Der Husten wird nach fünf Wochen endlich leiser. Nun geht es um Kraftgewinn. Dringend. Aufmunternd sind da die schönen Besuche der letzten Woche und die lieben Briefe meiner Freundin Ines, die gestern sich mit mir ihre Wenzel-CD teilte, damit ich mir für das eine Vinyl (der Spender ist immer noch unerkannt) nicht einen Plattenspieler anschaffen muss. Letzte Woche kam unterhaltsamer Besuch aus Deutschboden ins Atelier, der mir etwas von weniger bekannten Sagenplätzen in unserem Märchenwald erzählte und mir eine Chronik von Deutschboden überließ. Gestern kam meine Freundin Petra vom Weißen See zu Besuch. Die bekannte Keramikerin schenkte mir einen handgeformten Frühlingstopf. Es ist immer wohltuend mit Menschen zu sprechen, die ebenfalls ein kreatives Leben führen, ungeachtet ihres Alters. Ich habe im Austausch die Namenschwester mit handgemachten Lyrik-Bändchen beglückt – eine gegenseitige Ermutigung. Petra Wessel aus Böhmerheide war eine der ersten Menschen in der Schorfheide, die ich einst in meinen Teezeiten-Porträts in einer Barnimer Zeitung vorstellte. Seit damals sind wir uns zugewandt. Dafür bin ich wirklich dankbar. Es zeigt, man kann auch als Journalistin Menschenfreund sein, es ist eine Frage der Achtung des Gegenübers – wie eigentlich immer im Leben… Ich geh dann jetzt mal im Garten die ersten Sonnenstrahlen genießen…
Kategorie: Morgenstunde – Blogkolumne
Morgenstunde (623. Blog-Notat)
Die Waschbären klauen schon wieder die Meisenknödel und der Dachs stochert im Kompost – es ist zwar noch lausekalt im Garten, aber das sind deutliche Zeichen des Frühlings. Der eisige Morgen dampft in der Sonne. Es ist der 13. Kriegstag. Die Nachrichten darüber führen uns eine humanitäre Katastrophe vor Augen. Und jeden Tag stellt sich aufs Neue die Frage, lässt sich dieser Krieg stoppen? Ich habe noch niemals in meinem Leben jemandem den Tod gewünscht, jetzt hoffe ich auf einen Attentäter … Dabei schleicht die Farbe Rot wieder auf meine Malgründe, diesmal nicht als Liebe, diesmal als Blut…

Morgenstunde (622. Blog-Notat)
Es ist der erste sonnige Tag, gefühlt seit Wochen und ich finde zufällig dieses Foto aus dem Lesegarten von einem Tag des offenen Ateliers. Es zeigt einen Sonntag im Mai. Nici singt und auf der Wiese und im Kaffeezelt lauschen Atelierbesucher ihr. Was haben wir doch für schöne Feste gegeben. Diese Erinnerungen wohnen für immer in mir, sie sind inzwischen Legende. Von der werde ich zehren, denn in diesem Frühling brennen sich andere Bilder ein. Keine friedlichen. Der Heizöltank leert sich, was wird der Nachschub kosten? Jetzt schon reichlich das Doppelte. Die Einkünfte halten da nicht mit. Wir werden für das Heizöl die drei Inseltage im Jahr canceln müssen und was noch? Ach, ich will mich nicht sorgen, denn es ändert eh nix…
Morgenstunde (621. Blog-Notat)
Es ist schon merkwürdig, dass man/frau sich in diesen Tagen irgendwie deplatziert vorkommt, wenn er/sie ein Märchen schreibt oder wie der Blogger Werner, Reiseberichte. Es ist wie ein falscher Ton inmitten der Todesnachnichten, der Hilferufe, der Kriegsberichterstattung und den Aktionen der Hilfeleistenden. Aber wie lebt man in solchen Zeiten (richtig)? Zuerst wohl, sich nicht von der Angst lähmen zu lassen. Ja, sicher, wenn der Ukrainische Präsident vom Machthunger Putins spricht und uns warnt, der würde bis nach Berlin, den alten Standort der Mauer, ziehen… ist Angst nicht unbegründet. Aber sie ist kein guter Begleiter. Sie frisst Lebensenergie. Die aber brauchen wir alle, um durch diese Zeiten zu kommen. Viele von uns sind angeschlagen von der Corona-Zeit. Andere schütteln die gerade von sich ab und helfen direkt. Die Zehdenicker Feuerwehr mit einem Hilfstransport zum Beispiel. Möglichkeiten der Hilfe vor Ort zeigt zum Beispiel Sandra auf kurtschlag.de auf. Gesucht wird ein Quartier für zwei ukrainische Mütter mit ihren Kindern. Aber Hilfe hat viele Gesichter, zum Beispiel Mitfahrgelegenheiten für diese Mütter zu organisieren (denn sie sollen ja irgendwann auch arbeiten gehen können) und vielleicht die Einrichtung einer zeitweiligen KITA oder einer Oma-Tagespflege. Und niemand sollte ein schlechtes Gewissen mit sich tragen müssen, weil er/sie vielleicht nicht oder nicht mehr bei solchen Anstrengungen dabei sein kann oder will. Es wird sich irgendwann etwas Passendes finden… jeder wie er kann.
