Die weiß-schwarz-roten Sujets Kontraste setzen. Die weiß-schwarz-roten Bilder sind abermals nur eine Übergangsphase, die das Plakative wieder aufgreift. In dieser Zeit arbeitete ich an diversen Zeichnungen, so dass vielleicht deshalb das Grafische wieder auf die Leinwand schwappte.
LICHT & SCHATTEN: Statt Ying & Jang setzt dieses Werk Licht & Schatten (Luft und Blut) als Ausdruck des dualen Prinzips ein bzw. als Teile eines Ganzen.
Petra Elsner: LICHT & SCHATTEN, 80 x 100, Mischtechnik auf Leinwand, 2007
MILLENNIUM – die weiß-gelben Sujets Werknotiz: Die Millennium-Bilderfolge schaut in verschiedene Welten und Zeiten. Die Figuren stehen darin als Zeichen: Die Frau als Mutter der Erde. Man kann sie auch als Demut oder als das weibliche Element im Göttlichen sehen. Der Narr fungiert als Kulmination von Anfang und Ende. Und der Engel als Brücke zur Ewigkeit. Sonnen-Spiralen wirken als Kraftsymbole des Seins in allen Welten und Zeiten. Wenn man will, schauen sie auch als Zeichen des permanenten Anwesendseins des Göttlichen in uns und uns gegenüber ins Land. Ich versuche in einer unaufdringlichen Bildsprache verschiedene Sichten zueinander zu bringen. P.E.
Petra Elsner: SONNENGEFLECHT, 110 x 140, Mischtechnik auf Leinwand, 2006
Seit dem 29. Dezember 2019 hatte ich meinen Sohn nicht mehr gesehen. Im Februar/März war er sechs Wochen auf Namibia-Tour und kam schlussendlich über Umwege, wegen der beginnenden Corona-Pandemie, mit einem der letzten Flieger am 18. März aus Äthiopien nach Hause. In Äthiopien kontrollierten Menschen in Vollschutzanzügen am Check-in mit Fieberthermometern die Reisenden. In Schönefeld war nix, keine Masken, keine Ansagen, keine Fiebermessungen – der Beginn der Verunsicherungen und Irritationen für ihn. Ich war inzwischen seit vier Wochen in Selbstisolation und bat damals meinen Sohn, vorerst nicht zu mir zu kommen. Risikogruppe eben. Heute haben wir uns nach Monaten in die Arme genommen und ehrlich, wenn diese Umarmung ansteckend gewesen sein sollte, dann wäre ich inzwischen fatalistisch. Denn es braucht ein Mindestmaß an liebenden Berührungen, Überleben allein ist nicht genug. Ich gehöre nicht zu den Leichtsinnigen, aber wir alle unterhalten soziale Bindungen, die zuweilen auch etwas verlangen, wie unsere Eltern die Umzugshilfe oder mein Sohn die Nähe. Am Telefon meinte er vor einigen Tagen: „Wie lange willst Du mich eigentlich noch aus Deinem Leben ausschließen?“ Eine berechtigte Frage, ich wollte das nicht mehr…
MILLENNIUM – die weiß-gelben Sujets „…Wenn ich die Bilder dieser Ausstellung betrachte, fällt mir als Erstes eine Symphonie des späten 19. Jahrhunderts ein. Zum Beispiel von Anton Bruckner. Sie geht keinesfalls los mit einem beredten Thema, dass durchgeführt wird wie bei Mendelsohn oder Mozart. Nein, sie beginnt ganz anders: Dunkle Töne erstrecken sich. Man sitzt in seinem Konzertsessel und spürt, das dauert jetzt eine Weile, bis sich das so entwickelt. Der Künstler, der Komponist will uns von Anfang an etwas erzählen. Er will aus dem Grunde schöpfen, er will ein Motiv entwickeln, den Anfang der Welt beschreiben – er will von Anfang an erzählen. So scheint es mir auch mit den Bildern von Petra Elsner zu sein. Sie will von Anfang an erzählen. Diese Bilder haben in irgendeiner Form einen Anfang und ein Ende, doch im Allgemeinen haben sie etwas zyklisches. Etwas von einem Ring, der keinen Anfang und kein Ende hat – der einen Ausschnitt kennzeichnet. Die Welt wird dargestellt als etwas Prozesshaftes. Nicht als ein Schlaglicht, nicht dargestellt als einen Schnappschuss, sondern als einen kurzen Ausschnitt, der die Welt als etwas nach wie vor im Entstehen Befindliches zeigt. Die zyklische Anlage der Bilder bezieht sich auch auf die Form: Wenn Sie hinschauen, sehen Sie viele gerundete, in sich geschlossene Formen. Und die zyklische Anlage offenbart sich auch in den Farben: In den Bildern findet sich gewissermaßen ein Inhaltsverzeichnis des Farb-Tableaus, aus dem heraus sich das Bild zyklisch entwickelt. Immer wieder werden Farbmuster vorgegeben, die innerhalb eines Bildes eine Rolle spielen. Und die zyklische Form ist auch zu erkennen in der Reihung der Bilder als solche. Die Reihung ergibt eine Variation – um wieder zum musikalischen Begriff zurückzukehren – fast wie ein Rondo …“ Aus der Laudatio von Tilman Schladebach, 2005, Burg Beeskow
Petra Elsner: TAG DES LICHTES, 120 x 140, Mischtechnik auf Leinwand, 2001
Von der Hartensteiner Höhe ein Regenwetterblick aus dem Auto ins Erzgebirge.
