Der Striezel

Im Bermuda-Dreieck zwischen Barnim, Oberhavel und Uckermark liegt Kurtschlag, ein 300-Seelen-Dorf an der Waldkante zur Schorfheide. Machen Sie sich nichts daraus, ich kannte den Ort auch nicht, obgleich ich gebürtige Märkerin bin. Er hielt sich vor mir gewissermaßen verborgen, bis mein Liebster und ich ein kleines, bezahlbares Landhaus in einer satt-schönen Landschaft suchten. Aufgestöbert habe ich es dort, wo man/frau inzwischen beinahe fast alles findet: Bei Google und da sind wir nun, in dem Ort mit dem merkwürdigen Namen.

Kurtschlager Dorfkirche und die Gaststätte "Mittelpunkt der Erde", Zeichnung von Petra Elsner

Kurtschlager Dorfkirche und die Gaststätte “Mittelpunkt der Erde”, Zeichnung von Petra Elsner

Der Striezel

An einem Nebel verhangen Januarmorgen steckten wir mitten in den Renovierungsarbeiten, als ich entdeckte: Weißbrot fehlt. In Kurtschlag gibt es wie in vielen Dörfern Ostbrandenburgs keinen Bäcker, Fleischer, auch kein Lebensmittelgeschäft… mehr. Nicht mal einen sogenannten “Hinten-Rum-Laden“ kennt man hier. Das Nötigste rollt in Kleintransportern an. Auch an diesem Morgen stand ein Bäckerauto fast zum Greifen nah entfernt. Aber just in dem Moment, als der Mangel auffiel, gab es Blitz-Eis, und wir hatten weder Streusalz noch Sand neben der Eingangstür. Keine Chance also an die nahrhaften Quellen zu gelangen. Was soll’s, das Problem ließ sich dank Großmutters Rezept-Sammlung lösen, denn dort fand sich ein Notat zum Striezel. Ich hatte längst vergessen, wie wunderbar dieses Kuchenbrot schmeckt, denn in der Mark ist dieses Anlassgebäck nicht wirklich bekannt. Großmutter brachte das Rezept aus dem Österreichischen mit, wo es als Zopf zu hohen Festen (Ostern, Weihnachten, Allerheiligen) gebacken wird. Seit wir diesen Striezel ausprobiert haben, ist bei uns fast zu jedem Frühstück ein Weilchen Feiertag. Der Hefezopf hält sich auch ohne Konservierungsstoffe in einer Blechdose wunderbar frisch und bleibt eine Gaumenwonne für etwa 14 Tage, wenn er sich nicht schon vorher vollkommen in Luft auflöst und in Hüftgold verwandelt hat.
© Petra Elsner

Striezel, Zeichnung von Petra Elsner

Striezel, Zeichnung von Petra Elsner

Zutaten & Zubereitung
500 g Mehl, 20 g Hefe (1 Tütchen Trockenhefe), ¼ l Mich, 80 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 80 g Butter 1 Ei und den Eiweißrest vom Eigelb zum Bestreichen, je eine Handvoll Rosinen, Mandeln oder Walnüsse, den Saft einer Zitrone. Milch und Butter erwärmen, außer Rosinen und Mandeln alle Zutaten vermengen. Den Teil nicht kneten sondern schlagen, dann eine reichliche Stunde zugedeckt warm stellen und gehen lassen. Anschließend mit Mandeln/Nüssen, Rosinen und Zitronensaft noch einmal durchkneten. Auf einem bemehlten Brett drei oder sechs Rollen formen, Zopf flechten, den Laib mit Eigelb bepinseln, Flechteinschnitte mit Öl bestreichen, damit das Flechtwerk nicht zusammenläuft. Nun kommt der Zopf auf Blech und Backpapier und wird im Herd bei 220 Grad 30 bis 35 Minuten gebacken.

