Morgenstunde (293. Blog-Notat)

Die Nachrichtenwucht der Coronazeit ist wirklich erdrückend. Jeden Tag diese fortschreitenden Meldungen mit der Aussicht, dass es 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erwischen wird, nur eben ein bisschen später. Ich überlege doch ernsthaft, mein Arbeitstempo zu drosseln, weil ich die Projekte vielleicht eh nicht mehr abschließen kann. Ich gehöre mit meiner Lungenkrankheit zu dieser Risikogruppe. Also aufräumen und in die Stille lauschen? Dafür den Bienen in den Krokussen zuzusehen. Schönheit aufsaugen, das ganze System runterfahren und vielleicht auch einfach die Nachrichten abschalten? Stattdessen das Graswachsen interpretieren? Geht gar nicht. Es ist leicht zu sagen: Mach dich nicht irre! Aber wie soll das gehen? Man kann sich dem Geschehen nicht dauerhaft entziehen und irgendjemand wird das Virus schlussendlich mitbringen.

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2 Gedanken zu „Morgenstunde (293. Blog-Notat)“

  1. Guten Morgen Petra,
    leicht gesagt, aber ich gehöre nun auch zur Risikogruppe seit letztes Jahr. Hab mich gegen Lungenentzündung gleich nach der Reha impfen lassen. Und nein, ich mache mich nicht verrückt. Wasche mir öfter als normal die Hände, Sauberkeit war bei mir sowieso immer wichtig. Höre mir diese Nachrichten einfach nicht mehr an, dafür Musik die mir gefällt und mich beschwingt. Bilder, die mir gute Erinnerungen geben und dabei neue schaffen lassen. Lese viel. Das hilft mir schon, auch dass im Morgengrauen die Amseln jetzt zwitschern. So oder so, das Leben geht weiter. Denk an Dich. Mein Herzchirurg ist kurz vor meiner Verlegung nach Greifswald an mein Bett getreten, hat meinen Arm genommen und gesagt, “Leben, einfach leben und in sich aufnehmen”. Und so halte ich das und genieße die guten Momente, intensiv bis in die Seele. Mach mir nicht so viele Gedanken um mein Selbst nach meinem Sein. Wer wird mich schon vermissen wenn es vorbei ist? Ein zwei Freunde, eine liebe Person, vielleicht noch die paar Verwandten. Aber für die man kreativ arbeitet, die vergessen einen am schnellsten. Und das ist nicht schlimm, denn wenn ich nicht mehr bin, merke ich davon auch nichts. Also JETZT jede Minute leben…
    Herzliche Grüße vom Frank

  2. Lieber Frank, dass ist wirklich nicht leicht. Wir sind ja beide Nachrichtenmenschen (gewesen). Natürlich habe ich die einschlägigen Impfungen. Es ist leider so, dass man viele Menschen während einer schweren Krankheit verliert. Die Nützlichkeitsdenker und -Kontakte, aber um die ist es auch nicht schade, lieber Frank. Deine fotografische Lichtzauberei werde ich auf keinen Fall vergessen und ich will versuchen, Deinem Rat zu folgen. Alles Liebe wünscht Dir Petra

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