Milchmond

Vierter Geschenktipp zum Fest: Mein preisgekrönter Krimi “Milchmond”:

Worum geht es in der frei erfundenen Kriminalgeschichte? Nach einem Schwesternstreit kommt Laura Acker nicht in das Dorf Sandberg zurück. Julie Acker wartet am nächsten Tag vergeblich auf ihre Ablösung bei der Betreuung der dementen Mutter. Aber Laura scheint abgetaucht. Doch in jener Streitnacht geschah noch etwas anderes: Rosa Nagels Wald wurde geklaut, ein ganzer Hektar – einfach so. Die Polizei sieht kaum Chancen für eine Aufklärung des Diebstahls, deshalb statten die Waldbesitzer sich mit Wildkameras aus. Doch statt einem Langfinger läuft ihnen ein großer, weißer Wolf vor die Linse. Die fast vergessene Legende vom Milchmond bekommt wieder Zunder und unter dem Schnee liegt eine Tote im Flüsterlaub…
Das Dorf in der Schorfheide ist fiktiv, aber es borgt sich Gepflogenheiten und Typen aus der echten regionalen Nachbarschaft. Das Sittenporträt zeichnet durchaus reale Lebensumstände auf dem flachen Lande nach, in denen manchmal auch eine untergeht, wenn sie den Schutz der Gemeinschaft verliert.

Leseprobe:
… Jan hatte beizeiten den Kachelofen angeheizt. Der Sohn der Wirtsleute lud schon seit Jahren zur Single-Weihnacht. Dorthin kamen alle, die Lust darauf hatten. Die Jungen, die zu Gast im Elternhaus schnell die Langeweile nervte und die Alleinstehenden jeden Alters. Die Nacht der Nächte bot immer auch eine Chance, eine neue Liebe oder wenigstens eine Affäre für die Feiertage zu finden. Schönere Geschenke gibt es zu Weihnachten nicht. Jan, der auch nur zu den Wochenenden aus Berlin nach Sandberg kam, um seine Eltern zu unterstützen, spendierte dem Dorf diese Weihnachtsidee, als er selbst gerade wieder einmal Single war. Es brauchte dazu nicht viel – einen warmen Ofen und reichlich Getränke.  Die Gäste trugen leckere Häppchen herbei, damit die echten Alleinstehenden etwas Festliches verkosten konnten.  Der Abend begann immer ähnlich wie bei einem Klassentreffen. Erst mal schauen, wie die Exil-Schweizer und die Neu-Süddeutschen das Jahr überstanden hatten. Wie viele Kilos zu- oder abgenommen wurden. Ob ein neues Auto vor dem Elternhaus parkte. Welche Geschenke dieses Jahr die alleinstehenden Mütter bekamen, und ob sie ein weiteres Jahr in der Fremde verlängern werden würden oder dem ewigen Heimweh nachgeben. Die „Jugend“ des Dorfes war inzwischen Mitte 30, kinderlos und gut solvent.
Die Sandberger Eltern hatten nach der Wende beinahe alles richtig gemacht. Sie holzten keine Obstplantagen ab, verkauften kein Land, ließen keine Windräder zu. Fast alle schulten noch einmal um und machten sich selbstständig. Es gibt wohl kein weiteres Deutsches Dorf aus dem so viele Materialprüfer stammen, wie aus Sandberg.  Diese Menschen, die auf Sanddünen siedelten, entwickelten über Generationen einen weiten Blick, der sie immer dorthin führte, wo es ein gutes Auskommen gab. So lebten in Sandberg kaum Arbeitslose und die meisten Dorfkinder hatten eine gute Ausbildung im Reisegepäck. Doch nach langen Wanderjahren sehnten sich inzwischen viele nach der Heimat und einer eigenen Familie. Die Löhne stiegen endlich wegen des bedrohlichen Fachkräftemangels auch in Brandenburg, darüber galt es sich auszutauschen. Dieses Jahr aber war das Thema Nummer 1 bei Jans Single-Weihnacht: Der Mord unterm Milchmond.

