Morgenstunde (237. Blog-Notat)

Ich bin beim Postmachen. Der verbummelte Termin spukt mir immer noch im Kopf herum, kanns nicht einfach loslassen. Da hab ich heute jenem Ortsvorsteher als Trostpflaster mein Weihnachtsbuch eingepackt, vielleicht liest ja jemand daraus etwas ersatzweise. Mehr will mir gerade nicht einfallen. Es ist halt eine Geste.
Neben mir wächst diese Woche das kleinteilige Goldrauschen auf der Arbeitsp

latte. Die Kraniche rechts sind älter und die Minileinwand links oben ist noch nicht fertig. Die Goldenen Zwanziger werfen leuchtende Schatten voraus, wohin werden uns die aus diesem Jahrhundert hinführen. Die Parallelen sind überdeutlich. Heut ist der 9. November, was für ein beladenes Datum, meine Emotionen schwanken. Irgendjemand der Bürgerrechtler sagte in jenen Tagen nach dem Mauerfall sinngemäß: Jetzt kannste dir nur noch einen großen Konjak einschenken und die Idee vom reformierten Land damit hinunterspülen. Das war so, der Traum war ausgeträumt und die Hatz im Überlebenskampf der 90er Jahre machte ihn schnell vergessen. Und vielleicht hätte man uns alle gut mitnehmen können in die vereinte Zeit, wenn diese Demütigungen da nicht gewesen wären. Sie waren noch vielzähliger als die derzeitige Rechenstunde über die Treuhandaktivitäten hergibt. Denn, was sich nicht im Rechen-Kalkül befand: Verkäufe der Treuhand wurden generell als Erfolg gewertet, wie viele dieser Deals im Nachtrag Insolvenz anmeldeten oder einfach die Wertgegenstände aus dem Ost-Standort in die Altländer verbrachten – berechnete keiner.

P.E. im Herbst 1989

Unser Verlag schuf bis 1992 die sogenannte Bell Etage mit vier marktfähigen Magazinen. Wir arbeiteten mit modernsten Macintosh-Layout-Computern. Zwei Wochen nach dem Treuhandverkauf der Bell Etage, der zweijährige Arbeitsverträge für uns enthielt, wurden die Computer gezählt, verladen und wir wurden entlassen. Aus die Maus. Ja, wir haben geklagt, einzeln für ein bisschen Geld, aber die Jobs waren auf und davon und die neuen Konzepte auch. Ich hänge dem schon lange nicht mehr nach, aber…

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2 Antworten zu Morgenstunde (237. Blog-Notat)

  1. Ich kann das ABER gut verstehen liebe Petra …

  2. Petra Elsner sagt:

    Das weiß ich inzwischen, lieber Arno. Hab einen schönen Abend.

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