Morgenstunde (865. Blog-Notat)

Wir sind zurück und ja: Die Zeit war schlicht zu kurz. Zumal es mich einen Tag flachlegte, die Atmung labil, der Kreislauf zittrig. Das Reizklima hebelt mich stets am 2. Tag aus, erst danach wird es besser. Im Grunde ging es mir nur am Geburtstagstag gut. Damit meine Lunge von so einem Ortswechsel wirklich was hätte, bräuchte es mindestens drei Wochen Meeresluft, aber Kinner ne – die Preise… Die guten Stunden aber waren wirklich schön. Spazieren unter Möwengeschrei, Sonne, leichte Brise. Ein bisschen Schlendern und in den Andenkenlädchen Tinnef schauen, den wirklich keiner braucht und will 😊, beim Kaffee dem flanierenden Panoptikum zuzusehen, was da so alles rumrennt… Und schließlich das Meer, das mit seinem schwarzen Algensaum schwere, müde Wellen warf, als hätte es längst vom Sommer genug. Die Insel war immer noch satt gefüllt von Urlauber und Ausflüglern, die meisten Kneipen aber: leer. Die aufgestockten Preise, und was man nicht verheimlichen darf – der schlechte Service allenthalben. Statt die Menschen, die noch einkehren, gut zu bewirten, bekommste z.B. bei „Uwes Fischerhütte“ in Ahlbeck eine muffelgraue Ofenkartoffel mit einem Kräuterquark aufgetischt, der wie süße Sahne schmeckte. Lieb- und respektlos gegenüber dem Gast ist das. Ich hatte keine Kraft, das Gericht zurückzugeben und darauf setzt man wohl: Im Urlaub will man nicht streiten und eine Waage eher nie. Dieses Quartier jedoch hat sich für mich auf alle Zeit erledigt. Immerhin bin ich von dort bis Heringsdorf am Strand gelaufen. Drei Kilometer, der Liebste staunte, ich auch. Tagesform. 70 Jahre, du meine Güte…

Foto: Lutz Reinhardt

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