Morgenstunde (609. Blog-Notat)

Trübe, trist, dunstig, duster… auch dunkelschön – diese Januartage sind wieder die Tage der Nebelfee. Tropfengespinste, Schwadenwesen… Aber der Nebelfee habe ich schon eine Handvoll Geschichten gewidmet. Das reicht wohl, aber wie wäre es denn mit einem Klammhold oder Raureifelfe oder einer Pfützenspringerin? Daraus könnte was wachsen…
Augenblicklich habe ich zwei neue Märchenplatten (wetterfestes Alu-Verbund) für den Lesegarten in Druckauftrag gegeben, die kommen nächste Woche an. Es werden dann sieben Geschichten am Efeu-Zaun am Blumenmond sein. Das ist eine gute Alternative zu den Märchenbannern in den Gartenstelen. Die aufzuhängen, macht körperliche Mühe und sie sind nicht für jedes Wetter geeignet. Die Banner mit den Schorfheidemärchen kommen so nur noch zum Einsatz, wenn es Voranmeldungen im Sommer gibt. Ist der schwindenden Kraft geschuldet…

Morgenstunde (608. Blog-Notat)

Der 12. Januar ist immer der Tag, an dem die Weihnachtslichter in unseren Fenstern erlöschen und die Schwippbögen, die Herrnhuter Sterne, die geschnitzte Krippe und die Spieldose die „Stille Nacht“ dudelt, verpackt werden und auf dem Dachboden verschwinden. Das Häuschen ist nun wieder minimalistisch dekoriert, es reicht, wenn einen im Atelier eine Russische Hängung angrinst und zuweilen „erschlägt“…Draußen ist es spiegelglatt und der Himmel trägt dieses Mausegrau, was nicht gerade den Tag aufhübscht. Es muss sich dafür etwas anderes finden, vielleicht lächelt was aus dem Briefkasten und wenn nicht, wird es mal wieder Zeit für einen Schräge-Vögel-Cartoon mit sonnengelben Himmel 😊. Es ist die Gute-Laune-Farbe, die ich schlicht im Baumarkt fand: Gelbe Holzbeize…. Macht es Euch schön!

Morgenstunde (607. Blog-Notat)

Nach Neujahr fühlt sich die Zeit plötzlich beklommen an. Schlechter Schlaf, diffuse Stimmung. Dann schaue ich auf den Kalender und schlagartig ist‘s klar: Todestag von Mama. Es ist doch nun wirklich lange her und dennoch fährt mir diese Zeit in die Knochen, verlangsamt es mein diesseitiges Denken. Der Kopf stochert irgendwie im Nebel. 3. Januar 1984, 20:45 Uhr. Es ist seither eine immer wiederkehrende Gedenkzeit, ein Nachsinnen, eine besetzte Zeit, in der die Toten flüstern. Sie stoßen mich alljährlich an, wollen in mir klingen. Inzwischen lasse ich das zu. Für eine Woche oder zwei. Dann kann ich die Arbeit im Atelier fast vergessen, muss rausgehen, irgendetwas Handwerkeln oder Gärtnern, um der unsichtbaren Geschichte in mir nachzuspüren, doch ich bekomme sie nicht so recht zu fassen, weil sich das ausgeatmete Momentum von diesem Ausstoß an verändert bis es formlos ist… Da stecke ich irgendwie im Ungewissen fest…

Morgenstunde (606. Blog-Notat)

Die mildern Tage um und nach Silvester habe ich schon wieder die Gartenarbeit aufgenommen. Es ist viel, was ich im Herbst nicht geschafft habe. Das Ackern hat mir gutgetan, denn das viele Stubenhocken ist nicht so hilfreich. Dann kam der Donnerstag mit seinem Neujahrs-Qi-Gong-Training. Oh je, mein Muskelkater mauzt schon den zweiten Tag. Freitag ging es zum Markt nach Templin, die Fahrt durch die winterliche Uckermark ist immer herrlich. Einfach einen Moment ins Land lächeln, was inzwischen viel zu selten vorkommt.
Denn die Nachrichten sind ein Jammer, alle Drama-Queens bestellen hier ihr Aufgebot. Ach, ich bin so müde von den ständigen Paukenschlägen und den Zeigefinger-Posen der Sauermilch-Moralisten. Wo sind die Mutmacher? Fürs Erste wäre es ja schon mal ein Lichtblick, wenn sich die Politik um mehr als nur das Nötigste kümmerte. Ich brauche z.B. keinen Kanzler, der uns wie gestern die Corona-Regeln herbetet. Dafür gibt es den Gesundheits- und den Innenminister. Von einem Kanzler erwarte ich Visionen und Strategien und vor allem einen ungeschönten Umgang mit den Leistungen der Politik in der Pandemie. Also: Klare Analyse. Die lässt immer noch zu wünschen übrig… Ich höre nur „Wir sind da gut durchgekommen… gut aufgestellt“ usw., aber die Leute landauf, landab erleben es anders. Und zu aller Erst wünschte ich mir, die Meinungsmacher im Lande würden sich wieder ihres vollständigen Sprachschatzes erinnern und nicht nur das Corona-Vokabular benutzen. Die Permanenz der immer gleichen Worte nervt nicht nur – sie mutet einfach hilflos und dümmlich an. Außerdem erzeugen sie eine ängstliche Konformität, die ein Gleichschalten assoziiert. Das passt einfach nicht zu einer pluralistischen Gesellschaft…

