Morgenstunde: Klausur-Ende (143. Blog-Notat)

Atelierkarte in Arbeit…

Die Klausur ist abgeschlossen. Am 18. Februar hatte ich meinen Schorfheide-Krimi „Milchmond“ runtergeschrieben, Dienstag habe ich den Auszug für die Lesung am 27. Februar zusammengestellt und gestern standen so Sachen wie Klappen- und Rücktiteltext an. Heute beginnt mein Liebster mit dem Korrekturlesen, ihm bleibt auch wirklich nichts erspart: Erst taucht sie wochenlang täglich auf Stunden im Atelier ab und dann muss er die Ergüsse auch noch lesen – in Ermanglung eines echten Korrektors. Den einen, den ich gut kannte, der auch auf Bitten meine ersten Bücher gegenlas, ist gestern gestorben. Herzinfarkt mit 65 Jahren. Hartmut Schönfuß lebte mit seiner jungen Familie sehr zurückgezogen im lauten Berlin und so lange ich denken kann, kämpfte er ums Überleben. Er las große Literatur für kleines Geld Korrektur, vor allem aber Gebrauchsanleitungen auf Cent-Basis, die aus dem Freiberufler einen Lese-Sklaven machte, sittenwidrig und doch längst gelebte Normalität, wie in so vielen anderen freien Berufen. Sein Berufsstand gehörte zu den ersten, den die Digitalisierung schon vor 20 Jahren killte – es gibt ja Rechtschreibprogramme…, dann die Berufe der Fotografen, dann die freien Schreiber… Ihre machtlosen Schreie hörte niemand, sie waren/sind ja die vielen Vereinzelten und so lautlos. Ich bin gerade dabei meine Einladungskarte für den nächsten Tag des OFFENEN ATELIERS zu zeichnen, die thematisiert, dass ich in meinem 25. Freiberuflerjahr bin, ich würde es nicht noch einmal wagen, wüsste ich, was da auf einen zukommt…

Atelierkarte 2019 Zeichnung: P. Elsner

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Morgenstunde (61. Blog Notat)

Blühende Fächerweide

Seit einer Handvoll Tagen bin ich aus dem Schatten des digitalen Daseins getreten, um unter anderem unter freiem Himmel die Renovierungspinsel zu schwingen. Mit dem Ergebnis, dass ich mich über das heutige  Acht-Grad-Schauerwetter freue, weil ich am Computer pausieren darf. Schließlich braucht Farbe zum Trocknen eine gewisse Außentemperatur, die heute nicht gegeben ist. Also werde ich rasch mal einen längst fälligen Zeitungsartikel verfassen und diese Morgenkolumne schreiben, wobei ich noch einen Moment den Außenverrichtungen im Kopfe nachhänge und finde: Analoges Leben ist anstrengend, wenn auch gesünder. Jetzt, am Computer, tickt schon wieder die Zeit schneller, als würde sie sich von selbst verbrauchen, bevor ich den nächsten Gedanken zu fassen bekomme: Digitalisierung ist = Beschleunigung allen Seins. Das ist die schlechte Seite des virtuellen Fortschritts. Die Gute: Kommunikation ist MÖGLICH, wenn das alte Prinzip „Senden und Empfangen“ funktioniert und der Empfänger, sprich Leser, darüber hinaus auch mal reagiert… wie in einem analogen Gespräch. Ja, Digitalisierung kann die Lebensqualität heben (ist aber meistens nicht so), wie bei allem kommt es auf die Dosis an. Morgen wird das Frühlingswetter wieder auskostbar, da werde ich alle Tasten und Knöpfe ungedrückt lassen… J um ganz analog: Meine Hausausstellung im Bilderspeicher aufzuhängen, ein paar Postkarten mit der Hand zu schreiben, irgendetwas zu lesen und dem Garten einfach beim Erwachen zuzusehen….

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Morgenstunde (3)

13 Grad vor der Tür, da schüttelt es einen doch wie Espenlaub und man denkt darüber nach, die Heizung wieder anzuschmeißen. Doch dann wurde es mir gleich warm ums Herz, als ich eben den Computer hochfuhr und von Manfred, dem unermüdlichen Websiten-Redakteur von kurtschlag.de erfuhr, die neue Seite über die Buschdorfkünstler sei freigeschaltet. Das ist wirklich stark, aber seht hier selbst.

Präsentation auf kurtschlag.de

Als die Redakteure Christina und Manfred mich vor drei Wochen um einen kleinen Text und ein Foto baten, war nicht abzusehen, was für eine super Präsentation daraus werden würde. Habt großen Dank für diesen gelungenen Schauplatz im virtuellen Schorfheidedorf !

Wie das nur früher war: Da hatte man/frau ein Bild geschaffen, irgendwer kaufte es und weg war es für alle Zeiten. Vielleicht gab es noch ein Papierfoto von dem Werk, aber gewöhnlich war es nach dem Besitzerwechsel für mich so, als hätte es diese Arbeit nie gegeben. Das ist kaum 20 Jahre her. Aber mit der Digitalisierung leben die vergebenen Bilder weiter. Die Malerin füttert ihr Festplatten-Schatzkästchen und kann sich die Bildansichten aufrufen so oft sie will. Das nährt die Gewissheit rund um das eigene Schaffen und ist die gute Seite des Bilderrausches unserer Tage. Von der Schlechten – wie der Inflation der Fotos und der damit verbundenen wirtschaftlichen Entwertung eines Berufsstanden – rede ich heute mal nicht.
(pe, 22. August 2017)

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