Reportagen aus der (kleinen) Schorfheide: Dörfliche Sonnenseiten

Werner Kothe Foto: Lutz Reinhardt
Werner Kothe
Foto: Lutz Reinhardt

Er ist so jemand, der sein Dorf gerne ins Gerede bringt, der Glaskünstler Werner Kothe aus Annenwalde. Der aus Berlin zugezogene Bildhauer übernahm 2002 die Glashütte, die im Jahre 2000 mit EU-Mitteln erbaut wurde, und erweckte sie zum Kunsttempel
und Museum. Dann erwarb er den verwilderten Park gleich nebenan, um ihm zu neuer Schönheit zu verhelfen. Und da war noch die Sache mit dem nördlichsten Weinberg, deren erste Ernte der Waschbär holte. 2009 ist es ein Weltrekord, mit dem der Künstler von sich Reden macht: „Das Dorf mit den meisten Sonnenuhren“, aus Glas versteht sich. Und natürlich gelingt es dem Marketingfuchs mit solchen Ideen die Medien nach Annenwalde zu locken und nicht nur sie.

Glashütte Annenwalde Foto: Lutz Reinhardt
Glashütte Annenwalde
Foto: Lutz Reinhardt

Die Toskana des Nordens, nennt man die Uckermark, so wundert es nicht wirklich, dass der Annenwalder auf das Spiel mit dem Licht, der Sonne und dem Solarglas kam. Energiegeladen erzählt er von seiner Motivation: „Wer durch Annenwalde geht, läuft über Brandenburger und Preußische Geschichte in der Uckermark. Aber um Gäste herzulocken, mussten wir die Glasshütte wiederbeleben. 1865 war Schluss mit der Hütte, weil sich die technologischen Bedingungen für die Herstellung von Glas gravierend verändert hatten. Es war der Beginn des industriellen Zeitalters in Deutschland. Durch die Erfindung des Gases und der Eisenbahn konnte eine moderne Glasindustrie heranwachsen. In Annenwalde ernährte man sich fortan der Landwirtschaft, vom Wald, und der Schifffahrt. 80 Prozent der alten Dorfstruktur sind noch erhalten, das ist historisch spannend. Auf meinem Weg zur Glashütte habe ich mich mit Glas befasst. Ich hab es zerschlagen und es im Keramikofen verschmelzen lassen. Zufällig entdeckte ich dabei die Fusing-Technick.“ Die wurde Kothes künstlerische Zukunft. Ende der 90er Jahre kamen erste Aufträge für Kirchenfenster und Taufschalen. Diese spezielle Heißglasproduktion ist seither das neue Markenzeichen der Hütte in Annenwalde.

Werner Kothes GENESIS, Foto: Lutz Reinhardt
Werner Kothes GENESIS,
Foto: Lutz Reinhardt

Nachdem Kothes im Dorf Wurzeln geschlagen hatten, sind etliche Künstler in das Wohlfühldorf gezogen. Eine Weberin, ein Maler und Grafiker, ein Holzbildhauer, eine Malerin mit Galerie, eine Keramikerin, auch die schreibende Zunft ist am Orte vertreten. Das aktive Dorf zieht eben mit Singkreis, Sommer- und Winterfesten und der Glashütte an. Von allein geschieht so etwas natürlich nicht. Man dockt gewissermaßen an, wird inspiriert von den Kunstfesten, Symposien, Workshops und den sympathischen Ideen, die immer wieder durch die Medien wabern.

Werner Kothe steht für Bleibendes, „für Dinge, die auch noch nach Jahrzehnten von Wert sind“, und will andere mit dem Sinn für Nachhaltigkeit durchaus anstecken. „Und übrigens sind Sonnenuhren ein treffliches Sinnbild für unseren Landkreis, in dem die meiste alternative Energie in Brandenburg produziert wird“ erinnert der Künstler und könnte stundenlang weiter schwärmen von dem großartigen Flecken Welt, der sich Uckermark nennt.

© Petra Elsner

Foto: Lutz Reinhardt
Foto: Lutz Reinhardt

 Glashütte Annenwalde, Annenwalde 28, 17268 Templin, OT Densow, Tel. 03987 200250, www.glashuette-annenwalde.de

Öffnungszeiten : Die – So von 11.00 – 17.00 Uhr

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