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Neue Paradiesvögel: Rocklegende 5

… und zum schönen Wochenende kommt hier wieder ein Cartoon. Einen tollen Spätsommertag wünsche ich Euch …

Rochlegende 5 - nach Keith Richards und Mick Jagger, gezeichnet von Petra Elsner
Rochlegende 5 – nach Keith Richards und Mick Jagger, gezeichnet von Petra Elsner

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Dorfgeflüster: Der Pilzfinder

Schräge Vögel auf Brandenburgtour - die Pilzfinder, gezeichnet von Petra Elsner
Schräge Vögel auf Brandenburgtour – die Pilzfinder,
gezeichnet von Petra Elsner

Wir wollten gerade vom Hof düsen, da rasselte die Hausklingel ihren scheppernden Ton, bei dem ich immer wie vom Blitz getroffen zusammenzucke. Auf ihrem verzinkten Klangkörper steht unabwaschbar was sie einst wert war: 5 Mark. Sieht nach „Konsumgüterproduktion“ aus und ist noch vom Vorbewohner. Hinter dem Schreck-Ton lugte die Mütze vom Übernachbar über das Hoftor. Der Mann dazu lächelte zurückhaltend mit einer Zeitung in der Hand, als ihm geöffnet wurde. Er tippte auf eine Bildnachricht über eine Krause Glucke spektakulären Ausmaßes und meinte nur: „Meine ist größer.“ Aber in die Zeitung wolle er nicht. Kurtschläger Bescheidenheit oder schlechte Erfahrung, dieser Mann macht jedenfalls nicht viel Worte: „Fotografiert sie und sagt, es sei eure.“ Na, dass ging natürlich auch nicht, weil wir eine ehrliche Haut zu Markte tragen, mein Liebster und ich. So wurde die stattliche Krause von reichlich zwei Kilo für die Nachwelt ausgeleuchtet und abgelichtet, bevor sie im Kochtopf verschwand. Ich denke ja bei diesem Pilz immer an knirschende Märkische Heide zwischen den Zähnen, und hab ihn seit einer ersten Erfahrung gemieden. Wusste einfach nicht, dass man das Teil auseinander pflücken muss, dann waschen, putzen und schließlich 20 Minuten in Salzwasser kochen soll, damit sich Schmutz und alle Tierchen darin restlos verabschieden. Erst dann, nach dem Ablaufen, kann man die Krause Glucke panieren oder was auch immer. Die Frau des Pilzfinders schneidet sie in Scheiben und brät sie am liebsten mit Speck, Petersilie, Pfeffer und Salz – mal mit, mal ohne Ei. Vielleicht sollten wir es ja doch noch einmal mit dem Pilz, der anmutet, wie ein fleischfarbener Blumenkohl versuchen, denn er soll ausgesprochen köstlich sein.
© Petra Elsner

Krause Glucke, Foto: Lutz Reinhardt
Krause Glucke,
Foto: Lutz Reinhardt

PS: Erwin, der Pilzfinder ist leider im Dezember 2016 verstorben.

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Nix-Kunstpostkarten

Der Herr der Tautropfen aus "Schattengeschichten aus dem Wanderland", gezeichnet von Petra Elsner
Der Herr der Tautropfen aus “Schattengeschichten aus dem Wanderland”,
gezeichnet von Petra Elsner

Ich hatte gerade den Herrn der Tautropfen für meine Schorfheidemärchen erfunden, da rief mich meine Freundin Trilli aus dem Alten Schulhaus in Diensdorf-Radlow am Scharmützelsee ab, ob ich nicht an einer Nix-Ausstellung im Sommer 2009 teinehmen möchte. Da ich gerade für meinen Tautropfennix in alten Sagen gekramt hatte, kam mir das gerade recht, und so zeichnete ich zwei Nixe und erzählte dazu eine alte sorbische Sage neu und bildreicher. Aus den Zeichnungen wurden zwei Postkarten. So kam es, dass sich in meinem Postkartenständer auch Karten befinden, die nichts mit der Schorfheide zu schaffen haben.

Nix als Nachtfürst, gezeichnet von Petra Elsner
Nix als Nachtfürst,
gezeichnet von Petra Elsner
Nix am Scharmützelsee, gezeichnet von Petra Elsner
Nix am Scharmützelsee,
gezeichnet von Petra Elsner

Diese Sagengestalten im Kartenformat sind in der Saison in der Touristinformation von Wendisch Rietz am Scharmützelsee erhältlich.