„Ach, Sigmund Freud lässt grüßen!“ nörgelte Henry, als Jan Uhlig die alte Sage über die Theke erzählte.
„Wie jetzt, was hat denn der alte Seelenforscher mit unserer Wolfs-Legende zu schaffen“, fragte Jan irritiert.
„Nix, der Wolfsmann war nur sein berühmtester Fall. Der dreht sich um so einen russischen Psycho, der unter einem Angstraum mit zwei weißen Wölfen litt. Und bei uns im Wald haben sich die Ahnen, als es noch Wolfsland war, eben diese Legende erzählt. Sie verrät etwas von der ländlichen Urangst. Die lebt immer auf, wenn Wölfe im Revier sind. Angst ist eben ein guter Treibstoff für die Fantasie.“
„Aber die Polizei, spricht auch von einem Wolfsmann.“
„Ja, und meint einfach einen gewalttätigen Irren“, blubberte Henry. „Komm, schenk‘ mir noch einen ein, es ist so traurig, dass es Laura erwischt hat. Ich kann’s nicht fassen. Die Schöne hätte echt noch ein gutes Stück Leben verdient, schlimm, schlimm.“
Im Nebenraum feierte die Jugend-Runde am Billardtisch einen gut geglückten Stoß. Dörte hatte mit den Nagel-Brüdern die Skatrunde beendet, drehte den Radiorecorder lauter und schob sich dann hüftschwingend zum Tresen: „Noch eine Lage bitte, für die alten Herren und mich.“
Der Mittvierziger am Tresen lästerte leise: „Und welchen von den alten Säcken schleppst du heut‘ noch ab?“
„Ich dachte da, eher an dich“, antwortete sie ein wenig lasziv. Er wusste, dass sie meinte, was sie sagte und grinste anzüglich.
Julie und Kai Fischer saßen am Beobachtertisch bei den trinkenden Zwillingen, den zwei Schwestern vom Waldrand und dem Anton, der sich lieber an die Häppchen hielt. Irgendwann zog Anton eines der späten Waldmädchen aufs Parkett und tanzte seinen perfekten Foxtrott. Kaum später war die Tanzfläche rappelvoll.
Kai fragte unsicher Julie: „Willst du vielleicht auch?
Sie zuckte mit den Schultern, atmete tief durch und antwortete: „Warum nicht.“
Die Nähe machte sie geschmeidig. Sie plauderten nicht belanglos, sie wiegten sich in der Musik und taten einander ganz offensichtlich gut.
Im Krug war eine seltsame Stimmung in dieser Nacht entstanden – ein bedecktes Gemurmel, dass nur zur vorgerückten Stunde anhob, als wollte die Heilige Nacht ein fröhliches Finale haben…

Das Buch kann hier online bestellt werden.

Die Credits zum Buch:

Milchmond, eine Kriminalgeschichte von Petra Elsner
 Mit Illustrationen von Petra Elsner, Seiten:150
ISBN: 978-3-946815-19-8. 20,00 Euro, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk/Schwedt

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Milchmond erscheint im Juni

Meine preisgekrönte (Krimi Albert Award 2019) Kriminalgeschichte “Milchmond” hat jetzt ein fertiges Cover und kann ab sofort hier vorbestellt werden:


Inhalt
Sie dachte, die Dorfgemeinschaft bietet Schutz und Legenden gehören der Vergangenheit an. Sie lag falsch. 

Nach einem Schwesternstreit kommt Laura Acker nicht in das Schorfheidedorf Sandberg zurück. Julie Acker wartet am nächsten Tag vergeblich auf ihre Ablösung bei der Betreuung der dementen Mutter. Laura scheint abgetaucht. Doch in besagter Streitnacht geschah noch etwas anderes: Rosa Nagels Wald wurde geklaut, ein ganzer Hektar – einfach so. Die Polizei sieht kaum Chancen für eine Aufklärung des Diebstahls, deshalb statten die Waldbesitzer sich mit Wildkameras aus. Doch statt einem Langfinger läuft ihnen ein großer, weißer Wolf vor die Linse. Die fast vergessene Legende vom Milchmond bekommt wieder Zunder. 
Wochen später, nach dem ersten großen Wintersturm, finden die Feuerwehrmänner bei ihren Aufräumarbeiten Lauras leblosen Körper unterm Schneelaub. Das Dorf hält den Atem an. Haben Holzklau und der Mord etwas miteinander zu tun? Ist der Mörder unter Ihnen? Oder ist die Legende vom weißen Wolf zu neuem Leben erwacht?
Die ersten Ermittlungen des Landeskriminalamtes führen ins Leere, bis Anfang Februar seltsame Nachtplätze in der Schorfheide gesichtet wurden. Das Ermittlerteam stöbert den Aussteiger Leo Altmaier auf, der schon jahrelang ohne Papiere und Geld unbemerkt im Wald haust. Hat er die blutrünstige Tat aus nächster Nähe durch seine schmierigen Brillengläser nur beobachtet?