Das Sonnenmädchen

(Die ganze Geschichte)  

Wenn sie den Raum betrat wurde es hell. Alle Blicke zog das Sonnenmädchen auf sich. Eileen war das höchst unangenehm, denn sie war schüchtern. So schüchtern, dass sie keine festen Schritte setzen konnte, sondern nur leicht tänzelte, als ob sie schwebte. So war es nicht verwunderlich, dass sie alle nur „die Tänzerin“ nannten.
Tanzen war Eileens Element, aber sie scheute das Rampenlicht. Nur auf der stillen Waldwiese drehte sie barfuß ihre Pirouetten. Eines Tages entdeckte sie im Waldsaum einen alten Mann, der ihr zusah. Seine Hände klatschten begeistert, als sie ihren Tanz beendete. Langsam ging er auf Eileen zu und sprach: „Noch niemals sah ich ein Mädchen so wunderfein tanzen. Ich will dich dafür belohnen, magst du dir etwas wünschen? „Ach“, seufzte das Sonnenmädchen, „hätte ich einen dunklen Umhang, dann würden mich die Menschen weniger beachten und ich könnte ganz unscheinbar unter ihnen sein.“
„Das ist dein Wunsch? Du willst dich verkleiden?“, staunte der Alte.
„Nur das Leuchten bedecken.“ „Du willst also nicht mehr deinen Glanz verschenken? Oh, wie traurig. Aber gut, wenn es dein Wille ist, dann soll es so sein.“ Der Alte drehte sich einmal um sich selbst, griff aus der aufziehenden Dämmerung einen graublauen Umhang und legte ihn um Eileens Schultern. Im selben Moment war der Alte verschwunden.
Als sie nach Hause kam, schlüpfte sie in die Küche, aber weder die Mutter noch der Vater erhoben ihren Blick. Es war ganz so, als wäre sie unsichtbar. Überall wohin sie auch ging, niemand nahm mehr Notiz von dem Mädchen, das sein Leuchten verbarg. Zuerst empfand das Eileen wirklich befreiend. Kein Auge ruhte mehr auf ihr. Doch mit der Zeit wurde ihr Haar stumpf, das Gesicht grau und die Augen leer. Mit hängenden Schultern betrat Eileen die Waldwiese und begann einen müden Tanz. Der Alte war wieder am Waldrand erschienen und schüttelte entgeistert sein Haupt. Noch nie hatte er so einen schweren Trauertanz gesehen. Er ging auf das Mädchen zu und zog ihm das dunkle Tuch von den Schultern. Dazu sprach er ernst: „Es ist deine Natur zu leuchten. Indem du dein Licht mit den Menschen teilst, belebt sich dein Glanz immer wieder neu. Los, tanz dich raus aus deiner Dunkelheit!“ Er schubste Eileen ein bisschen von sich und warf ihr eine goldene Kugel zu: „Das ist das passende Geschenk für eine wunderfeine Tänzerin.“
Das Sonnenmädchen fing die Kugel und drehte sich lachend mit ihr. Alles an ihr begann wieder zu glänzen. Auf dem Heimweg begegnete sie einigen Nachbarn, die sie erstaunt fragten: „Wir haben dich so lange nicht gesehen, wo warst du nur?“
© pe

Spende? Gerne!
Hat Ihnen diese Geschichte gefallen? Vielleicht möchten Sie mich und mein Schaffen mit einem kleinen Obolus unterstützen? Sie können das ganz klassisch mit einem Betrag Ihrer/Eurer Wahl per Überweisung tun. Die Daten dafür finden sich im Impressum. Dankeschön!

Das Sonnenmädchen (1)

Öffentliches Arbeiten – eine Geschichte entsteht…
Diesmal entstand zuerst diese Zeichnung, der die ersten Worte nachfolgten…


Wenn sie den Raum betrat wurde es hell. Alle Blicke zog das Sonnenmädchen auf sich. Eileen war das höchst unangenehm, denn sie war schüchtern. So schüchtern, dass sie keine festen Schritte setzen konnte, sondern nur leicht tänzelte, als wenn sie schwebte. So war es nicht verwunderlich, dass sie alle nur „die Tänzerin“ nannten…

(Morgen gibt es die ganze Kurzgeschichte, wenn sie denn fertig wird….)

Morgenstunde (605. Blog-Notat)

„Resteknallen“ gab es Neujahr auch in unserem winzigen Schorfheidedorf. Nicht so mächtig wie vor der C-Zeit, aber immerhin… Aber was viel, viel schöner war: Kurz vor Mitternacht hatte doch einer ein stattliches Feuer am Döllnfließ angezündet. Es loderte in die Nacht und ein paar Nachtwanderer haben sich daran spontan versammelt und miteinander (ohne sich in den Armen zu liegen) auf bessere Zeiten angestoßen. Mit Sekt aus dem Rucksack. Ein Lichtblick in dieser Zeit.