Und hier die Geschichte:

Der Wasserfürst vom Scharmützelsee
In einer Mittsommernacht ritt der alte Nix auf seinem Wellenross über

den Scharmützelsee. Er grummelte so dumpf wie die Gewitterfront in
seinem Nacken. Seine schönen Töchter waren vom Mittsommernachtsball noch
nicht zurückgekehrt, und der Wasserfürst fürchtete das Schlimmste.
Würden sie sich in einen Menschenmann verlieben, verlören sie ihre
Unsterblichkeit.
Der alte Nix hasste jene helle Nacht, in der sich  seine Töchter ihrer Flossen entledigten, um in Mädchengestalt zu tanzen.  Wütend peitschte er das Wasser, das sich dabei zu einer mächtigen Welle auftürmte, die zwei entsetzte Fischer mit ihren kleinen Booten ins  Schilf schickte. Kopfschüttelnd sahen sie dem alten Zausel nach, der mit wehendem Leinenjäckchen und rotem Krönchen seinem väterlichen Zorn frönte.
Zwischen Diensdorf und Radlow tanzten die Nixen mit dem Wind
über die sumpfigen Wiesen, die so zart gesprenkelt blühten, als hätte
ein Maler Hand angelegt. Ihre weißen Gewänder flatterten wie Segel.
Längst klebten ihre Tanzpartner Halt suchend an knorrigen Weiden, als
der Nix vor sie hin schwappte und sehr bös dröhnte: „Es mag ja sein,
dass der Sonnengott in dieser Nacht seine höchste Macht erreicht hat,
aber alles, was aufstrebt, wird auch wieder sinken, und ihr, meine
Töchter, seid Kinder des Wasserfürsten und habt nur ihm zu gehorchen.“
Die jungen Nixen aber waren so verzückt von der Fülle der Zeit und den
schönen Jünglingen, dass sie nicht gewillt waren, ihrem Vater sogleich
zu gehorchen. Nein, einmal nur, wollten sie ein loderndes
Sonnenwendfeuer erleben und schweigend sieben Sorten wilder Blumen von
sieben verschiedenen Wiesen pflücken, um zu erfahren, wen sie freien
werden. Sie kicherten und entschwanden in den Holunderbüschen.
Da schickte ihnen der Nix einen mächtigen Schwall. Das Feuer zischte und
das Wasser flutete die Wiesen, in denen nicht nur seine Töchter Blumen
suchen. Es sah so aus, als würde der See das Land nehmen wollen. Blitze
zuckten, und Wind peitschte die Wellen. Von den Fluten eingeholt,
wuchsen den Nixtöchtern augenblicklich wieder Flossen.
Fortan hatten  die Nixen ländliches Tanzverbot, und damit sie sich daran auch halten, streift der alte Nix seither von Sommerfest zu Sommerfest. Gut
verkleidet, allein am feuchten Saume seiner Jacke kann man ihn erkennen.

© Petra Elsner

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Pesto von der Wiese

Wenn sommerwärts Stadtgäste in den Schorfheidewald kommen und das Wetter mal wieder nicht mitspielt, muss blitzschnell ein Ersatz-Erlebnis her, sonst nörgeln die Besucher. Geht also nichts mehr – wegen eines unerwarteten Kälteeinbruchs mit Dauerregen … – dann ist meine Rettung das schlichte, aber immer beeindruckende Brennnessel-Pesto. Selbst wenn es Bindfäden regnet, frisches Brennnesselgrün gibt es von April bis Oktober immer. Es muss ja nur die wetterfeste Gastgeberin kurz hinaus und Nesselblätter pflücken. Dann dürfen alle zusehen: Zuerst werden die Blätter mit heißem Schwapps Wasser überbrüht, danach brennen die Blätter nicht mehr. Das abgetropfte Kraut mit Sonnenblumen- oder Kürbiskernen, Salz, Pfeffer, einer Zehe Knoblauch in einer Schlagmühle zerkleinern, die Masse anschließend in eine Schüssel geben, Rapsöl unterheben – fertig ist ein lukullischer, vitamin-C-haltiger Venen-Putzer. Gesünder geht nicht! Und schließlich dreht es sich beim Ausflug nicht unbedingt um das Ankommen am geplanten Ziele, sondern um ein nachhaltiges Erlebnis: Das kann auch das gemeinsame Zubereiten eines Brennnessel-Pestos sein. Als „Grüne Kanapees“ kommt das Pesto zur Verkostung, die in großem Erstaunen mündet: Wie lecker doch! Das hätten die meisten nicht gedacht. Zu guter Letzt kann jeder Gast ein Gläschen Selbstgemachtes mit nach Hause nehmen. Schon strahlten alle wieder, als hätten sie den sonnigsten Waldtag verbracht.
PS: Im Kühlschrank hält sich dieses frische (konservierungsstofffreie) Pesto eine Woche.

