Eine Buchbesprechung

Kater Nepomuk und die Geister von Weimarvon Ingrid Annel

Es ist ein edles Buch: „Kater Nepomuk und die Geister von Weimar“. Schon der Titel atmet die Aura einer Theaterbühne – und ein Kater, der Glücksgriff überhaupt, stolziert mit all seinen Leben als Erzähler durch die Zeilen dieser ungewöhnlichen Stadtgeschichte. Vom Jetzt zurück in die Vorzeit auf Gedankenpfaden; so reiht sich eine Erinnerung an die nächste: Zeichnende Kinder auf dem Markt führen Nepomuk gedanklich in das Haus von Lucas Cranach. Eine Geigerin spielt am Gänsemännchenbrunnen Bach, woraufhin Autorin Ingrid Annel den Kater eine wundervolle Hommage an den großen Musiker seufzen lässt. Leichtfüßig wie es nur ein Kater darf. So gelingt es, wortgewaltige Geschichte für junge Menschen abzustauben. Fast im Plauderton erfährt der Leser, wie Weimar zur bewunderten Kulturhauptstadt heranreifte und die Träume einer kindlichen Herzogin wahr wurden. Nepomuk schwärmte für Anna Amalia.
Jeder besondere Neuankömmling in der Stadt verhieß für den neugierigen Streuner ein weiteres Abenteuer. Ach, er mochte es sehr, wenn der Märchendichter Musäus seine „Zauberlaterne der Fantasie“ anzündete und aus dem Geplapper der Leute wohlfeine Geschichten formte. Auch beim Dichtervater Wieland, bei Goethe, Herder, Schiller, Liszt und der Familie Falk mit ihren fünfhundert Waisenkindern lauschte er dem Schaffen und den Kümmernissen der Meister. Nepomuk erzählt von den Vorzügen und Lebensgewohnheiten seiner unzähligen Gastgeber, sachkundig und aus erster Pfote, denn er war ja schließlich immer dabei…  über Jahrhunderte.
Zwei Jahre recherchierte Ingrid Annel zu dieser anspruchsvollen Veröffentlichung, und Illustrator Stefan Leyh zeichnete aufwändig dazu. So gelang den beiden ein vollkommen anderer Blick auf die Stadt Weimar und deren Kulturgeschichte. Sehr empfehlenswert nicht nur für Kinder.

Petra Elsner

Ingrid Annel: Kater Nepomuk und die Geister von Weimar, Bertuch 2026, ab 12 Jahren, ISBN: 978-3-86397-188-5, Preis 18 €

Morgenstunde (1137. Blog-Notat)

Winterstill. Die zweite Seherin ist gestern entstanden. Das gespachtelte Kleinformat könnte zum Titelblatt einer Textsammlung werden. Noch ist es nicht entschieden. Zum Wochenende werde ich einsteigen in die Schreibzeit dafür. Weil ich bei diesen Temperaturen wenig vor die Tür komme, habe ich mein Qi Gong Training wieder aufgenommen, damit die Muskeln nicht weiter verschwinden und ich stabil bin. Dazu ein paar Dehnungen gegen die Verspannungen, die Computerarbeit mit sich bringt und schon kanns weitergehen. Habt einen guten Morgen allerseits…

Morgenstunde (1136. Blog-Notat)

Rechts: Bärbel, links Petra (noch mit dunklem Haar)