Petra Elsner
Milchmond. Eine Kriminalgeschichte
Auflage: Neuerscheinung, Juni 2019
Einband: Hardcover mit Lesezeichenbändchen
Abbildungen/Fotos: Mit Illustrationen von Petra Elsner
Format: 14,8 x 21,0 cm
Seiten: ca. 150
ISBN: 978-3-946815-19-8
Geb. Ladenpreis: 20,00 Eur
Verlag: Verlagsbuchhandlung Ehm Welk

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Mein Februar-Schaufenster …

… erzählt nicht von neuen Veröffentlichungen oder baldigen Veranstaltungen. Es inszeniert lediglich, was sich gerade hinter dem Atelierfenster tut: Schreiben am Stück für den Schorfheidekrimi „Milchmond“.  Seit 2. Januar 2019 wuchs das Teil um immerhin 32 Manuskriptseiten. Die drei illustrierenden Zeichnungen aus meiner Hand sind hier im Fenster nur Drucke auf Transparentpapier, die Originale würde im aufsteigenden Licht sehr bald verblassen. Diese wenigeren Illustrationen stammen aus der ersten Winterschreibzeit 2018. Sie werden gewiss nicht für den Krimi gebraucht (außer vielleicht für den Titel), aber ich benötige irgendwie ein Bild für das textliche Arbeiten, Träumen, Erfinden. Deshalb gibt es sie: Den Sternenhimmel, den weißen Wolf und die Schatten auf der Moosbank …. Im Februar dürfen sie einfach Mal hinausschauen in die kühle Winterwelt.

Am 27. Februar 2019 lese ich übrigens zum ersten Mal eine Stunde (und nicht nur eine Kostprobe wie zum OFFENEN ATELIER) aus dem “Milchmond” in Kurtschlags “Mittelpunkt der Erde”, 19 Uhr, für alle Interessenten offen, der Eintritt ist frei.

Abends.

Mit Februar-Schnee

 

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Morgenstunde (125. Blog-Notat)

Ich lese – laut, um meinen Stimm-Muskel für die Weihnachtszeit zu trainieren und, um an mein Krimischreibwerk aus dem letzten Winter wieder anzuknüpfen. Erstaunlicherweise sind es nur wenige Tippfehler und stilistische Änderungen, die dabei augenfällig werden. Nach Weihnachten geht die Arbeit am „Milchmond-Manuskript“ weiter, nur muss ich schon jetzt einen Auszug daraus für einen regionalen Wettbewerb zusammenstellen. Da liest frau besser noch einmal den ganzen bisherigen Text. Ob ich im Winter wieder öffentlich daran schreibe, weiß ich heute noch nicht. Vielleicht, doch eher wohl nicht, denn wer liest einen Krimi schon zweimal???? Ich glaube keiner, denn der Mörder ist vom Leser ja schon entdeckt, da ist die Spannung verraucht. Insofern werde ich möglicherweise nur ein paar neue Passagen einpflegen, wenn mir die Bloggerstille dann doch zu laut wird…? in der Winterzeit. Vielleicht aber stelle ich einfach nur Arbeitsfotos ein, wie dieses dort oben aus der gestrigen Nacht… Aber möglicherweise hat ja mein Schreibsel auch gesellschaftlich relevante Einsichten und Ebenen zu bieten, dann durchwandert man/frau es vielleicht doch zweimal? Wer weiß.

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Milchmond (28)

Öffentliche Winterschreibarbeit zu “Milchmond”, der Kriminalgeschichte von Petra Elsner.

