Morgenstunde (1150. Blog-Notat)

Schorfheidekeramik von Petra Wessel aus Böhmerheide.

Reden und Laufen gehen für mich nicht mehr gut zusammen, ich vergesse es immer, wenn Besuch kommt und ich versuche, mit den Schritten der Gartengucker mitzuhalten. Aber es geht kaum bis zu Linde, dann wird der Atem knapp und ich muss schweigen… Nun gut, denn der Garten wird ja auch nicht mehr so vorgeführt, wie einst, als es noch den gut bespielten Lesegarten gab. Der ist Geschichte.
Sie schaut immer mal wieder nach der Petra im Walde, die Petra vom See. Als wir hier vor 18 Jahren ankamen, war sie die Erste, die mir Türen öffnete und mich auf die Besonderheiten in der Schorfheide hinwies. Die Töpferin aus Böhmerheide war/ist gut vernetzt und wusste sich all die Jahre mit ihrer Naturkeramik gut zu behaupten. Manchmal trieb sie mich sogar an, wenn sie nicht meine Flyer im Hotel Döllnssee entdeckte, während sie umsichtig nachfüllte. Inzwischen sind unsere Gespräche nachsichtiger, privater, freundschaftlich geworden. Es geht nicht mehr um Selbstvermarktung, sondern eher um Marktwahrnehmungen. Wir sind ein Jahrgang und der Ehrgeiz blitzt nur noch gelegentlich auf. Sie hält noch ihr Lädchen offen und gibt Töpferkurse, ich schaffe im immer offenen Atelier. Das Tempo ist leiser. Doch manchmal gibt es schon den Seitenhieb von ihr: „Du kommst ja nicht zu mir!“ Und das stimmt. Ich sitze da in meiner Schwäche, manchmal auch Schwere und bin froh dem Gast zu geben… Ein schönes Küchlein und ein Geschenkbuch zu Geburtstag der Seepetra, zwei Novellen kaufte sie mir gestern ab und nun bin ich auf ihre Meinung gespannt… Inzwischen trinke ich aus ihrer schönen Dreieckstasse meinen Morgenkaffee 😊

Übrigens: Die Töpferei am Weißen See ist immer freitags und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nach Vereinbarung kann man bei Petra Wessel Kurse buchen, auch spezielle Workshops in den Schulferien.
Kontakt: Petra Wessel, Buchfinkenweg 4, 16244 Schorfheide OT Böhmerheide, Tel. 033393-495

Reportagen aus dem Schorfheidewald: Die Töpferin

Eine Haut aus den Farben der Landschaft: 
Die „Schorfheide“ – das ist ein alter Mythos und doch nur ein Sammelbegriff für ein größeres Waldgebiet. Der Name entstand im Mittelalter aus „Schorp Weide“, als die Bauern ihre Schafe in den einstigen Eichenwald (Hutewald) trieben, um sie mit Eicheln zu mästen. Lang ist’s her, heute bevorzugen Jäger, Wanderer, Ausflügler oder Pilzsammler dieses Naturparadies. Und wer ein besonderes Markenzeichen der Region sucht, der stößt unweigerlich auf die Schorfheidekeramik von Petra Wessel.
Direkt am Weißen See in Böhmerheide betreibt sie ihr Atelier, aus dem ihre witzigen Tongestalten launig in die Welt spazieren: Mautzende Kater, schmollende Schnecken, blinzelnde Kobolde … eine herzige Gartengesellschaft, deren Besonderheit ihre spezielle Haut ist, die sie zu Markte trägt. Diese Oberfläche assoziiert spontan „Schorfheide“ – das helle Ocker des leichten Dünensandes in dem die Wälder wurzeln, das Umbra der Waldäcker, und das tiefe Braun der mächtigen Baumstämme. Die Töpferin hat diese Farbgebung gewissermaßen der Landschaft abgeschaut und die Spuren darin, die Kratzer und Abdrücke stammen ebenfalls daher – von Erlenfrüchten, Hafer …
Als nach der Währungsunion 1990 alles, was man der Frau bis dahin aus den Händen gerissen hatte, plötzlich wie Blei im Laden stand, begann ihre Suche nach dem Einzigartigen. Während sie experimentierte und entwickelte, entdeckte sie ihre Lust daran, eine regionale Marke zu kreieren, eben eine Keramik, die der Schorfheide entspringt und für sie wirbt. So verwundert es kaum, dass die Töpferin sich zugleich für den Tourismus am Weißen See zu engagieren begann. Sie gründete mit anderen den Tourismusverein Schorfheide-Chorin. „Hilfreich war der damalige Trend ‚Zurück zur Natur’ unter den Westberlinern, die ihr Umland endlich entdecken konnten. Das große Staunen über das wunderbare Waldland mit seinen glasklaren Seen – 50 Kilometer von Berlin entfernt. Man mochte wieder natürliche Hölzer in den Wohnungen und dazu passte auch meine  Naturkeramik“, erzählt sie rückblickend und weiß heute: „Letztendlich verkauft man mit seinem Schaffen auch immer das Umfeld mit. Zum Beispiel: ‚Wollen Sie nicht einmal einen Ausflug zum Weißen See in Böhmerheide machen, und mich in meinem Atelier besuchen? Dort gibt es auch ein nettes Restaurant, eine gute Pension …’ Jetzt, wo die Kaufkraft wegen der Krise nachgelassen hat, gebe ich Kurse.“
Und Ferientöpfern kommt gut an. Wer der Frau, die wie ein sprudelndes Quellwasser plaudert zuhört, erfährt neben den praktischen Werktipps auch viel von der Drehscheibe, die sich Leben nennt. Dass Umwege, wie eine falsche Studienwahl (Bauwesen) oder verdrängte Leidenschaften, mitten ins Zentrum führen können; bzw. Mütterzeiten Klärungsprozesse einleiten. Mit 25 Jahren schenkte sie Tochter Jana das Leben und zeitgleich wuchs der Drang, die eigene Kreativität auszuleben, was schlussendlich 1983 in die Selbstständigkeit führte. Nichts lief bis dahin spurgerade in ihrem Leben dieser couragierten Frau, und doch, oder gerade deshalb wohl, ist heute ihre Aufbaukeramik aus schrägen Teilen inzwischen ein krönendes Ganzes. Hier zeigt sich eine langsam erworbene Selbstgewissheit, die spürt, wer mit oder neben der Frau arbeitet.

Petra Wessel Foto: Lutz Reinhardt
Petra Wessel
Foto: Lutz Reinhardt

Kontakt: Keramikwerkstatt Petra Wessel, Buchfinkenweg 4, 16244 Schorfheide OT Böhmerheide, Telefon: 033393 495, Mail: p.wessel@online.de