Sonntagskaffee. Den ließen wir uns damals nie nehmen, selbst in der allergrößten Hatz. Es gab Redebedarf als 1990 meine damalige Zeuthener Freundin Bärbel nach ihrem einjährigen Arbeitsaufenthalt in der Schweiz zurückkam. Ich hatte ihre Zimmerpflanzen am Leben gehalten, aber das Land, dass sie kannte, gab es nicht mehr. Und obgleich ich versuchte, ihr die Geschehnisse des Wendeherbstes und den Wandel danach in Briefen zu erklären, es gab Fragezeichen. Bärbel zog damals lebensklug ganz klare Schnitte: Sie steckte ihren Doktortitel für Philosophie in die Schublade und bewarb sich schlicht als Mitarbeiterin bei einem Landesamt. Sie hatte ihren Machiavelli (Der Fürst) verstanden und wusste, in ihrem Fach würde sie nach dem Systemwechsel nie wieder Fuß fassen. Ich hab das im Grunde erst jetzt begriffen, dass sie mit ihrem klaren Kalkül, die sichere Wahl getroffen hatte. Wahrscheinlich war es leichter, den Niedergang mit räumlichem Abstand zu betrachten, als sein Herzblut in den Wandel und die Wendeprojekte zu stecken. Als ich 1992 das Mietshaus auf dem Zeuthener Westgrundstück verließ und nach Berlin zog, versiegte unsere Freundschaft, wie so vieles in dieser Zeit. Die Lebensbündnisse hatten sich verloren. Dieses alte Foto erzählt noch, während wir längst schweigen.

Lesetipp: Wende-Strudel

Morgenstunde (1135. Blog-Notat)

Wenn mich in den letzten Jahren eine politische Rede wirklich angestoßen hat, dann war es die von Kanadas Premier Carney vorgestern in Davos. Inmitten weltpolitischer Tollheiten benennt er klar den Bruch der Weltenordnung und zeigt auf, wie die Mittelmächte darauf reagieren können. Er meint, dass „Konformität keine Sicherheit bringt“ und verdeutlicht das Phänomen, indem er Václav Havel zitiert. Der schrieb 1978 „einen Aufsatz mit dem Titel ‚Die Macht der Machtlosen‘. Darin stellte er eine einfache Frage: Wie konnte sich das kommunistische System aufrechterhalten?

Seine Antwort begann mit einem Gemüsehändler. Jeden Morgen hängt dieser Ladenbesitzer ein Schild in sein Fenster: ‚Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!‘ Er glaubt nicht daran. Niemand glaubt daran. Aber er hängt das Schild trotzdem auf – um Ärger zu vermeiden, um Konformität zu signalisieren, um sich anzupassen. Und weil jeder Ladenbesitzer in jeder Straße dasselbe tut, bleibt das System bestehen.

Nicht allein durch Gewalt, sondern durch die Teilnahme gewöhnlicher Menschen an Ritualen, von denen sie insgeheim wissen, dass sie falsch sind. Havel nannte dies ‚Leben in einer Lüge‘. Die Macht des Systems beruht nicht auf seiner Wahrheit, sondern auf der Bereitschaft aller, so zu tun, als wäre es wahr. Und seine Fragilität hat denselben Ursprung: Wenn auch nur eine Person aufhört, so zu tun – wenn der Gemüsehändler sein Schild entfernt –, beginnt die Illusion zu bröckeln. Es ist an der Zeit, dass Unternehmen und Länder ihre Schilder abnehmen…“

Ich will und kann nicht alles aus dieser Rede, die ein Zukunftsmodell bereithält, hier besprechen, aber dieser Verweis auf Havel erzählt etwas, was wir Ostdeutschen gut kennen und wir wissen auch, wie es ausging.
Ach, ich hätte mir gewünscht, unser Redner hätte die Tragweite Carneys Vision erkannt … Die ganze Rede findet Ihr hier

Morgenstunde (1134. Blog-Notat)

Als das Weihnachtliche abgeschmückt war, lag da wieder dieses Abendschwarz hinter dem Glas und auch meine kleine, wechselnde Buchauslage versank nur im Schatten. Da hatte das Adventsfenster ein Nachspiel, denn für die Beleuchtung kaufte ich eigens eine kleine batteriebetriebene Notenständerleuchte, die nun zu neuen Ehren kommt: Sie beleuchtet in den Abendstunden die Bücherauslage, die sagen will: Schaut doch mal rein. Klar, es ist kein üblicher Dorf-Laden in den man unbekümmert eintritt. Man muss schon Klingeln 😊. Aber ja, dass ist und wird meine Zukunft: Von diesem Atelierraum heraus agieren. Die kalte Winterluft macht mir das Unterwegssein echt beschwerlich und da ich Erkältungswellen meiden muss, komme ich auch nicht mehr zu Veranstaltungen. Gewiss, ich gehöre zu einer aussterbenden Spezies. Die Bedürfnisse der Nachwachsenden wandeln sich gerade extrem schnell und dieser Wandel ist übertönt von einer gefährlichen Weltenlage, die viele nur noch ratlos macht. Wer hat da noch Muße? Aber wie auch immer, hier leuchtet noch ein Licht…

