Nachdem gestern der Nachmittagskaffee mit Sabine ausgetrunken war und ich kurz verschnaufte, schepperte ein paar Minuten später die Hofglocke. Vor mir standen zwei langhaarige, spindeldürre Radler und fragten, ob sie sich im Atelier umschauen könnten. Sie sahen wirklich wild aus und sprachen nur gebrochen Deutsch. Der Imkergatte hantierte in der Bienenküche und bemerkte nichts von dem Besuch. Ich war schon ein wenig trieselig von den Bewegungen und dem gleichzeitigen Sprechen, aber gut: Hereinspaziert. Der junge, fast 2-Metermann, stellte sich als malender Russe heraus, der Kleinere war Amerikaner. Hey, im wirklichen Leben lebt die friedliche Koexistenz zumindest in den Ferien. Die halbfertige Leinwand „Sibirische Tundra“ verdutzte den Russen, er deutete darauf und meinte, seine Großmutter käme aus dieser Landschaft. Zufälle… Die beiden sahen sich interessiert um und fragten dann nach „Hönig“. „Bitte was?“ Es dauerte einen Moment bis ich begriff und bot eine Verkostung an. Jetzt waren sie wirklich hingerissen, ob der Gastfreundschaft, aber ich schnaufte schon welk. Gut, dass der Liebste endlich auftauchte und übernehmen konnte. Aber schön, wenn das Leben vorbeischaut 😊…

Das erinnert mich an einen Besuch, als eine bunt gemischte Gesellschaft aus Schweden bei uns vorbeischaute. Einer kam ursprünglich aus Algerien und blieb vor dem großen Gemälde im Wohnraum stehen: ihm gefielen die Farben sehr. Ich machte ihn auf eine eingeklebte Zeitungsnotiz aufmerksam: über ein schweres Erdbeben in Algerien. Das Bild hatte ich in Erinnerung an meine Algerienreise 1962 gemalt. Er erkannte die heimatlichen Farben.
Toll, ja sowas ist doch sehr berührend. Danke fürs Erzählen, hab ein schönes Wochenende!