Morgenstunde (273. Blog-Notat)

Kein Fotolicht draußen, deshalb dieses Archivbild: Gedenkstein unter dem Wunschbaum im Herbst.
Unter dem Wunschbaum am 22. Januar 2020: Geli-Tag.

Eigentlich müsste der Tag nach Freesien duften, denn es war die Geburtstagsblume meiner Schwester. Stattdessen ist der helle Winterhimmel verschwunden und hat einen Nieselvorhang hinterlassen. Friedhofswetter. Meine Toten melden sich an ihren Ehrentagen. 22. Januar: Geli, Dein Tag. Wenn ich es nicht gleich erinnere, grummelt es mir im Magen, weht mir im Garten ein atemschwerer Hauch übers Haar, dass ich mich urplötzlich fragen muss: Was ist? Sie sind immer bei mir – alle meine Seelen, meistens still, aber sie rütteln an mir, wenn ich sie nicht bedenke. Unter meinem Wunschbaum wartet der Erinnerungsstein auf mich. Den haben wir vor 11 Jahren vom Zeuthener Friedhof mitgebracht, als ich das Familiengrab nach 30 Jahren auflöste. Ich wollte es nicht verwildert und unbesucht lassen, zu weit weg für mich indes. Und jene, die ich bat, das Grab zu pflegen, rührte die Hände nicht. So ist der Stein jetzt bei mir als Erinnerungsplatz. Ich fände es schön, wenn die Deutsche Friedhofskultur endlich fallen würde, dann wäre mein Platz hier unter der Wunschbirke in dem Garten, der meine Handschrift trägt.

Rechts: Meine Geli

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