Morgenstunde (462. Blog-Notat)

Heute Beschaffungstour nach Prenzlau. Auf dem Rückweg unternahmen wir einen kurzen Boxenstopp an meinen uckermärkischen Lieblingsort – dem Potzlower Seenblick. Leider ist man dort nur noch selten allein. Es hat sich offenkundig herumgesprochen, wie schön die Aussicht dort ist. Macht nichts, den Blick in die Weite teile ich gerne mit anderen. Die knorrige Weide (Foto) am Fuß des Flachsbergs fand ich besonders schön.
Sie kann es gut mit den Alten am Weg zwischen Fergitz und Suckow aufnehmen und erinnerte mich an meine Weidengeschichte, die ich 2015 schrieb, nur, weil mein Blick an dem geografischen Begriff  “Naturschutzgebiet Eulenberge“ hängenblieb. Da muss natürlich eine Eulenfrau hin und so kam es zu einigen Geschichten, die ich dort angesiedelt habe. Wenn ich mir noch einmal einen Lebensplatz aussuchen könnte, wäre es in diesem Gebiet… Es macht das Herz weit. Doch ganz sicher wird mich das Schorfheidedorf Kurtschlag bis ans Ende meiner Tage festhalten, denn hier sind die Menschen noch herzwarm, was will man mehr…?

 

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Kostprobe zur Lesung

Aus meinem neuen Buch “Vom Duft der warmen Zeit”:

Kopfbanner zur Geschichte, gezeichnet von Petra Elsner
Kopfbanner zur Geschichte, gezeichnet von Petra Elsner

In den Weiden
Die alten Weidenbäume am Plattenweg flüsterten im Wind, und säuselten ein Schauerlied von der Zeit, als zum Gut Fergitz noch königliche Reiter durch die Niederungen preschten. Wegen der jungen Hexe und ihrem eiligen Prozess. Die geköpfte Magd von 1701. Dem melancholischen Mädchen warfen die Eiferer vor, der Teufel solle ihr Geld und einen Kürbis gebracht haben. Aber ein Schadenzauber war der 15-Jährigen nicht nachzuweisen, und doch wurde sie enthauptet. Die Weiden munkelten auch, der Geist von Dorothee Elisabeth verströme sich noch in den weiten Wiesen. Der riefe mit einem Farbenrausch aus rotem Mohn, weißen Margeriten und dem Kornblumenblau nach einem Mann, der der Ruhelosen in der Johannisnacht Trost zuspräche. Die Weiden hören diesen Sehnsuchtsruf jedes Jahr.

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