Morgenstunde (541. Blog-Notat)

Der Mittwochsbesuch im Atelier bot einen intensiven Austausch, vor allem um das leidige Thema der Vermarktung meiner Bücher. Man käme schwer an die Titel heran und auch der online-Einkauf wäre bei meinem Hausverlag zu kompliziert. Ja, ich kann es nicht ändern. Mir wird dann immer vorgeschlagen, einen anderen Verlag zu suchen (hey, ich bin 68 Jahre alt!) oder es heißt plötzlich: Wir nehmen mal ein paar Bücher unserem Buchhändler des Vertrauens mit – hm, spätesten daran merke ich, sie haben gar nichts verstanden. Was sollte mir das bringen, wenn ich die Bücher ja selbst erst einmal vom Verlag zum Autorenrabattpreis kaufen muss. Diese kleine Spanne ist mein Beteiligungshonorar. Die Rabatte für Buchhändler sind allerdings viel höher, ich müsste quasi bei dieser Idee draufzahlen. Aber ich bin kein Buchhändler, sondern eine Autorin, die aus ihrem Atelier heraus nur ihre eigenen Werke Ateliergästen anbietet. Rabatte und Buchpreisbindung sind den meisten Menschen fremd und ich denke dann immer im Stillen: Meine Güte, ich bin 27 Jahre schriftstellerisch tätig und habe die Dinge wohl durchdacht und meine Möglichkeiten auf diesem schwierigen Markt auch.  Etliche Ateliergäste denken, es mangele mir nur an dem richtigen Geschäftssinn. Herrje… Morgen kommen Besucher aus Birkenwerder, ich hoffe, sie interessieren sich nur für die sichtbaren Bilder und die Bücher und nicht für deren Vermarktung… die drei Zeichnungen für die Weihnachtsgeschichte 2021 habe ich heute abgeschlossen. Schönes Wochenende allerseits!

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Morgenstunde (535. Blog-Notat)

Circa 20 Berliner Besucher kamen heute für eine Nachmittagsstunde ins Quartier. Alles Geimpfte. Dennoch bat ich die Gruppe, sich zu teilen, damit sich nicht zu viele in den Räumlichkeiten aufhalten. Während die einen schauten und blätterten, sahen sich die anderen derweil im Garten um. Die Stippvisite war schön gewesen und eine Handvoll meiner Bücher zog mit den Gästen davon. Bin zufrieden. Die kommende Woche wird wieder leiser und ich komme dazu, weiter zu schreiben.

Hier mal wieder eine Leseprobe aus meinem aktuellen Romanprojekt:

… Das Land stieg jetzt langsam zum Oberlausitzer Bergland an. Unweit entdeckte sie auf einem dieser langgezogenen Bergrücken den Puppenspielerwagen. Es gab wohl kein treffliches Abbild für die totale Einsamkeit. Sie bog auf den nächsten den Sommerweg ab und lenkte das Auto, wie bei einer Crossfahrt, um tiefe Löcher in der Lehmpiste. Auf der Kuppe angelangt, lief Emilia schnurstracks auf den Wohnwagen zu. „Tach! Ich wollte nur fragen, ob du diesen Mann kanntest?“ Sie hielt ihm demonstrativ das kleine Gauklerfoto vor die Nase und wartete.
Hans, der Täuscher setzte sich eine alte Nickelbrille auf die schmale Hakennase, fingerte nach dem Foto und starrte es an. „Hm, Fredi, der Spezi von meinen Urgroßvater. Doch, ich kannte ihn.“
„Ach, wirklich?“
„Ja, wer nicht? Ein Unikum wird man nicht im Stillen.“ Er nahm die Brille wieder ab, steckte sie ganz bedächtig zurück in die abgegriffene Schutzhülle: „Und Sie, wonach suchen Sie mit diesem alten Foto?“
„Wenn ich das so genau wüsste.“
„Aha. Ein guter Grund um zu Reisen.“ Er sah nach diesem Satz so aus, als thronte plötzlich ein schwerfälliger Gedanke über seinem Dutt-Haupt, der ihn fortnahm, weit weg von der fragenden Frau ihm gegenüber. Er horchte in sich hinein und verstummte.
Emilia ging grußlos. Ja, sie war auf Reisen und nun ein Mensch mit Zeit. Sie hatte diese Zäsur selbst gesetzt, war ihr nicht ausgeliefert, wie andere Leute, deren Lebensbrüche durch Krieg und Vertreibung, durch die Wende oder durch Naturkatastrophen herrührten. Sie war aufgebrochen, um die Spur des Gauklers aufzunehmen. …

 

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