Morgenstunde (620. Blog-Notat)
Wenigstens einmal im Leben sollte ein Mensch so eine mächtige, stolze und zugleich friedliche Demonstration erlebt haben. So etwas prägt für das ganze Weiterleben. Gestern wäre ich gerne in Berlin dabei gewesen, aber meine Demo-Uhr ist abgelaufen. Doch, ich weiß, was ihr da alle miteinander gespürt habt – wider alle Angst. Ich war mit den vielen Menschen seinerzeit am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. Allein unter einer Million Menschen – ein großes Erwachen. Ich wünsche, diese gestrige Demonstration wird der internationalen Friedensbewegung neuen Schub verleihen, denn wir dürfen nicht vor der ungeheuerlichen Drohung eines Autokraten vor Angst erstarren.
Das Älterwerden und diese Lungenkrankheit haben mir in den letzten Jahren viele kleine Abschiede beschert: Den Abschied von Stärke, von der Schönheit, von einer unermüdlichen Schaffensenergie und eben auch von den öffentlichen, politischen Aktionen. Das sind Abschiede von einer Petra, die ich einst war. Manchmal ist das zum Heulen. Aber dann räufele ich mich und zünde das Mahnlicht im Fenster an – alles hat eben seine Zeit und zum Älterwerden braucht es nicht nur Mut, sondern auch Anstand… Kommt alle gut durch diese Woche.
Morgenstunde (619. Blog-Notat)
Erste Übungen im Meditationswinkel in der Schlaf- und Bücherstube. Hinter mir das Honiglager. Der Liebste hat noch Reserven vom leckeren Kurtschlager Gold… In dem schönen Winkel kann ich alles für den Moment ausblenden. Fünf Minuten lang ruhige Bauchatmung. Normalerweise sollten es 15 Minuten im Sitzen sein, dann fünf Minuten Atmen im Gehen und nochmals 10 Minuten Atmen im Sitzen. Das wird die Lunge und das Zwerchfell stärken. Bis ich da wieder angekommen bin, braucht es Rückenmuskulatur. Ich arbeite daran und bin zuversichtlich, schließlich will ich ja in ein paar Wochen wieder durch den Garten toben 😊. 
Ich zünde mein Mahnlicht im Atelierfenster an. Die Nachrichten zeigen, in der Ukraine wächst der Mut. Frauen, die Molotowcocktails bauen, du meine Güte, die nächtlichen Angriffe werden zusehends aus der Luft kommen… Ich bin froh, dass die Ampel ihren Kurs gestern änderte, wenn auch nur unter Druck. Es ist der erste Kriegssonntag in Europa und mir scheint, die Anspannung wächst überall, nicht nur im Kriegsgebiet.
Morgenstunde (618. Blog-Notat)
In diesen Tagen wird vieles überdeutlich: Dass der Staat seine energiestrategische Aufgabe dem Markt überlassen hatte; dass die Armee nicht nur unterversorgt ist, sondern die Landesverteidigung und den Bündnisfall nicht vollends leisten könnte; dass die Infrastruktur vollkommen marode ist. Dass die Bildung nicht zeitgemäß und die Digitalisierung des Landes nicht vorrankommt… Das Einzige, was in diesem Land stetig wächst, ist die Bürokratisierung – eine Scheinbewegung. Das alles beschämt mich sehr. Wer trägt für diesen Ausverkauf die Verantwortung und wofür bitteschön wurde die ganze Staatskohle verballert??? Und in welchem naiven Dämmerschlaf hat die Politik der letzten dreißig Jahre gelegen? Hätten wir heute Krieg in Europa, wenn wir nicht so schwach wären? Ich glaube kaum. Ich bin schon erstaunt, wie schöngeredet diese Misswirtschaft all die Jahre wurde, dass kenne ich aus einem anderen Leben… Es ist allerhöchste Zeit, den Laden aufzuräumen, sonst können wir gleich Schilder an den Grenzen aufstellen „Bitte nicht schießen, wir sind unbewaffnet!“ Kinner nee! Ich bin zwar Pazifistin, aber nicht blauäugig, ein Staat muss wehrhaft sein oder er erklärt sich als neutral, wie die Schweiz. Fatal ist die Lage auf jeden Fall. Ich altes Mädchen habe gestern diese Friedenstaube gezeichnet und ins Atelierfenster gestellt, mit einem Licht dahinter, als stille Mahnwache, ich habe kein anderes Mittel…
PS. Wer es mir gleichtun möchte, kann sich diese Vorlage gerne ausdrucken…
Morgenstunde (617. Blog-Notat)
Manchmal muss man Dinge verwerfen. Als ich gestern die Pfützenspringerin auf Anhieb im Block hatte, wusste ich, der erste und auch der aufgehellte Klammhold ist es noch nicht. Ihm fehlte einfach das Zartsein, die Leichtigkeit des Frühlings. Also nochmal ran.
