Morgenstunde (185. Blog-Notat)

Wurzelgestalt im Dickicht. Foto: pe

Ach wie schön, gestern bekam ich abermals den Auftrag ein Einladungskartenmotiv zu entwickeln und zu zeichnen. Diesmal ist es für das 50. Fest an der Panke in Berlin-Pankow. Das hat mich natürlich gleich an den Zeichenplatz befördert, weil: Natürlich eilts mal wieder. Der Zuschlag für den Ausrichter (der mir den Auftrag erteilt) kam spät und nun müssen alle Nachfolgenden flinke Socken machen. Aber zuerst hab‘ ich meine Kunstmarktstand-Anmeldung für den 8. und 9. September ausgefüllt und ein Zimmer in der Berliner Pension Gilka gebucht, die befindet sich in unserem einstigen Wohnhaus im Prenzlauer Berg. Abends war die Strichzeichnung soweit, heute lege ich die Farbe an. Gott sei Dank ist es gerade nicht so heiß!
Noch etwas: Heute ist der 7. Tag ohne Hormon-Therapie. Ich hab‘ das Teufelszeug abgesetzt, dass mich zusehends schrumpfen, altern, noch mehr krank und traurig werden ließ.  Tamoxifen wird vielen Frauen nach Tumor-OPs über fünf Jahre verabreicht. Die Hälfte bricht die Therapie unter großem Leidensdruck ab, weiß ich jetzt. Die Nebenwirkungen trüben das Überleben nach Krebs, es kommt so keine Freude auf, sondern von Monat zu Monat treten mehr Probleme auf. Nun kann ich doch wirklich schon nach 7 Tagen zusehen, wie die Energie zurückkommt. Ich fass‘ es nicht, ich spüre über tag keine Leistungsabbrüche mehr, die mich schlagartig zum Schlafen zwangen. Selbst Notfallspray (sonst täglich 2-3 Mal) für meine Lunge ist seit drei Tagen nicht mehr von Nöten, nur das ganz normale Inhalationszeug. Dass ich es wirklich allein auf den Verursacher kommen und entscheiden musste, finde ich nach wie vor schlimm, habe die Mediziner lediglich informiert. Es hat sie nicht verwundert. Ärgerlich ist und bleibt, es gab kein Zusammendenken der Ärzte wegen meines miserablen Allgemeinzustandes, der sich irgendwie wie Ü 80 anfühlte.  Vielleicht erreiche ich diese Landmarke in ü15 Jahren ja noch und wenn nicht, dann ging es mir wenigsten in der verbleibenden Zeit einfach mal froh und besser.

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Morgenstunde (61. Blog Notat)

Blühende Fächerweide

Seit einer Handvoll Tagen bin ich aus dem Schatten des digitalen Daseins getreten, um unter anderem unter freiem Himmel die Renovierungspinsel zu schwingen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich über das heutige  Acht-Grad-Schauerwetter freue, weil ich am Computer pausieren darf. Schließlich braucht Farbe zum Trocknen eine gewisse Außentemperatur, die heute nicht gegeben ist. Also werde ich rasch mal einen längst fälligen Zeitungsartikel verfassen und diese Morgenkolumne schreiben, wobei ich noch einen Moment den Außenverrichtungen im Kopfe nachhänge und finde: Analoges Leben ist anstrengend, wenn auch gesünder. Jetzt, am Computer, tickt schon wieder die Zeit schneller, als würde sie sich von selbst verbrauchen, bevor ich den nächsten Gedanken zu fassen bekomme: Digitalisierung ist = Beschleunigung allen Seins. Das ist die schlechte Seite des virtuellen Fortschritts. Die Gute: Kommunikation ist MÖGLICH, wenn das alte Prinzip „Senden und Empfangen“ funktioniert und der Empfänger, sprich Leser, darüber hinaus auch mal reagiert… wie in einem analogen Gespräch. Ja, Digitalisierung kann die Lebensqualität heben (ist aber meistens nicht so), wie bei allem kommt es auf die Dosis an. Morgen wird das Frühlingswetter wieder auskostbar, da werde ich alle Tasten und Knöpfe ungedrückt lassen… J um ganz analog: Meine Hausausstellung im Bilderspeicher aufzuhängen, ein paar Postkarten mit der Hand zu schreiben, irgendetwas zu lesen und dem Garten einfach beim Erwachen zuzusehen….

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