© Petra Elsner

Brennnessel,  gezeichtet von Petra Elsner
Brennnessel,
gezeichtet von Petra Elsner

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Reportagen aus dem Schorfheidewald: Die Alphafrau

„Zickenliebe“: „Ich verteile meine Liebe ganz gerecht auf alle Tiere, auch auf die kleinen Ziegen“, erklärt Imke Heyter. Wer den Wildpark besucht, für den empfiehlt sich festes Schuhwerk und ein Fernglas. Der Rundgang dauert mindestens 2 Stunden. Ganztägig gibt’s hier im Restaurant warme Küche., Foto: Lutz Reinhardt
„Zickenliebe“: „Ich verteile meine Liebe ganz gerecht auf alle Tiere, auch auf die kleinen Ziegen“, erklärt Imke Heyter. Wer den Wildpark besucht, für den empfiehlt sich festes Schuhwerk und ein Fernglas. Der Rundgang dauert mindestens 2 Stunden. Ganztägig gibt’s hier im Restaurant warme Küche.,
Foto: Lutz Reinhardt

Imke Heyter, Chefin des Wildparktes Schorfheide in Groß Schönebeck

Wer neben der Alphafrau steht, spürt sie, ihre gute Energie und ahnt, mit ihr kann man Bäume ausreißen, und auch – was Imke Heyter will, wird sie bekommen. Als ich ihr das erste Mal Ende der 90er Jahre begegnete, war noch ihr Vater Dr. Frank Heyter Chef des jungen Wildpark Schorfheide in Groß Schönebeck und sie seine Assistentin. Da war sie noch eine Zarte und mehr Staunende als Wissende. Anfang der Neunziger hatte der Vater mit ihr vor einer weiten landwirtschaftlicher Brache gestanden, und ihr seine Vision umrissen: Dort kommen die Wisente hin, dort die Exmoor Ponnys … und dort die Elche. Die wurde ab 21. April 1996, nach dem 1. Spatenstich, langsam Wirklichkeit. Inzwischen hat Imke Heyter Tourismus in Westfalen studiert und anschließend noch beim Jugendreiseveranstalter Reiseverkehrsfrau gelernt. Seit ihr Vater in Rente 2005 ist, führt sie den Park in seinem Sinne weiter.
Fast schwerelos klingt es, wenn die Imke von ihrer Aufgabe schwärmt: „Für mich ist es der schönste Arbeitsplatz der Welt, ich möchte nicht tauschen, auch wenn man sehr gebunden ist. 365 Tage im Jahr ist der 100 Hektar große Wildpark für die Besucher geöffnet. Da übernimmt man Tag und Nacht Verantwortung für die Tiere, alle Angestellten und nicht zuletzt auch für die Besucher. Man lebt es, oder man lässt es, etwas dazwischen gibt es nicht. Trotz Freude und Spaß an der Arbeit, geht es nur mit einem wirklich guten Team. Ich habe Mitarbeiter, die mit Leib und Seele dabei sind, und nicht streng auf die Uhr gucken. Alle sind fest angestellt. Ich halte nichts davon, Mitarbeiter im Winter zu entlassen. Wir sind hier in der strukturschwachen Region des Barnims, da hängt an jedem, der noch Arbeit hat, meist eine ganze Familie. Es gibt fast keine Fluktuation, wer sich bewährt, der bleibt.“
Seit 18 Jahren macht sich der weitläufige und unglaublich schöne Wildpark einen Namen in der Region. 80 Prozent der Gäste kommen aus Berlin, die Brandenburger immer, wenn sie Besuch haben. Anders ist es bei ihren sehr besonderen und fantasievollen Festen, da kommen auch die Einheimischen. Seit 2009 machen die Vollmondwolfsnächte von sich reden. Die Termine sind meist ausgebucht, deshalb gab und gibt es Zusatztermine auch über die kalendarischen Vollmondnächte hinaus. Imke lächelt: „Wölfe heulen nicht nur bei Vollmond, sie heulen selbst bei Tag. Aber ein bisschen Glück gehört dazu. Wir möchten ein authentisches Naturerlebnis bieten. Unser Angebot ist das europäische Wildtier, welches hier früher mal heimisch war oder wieder ist – präsentiert in einem natürlichen Großgehege. Das ist unsere Marktlücke aus der wir eigenwirtschaftlich agieren.“
Der Wildpark lebt von den Eintrittsgeldern und von dem, was die Gastronomie mit ihrer speziellen Wild- und Kräuterküche im Besucherhaus erwirtschaftet, denn die Chefin versteht es, die Park-Idee auszukleiden: Mit Spezialführungen für jedes Alter, Streichelzoo, Waldspielplatz, Kräutergarten, Fischräucherei usw. „Die attraktivsten Tiere sind zurzeit natürlich die Wölfe. Es sind vornehmlich die großen Beutegreifer, die die Besucher locken. Ich selber verteile meine Liebe ganz gerecht auf alle Tiere. Meine Favoriten sind schon Elche, Wölfe, Luchse, aber alle anderen auch“, verrät Imke Heyter
Die gebürtige Eberswalderin schwärmt: „Brandenburg aber ist meine Heimat, und ich finde es extrem schön. In den sechs Jahren, in denen ich in Westfalen lebte, habe ich erst festgestellt, WIE schön Brandenburg ist. Und ich finde es wichtig, dass die Leute in der Region bleiben und nicht alle abwandern.“ Auch deshalb arbeitet Imke Heyter raumgreifend an ihren Projekten, aber schauen Sie doch einfach selbst einmal nach den wilden Tieren in Groß Schönebeck.