Gestern habe ich die Arbeit im Atelier wieder aufgenommen und zu meinem Bild Feuer (Phönix) eine Schwarz-Weiß-Übersetzung gezeichnet, denn ich sah plötzlich, das könnte ein schöner Aufmacher zu meinem dritten Lyrikbändchen werden. Das Bändchen ist erst halb fertig, aber der Titel steht schon mal… Gestern kam auch mal wieder eine Anfrage per Mail zu einer Auftragsarbeit, aber meine Honorarvorstellung waren nicht genehm. Ein Buchcover sollte es sein. Kinner ne, wenn man/frau nicht einmal den Mindeststundensatz im Kalkül hat, dann soll er/sie gar nicht erst anfragen. Wieso eigentlich soll ich für eine Unikate-Arbeit weniger nehmen als ein Hilfsarbeiter? Die da anfragen, haben alle einen gut bezahlten Job und möchten dann, dass ich meinen wie ein Hobby verstehe. Nee, ich denke gar nicht daran, denn das läuft nicht auf Augenhöhe. Gibt’s leider immer mal wieder. Es ist etwas ganz anderes, wenn zwei Künstler ein Gemeinschaftsprojekt wagen. Das ist geteiltes Risiko, unentgeltlich, aber da wedelt keine Seite mit einem „Auftrag“, die Zusammenarbeit findet sich gewissermaßen ein…
So, nun wisst Ihr Bescheid 😊, habt eine schöne erste Woche im Jahr!

Lyrik-Krümel

Entzwei

Die Zeit der Distanz
springt von Jahr zu Jahr
tanzt auf Distanz
lebt auf Distanz
klingt nach Distanz
Das Herz erkaltet
wird es nur verwaltet
Erstarre nicht
LEBE den Tanz!

© Petra Elsner

Morgenstunde (604. Blog-Notat)

Die Rauhnächte jagen mich wieder durch wilde Träume – wie jedes Jahr. Geistertreiben – eher Hirngespinste. In dieser Nacht nervte mich ein Fahrkartenverkäufer mit seinen zeitlupenartigen Bewegungen, dass ich Herzrasen bekam, weil ich fürchtete die Bahn zu verpassen und davon aufwachte. Schrecklich. Der Legende nach sollen die Rauhnacht-Träume als Voraussage für die Monate des kommenden Jahres stehen. Mein April 2022? Lieber nicht deuten…!
Der Liebste ist heute ins Erzgebirge zu den Eltern aufgebrochen. Er konnte nicht früher, weil jemand in der Überüber…nachbarschaft in der Woche vor dem Fest an Corona erkrankt war und wir beim Honigverkauf tags zuvor in Kontakt waren. Da haben wir uns fünf Tage weggeschlossen, täglich getestet und weiter Zeit verstreichen lassen. Das Boostern hat uns schlussendlich beschützt. Wir haben uns nicht angesteckt. Nun kommt mein Stollen für die Schwiegereltern also erst nach Weihnachten an, dafür schmeckt er von Tag zu Tag besser.
Wir steigen bald in das 3. Coronajahr, keiner mags mehr hören. Trotzdem hoffe ich, sie wird ein Ende haben, die Zeit der Einschnitte, und dass hinter der gerissenen Zeit ein neuer Anfang wartet, auf den es sich zu warten lohnt. Ich bin mir da leider nicht mehr so sicher…
Komm behütet ins neue Jahr,
Eure Petra

PS: Den Corona-Kranken in der Über….Nachbarschaft habe ich meinen allerstärksten Schutzengel gesandt, wer ihn braucht, so ihn haben…

Zu meinem (einen) Silvestermärchen geht es hier:

Morgenstunde (603. Blog-Notat)

Frohe Weihnachten alle miteinander!
Nun ist es doch noch so heimelig geworden, wie ich es mir wünschte: Am 23. Dezember besangen drei Nachbarn die Schönheit des Baumes unter der Laterne im Schnee. Bei einem wärmenden Feuer im eisernen Schubkarren und geistigen Getränken. Was für ein herzerwärmender Anblick und damit wuchs meine weihnachtliche Stimmung endlich. Während meiner vierstündigen Kochaktion am Vormittag des Heiligen Abends (Erzgebirgischer Kartoffelsalat, Kassler-Braten, Damhirschrücken) gingen in den ansteigenden Temperaturen zwar überall die Dachlawinen runter, aber die 10-12 Zentimeter Neuschnee schmolzen nicht vollends und so haben wir heute weiße Weihnachten – wie schön! Jetzt pendelt die Zeit an diesem Wochenende zwischen Speisen und Märchenfilmen und: Wir liefern uns zu zweit eine kleine Küchenschlacht an der Dartscheibe. Noch führe ich – pures Anfängerglück, denn dort, wo ich hinziele komme ich nicht wirklich an…
Lasst es Euch gut gehen und macht Euch glücklich!