Morgenstunde (531. Blog-Notat)

Ich habe dem alten Holunderstrauch versprochen, dass ich ihm nur das erfrorene Holz entferne und das Schnittgut nicht umkommen lasse. Es geht ja die alte Mär, dass wer einen Holunder beschneidet, mit Krankheit geschlagen wird. Also, vorsichtshalber hab ich den Strauchschnitt zu Männeln verarbeitet. Da passte es gut, dass der Liebste den wilden Wein an der Nachbarstallwand zügeln musste, damit er nicht in die Solarplatten wächst. Die Ranken dienten mir als geschmeidiges Spielmaterial. Ein drittes „Männel“ wird noch nachwachsen, wenn der Weinbeschnitt abgeschlossen sein wird, aber heute zieht die Honigernte den Mann wieder an einen anderen Ort… Schönen Sonntag allerseits derweil.

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Die Göttin im Holunder

Göttin im Holunder, Zeichnung: Petra Elsner
Göttin im Holunder,
Zeichnung: Petra Elsner

Die Nebel wallen wieder über die Schorfheidewaldwiesen. Das ist für mich die Zeit der Holundersuppen – die göttliche unter den Herbstsuppen. Wieso? Weil nach vorchristlichem Glauben dem Busche eine Göttin ihren Namen schenkte. „Die hohe Frau“, bekannter wohl als „Frau Holle“ (auch Holla oder Holda). Der Glaube an sie als beschützender Hausgeist muss auch im Brandenburger Lande weit verbreitet gewesen sein, denn wohin das Auge auch schaut: Jeden Waldrand säumen Holunderbüsche, sie fehlen in keinem Bauerngarten oder lehnen sich an alte Scheunen. Das selbst die gebrechlichsten unter ihnen unberührt ins Land schauen, mag daher kommen, dass sich die Menschen noch im 18. Jahrhundert scheuten, solch‘ einen Strauch zu fällen, weil der Frevel mit Krankheit geahndet wurde. Die weise Frau im Busch galt jenen Menschen als lichtweisende Muttergöttin und hatte schließlich ihren Lieblingsstrauch besonders wohlwollend ausstaffiert. Blüte, Beere, Blatt, selbst die Rinde ist mit Heilkraft beseelt. Der Holunder, also die reifen Beeren als heißes Süppchen gekocht ist nicht nur herzhaft lecker, es macht auch die Abwehrkräfte für den Winter mobil.

© Petra Elsner

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