© Petra Elsner

Wildpark Schorfheide, Prenzlauer Straße 16, 16244 Groß Schönebeck, Tel: 033393 65855, Infos im Internet unter: www.wildpark-schorfheide.de

 

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Drei Landkreise teilen sich die Schorfheide

Das berühmte Waldgebiet Schorfheide ist heute Teil des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Kaum 60 Kilometer nördlich von Berlin öffnet sich hinter Groß Schönebeck, dem sogenannten „Tor zur Schorfheide“, eine atemberaubende Waldlandschaft. Die Schorfheide berührt drei Landkreise: Barnim, Uckermark und – oft vergessen – Oberhavel. Genauer: die Schorfheidedörfer Kurtschlag und Kappe (das „Kleine Tor zur Schorfheide“) gehören ebenfalls dazu. Der wild-romantische Winkel bei den Rabenbergen liegt fast vergessen in einer alten Moorniederung hinter dem Trämmersee und dem Zehdenicker Hauptgraben. Wer von Berlin kommend in sein Navi „kürzeste Strecke“ nach Kurtschlag eingibt, wird über das Barnimer Dörfchen Schluft geführt. In Schluft findet sich noch eine nahrhafte Quelle: Der Landgasthof „Zur Linde“ ist eine urige Wirtschaft, wie man sie heutzutage kaum noch vorfindet: Einfach, herzlich, ehrlich. (Nachtrag 2017 – inzwischen auch geschlossen!)
Von dort geht es sechs Kilometer über den Kurtschlager Damm, ein gewölbtes Kopfsteinpflaster, dass für tiefer gelegte Autos nicht befahrbar ist. Aber wer Zeit hat, kann bei Tempo 30 wunderbare Geistereichen ansehen oder stoppen und Pilze sammeln gehen. Hinter dem Entenparadies beginnt Oberhavel. Sichtbar ist das nicht, Landschaft kennt keine politischen Grenzen … Wer schneller mit dem Auto unterwegs sein will, wählt besser den längeren Weg über die L 100 von Groß Schönebeck bis zum Hotel Döllsee, dann links durch das uckermärkische Groß Dölln, weiter bis Kurtschlag oder Kappe.

Ungefähre Karte vom Bioshärenreservat Schorfheide-Chorin, Strichzeichnung: Petra Elsner
Ungefähre Karte vom Bioshärenreservat Schorfheide-Chorin, Strichzeichnung: Petra Elsner

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Sentenzen & Miniaturen (2)

Mein Wort zum Sonntag:

Wer fliegen will, muss auch landen können.
© Petra Elsner

Seltsamer Flieger, gezeichnet von Petra Elsner
Seltsamer Flieger,
gezeichnet von Petra Elsner

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Neue Paradiesvögel: Rocklegende 4

… hier mal zwei aus dem Rockerhimmel – nach Elvis & Amy

als paradiesische Vögel im Cartoon. Schönes Wochenende allerseits.

