Lichtzeichen

Ein Licht zur Abendstunde
ein Hoffnungsschimmer
hell und rein
der Mut macht für die dunkle Runde
mysteriös und frei.

Lebenslied

Und immer wieder weckt ein Zauber
neues Leben
stetig wie der Wellenschlag
Und immer wieder weht ein Sternenlied
neue Saat
auf die alte Haut der Erde.

Träger Sonntag im August

Das lichte Himmelsauge schaut
nach verlorenen Sätzen
an diesem trägen Sonntag im August.
Wo sind sie hin?
Es waren keine Schwüre,
nicht Visionen,
nur welke Gedanken,
flackernde Erinnerungen,
verirrt im Gestrüpp der Zeit.

  1. August 2020

Seidenfrisch bis Tiefblau

Umhüllt von der Seide
eines frischen Morgens
laufe ich durch nasses Gras
in einen heißen Tag.
Der schiebt
die Zeitensorgen
ächzend übers Land.
Sie bleiben ungeborgen
und quellen brennend rot
in das tiefe Blau am Rand.

27.Juli 2020
© Petra Elsner

Verlebt

Die guten Jahre
sind verlebt,
doch immer noch schlägt 
dein Herz in meinem.
Woher wir kamen
hat der Sand verweht,
doch wohin es uns auch trägt,
wir sind INEINEM unterwegs.

5. Juli 2020
© Petra Elsner

Trugbild

Als es Sommer wurde
hörten wir das pompöse Ticken
der Uhren nicht mehr.
Wir lebten in gepflegter Einsamkeit
auf Sparflamme.
Doch der milde Anschein entpuppte sich
als Schwindlerin.
Denn hinter dem Trugbild lauerte schon
der Bankrott der alten Welt.

© Petra Elsner
23. April 2020

Grab der Zeit

Die Nachtluft haucht
feucht und neblig.
Die Straßen verlassen,
die Seelen flüchtig.
Die Angst perlt
aus dem Grab der Zeit.
Im Halbdunkel verstellt ein Wald
aus Weisungen den Weg.
Atemschwer verharre ich
im Nichts.

© Petra Elsner
2. April 2020

Morgenstunde (299. Blog-Notat)

Ein Störfall hat mir die Winterklausur zerschlagen, denn es fällt mir wirklich schwer mich inmitten der düsteren Nachrichten zu sammeln. Wenigstens die Kalenderblätter für 2021 sind fertig geworden, aber werden sie nun jemals noch gedruckt? Die kleinen Regionalverlage leiden Not. Keiner weiß, was noch wird. Erst, wenn die Krise irgendwann gebannt sein wird, werden wir wissen, ob die Menschen zusammengerückt sind und nicht nur den Abstürzen zusahen. Wir wissen es nicht. Trotzdem beginne ich jeden Tag, als hätte ich unendlich viel Zeit. Die Spannung ist raus. Gestern wurden meine Lesung und die Ausstellung „Schorfheider Bilderwelten“, die am 17. Mai in der Kapper Kirche stattfinden sollten, abgesagt, auf unbestimmt verschoben. Das war zu erwarten. Wir wissen nicht, ob die menschlichen Existenzen nach Corona so ins Trudeln geraten sein werden, dass sie hernach lange keine Muße mehr für ein Buch, ein Konzert, eine Lesung … haben werden. Denn wenn der schwerfällige Dampfer Europa nach der großen Stille wieder Fahrt aufnehmen soll, beginnt der nächste große, schonungslose Kraftakt…

Gestern war der Welttag der Poesie, dem schiebe ich ein paar Zeilen nach…

Schmerzzeit

Unschuldig erwacht
draußen der Tag.
Er weiß noch nichts vom
nächsten Schlag.
Die Schlehe blüht,
die Kornelkirschen hat
ein Frost getroffen.
Vogelgezwitscher in
der stillen Ländlichkeit.
Im Haus scheppert das Echo
von Totenzahlen.
Der Tag beginnt
sich schuldig zu saugen,
bis er tropft vom Schmerz.

© Petra Elsner
22. März 2020

Morgen gibt es wieder eine 5-Minuten-Lesezeit…

Ein Lied

Der helle Stern der Träume
versinkt im Meer der Traurigkeit.
Kein Leuchten aus der Ferne
für diese müde Welt.
Doch aus der dunklen Stille
tönt leis ein Wiegenlied,
es fällt in schwere Herzen
und aller Kummer flieht.

© Petra Elsner
15. März 2020

Herzweg

Abgenutzt von kalten Kriegen
stiehlt mein Herz sich leis davon.
Watet durch die dichten Nebel
zu der eigenen Mission.
Ohne Halt und Anker
schifft es durch die Zeit.
Schlägt in aller Stille
eine Ewigkeit.


© Petra Elsner
16. Februar 2020