… Eines Morgens waren sie aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Manche Nacht hörte er nun einen Schrei aus der Erde, aber es war kein Ton, der noch zu ihm gehörte. Frau und Tochter blieben seit jenem Unfallmorgen verschwunden in einer anderen Zeit, und er begann sein Eremitendasein ohne den Wunsch nach menschlicher Nähe. Bis zu ihrem Blick, der so traurig war, dass er ihn kaum aushielt. Seither dachte er an Julie und wartete auf ihren Anruf. Wenige Tage vor Weihnachten war es soweit. Eine schlichte Verabredung für den nächsten Tag, aber sein Herz klopfte dabei, als hätte er einen 100-Meter-Sprint hinter sich.
Sie fuhren die 70 Kilometer von Sandberg nach Pankow mit drei Autos. Dörte, Otto und Julie. Kai Fischer hatte den nötigen Parkplatz für ein paar Stunden mit einem rotweißen Band abgesperrt und wartete vor dem fein sanierten Gründerzeithaus. Als Otto Lauras Wohnung betrat, bekam er weiche Knie. Er sah sofort, dass seine Ex-Geliebte hier nur ein Zwischendasein führte, und er fühlte sich dafür irgendwie verantwortlich. Jetzt zerlegte er Regale und die Frauen packten den übersichtlichen Hausrat in Taschen und Kisten. Die ganze Aktion dauerte keine drei Stunden. Als fast alles verstaut war, stellte Julie eine Platte mit belegten Brötchen und Becher mit Kaffee auf den Fußboden und bat: „Kommt, kleine Stärkung!“ Die Helfer hockten sich wie um ein Lagerfeuer auf die blanken Dielen und langten zu.
„Was machst Du jetzt mit dem ganzen Zeug?“, fragte Dörte. Julie hing mit den Lippen pustend am heißen Kaffee und sprach ganz ruhig: „Ich bin noch nicht ganz sicher, ob dass der richtige Weg ist, aber ich muss das Leben neu zu sortieren. Hab mir überlegt, zwei Ferienzimmer auf dem Hof einzurichten, dafür kann ich die Sachen hier gut gebrauchen. Und wenn die Saison angelaufen ist, hole ich die Mutter zurück nach Hause. Wir hatten eine Verabredung, die Laura und ich, unsere Mutter kommt nicht ins Heim. Im Moment ging es für mich nicht anders, aber ich werde mein Versprechen halten.“
Kai Fischer fixierte Julie mit großen Augen und dachte: Stark, so eine tapfere Frau.
Dörte sah seinen Blick, freute sich still für ihre Nachbarin und sprach dann in das Rund. „Ferienzimmer – das ist eine gute Idee! Was meinst Du, wie oft ich nach meinen Schorfheide-Führungen gefragt werde, wo man hier ein Wochenende oder ein paar Tage unterkommen kann. Auch die Jäger suchen immer ein einfaches Quartier. Da kann ich Dir bestimmt ein paar Weichen stellen.“
Otto Ehrenburg fand die Idee auch gut und nützlich: „Wisst ihr, der Alfons aus Friedrichswalde und ich planen ab Mai Fototouren ins Wolfserwartungsgebiet. Ich bin sicher, dass diese Waldwanderer auch Übernachtungsmöglichkeiten suchen werden. Gut möglich, dass Du bald noch die Scheune ausbauen musst.“
Dörte neigte sich flüsternd zu Julie: „Spürst Du eigentlich, wie der Dich anschaut?“ …

 

© Petra Elsner
28. Februar 2018
Hinweis zum Urheberrecht: Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Milchmond (14)

