Meander, Kapitel 4

Die Zeit schien gefroren.
Die Zeit schien gefroren.

Kaum hatte Meander Memolos das gedacht, spürte er abermals jene magische Kraft, die ihn tief in sein Inneres zog. Spiralförmig. Irgendwie stand er währenddessen neben sich und sah, wie er an einer flachen, in sich beweglichen Scheibe hilflos hangelnd abwärts rauschte. Das Teil war schillernd Blau, fühlbar instabil, aber auch mit einer gewissen Schwerkraft umgeben. Schwindelerregend sauste der Vogel mit ihm auf einen hellen Punkt zu. Dann bremste es scharf, und trudelte um den Rand eines Gebildes, das an einen Vulkanschlund erinnerte, aus. Atemschwere Stille hing darüber. Die Zeit schien gefroren. Nichts, aber auch gar nichts bewegte sich mehr, außer Meanders baumelnde Gestalt. Er hievte sich jetzt auf das blaue Rund und dachte – einfach dankbar für das Ende des freien Falls:  „Eigentlich ein guter Ort zum Sinnieren: Kann die Zeit stehen bleiben? Offensichtlich, zumindest vor einem Schwarzen Loch oder in meinem Kopfe.“

Aber der Zustand fühlte sich merkwürdig an. Diese absolute Ruhe verströmte merkwürdigerweise Stress – einen, der schlimmer war als jeder Zeitdruck, den Meander je erlebte. Ganz erschöpft davon, wollte er sich gerade ein kleines Schläfchen gönnen, da dröhnte von weit her eine tosende Woge heran.

In der Lärmverschmutzung.
In der Lärmverschmutzung.

Unwillkürlich zog der Eulenvogel seinen Kopf ein, und er tat gut daran, denn flutartig schoss ein monströser Konvoi aus Wanduhren, Weckern, Gongs, Piepsern, Turmglocken, Stoppuhren, Chronometern, Ratschen, Schellen, Handys, Faxmaschinen und Laptops über ihn hinweg. Ohrenbetäubend mit tausenderlei Klingeltönen und Geläut. Die geduckte Gestalt schaute erst wieder auf, als der Spuk vorüber war und nur noch als Echo einer wüsten Lärmverschmutzung nachklang.

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