In einer stürmischen Regenwetterfahrt kamen wir gestern Abend nach vier Tagen aus dem Erzgebirge zurück. Der Langzeit-(wegen-Corona)-Umzug der Schwiegereltern ist endlich gelaufen. Ich weiß nicht, wie viele Kisten ich ausgepackt habe, auf jeden Fall werden die Zwei einige Zeit ihre sieben Sachen suchen, und ich hoffe, ich kann telefonische Auskunft geben. Hundemüde und mit rauen Händen im eigenen Leben zurück, müssen wir die Dinge hier erst wieder aufnehmen. Der Liebste mit seinem Honig und ich mit meinen Lesevorbereitungen für den kommenden Sonntag in Zernikow (Kirche, 16 Uhr). Auf dem Blog geht indes die virtuelle Präsentation der Fundus-Bilder aus den verschiedenen Schaffensphasen noch einige Zeit weiter. Ich hoffe, die Alternative zu einer gegenständlichen Ausstellung interessiert…?
Stilelemente des Pointillismus halfen mir in dieser Phase, Farbe als Luft- und Lichtatmosphäre einzusetzen, um von den geheimnisvollen, verdeckten Subtexten des Lebens zu erzählen. Und das Verweilen im Thema ist gewissermaßen ein gedankliches Versichern.
Petra Elsner: LICHTGESTALT, 110 x 140, Mischtechnik auf Leinwand, 2002
Die Reihe „Millennium“ fragt thematisch weiter: Was ist Leben? Woher nimmt es die Kraft? Alte Fragen nach der Magie des Seins. Mit einer neuen Maltechnik – einer Schichtenmalerei aus Acryl, Kreiden, Kohle, Schellack und Öl – hatte ich begonnen, das stark graphische Element in meinen Arbeiten aufzulösen, ohne die figürliche Formensuche aufzugeben. Die geht ein in die größere Fragestellung, als eine schon gewonnene Gewissheit. Hinzu kam, dass ich Weiß-Gelb-Gold als Licht einsetzte. Dabei löste ich Raum und Zeit auf nach pantheistischer Idee in flirrende Teilchen auf, um einem universellen Miteinander Gestalt zu geben.
Das Theater in mir – Narren, Liebe, alte Sehnsucht Das Thema dieser Phase spürt dem Urfeuer des Lebens und der Liebe nach. Meist betritt ein Narr den Malgrund. Der entpuppt sich als Hort, in dem das Sein – das reale und das ersonnene – kulminiert. Und es scheint, als würde er von seiner inneren Kanzel aus, die alte Sehnsucht der Menschen bespötteln. Denn das Leben ist nicht harmonisch.
Petra Elsner: NARRENHAUS, 70 x 100, Mischtechnik auf Karton, 2000
Das Theater in mir – Narren, Liebe, alte Sehnsucht Der Zauberer wurde für die Berliner KUNSTMEILE Schönhauser Allee im Jahr 2001 zum Plakatmotiv. Er erzählt von der inneren Kraft und dem Zauber des Kreativen.
Petra Elsner: ZAUBERER, 70 x 100, Mischtechnik auf Karton, 2000
Das Theater in mir – Narren, Liebe, alte Sehnsucht
Herbstmatt erzählt vom Kokon des Wandels. Und über dem Matten wacht die bedingungslose Liebe.
Werknotiz: Manchmal holt einen das Dunkel ein. So als würde es nicht tagen wollen. Man ist umwölkt. Je dunkler, je greller finden sich die Farben auf der Leinwand ein.
Petra Elsner: HERBSTMATT, 70 x 100, Mischtechnik auf Karton, 2000
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