskalten Glitzerlandschaft heißt leider: keine Gastwirtschaft weit und breit. Im Stillen denke ich, ein mobiler Wandersteigkiosk tät es auch, und wäre eigentlich eine nützliche touristische Ich-AG-Idee oder eine Sonntagsnutzung für die Überland-Versorgerautos. Wildgrill und dampfender Holunderpunsch. Das wär’s! Wir stapfen fröstelnd weiter. Nach der blauen Brücke stoßen wir irgendwann auf den Kurtschlager Damm. Die Kopfsteinpflasterstraße führt mitten durch den Schorfheidewald. Linkerhand ist man gleich am Kurtschlager Dorfeingang und nach knapp zweieinhalb Stunden wieder am Ausgangspunkt zurück. Oder man will tapfer weiterlaufen, dann gerät man rechterhand nach sechs Kilometern in das Dörfchen Schluft, wo es im Gasthaus „Zur Linde“ beinahe immer was Deftiges und Plauderlaune gibt. Für uns ein bisschen weit an diesem Wintersonntag (2011).
© Petra Elsner

Der Eichendamm Foto: Lutz Reinhardt
Der Eichendamm
Foto: Lutz Reinhardt
Wassergraben Foto: Lutz Reinhardt
Wassergraben
Foto: Lutz Reinhardt
Wurzelbuche bei den Rabenberger Foto: Lutz Reinhardt
Wurzelbuche bei den Rabenbergen
Foto: Lutz Reinhardt

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Dorfgeflüster: Neujahrsfeuer

Gesundes neues Jahr Euch allen und Friede auf Erden!

Kurtschlager Dorfkirche Foto: Lutz Reinhardt
Kurtschlager Dorfkirche
Foto: Lutz Reinhardt

Wir erlebten unerwartet zauberhafte, nächtliche Begegnungen. Unser Nachbar hatte sein mobiles Lagerfeuer scharf gemacht (in einem eisernen Schubkarren, in dem eine Waschkesselschale von anno Knips saß. Das Rad für den Karren war einst ein Waschmaschinenantrieb, ein bereiftes würde der Hitze nicht standhalten), und uns zur Mitternacht zum Glühwein daran eingeladen. Das Feuer wollte anfangs nicht so richtig züngeln und umhüllte den Schiebenden vollkommen in geisterhaftem Rauch. An der Kirche stoppte die kleine Gesellschaft, denn einer der Männer war mit Auftrag unterwegs: Er stieg in den Kirchturm und läutete schnaufend das neue Jahr ein. Raureif betupfte die Landschaft puderzuckerartig und ringsum zischten üppig die Raketen in den sternenklaren Nachthimmel. Unten am Fließ loderte ein zweites Feuer. Dorthin zogen wir und trafen auf eine große, heitere Runde. Das Dorf hatte sich in diesem Dezember mehrfach überrascht: Mit Turmblasen und Adventsfeuer an der von uns allen geschmückten Tanne und nun dieses Neujahrsfeuer. Man sah die Freude darüber in den Gesichtern, denn all das hat es noch nie in unserem Schorfheidedorf gegeben. Aber man ist sich darüber einig: Das wird nächstes Jahr wieder so sein – wie wunderbar! (pe)

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Dorfgeflüster: Berliner Buletten

Berliner Ausflug Zeichnung: Petra Elsner
Berliner Ausflug
Zeichnung: Petra Elsner

„Berliner Buletten“ – so uncharmant heißen die Hauptstädter bei vielen Brandenburgern schon lange. Wie lange? Seit der Große Friedrich die Bulette zur allgemeinen Versorgung der darbenden Bevölkerung entwickeln ließ. Rund 50 Prozent der Städter waren seinerzeit französische Flüchtlinge. Ein Umstand, der den Berliner Jargon mit neuen Worten speiste: Malheur, Bel Étage, Carré, allé … und eben auch die Boulette, die ein Hugenotten-Offizier erfunden haben soll. Besonders originell gingen danach die Kanoniere mit dem neuen Nahrungsmittel um: Sie stopften die Buletten in die Kanonenrohre, wo sie frisch und saftig blieben. Kam es plötzlich zu einer Schlacht, flog dem ersten Donnerschlag zunächst eine Salve Buletten voraus.
Also – im Grunde sind die „Berliner Buletten“ Franzosen. Ähnlich, wie die meisten „Berliner“ der späten DDR-Zeit Sachsen waren. Heutzutage sind es Schwaben, Franken, Bayern, Friesen und Menschen aus aller Welt, die der Kollos Berlin wie ein trockener Schwamm aufsaugt. Aber keiner kommt deswegen auf die Idee, die Sommerfrischler „Berliner Spätzle“ zu nennen. Wobei – das klänge gar nicht schlecht und vor allem nicht mehr so abwertend. Mit so einem zeitnahen Spitznamen könnten die Brandenburger zur nächsten Frühjahrssalve die „Berliner Buletten“ echt überraschen.
© Petra Elsner

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Dorfgeflüster: Stoppelhopser

Woher des Brandenburgers Affinität zu Country-Festen stammt, war mir lange Zeit wirklich schleierhaft. Doch es gibt unzählige Country-Vereine, Westernladys, Country-Frühschoppen, Country-Weekends, Country-& Truckerfestivals, die Westernstadt Eldorado, selbst einem Einfamilienhaus der Massivbauweise gab man für Berlin-Brandenburg den Namen Country. Irgendwie eigenartig. Doch neulich wusste ich plötzlich, warum gerade jene Folk-Musik aus den USA hier so großen Anklang findet. Wir holperten gerade mit unserem alten Auto einen nett-verschlammten Waldweg entlang. Das Frühstück grüßte gewissermaßen bei jeder Bodenwelle, und endlich wusste ich es (vom Magen her): Der Brandenburger muss einfach auf solchen Pfaden ein Gefühl von „Yippi-jeh-jeh-yippi-yippi-jeh-jeh“ bekommen. Auf unseren berühmt-berüchtigten Sommerwegen und manchen vergessenen Kopfsteinstraßen kann man eben nur ein Reit- statt einem Fahrgefühl entwickeln. Und so scheint es dann doch logisch, dass es in den präriehaften Weiten der Mark Brandenburg recht viele Country- und Westernfreunde siedeln.
© Petra Elsner

Stoppelhopser von Petra Elsner
Stoppelhopser von
Petra Elsner

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