Morgenstunde (1229. Blog-Notat)

Frosthauch schwebt über dem Morgen. Nur ein paar Schritte über den Hof, dann rasch zurück, die kalte Luft kneift die Lunge… Zeit des Loslassens, des Abschieds von Wärme und Licht. Die Melancholie, die in dieser Jahreszeit wohnt, gehört schon immer zu meiner Grundstimmung, schon als Kind war das so. Dieses Sehnen, wonach nur? Letztes Leuchten im Weinlaub vor dem Fallen. Loslassen und über dem tröten die Kraniche. Gehen oder bleiben? Eine Karte fehlte in der Geburtstagspost und ich ahnte schon Schlimmes, denn meine alte Freundin vergisst nie zu schreiben. Heute wählte ich Mariannes Nummer und Gott sein Dank, sie ging vorsichtig ran. Man hörte ein zaghaftes Sprechen, zerbrechlich klang ihre Stimme. Aber sie freute sich, meine zu hören. Und wie erahnt, sie ist schwer erkrankt, eine große Tumor-OP kommt nächste Woche auf sie zu. Ich weiß, wie man da in sich geht. Menschen in unserem Alter… ich werde ihr in Krankenhaus schreiben, sie braucht jetzt Mut und Zuspruch, ein bisschen mehr als sonst, M. lebt allein…

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