Rocklegende 4  gezeichnet von Petra Elsner
Rocklegende 4
gezeichnet von Petra Elsner

© Petra Elsner

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Der Rabe vom Groß Väter See

Der Rabe vom Groß Vätersee, gezeichnet von Petra Elsner
Der Rabe vom Groß Vätersee,
gezeichnet von Petra Elsner

Es war vor mehr als 200 Jahren. Kalter Ostwind blies am Morgen die letzte Schneewolke dieses Winters über den Groß Väter See. Elmer, der alte Zaunsetzer murrte, als er vor seine Hütte trat und nach dem Schneeschieber griff. Er war es wirklich leid. In zwei Tagen würde das Osterfest beginnen, und immer noch versteckte sich das Grün vor dem Frost. Er schob weiße Hügel zusammen und stöhnte missmutig dazu, als plötzlich dicht vor seiner Nase etwas vom Himmel fiel. Elmer bückte sich und sah, es war ein grünliches Ei mit braunen Sprenkeln darauf. Als er es in die Hand nahm, spürte er Wärme. Da trug der Mann das Ei in seine Stube, legte es auf die Ofenbank und ging dann seinen Verrichtungen nach.
Elmer war wie seine Nachbarn in den Dörfern Grunewald, Beebersee und Friedrichswalde vom König als Zaunsetzer berufen worden. Der Mann hatte dafür zu sorgen, dass der große Wildzaun zwischen den uckermärkischen Feldern und dem Schorfheidewald nicht wieder verfiel. So zog er täglich aus, um nachzusehen, wo es etwas auszubessern gab oder neue Zaunteile zu fertigen waren.
Als Elmer abends wieder sein Haus betrat, krächzte etwas ganz erbärmlich aus dem Dunkel. Der Mann zündete seine Laterne an und sah nun auf der Ofenbank einen nackten Vogel hocken, der gerade dem Ei entschlüpft war. Elmer rührte die klägliche Gestalt: „Na, Du willst wohl meine Osterüberraschung sein!“ Dann wickelte er das Küken in sein Taschentuch, ließ es vorsichtig in seine große Jackentasche hineinrutschen und hielt es warm. Und weil er sich am nächsten Morgen aus dem Groß Väter See noch einen Fisch zum Fest angeln wollte, hatte er auch einen guten Wurm für das Junge parat, welches er fortan Krax nannte.
Wochen vergingen und das Küken wuchs zu einem prächtigen Raben heran. Der stolzierte heiter durch Haus und Hof. Sein Nest schwebte hoch oben in einer Eiche, von wo aus er weit über den See und den Heidewald schauen konnte. Näherte sich ein Wolf, ahmte er vom Himmel aus das Heulen des großen Beutegreifers nach, und sogleich brachte sich der Zaunsetzer in Sicherheit. Krax war ein ganz gescheites Tier. Nicht nur, dass er viele Geräusche und Rufe imitieren konnte, er half Elmer auch, den Wildzaun mit Reisig auszustopfen. Und so hatte der alte Zaunsetzer Hilfe und Gesellschaft.
Den Menschen im Dorf aber war der Vogel unheimlich. Man munkelte, der Rabe über dem Groß Väter See sei ein Geselle der Finsternis und ein schlechtes Omen. Am liebsten hätte man das krächzende Tier vertrieben. Aber Elmer meinte immer nur, er sei ein österliches Himmelsgeschenk. Es solle sich niemand wagen, ihm etwas anzutun.
Krax schüttelte sich die erste Herbstnacht aus dem Gefieder, bevor er zu einer eleganten Morgenrunde über den dunstigen See startete. Unter den Wolken stutzte der Vogel. Kein Rauch stieg aus Elmers Schornstein. Der Rabe stürzte sich abwärts und sah durch das Fenster seinen Freund am Boden liegen. Krax krähte entsetzt, so laut er nur konnte: „Helft Elmer!“ „Helft Elmer!“ Da liefen die Nachbarn herbei und kümmerten sich um den kranken Mann.
Als der alte Zaunsetzer wieder bei Kräften war, wendete sich das Blatt für den schwarzen Vogel. Nicht, dass es fortan einfach Elmers kluger Rabe war. Nein, Krax galt nun als himmlischer Osterrabe. Es hätte ja auch ein Nachkomme des von Noah ausgesandten Vogels sein können. Jenem, der das neue Land erkunden sollte. Am Ende ist nur eines gewiss: Der erste Rabe, der am Groß Väter See landete, hatte sich einen der lauschigsten Plätze der Welt ausgesucht. Klar, kraa, kraa.

© Petra Elsner

Dieses Märchen ist ein Schorfheidemärchen. Aber das Buch war schon geschrieben und produziert. Es ist gewissermaßen ein “Nachläufer”, der jetzt auf vermoostem Leinen im Zauberwald von Klein Dölln hängt und: Nun hat die Geschichte auch in “Das keine Rabenbuch” einen Platz gefunden.

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