Winterschreibarbeit zur Kriminalgeschichte “Milchmond” von Petra Elsner

Hier oder in Panama

… „Und worum ging es in Ihrem Streit?“, fragte der Beamte nach. „Das tut hier nichts zur Sache“, antwortete Julie Acker spröde. Sie wollte ihre Schwester als vermisst melden und nicht über Familienangelegenheiten sprechen. Der Beamte blickte sie ernst an: „Es hat meistens einen familiären Grund, wenn Menschen verschwinden.“ Die junge Frau verlor langsam der Rest ihrer Fassung: „Soweit kommt es noch, dass Sie mich hier wie eine Verdächtige behandeln“, schimpfte sie. „Es ging nur, wie so oft, um Geld.“
Ihm entfuhr ein süffisantes „Aha“, und sie blickte ihn dafür an, als wollte sie ihm gleich eins auf die Nase geben. Der Mann verstand und beendete die Aufnahme der Anzeige: „Na, dann wollen wir mal hoffen, dass Ihre Schwester bald wieder unbeschadet auftaucht. Wenn, dann geben Sie uns bitte Bescheid oder umgekehrt melden wir uns bei Ihnen. Aber ich sage Ihnen das gleich: Es verschwinden jedes Jahr Hunderte auf nimmer Wiedersehen. Oft steckt kein Kapitalverbrechen dahinter. Meistens sind die Leute einfach abgetaucht und verstecken sich in einem neuen Leben, hier oder in Panama. Alles ist unbestimmt im Augenblick, versuchen Sie Ruhe zu bewahren.“ Der Beamte stand auf und gab damit zu verstehen, dass die Sache für den  Moment zu Ende ist. Julie Acker trat ins Freie und wusste nicht – was nun?
Kai Fischer hatte in seinem Transporter auf sie gewartet. Er hupte kurz, stieg aus und sie lief langsam auf ihn zu. Sie zitterte und er fragte „Ist Ihnen kalt?“ „Nein, ich habe Angst. Eine Scheißangst!“ Sie stand da verloren und schrumpfte in einen bedauernswerten Zustand. Verhärmt, erschöpft, die Augen randvoll Tränen.
„Kommen Sie, wir fahren zurück, trinken beim Bäcker einen Kaffee, dann geht es Ihnen bestimmt besser“, hoffte der Mittvierziger etwas unbeholfen….

 

 

© Petra Elsner
Februar 2018

Hinweis zum Urheberrecht:

Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Milchmond (11)

Öffentliche Winterschreibarbeit zur Kriminalgeschichte “Milchmond” von Petra Elsner

… Zeitschatten

Der Hochnebel wollte nicht weichen und die Menschen begannen unter dem Dunst, schläfrig zu werden. Nachts kreisten Wildgänse über Wald und Dorf, sie tröteten lange in das endlose Grau als wüssten sie nicht wohin. Vielleicht aber riefen sie nur  ihre Nachzügler herbei. Julie kauerte in ihrer Müdigkeit. Sie war gerade von ihrer Spätschicht zurück. Abgespannt und zugleich aufgewühlt. Ihr nachtblasses Gesicht starrte reglos in ihr Spiegelbild im Küchenfenster. All ihre freien Tage waren aufgebraucht, deshalb hatte sie am Morgen die Mutter in ein Templiner Pflegeheim gebracht.  Vorläufig, bis sie mit Laura wieder im Reinen war. Es ging einfach nicht anders, dachte sie jetzt noch, aber ihr Gefühl wuchs hinüber in ein schrecklich schlechtes Gewissen. Helene Acker hatte die Tochter mit einem Blick verabschiedet, der sie aus tiefster Verachtung stumm anschrie. Laura hätte dem nie zugestimmt. Die Schwester war Altenpflegerin und kannte sich in den einschlägigen Heimen aus. Es war verabredet, die Mutter zu Hause zu pflegen. Aber Laura blieb mit ihrem Dickschädel auf Tauchstation und Julie wollte ihr nicht hinterherlaufen. Inzwischen waren seit ihrem Streit 14 Tage vergangen.  Das war länger als üblich.

