Der wilde Garten (4)

Öffentliches Arbeiten an einer Geschichte:

…Ein Tropfenton, kaum hörbar und zerbrechlich, war das Erste, dass in die Kammer drang. Lene schlug die Augen auf und dachte: Ich lebe. Aber was hat mich nur geritten, mein Abenteuer im Winter zu beginnen? Vollständige Dunkelheit umgab sie und sie fühlte sich schwach wie ein Hauch, als es plötzlich überall raschelte, bröselte, scharrte, schlängelte, kroch. Alles, was der Boden vor Frost und Winterkälte schütze, erwachte von diesem Ton und strebte auf zum Licht. Das große Tauen begann und drängte zur Eile, denn in der Erdkammer sammelte sich das Wasser und stieg stetig an. Der kleine Blattträger spürte Lenes Aufregung und murmelte: „Keine Angst. Das Aufsteigen der Tiere ist unsere Chance hier rauszukommen. Hörst du die Regenwürmer husten?“ Flederlene spürte jetzt, wie sich der Boden neben ihren Füßen wölbte. Ein Maulwurf entstieg dem Erdhügel, streckte sich und grub hastig seine Röhre durch die Kammerdecke weiter. „Schnell, wir klettern ihm nach“, flüsterte der Grünling und rollte sein Blatt zusammen. Es war beschwerlich unter den Kieselschlägen dem Maulwurf zu folgen und es dauerte, bis sie die Oberfläche erreichten. Aber sie schafften es. Doch was war das? Als sie dem verschütteten Teil der Dachsburg entkommen waren, ging der Regen in Schneefall über und in der Dämmerung zog der Frost wieder an. „Fehlstart!“ riefen die atemlosen Wiesenwürmer und kehrten schimpfend wieder um. „Scheiß Klimawandel!“ maulte der Maulwurf und verschwand unter der Erde.
Schlotternd standen die beiden beim alten Haselnussbusch und Flederlene sah, der Strauch begann gerade zu blühen. „Ach, kleiner Blattträger, es ist erst Februar, der Winter wärt noch. Es war nur eine Warmfront, die uns den Frühling vorgaukelte. Lass uns ein trockenes Plätzchen im Scheunenheu suchen.“ Auf dem Weg dorthin, sah sie, wie viel die Gärtnerin vor dem Winter nicht geschafft hatte. Überall lagen dicke Blätterteppiche und die Weiden waren nicht beschnitten. „Der Garten sieht wild aus“, murmelte sie. Der kleine Blattträger hatte sie dennoch gehört und antwortete: „Gut so, das gibt ihm neue Kraft. Sorge dich nicht, es geht ihm und seinen Bewohnern bald viel besser, du wirst sehen.“…

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Morgenstunde (700. Blog-Notat)

Ich bin ja ein Kind der Grauzeit, aber ich hätte dennoch nie gedacht, dass ich an einem schönen Sommertag im August das Grau freudigst begrüßen würde. Ein kühler Schauer auf der Haut, ein leichtes Strickjäckchen überstreifen – HERRLICH! Das ständige Postkartenblau ist nichts für mich als Mitteleuropäerin. Im Sommer 1992 dachte ich ernsthaft über Auswandern nach und war deswegen einige Wochen in Griechenland. Doch ich bemerkte dort sehr schnell, dass das permanente Blau des Himmels und die Hitze mich nicht gut denken und arbeiten ließ und so verwarf ich den Gedanken vollends und suchte in Deutschland nach meinem Weg nach der Wende. Und nun steigt der Süden nach Norden auf… Meine griechische Freundin K. hatte immer im Spätherbst die Wohnung superfein geputzt, um dann bis Ostern keine Zeit mehr dem Staub zu opfern. Es war ihre kreative Arbeitszeit am Schreibtisch, das Sommerhalbjahr war es nicht. Unser Leben wird sich auch in dieser Hinsicht im Klimawandel sehr verändern…

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Morgenstunde (184. Blog-Notat)

Der Nordwestwind trägt Rauch vom großen Waldbrand aus Mecklenburg zu uns. Was uns schlecht schlafen ließ, denn wir wohnen auch an einem mordstrockenen Wald, der letztes Jahr schon sieben Mal brannte. Trotz Abkühlung konnten wir nachts die Fenster nicht öffnen. Das ist bestimmt das Geringste. Inzwischen hat sich das Feuer bei Lübtheen auf 600 Hektar ausgeweitet. Man muss sich schon fragen, weshalb Politik und Katastrophenschutz 74 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges offenbar so ein Szenario nicht auf dem Schirm haben. Ich meine, dass eben Löschtechnik entwickelt wurde, die so einem Inferno den gar aus machen kann, erst recht, wenn die Nähe dieser Gebiete besiedelt ist. Erdentechnik fliegt zum Mars und in die Weiten der Galaxien, aber was ist hier auf Erden? Brandenburg entfaltet ein Wüstenklima, die Wasserstände sinken, Flora und Fauna leiden. Folgen des Klimawandels. Die Trockenheit ist schon genug Herausforderung für die Blaulichter, aber, dass munitionsbelastete Gebiete nach so vielen Jahren immer noch nicht abgesucht sind, verstehe ich nicht. Ja, die Kosten… ich sage, die Wahl der Prioritäten stimmt einfach nicht. Im Augenblick stinkt es draußen nicht so penetrant, offenbar kommt der Rauch mit den Böen und reißt zwischenzeitlich ab. Wie auch immer, ich wünsche den Männern, die mit dem Feuer kämpfen, mehr wirkliche Unterstützung und Regen.

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Morgenstunde (98. Blog-Notat)

Rispenhortensie

Die erste Regennacht seit – ich weiß nicht mehr. Draußen vor der Tür atmet die Landschaft erleichtert und ich auch. Die Rispenhortensie wiegt ihre tropfnassen Blüten – einfach schön. Zwischen den Arbeiten für den Kunstmarkt beim Pankefest, gehe ich alle paar Stunden mal raus uns schneide im hinteren Garten schon welke Stauden. Sie sehen aus, als hätten wir Ende Oktober. Worauf müssen wir uns zukünftig einstellen? Auf Siesta in der sechsten Stunde nach Sonnenaufgang und Klimaanlagen. Der Netzhandel hält längst dutzende Geräte bereit, nur was taugt, was nicht? Erste Erkenntnisse könnt Ihr mich gerne wissen lassen, denn etwas muss geschehen, damit man in dem Wetterwandel auch noch kreativ sein kann und leistungsfähig. Allein das Warten auf gemäßigte Temperaturen, ist kein echter Weg. So, aber heute ist schön, ich werd‘ dann mal losmachen…

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