Und da sind sie nun, die kleinen Frühlingswesen für die noch zu schreibende Geschichte. Das macht schon mal Laune 😊. Dieser Frühling kommt dieses Jahr mit viel Getöse, womit ich jetzt ausschließlich das Wetter meine… Der nächtliche Sturmwind hörte sich wie das Vorbeirauschen eines Güterzuges an.
Politisch, besser militärisch gesehen startet gerade ein Schreckensszenario von dem noch unklar ist, wo Putins Truppen zum Stehen kommen werden. Möglich ist alles. Er hat der westlichen Welt offen mit seinen Atomwaffen gedroht und man muss ihn wohl ernst nehmen. Es kann einem grausen vor diesem Größenwahn. Denn sein Ansinnen für das „Heimholen der Ukraine“ wäre geradeso, als würde Deutschland nach den alten Ostgebieten greifen – geht gar nicht. Ein haltloser Anspruch.
Morgenstunde (616. Blog-Notat)

Ein trauriger Morgen: In Europa ist Krieg. Ich gehöre zu jener ersten Generation, die nie selbst einen Krieg erleben musste. Aber ich wusste immer – ein Friedenskind der Nachkriegsordnung zu sein, ist ein brüchiges Privileg, wohl deshalb war ich immer als Pazifistin unterwegs. Fast ein Menschenleben lang hat der Frieden im Herzen Europas gehalten. Wohin Putins Raub- und Rachefeldzug führen wird, wissen wir noch nicht, aber es wird auch unser aller Leben Konsequenzen haben. Es ist seltsam, dass im Kleinen das Leben so weitergeht, als wäre nichts…
Die erste Geschichte nach meinem Krankenhausaufenthalt ist aus dem Sack. Keine ganz unwichtige, wie ich finde, denn sie erzählt von unseren Urängsten und wie eine damit umzugehen lernt. Es ist eine autobiografische Erzählung. Kann ja auch mal sein – dem Leben die Erkenntnisse abzuringen, nicht alles muss in der Literatur Erfindung sein, wenngleich letzteres am meisten Spaß macht 😊. Es geht insgesamt ganz langsam vorwärts mit den Befindlichkeiten. Die Rückenmuskulatur schmerzt noch allein vom aufrecht halten. Immer noch ruhe ich tagsüber mehr als drei Stunden, die Kraft lässt auf sich warten. Aber: Hinter mir liegt die erste durchgeschlafene Nacht ohne Hustenanfälle seit drei Wochen 😊. Gestern gab es diese kleine Erfindung: Der Klammhold hat als Schlammspritzer eine Gestalt bekommen. Heute nehme ich mir die Pfützenspringerin vor und denke währenddessen über das zu erzählende Märchen nach…
Morgenstunde (615. Blog-Notat)
Wenn frau auf engem Raum agiert (das Häuschen hat nur 75 qm Wohnfläche, die Bilder-Empore im Kaltdach nicht mitgerechnet) und neue Plätze einrichten will/muss, dann ist es gut, sie kann verpacken. Zum Beispiel für einen winzigen Atem-Meditationsort ne olle Nähmaschine verstecken und stattdessen einen Hingucker zu zaubern. In diesem Fall, ein Seidentuch mit handgemaltem Kranich. Ist gestern entstanden. Bin inständig von den Ärzten vor neuerlichen Infektionen gewarnt worden, sie würden mich sofort wieder ins Krankenhaus treiben. Die dauerhaft geschädigte Lunge kann nichts Zusätzliches mehr ab. So muss ich die fröhlichen Qi-Gong-Touren mit meinen zwei Dorffrauen ins LandDojo Krohnhorst wieder aufgeben. Leider, denn sie sorgten für ein bisschen mehr Heiterkeit in meinem Leben und einen Blickwinkel aus meiner langen Winterisolation, in die ich nun zurückkehre… Ich habe mir gestern eine Klangschale für den Einstimmungston der Atem-Meditation bestellt und werde nächste Woche alleine mit den Übungen fortfahren. Ist weniger lustig, aber… ein Weg für das Training der Atemmuskulatur…