Der späte Abend döste der Nacht entgegen. Plötzlich saßen sie da wieder, die Schatten auf der Moosbank. Julie konnte nicht anders, sie musste die Zwei durch das abgekippte Fenster belauschen. Sie erzählten sich wieder, wie es früher war, und was das heute bedeutet. Jetzt knarrte die eine Stimme: „Das die Jungen keine Bücher mehr lesen ist wirklich traurig.“ Und der andere Schatten ächzte: „Ist das ein Wunder nach dem großen Bücherfrevel 1990? All ihre vertrauten Helden landeten auf der Halde. Ganz gleich, ob staatsnahe Schwarten oder große Weltliteratur. Einfach alles flog auf die Kippen. Die Enkel haben den großen Bücheraustausch gesehen, damals als die D-Mark und die Einheit kam. Wer diese Bilder mit sich trägt, hat wohl  Mühe, jemals wieder dem gedruckten Wort zu glauben“ „Und jetzt sind sie weg, die Kinder. Na ja, fast alle, irgendwo versprengt in der Welt.“ Der kleine, dicke Schatten wackelte traurig mit dem Kopf und der andere nahm ihn vorsichtig in den Arm. Sie schwiegen und es schien, das Moos der Bank wuchs hinauf über ihre Gestalten. Julie schloss das Fenster. Sie tippte zum xten Male Lauras Nummer, aber die verweigerte sich abermals. Man kann’s auch übertreiben mit der Schmollerei, dachte Julie bei sich. Während sie ihr Nachthemd überstreifte, sah sie sich um, ja, wirklich, sie hatte keine Bücher im Haus, ausgenommen ihre Fachliteratur. Sie öffnete ihr Nachtschränkchen, ganz unten lag ihr Lieblingskinderbuch „Kuno, der fliegende Elefant“. Das allein hatte sie aus ihrem Geburtsland, das sie kaum noch erinnerte, bei sich behalten. Die Schatten hatten Recht, sie glaubte seit langem keinen Bücherworten mehr…

© Petra Elsner
Februar 2018

 

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Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

 

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Michmond (1. Fortsetzung)

Foto: Petra Elsner

… Es nieselte, trotzdem leuchtete der Buchenwald wunderschön mit seinem Herbstlaub. Noch hatte kein Nachtfrost das Gelb-Orange und Englisch Rot gelöscht. Dörte Sandig liebte diese Stimmung, die das Herz ruhiger schlagen ließ und die Gedanken zur inneren Einkehr riefen. Sie schritt kräftig auf dem Waldboden aus und dachte bei sich: Früher war es der Januar, der die stille Zeit des Jahres markierte. Inzwischen ist es der November. Seit Tagen hatte keiner mehr in der Station der Naturwacht angerufen, um eine Safari durch die Schorfheide oder einen Vortrag zu buchen, da gönnte sich die Rangerin spontan etwas private Auszeit.
Während sie lief, tupfte der Niesel die Haut der Vierzigjährigen wach und die harten Sorgenfalten glatt. Hier, in diesem Augenblick, stockte die öffentliche Zeit. Keine Hatz, keine unheilvollen Nachrichtenbilder, die Endzeitstimmung der Welt verkroch sich unter dem nassen Laub und schwieg. Endlich fühlte sich nicht mehr von der Zeit geschoben und geschupst. Das Jetzt entfaltete langsam von Atemzug zu Atemzug seine berührende Schönheit. Dörtes Seele lächelte leise bis sie den Hochwald erreichte….

 

© Petra Elsner
November 2017

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Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Milchmond (Der Start)

So, dann beginne ich mal mit der Schreibarbeit zu meiner regionalen Kriminalgeschichte “Milchmond”. Ohne Eile, jeden Tag eine Handvoll Zeilen. Es ist eine Art öffentliches Arbeiten, Ihr könnt also miterleben, wie diese Kriminalgeschichte wächst – den ganzen Winter lang …

Der Milchmond sah unscharf auf einen Mord in der Heide. Atemschwere Stille schwamm durch diesen tödlichen Moment. Äste knackten unter der Flucht einer dunklen Gestalt. Das diffuse Mondlicht würde kaum ein guter Zeuge sein, aber zwei Augen blickten starr vor Schreck durch dicke Brillengläser und späten apathisch der Bedrohung nach. Es begann zu regnen und der stumpfe Blick des Beobachters zerrann im Dunkel.