Morgenstunde (1133. Blog-Notat)

Es ist Sonntagmorgen und ich hocke mit meinem Kaffee irgendwie erschöpft von der Heizungsreparatur zum Jahresstart. Das waren wirklich zehn unbehagliche Tage und die gilt es irgendwie abzustreifen. Man mag es kaum glauben, da habe ich gestern Abend, getrieben von dem Wunsch nach Behaglichkeit, mit dem Entwurf meines nächsten virtuellen Adventskalenders angefangen. Und heute werde ich dazu Zeichnen. Nicht am Stück 24 Bildchen, das würde mein Klausur-Projekt Ende Januar durcheinanderbringen, aber ein paar Tage und übers Jahr immer mal wieder. So wird das Schaustück „Weihnachtsgeister“ (nicht von Dickens) für die Adventszeit 2026 wachsen. Habt einen feinen Sonntag alle miteinander 😊…

Lyrik-Krümel

Gestaltete Lyrik.

Morgenstunde (1132. Blog-Notat)

Winter kann so schön aussehen: Raureif, weiße Weite, Stille, aber nee, Matsch hats Mitte Januar. Wenigstens hat die Heizung ihre Herzrhythmusstörungen aufgegeben, nachdem gestern zum 4. Mal der Monteur erschien und ihr die Zeitelektronik abgenommen hat. Kieke mal an, meine waren auch verschwunden, als ich einst, im Frühsommer 2002, auf unserem Waldgrundstück in der Mark die Uhr abgeschnallt habe (und nie wieder anlegte…). Geht doch. Über dem Stress mit der Heizung hab ich allerdings meinen inneren Takt komplett verloren. Bin seit 5 Uhr morgens putzwunderlich wach und war gestern um 21 Uhr in den Federn, als Nachteule und Langschläferin. Geht gar nicht. Was (Zeit-)Technik so anrichtet…

Lebensuhr aus meinem Träumekalender von 1999.

Morgenstunde (1131. Blog-Notat)

Unsere Heizung spinnt. Seit Freitag läuft sie stundenweise ganz sauber, dann steigt sie plötzlich aus und schaltet sich ständig an und aus. Heute kam zum dritten Mal ein Monteur, denn es gibt ja die berühmten Vorführungseffekte… Inzwischen ist die Einspritzdüse gewechselt und nun auch ein Steuerblock für den Notschalter. Mal sehen, ob es das war, oder ob wir morgen früh das gleiche Phänomen betrachten dürfen. Die Heizung ist in die Jahre gekommen, also wer weiß. Ist ja klar, das irgendwann das Maschinchen ausgewechselt werden muss, nur welche ist denn noch politisch korrekt und finanzierbar? Mir ist das Ganze inzwischen auf den Magen geschlagen, denn wer will das schon im Winter. Nach einer Tasse Wermut-Tee hab ich zweieinhalb Stunden heil geschlafen, mal sehen, ob‘s reicht…

Morgenstunde (1130. Blog-Notat)

Ich spüre, wie ich langsam in diesen Prozess rutsche, der meine Kreativität wieder fließen lässt. Das ist wie ein Sog, der einfängt, was gebraucht wird: Erinnerungen, Bilder, sinnstiftende Worte… Sie bilden das Gerüst. Im Augenblick bin ich bei den Bildern, einer Formensuche zum Thema: Die Seherin. Das Erste ist gestern entstanden, aber es wird nicht das Letzte sein… Habt ein schönes Wochenende alle miteinander!