Stiller November

Es klingelte energisch. Mehrfach. Dörte Sandig schlief noch, aber irgendjemand hatte etwas dagegen. Sie rollte sich von ihrem Boxspringbett und lief im Schlafanzug zur Hoftür. Es war herbstlich frisch und sie ärgerte sich ohne Jacke losgelaufen zu sein: „Wer da? Und was ist?“ Durch den geöffneten Spalt schob sich erst Rosas energischer Krückstock und dann sie selbst. Die 80jährige Nachbarin kümmerte es nicht, dass sie unpassend kam, sie hatte ein dringliches Anliegen. Schwer gebeugt  stocherte sie mit dem Krückstock nach einem Küchenstuhl, ließ sich vorsichtig nieder und sprach dann mit rostiger Stimme: „Hast du heute Nacht den Krach im Wald gehört? Irgendwas rumorte eine Stunde nach Mitternacht. Ich weiß nicht, ob es wieder diese verrückten Schatzsucher waren oder freche Holzdiebe. Du weißt ja, ich bin schlecht zu Fuß, kannst du nicht mal nachsehen, ob mein Wald noch steht?“
Dörte verspürte keine Lust, aber die Söhne der alten Nachbarin waren seit Wochen auf Montage, also ließ sie sich erweichen: „Ja, Rosa, ich dreh‘ nachher eine Runde und schaue nach dem Rechten.“
Die Alte nickte stumm,  holte tief Luft und sprach forsch weiter: „Und noch was. Du musst meine Katze nehmen! Die ist süß, aber unsere zwei Hunde jagen sie. Der Manne Winter hat mir die Handvoll Fell mir angedreht und jetzt habe ich ein Problem. Ich kann die Kleine wegen der Hunde nicht raus lassen und im Haus stinkt es jetzt nach ihr. Du hast doch keine Katze, also nimm sie!“ Ein „Bitte!“ bröselte noch nach, aber der Imperativ davor übertönte es. Dörte war kalt und sie fühlte sich schutzlos nur so in der Nachtwäsche. Sie wollte weder Hund noch Katze. Nie. Rosas Frage empfand sie als dreistes Verlangen, schließlich wehrte sie ab: „Kommt gar nicht in die Tüte! Noch dazu ein schwaches Herbstkätzchen! Frag‘ mal Nathalie, die füttert eh‘ alle Katzen, die bei ihr vorbeikommen, vielleicht nimmt sie sie.“ Man sah, dass sich Dörte mit der klaren Absage schwer tat. Deshalb wartete Rosa noch einen Moment und nörgelte bestimmend: „Ich will aber, dass du sie nimmst!“ Die Frau nahm sich aus dem scharfen Blick der Alten und setzte wortlos ihren Morgenkaffee an. Nach einer gefühlten Ewigkeit quälte sich die Nachbarin vom Küchenstuhl und verzog sich mürrisch in die graue Morgenstunde. Hier war das letzte Wort noch nicht gesprochen…

© Petra Elsner
November 2017

Hinweis zum Urheberrecht:
Der Text darf ohne Angabe des Urhebers nicht weiterverwendet oder kopiert werden. Auch das Zitieren von Textstellen bei Veranstaltungen bedarf meiner Genehmigung.

Alle in dieser Kriminalgeschichte vorkommenden Namen, Personen, Organisationen, Orte sind erfunden oder werden rein fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen, Orten oder Personen, lebend oder tot, sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

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Morgenstunde (29)

Blätter im Frost.

Dunkeltage, sie ziehen mich in eine seltsame Stimmung. Eine Mischung aus Melancholie und Aktionismus. Vielleicht sollte ich wirklich endlich den nächsten Krimi schreiben, das Wetterszenario der letzten Tage weht Inspirationen mit sich:

Der Milchmond sah unscharf auf einen Mord in der Heide. Atemschwere Stille schwamm durch den tödlichen Moment. Dann knackten Äste unter der Flucht einer dunklen Gestalt. Das diffuse Mondlicht würde kaum ein guter Zeuge sein, aber zwei Augen blickten starr vor Schreck durch dicke Brillengläser. Es begann zu regnen und der Blick des Beobachters zerrann im Dunkel.
Es klingelte energisch. Mehrfach. Dörte Sandig schlief noch, aber irgendjemand hatte etwas dagegen. Sie rollte sich von ihrem Boxspringbett und lief im Schlafanzug zur Hoftür. Durch den geöffneten Spalt schob sich erst Rosalies Krückstock und dann sie selbst. Die 80jährige Nachbarin kümmerte es nicht, dass sie unpassend kam, sie hatte ein dringliches Anliegen …

Wer weiß wohin mich das führt, was meint Ihr, weiterschreiben?

 

 

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